vom suchen und finden

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zoulou : 15.01 UTC – Das Suchen nach Gegen­ständen in Gärten, oder das Suchen nach Menschen in Wäldern oder Park­land­schaften, wo sie sich frei­willig versteckten, Vergnügen, Freude, Glück, wie das Suchen nach Büchern oder Zitaten in Anti­qua­riaten, die zum Zeit­punkt der Suche noch nicht digi­ta­li­siert worden waren. Einmal hörte ich eine Freundin an ihrem 85. Geburtstag wie sie sich nach ihrer Brille erkun­digte. Ich wusste genau, wo sich die Brille in dem Moment ihrer Frage aufge­halten hatte, aber meine alte Freundin schimpfte, während sie nach ihrer Brille suchte, so freund­lich vor sich hin, und erzählte Geschichten, die sie entdeckte, obwohl sie doch nach ihrer Brille suchte, dass ich mir ein wenig Zeit liess, um ihr zu sagen, wo sie ihre Brille sofort finden könnte. Ich erin­nere mich, wie ich als Kind einen Wald durch­suchte, in dem ein weiterer, etwas klei­nerer Wald enthalten war, ein Efeud­schungel nämlich, es war ein feucht­warmer Tag und die Luft duftete nach Löwen­mäul­chen. Anstatt der erwar­teten Schne­cken­ge­häuse, fand ich eine Herde gold­brauner Frösche vor, die sich vermut­lich über mein Erscheinen wunderten. Vor drei Tagen bemühte ich mich längere Zeit um die Erfin­dung einer Tele­fon­nummer, die in der Stadt Chicago vorkommen könnte, aber garan­tiert nicht exis­tiert. Und noch heute, vor drei Stunden, suchte ich nach einer größeren oder klei­neren Stadt, in der folgende Adresse exis­tiert: Im Schnee 10. Obwohl ich zahl­reiche, auch spezi­elle Such­ma­schinen verwen­dete, war ich nicht erfolg­reich gewesen. Ich sollte viel­leicht sagen, dass manchmal wunderbar ist, nicht zu finden was man sucht, es könnte dann reine Erfin­dung sein. – stop

ai : HAITI

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MENSCHEN IN GEFAHR : “Die Menschen­rechts­ver­tei­diger David Boni­face und Juders Ysemé fürchten nach dem plötz­li­chen Tod ihres Kollegen Nissage Martyr um ihr Leben. Nissage Martyr starb einen Tag, nachdem die drei in den USA gegen Jean Morose Viliena, den ehema­ligen Bürger­meister ihrer Heimat­stadt in Haiti, Klage wegen schwerer Menschen­rechts­ver­let­zungen einge­reicht hatten. Die Männer berichten seit 2007 von wieder­holten Mord­dro­hungen und Angriffen durch den ehema­ligen Bürger­meister. Sie müssen daher ange­mes­senen Schutz erhalten. / Am 22. März reichten David Boni­face, Juders Ysemé und Nissage Martyr Klage gegen Jean Morose Viliena, den ehema­ligen Bürger­meister ihrer Heimat­stadt Les Irois im Südwesten von Haiti, bei einem Bundes­ge­richt in Boston im Nord­osten der USA ein. Die Klage wurde in den USA einge­reicht, weil Jean Morose Viliena Anfang 2009 in die USA geflohen war, nachdem die haitia­ni­schen Behörden wegen des Mordes an David Boni­faces Bruder im Jahr 2007 und eines Angriffs auf den Gemein­de­ra­dio­sender im Jahr 2008 ein Straf­ver­fahren gegen ihn einge­leitet hatten. Bei diesem Angriff verlor Nissage Martyr ein Bein und Juders Ysemé ein Auge. Die drei Männer werfen Jean Morose Viliena vor, dass er für eine Reihe von Angriffen gegen seine Kriti­ker_innen verant­wort­lich ist, darunter “Brand­stif­tung”, “außer­ge­richt­liche Hinrich­tungen”, “versuchte außer­ge­richt­liche Hinrich­tung”, “Folter” und “Verbre­chen gegen die Mensch­lich­keit”. Die Verbre­chen wurden auf seine Anwei­sung hin von einer bewaff­neten Gruppe verübt, die mit seiner poli­ti­schen Partei in Verbin­dung steht. Am 24. März 2017, einen Tag nachdem die Klage gegen Jean Morose Viliena einge­reicht worden war, erkrankte Nissage Martyr plötz­lich schwer und starb auf dem Weg ins Kran­ken­haus von Les Irois. Seine Familie gibt an, dass er zuvor ganz gesund war. Mit Hilfe ihrer Rechts­bei­stände fordert die Familie eine sofor­tige unab­hän­gige Autopsie und umfas­sende Unter­su­chunge seines Todes. Die örtliche Staats­an­walt­schaft hat zwar die Autopsie geneh­migt, doch bis jetzt keine Unter­su­chung aufge­nommen. / David Boni­face und Juders Ysemé sind Menschen­rechts­ver­tei­diger und werden als Unter­stützer der Partei Orga­ni­sa­tion du Peuple en Lutte, einer Oppo­si­ti­ons­partei in Haiti, betrachtet. Seit 2007 berichten die beiden Männer und Nissage Martyr, dass Jean Morose Viliena und seine Verbün­deten ihnen Mord­dro­hungen schi­cken und sie tätlich angreifen und versucht haben, sie zu töten, weil sie ihre legi­time Arbeit als Menschen­rechts­ver­tei­diger ausführen. Im Zuge dessen haben sie das erste Gemein­de­radio initi­iert sowie die straf­recht­liche Verfol­gung von Jean Morose Viliena und seinen Verbün­deten ange­strebt, um der Gewalt in der Gemeinde ein Ende zu bereiten. 2015 gewährte die Inter­ame­ri­ka­ni­sche Menschen­rechts­kom­mis­sion den drei Männern und ihren Fami­lien Schutz­maß­nahmen, um ihre Sicher­heit zu gewähr­leisten. David Boni­face und Juders Ysemé berich­teten Amnesty Inter­na­tional, dass die haitia­ni­schen Behörden aufgrund der gras­sie­renden Straf­lo­sig­keit im Land jedoch nichts unter­nommen hätten, um diesen Maßnahmen Folge zu leisten. Die beiden Männer sind nach Nissage Martyrs Tod mit ihren Fami­lien aus Les Irois geflohen, da sie um ihre Sicher­heit fürchten. Sie gaben an, dass der einzige Weg zu Gerech­tig­keit ihre Aussage gegen Jean Morose Viliena sei, doch dass sie ohne ange­mes­senen Schutz fürchten, getötet zu werden, noch ehe sie ihre Aussage machen können.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst unver­züg­lich und nicht über den 24. Mai 2017 hinaus, unter »> ai : urgent action

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jangbongdo

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MELDUNG. Tief­see­e­le­fanten, 358 hupende Rüssel­rosen, nahe Jang­bongdo im Gelben Meer gesichtet. Man befindet sich in zirku­lie­render Bewe­gung. – stop
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ein mann des lichts

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bamako : 0.01 UTC – Im Alter schwindet seine Sehkraft. Es bleiben ihm noch Hörbü­cher. Dieser würde­volle, feine Mann. Wie er leise und langsam von meinem Fern­seh­bild­schirm aus spricht: Dadurch kompen­siere ich … damit ( mit den Hörbü­chern ) eigent­lich meine … Verzweif­lung. Der große Kame­ra­mann Michael Ball­haus ist gestorben. – stop

bildschirmlicht

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hima­laya : 7.30 UTC – Erster Twit­ter­film: Ein Mädchen, das in Aleppo lebt, sagt: Viel­leicht ist es das letzte Mal, dass Sie mich lebend sehen! Das Mädchen scheint in einem Keller zu sitzen. Sie ist zum Zeit­punkt dieser Aufnahme viel­leicht acht Jahre alt, vermut­lich ist Abend. Der Angriff der syri­schen Armee auf die Stadt wird für die kommende Nacht erwartet. – Ein zweiter Twit­ter­film: Auf einer Bahre in einem Kran­ken­haus liegt eine Frau, fahle Haut, sie sieht in die Kamera und sagt: Bitte helfen Sie uns! Im Hinter­grund sind Deto­na­tionen zu hören. – Ein dritter Twit­ter­film: Der junge Mann, der erzählt, dass die Kämpfe in der Stadt wieder zuge­nommen haben, sieht sich immer wieder um. Er müsse jetzt von der Straße, hier sei es zu gefähr­lich. Es wird sogleich dunkel auf dem Bild­schirm, indem der junge Mann die Linse seiner Kamera mit einer Hand bedeckt. – Ich denke in diesem Moment, dass das Licht der hand­li­chen Film­ma­schinen immer näher an mein Leben heran­kommt, jeder­zeit mögli­ches Licht, das auf Servern der Welt auf mich wartet. Ich spreche darüber mit einem Freund, dessen Aufgabe ist, Filme aus dem syri­schen Bürger­kriegs­ge­biet zu analy­sieren. Ja, soviel mögli­ches Licht ist in der Welt, sagt N., dass man sich die Seele an diesem Licht sehr schwer verbrennen kann. Er habe vor einem Jahr einen Ruhetag pro Woche defi­niert, da er seine Compu­ter­ma­schine nicht anschalte. Was machst Du an diesen Tagen, fragte ich. Ich lese, ich gehe mit meiner Lebens­ge­fährtin spazieren, ich liege im Sommer stun­den­lang neben ihr in einer Wiese und schaue den Wolken zu. Dann wird Nacht und ich sitze morgens wieder vor meinen Bild­schirmen und rufe Film­licht auf, das neu hinzu­ge­kommen ist. Da sind zwei Männer, sie halten den Splitter eines Geschosses vor die Kamera ihres Mobil­te­le­fons. Ich stoppe den Film, notiere Schrift­zei­chen in gelber Farbe, Rudi­mente, betrachte die Umge­bung der Männer, versuche heraus­zu­finden, wo sie sich viel­leicht befinden, ob sie sich wirk­lich dort befinden, wo sie zu sein behaupten, welche Tages­zeit. Ich habe Algo­rithmen entwi­ckelt der Film­be­fra­gung. Ich werde dadurch schneller. – stop

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modern

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charlie : 8.01 UTC – Die selt­same Sprache der modernen Welt im alltäg­li­chen Gebrauch. Einer sagt, nachdem er sich verliebte, er werde mutig in Gefühle inves­tieren. Ein anderer trifft sich mit Freunden und spricht am Telefon davon, sich gerade in einem Meeting zu befinden. Vor zwei Tagen wurde ich von einer Freundin gebrieft, sie habe sich von ihrem Mann getrennt. Ein Cluster von Kompli­ka­tionen verhin­derte die Zulas­sung seines Sohnes zur Prüfung am MIT, berichtet ein guter Bekannter. Er schreibe ein Memo, verspricht ein Nachbar, ich weiss nicht worüber. Unlängst war ich versucht, folgendes zu sagen: Ich arbeite in der erzäh­lenden Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung. Ich sagte dann: Ich schreibe Geschichten. – stop

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nuriye gülmen

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romeo : 0.01 UTC – Ich kenne Jasus, der eigent­lich ganz anders heisst, seit einigen Monaten flüchtig. Wir begegnen uns von Zeit zu Zeit am Bahnhof oder im Zug. Einmal kamen wir auf seine Heimat­stadt Istanbul zu spre­chen. Er sagte, dass er sich freuen würde, wenn ich Istanbul gerade jetzt in dieser schwie­rigen Zeit besu­chen würde. Jasus ist glühender Verehrer des türki­schen Präsi­denten, der habe sein Land moder­ni­siert, er könne endlich stolz sein auf die Türkei. Ich erwähnte, dass ich Oran Pamuk sehr gerne lesen würde, da wurde Jasus vorsichtig, der Pamuk wäre ihm nicht geheuer, der soll kritisch über die Türkei geschrieben haben, obwohl er doch selbst Türke sei. Nun saßen wir kürz­lich auf einer Bank im Flug­haf­en­ter­minal 1. Ich fragte Jasus, ob er bereit wäre, einen Film der Deut­schen Welle anzu­sehen, den ich auf meinem Note­book gespei­chert mit mir führte. Der Film berichtet von einer Dozentin der Lite­ra­tur­wis­sen­schaften, die seit vielen Monaten in Ankara öffent­lich darum kämpft, an ihren Arbeits­platz zurück­kehren zu dürfen. Sie wurde deshalb jeden Tag verhaftet und erst nach je 5 Stunden wieder frei­ge­lassen. Von Nuriye Gülmen hatte Jasus noch nie gehört, aber er wollte den Film betrachten. Ich stellte mein Note­book also zwischen uns ab, und Jasus verfolgte den Film wortlos von der ersten bis zur letzten Minute. Ich meinte zu bemerken, dass ihm der Film nahe zu gehen schien. Als der Film zu Ende war, wollte er wissen, warum ich ihm die Aufnahme gezeigt habe. Ich sagte: Ich finde, diese Frau hat Recht, sie kämpft um ihre Exis­tenz, sie kämpft für Gerech­tig­keit und Frei­heit, sie ist unge­heuer mutig. Ja, antwor­tete Jasus, sie ist mutig und sie ist verrückt. Er machte ein Pause. Er schien zu über­legen. Dann fragte er, was mich denn eigent­lich diese ganze Geschichte angehen würde? Diese Geschichte gehe nur ihn und seine Lands­leute etwas an. – Ein Funke Hoff­nung! – Seit vier Wochen befindet sich Nuriye Gülmen im Hunger­streik. – stop

morgenstaubgeschichte

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ulysses : 12.22 UTC – Was für ein schöner Sonntag. Das noch tief­ste­hende Licht der Sonne, die am frühen Morgen in den Central­bahnhof leuchtet, als würde sie immer dort in genau dieser Höhe von Osten her durch die Fenster scheinen. Eine Sonne nur für diesen Ort. Da ist feiner Rauchs­taub, der aus einem Laden heraus durch die Halle schwebt. Die Raucher rauchen, indessen sie neue Rauch­waren besorgen. Bitter schme­ckende Holz­pa­pier­luft. So muss das geduftet haben, genau so oder so ähnlich, ohne moderne Parfüme, wenn unter den Hafen­him­meln des 16. Jahr­hun­derts, nach langer Fahrt, die Bäuche der Handels­schiffe geöffnet wurden. Die Entzün­dung des getrock­neten, des weit­ge­reisten Mate­rials vor der Mund­öff­nung eines Euro­päers führte zu einem Vorgang, den man zunächst als die Sauferei des Nebels bezeich­nete, als Rauch- oder Tabak­trinken. Ja, was für ein schöner Sonntag. Ich gehe zu unge­wohnter Zeit mit Tagaugen durch meine Stadt, als würde ich durch Brooklyn spazieren. – stop

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eine frau

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delta : 12.22 UTC – Eine Frau sitzt neben einem Tisch auf einem harten Stuhl. Ihr rechter Arm liegt auf dem Tisch, eine Ärztin misst den Blut­druck. Es ist still in dem Zimmer in diesem Augen­blick. Nur das Moto­ren­ge­räusch des Mess­ge­rätes, das Luft in eine Manschette pumpt, die um den Arm der Frau gelegt wurde, brummt als hockte ein große träu­mende Fliege unter dem Tisch. Dann ist die Fliege plötz­lich still und die Ärztin notiert einige Zahlen und nickt mir zu, ohne etwas zu sagen. Als ich mich zu der Frau setze, weicht sie auf dem Stuhl kaum merk­lich zurück. Ich frage: Wollen Sie viel­leicht Tee? – Die Frau schüt­telt den Kopf und lächelt. Darf ich Ihnen ein oder zwei Fragen stellen? – Wieder lächelt die Frau. Sie ist scheu. Aber sie will nicht zeigen, dass sie scheu ist, so könnte das sein. Ein selt­samer Moment, alles im Zimmer scheint zu schweben, der Tisch, die Stühle, die Menschen. Ich weiss, dass die Frau, deren Blut­druck gemessen wurde, aus der Ferne gekommen ist, so fern ist das Land, von dem sie gekommen ist, dass ein Jahr vergehen würde, ehe man dieses Land zu Fuß erreichte. Es ist ein Wunder, dass sie meine Sprache versteht, immer wieder denke ich, wie gut, dass Menschen in der Lage sind, die Spra­chen anderer Menschen zu erlernen. Und wie sie jetzt lächelt, ich meine, noch nie zuvor ein derart mutiges Lächeln gesehen zu haben, während die Ärztin etwas getrock­netes Blut von ihrem Hals tupft. Behutsam wird eine kleine Wunde versorgt, die unter dichtem Haar im Verbor­genen liegt. Die Ärztin nimmt sich viel Zeit, sie geht hinter der verletzten Frau in die Hocke und beginnt leise zu spre­chen. Sie sagt: Das ist merk­würdig! Und noch einmal sagt sie: Das ist merk­würdig. Wie sie sich wieder aufrichtet, macht sie ein sehr ernstes Gesicht. Bald kniet sie vor der verletzten Frau auf dem Boden, nimmt eine Hand der Frau und drückt sie fest: Machen sie sich keine Sorgen, das ist nur eine kleine Wunde, die Blutung ist längst gestillt. Die Ärztin, die etwas schwitzt, sieht der mutig lächelnden Frau in die Augen. Plötz­lich fragt sie: Sind Sie geschlagen worden? Sofort nickt die Frau, ihr Gesicht scheint zu leuchten, und noch einmal nickt sie und sagt mit sehr heller Stimme: Ja. Und die Ärztin fragt: Sie wissen, von wem sie geschlagen wurden?Ja, antwortet die Frau ein zweites Mal, das weiß ich. Die Ärztin erhebt sich und wendet sich wieder dem Ort zu, da die Frau am Kopf verletzt wurde. Erneut geht sie in die Hocke und betrachtet die Verlet­zung auf das Genau­este. Behutsam fährt sie der Frau über das Haar, sie scheint eine weiter­füh­rende Unter­su­chung vorzu­nehmen. Und wie sie so arbeitet, schliesst die verletzte Frau ihre Augen, als wollte sie viel­leicht verbergen, was sie fühlte. So, mit geschlos­senen Augen, sagt sie plötz­lich mit fester Stimme: Ich würde doch gerne einen Tee trinken!Das ist gut, antworte ich und stehe auf. Die Ärztin ist indessen mit ihrer Unter­su­chung zu Ende gekommen, sie setzt sich auf den frei­ge­wor­denen Stuhl und stellt mit nüch­terner Stimme fest: Sie sind nicht zum ersten Mal geschlagen worden! – Die Frau nickt wortlos. Und die Ärztin sagt: Sie sind sehr oft geschlagen worden! Immer wurden Sie auf den Kopf geschlagen, kann das sein? – Wieder nickt die Frau und beginnt zu weinen. – stop

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nachtzug nach douala

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tango : 7.15 UTC – Akos­siwa, die ihr junges Leben über­wie­gend in der Stadt Yaoundé verbrachte, erklärte während eines Gesprä­ches im Zug, Tiere, die ich als wilde Krea­turen bezeich­nete, Affen, sagen wir, Löwen, Anti­lopen, würden in ihrem Heimat­land im zentralen Zoo der Haupt­stadt leben. Man könne sie dort besu­chen, man müsse sich nicht fürchten, aller­dings würde der Besuch Eintritt kosten. Erst einmal musst Du über­haupt nach Kamerun fliegen. Du fliegst, sagt Akos­siwa, am Besten über Paris oder Amsterdam nach Yaounde, das ist über­haupt kein Problem. Ich hatte Akos­siwa eine durchaus drama­ti­sche Vorstel­lung ihres Landes skiz­ziert, in der vermut­lich wirk­liche wilde Tiere natür­li­cher­weise auch jenseits der Natur­re­ser­vate exis­tieren. Kurz darauf entwi­ckelte sich ein aufre­gendes Gespräch über Wahr­neh­mung, Wirk­lich­keit und Projek­tion einer­seits, ande­rer­seits über die Exis­tenz wiederum der nieder­bay­ri­schen Auer­hähne in meinem persön­li­chen Leben. Eine Zugfahrt von Ngaoun­déré nach Douala sei reiz­voll, berich­tete Akos­siwa, es exis­tiere auch eine Nacht­zug­ver­bin­dung, die würde sie aber nicht empfehlen: Weil Du nichts siehst! – stop