inszenierungsmaschine

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2.26 – Sobald ich im Bauch einer elek­tri­schen Insze­nie­rungs­ma­schine 100 frei schwe­bende Text­par­ti­cles von je 100 Wörtern über einen Zufalls­ge­ne­rator mitein­ander verbinde, wird mit jedem weiteren Aufruf eines Text­par­ti­cles jedes andere der 100 Text­par­ti­cles möglich. Ich habe also eine Text­ver­samm­lung, die sich wie eine Flüs­sig­keit verhält. Wie könnte ich nun eine Verei­sung dieser Flüs­sig­keit erzeugen? Ich könnte zum Beispiel je 10 Text­par­ti­cles zu einer Gruppe setzen und über einen Gene­rator verschalten, sodass in einem ersten Schritt 10 Text­par­ti­cles aus 100 Text­par­ti­cles möglich wären. Oder ich bilde zwei Gruppen zu je 50 Text­par­ti­cles und komme in dieser Weise auf zwei mögliche Text­par­ti­cles einer ersten Wahl. Zwei Linien. Eine Weiche. Oder sehr gutes Eis. – Viel­leicht sollte ich, wenn ich vom Schreiben eines linearen Textes spreche, zunächst an das Spinnen eines Eisfa­dens denken. Das Lesen, ein Vorgang der Entei­sung. – Heute Nacht habe ich von 0 Uhr 12 bis 1 Uhr 52 Julio Llama­zares wunder­volle Stumm­film­szenen aufge­taut.

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uwe johnson

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3.05 – Ich weiß nicht genau weshalb, heute Nacht finde ich mich mit Zoll­stock vor Uwe John­sons Jahres­tagen wieder. Ich beob­achte meine Hände wie sie das Maß einer Zeile messen, wie sie mit einem wandernden Finger die Linien einer Seite zählen, wie sie das Buch mit Luft durch­fä­chern, wie sie Ziffern notieren auf ein Blatt Papier. Dann liegen linke, als auch rechte Hand ruhig auf dem Tisch, während das Gehirn, das ihnen zuge­ordnet ist, lautlos rech­nend vor sich hin arbeitet. Ich notiere: Die gesam­melten Zeichen der Jahres­tage in ihrer Frank­furter Sonder­aus­gabe würden eine lesbare Kette von 6.4 Kilo­me­tern Länge bilden, wenn sie in genau jener Reihen­folge dem Buch entkommen würden, wie von Uwe Johnson einmal ausge­dacht. – stop

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juan goytisolo

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0.19 – Las im Zug Juan Goytisolos Buch Das Manu­skript von Sara­jevo. Als ich kurz die Augen von den Seiten nehme, sehe ich in der Dämme­rung eine Herde bren­nender Kühe auf einer Wiese stehen. – Wo ist Radovan Karadzic? Was hat er gestern Abend gegessen? Was hat er getrunken? Was macht er in dieser Minute? Schläft er oder schreibt er wieder einmal ein Gedicht an ein Kind? Was für Schuhe trägt er in seinem Bett heute Nacht? Wer erin­nert sich an diesen Mann? – stop

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zeit 50

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0.25 – Was würde ich mit meinem Leben unter­nehmen, wenn ich wüsste, dass ich 50000 Jahre alt werde? – stop

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helene hanff

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6.07 – Leichter Schnee­fall. Papier­licht. Las in Helene Hanffs wunder­voller Brief­samm­lung 84, charing cross road. Wieder der 25. März 1950. New York. 14 East 95th St. – Frank Doel, was TUN Sie eigent­lich da drüben?? Sie tun gar NICHTS, Sie sitzen nur HERUM! Wo bleibt Leigh Hunt? Und wo die Oxford Gedicht­an­tho­logie? Wo bleibt die Vulgata und wo der liebe vertrot­telte John Henry? All das wäre eine so nette aufbau­ende Lektüre für die Fasten­zeit gewesen … und Sie schi­cken mir absolut nichts! Sie lassen mich hier sitzen und lange Rand­be­mer­kungen in Biblio­theks­bü­cher schreiben, die mir nicht gehören. Eines Tages wird das heraus­kommen, und sie werden mir meinen Biblio­theks­aus­weis wegnehmen. Ich habe mit dem Oster­hasen eine Abma­chung getroffen, Ihnen ein Ei zu bringen. Er wird herüber­kommen und fest­stellen, dass Sie in Untä­tig­keit verstorben sind. Für den nahenden Früh­ling brauche ich unbe­dingt einen Band mit Liebes­ge­dichten. Keinen Keats oder Shelley! Schi­cken Sie mir Dichter, die Liebe machen können, ohne zu sabbern – Wyatt oder Jonson oder irgend­einen anderen … denken Sie sich selbst etwas aus. Einfach ein schönes Buch, schmal genug, um in eine Anzug­ta­sche gesteckt und in den Central Park mitge­nommen zu werden. Also, sitzen Sie nicht herum! Spüren Sie es auf! Es ist mir wirk­lich ein Rätsel, wie dieser Laden exis­tieren kann. – stop

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entwicklung

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1.17 – Sobald ich bemerke, dass mir eine Figur, die ich gerade erfinde, fremd ist, der Gedanke: Du bist noch nicht ganz durch­be­lichtet. – stop

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schöpfung

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0.15 – Sind nicht viel­leicht kleinste Teil­chen, die aus dem Kosmos kommend die Erde und dort auf Menschen und dort auf Zellen treffen, als Zufalls­ge­ne­ra­toren der Schöp­fung anzu­sehen? – stop

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pergament

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0.37 – In ein schüt­zendes Korsett von Schaum­gummi gepresst, ruhte eine Apfel­birne unter weiteren Früchten, sie glänzte, als hätte sie hohes Fieber. Habe sie mit nach Hause genommen und versuche gerade eben heraus­zu­finden, ob es sich bei dieser Apfel­birne um eine Birne oder doch eher um einen Apfel handeln könnte. Zu diesem Zeit­punkt, es ist kurz nach zwölf Uhr, meine ich bereits heraus­ge­funden zu haben, dass eine Apfel­birne nach Birne, nicht aber nach Apfel duftet, dass sie jedoch in Gestalt und Farbe einem gewöhn­li­chen Apfel ähnli­cher ist, aller­dings wiederum in die Perga­ment­haut einer Birne gekleidet. Ein gelun­genes Objekt. Ein Objekt, das in meinem Gehirn leichte Verwir­rung zu erzeugen vermag. Ein wenig ist das so, als würde man von einer Frau, die man liebt, eine zärt­lich ausge­führte Ohrfeige erhalten. – stop

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