barfuß

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echo : 0.10 – Sobald ich mit der Hand Zeichen auf ein Blatt Papier notiere, der Eindruck, ich würde keine Schuhe tragen. Warum?

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italo calvino

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romeo : 4.52 – Viel­leicht kann ich, wenn ich an das Meer in den Straßen Vene­digs denke, von Wellen­be­we­gungen spre­chen, die einem sehr lang­samen Rhythmus folgen, von Halb­jah­res­wellen, von Wellen, die sich, sobald ich sie jenseits ihrer eigent­li­chen Zeit betrachte, wie Palomars Sekun­den­wellen benehmen. – Wann beginnt und wann genau endet eine Welle? Wie viele Wellen kann ein Mensch ertragen, wie viele Wellen von einer Wellenart, die Knochen und Häuser zertrüm­mert? – Dämme­rung. Stille. Nur das Geräusch der trop­fenden Bäume. Eine Nacht voll Gewitter, glim­mende Vögel irren am Himmel, Nacht­vögel ohne Füße, Vogel­wesen, die niemals landen.

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wasseruhr

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marimba : 0.01 – Träumte, mit einem Stück Holz unter Kraft­an­wen­dung einen Käfer getötet zu haben, der ein Schne­cken­haus auf dem Rücken trug, das der Käfer bewohnte, wie Einsied­ler­krebse Muschel­häuser bewohnen. Ein Beses­sener durch und durch, schlug ich auf den gepan­zerten Rücken des kleinen Tieres ein, dann sitze ich vor dem Schreib­tisch mit den Werk­zeugen der Uhrma­cher und versuche das Tier zu repa­rieren, während das Wasser in meinem Zimmer steigt. – Acht Uhr zwölf in Rangun, Burma. – stop

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blutgefäss

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romeo : 0.05 – Einmal, an einem heißen Sommer­abend, habe ich eine Stadt durch­wan­dert. Sie lag bereits unterm Nacht­zep­pelin, weshalb ich nicht sofort bemerkte, dass an der Innen­seite meines linken Ober­schen­kels ein volu­mi­nöses Blut­ge­fäss aus der Fassung gesprungen war. Der selt­same Eindruck, während ich spazierte, ein kleines Tier würde mich kosend berühren. Kurz darauf notierten Fahr­gäste eines U-Bahn­wa­gons, ich würde, derart weit geöffnet, viel­leicht bald ernst­haften Schaden erleiden. Und tatsäch­lich, da war ein Schlauch von dunkel­blauem Gummi, der nahe meiner Leis­ten­ge­gend unruhig durch die Luft zappelte. Ich konnte seine Bewe­gung sehr gut erkennen, weil ich, weiß der Himmel warum, insge­samt nicht bekleidet gewesen war. Eine ältere Dame, eine Ärztin, nahm dann Platz in meiner Nähe. Mit bloßen Händen erwei­terte sie meinen Schenkel bis hin zum Knie, so dass weitere Schläuche aus dem Ober­schenkel fielen, die sie sortierte, während sie gelassen eine Melodie vor sich hin summte. Da waren Struk­turen, kein Blut, in gelber, in roter, in grüner, in blauer Farbe. Indem sie an einem der geschmei­digen Röhr­chen zog, an einem fili­granen Gefäß, nein, an einem hauch­dünnen Seilzug, sand­farben, schloss sich das linke meiner Augen gegen meinen Willen, und die Ärztin lachte und sagte, schau her, wie schön bunt Du doch bist. Wenn ich hier ein wenig ziehen werde, machst Du auch noch das rechte Auge zu. Dann wach. – Heute ist Sonntag, bald wieder Nacht. Geträumt habe ich bereits am Samstag.

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zebraspringspinne

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echo : 0.50 – Kurz nach Mitter­nacht. Gerade eben entert meine Zebra­spring­spinne den Tisch. Eigent­lich wollte ich rasch eine kleine Geschichte erzählen, von einem afri­ka­ni­schen Mann, dem ich sehr häufig begegne morgens vor der Zentral­sta­tion, einem Mann, der immer wieder betrunken ist und immer wieder nur einen Schuh trägt und eine selt­same Sprache spricht, eine Mixtur aus fran­zö­si­schen, engli­schen, deut­schen und afri­ka­ni­schen Wörtern. Aber jetzt sitzt die Spinne auf dem Tisch und der afri­ka­ni­sche Mann muss warten. Ich ahne bereits wo meine Spinne wohnt. Wieder die Frage, ob diese Spinne, dieselbe Spinne ist, mit der ich den vergan­genen Sommer verbrachte? Wie groß wird die Spinne auf meinem Schreib­tisch einmal werden, wie lange kann ich mit ihr noch befreundet sein? Ob sie sich der Gefahr bewusst ist, in der sie sich befindet? Was eigent­lich frisst diese Spinne, die meine Spinne ist, solange sie nicht flieht? – Neun Uhr zwölf in Rangen, Burma. – stop
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regenmaschine

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charlie : 0.01 – Während eines Spazier­gangs entdeckte ich unlängst im Eingangs­be­reich einer luxu­riösen Wohn­an­lage eine Regen­ma­schine. Eine Regen­ma­schine, werden Sie viel­leicht fragen, was ist denn das? Nach Beob­ach­tung, eine halbe Stunde, lässt sich Folgendes notieren. Eine Regen­ma­schine regnet je für drei Sekunden genau dorthin, wohin ein ordent­li­cher Regen, der vom Himmel kommt, nicht fallen kann, weil ihn ein Dach, beispiels­weise, daran hindert. Eine Regen­ma­schine hingegen regnet auch unter Dächern oder in Haus­ein­gängen oder in Wohnungen, und auch dann, wenn es gerade einmal nicht vom Himmel regnet, regnet sie im Takt einer Minute. Dieser Regen einer Regen­ma­schine, wie ich sie vorge­funden habe, ist also ein beson­derer Regen, ein Regen, der sich gegen Personen richtet, gegen Stra­ßen­bürger, gegen Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf. Orga­ni­sierter Regen, sagen wir, Regen gegen den Schlaf und diese Dinge.
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chatraupe

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olimambo : 0.10 – Auf dem Fens­ter­brett. Schau auf die Straße hinunter und höre selt­samen Schwalben zu, wie sie pfei­fend und fres­send durch die Nacht­luft flitzen. Ange­nehme Stunde, obwohl mir gerade nichts einfällt, weil befangen von Fern­seh­bil­dern, die ich vor einer Stunde noch beob­achtet habe. Froh, dass ich das Fern­seh­gerät endlich ausschalten konnte. Und wenn ich nun vom Fenster aus ins Zimmer schaue, sehe ich einen weiteren Text, als meinen schwei­genden Text, zeilen­weise auf dem Bild­schirm meiner großen Schreib­ma­schine entstehen, ohne dass ich zur Entste­hung dieses Text etwas beitragen müsste. Der Text schreibt sich langsam schwin­gend wie eine Raupe vorwärts. Natür­lich ist dieser Text auf dem Bild­schirm kein Lebe­wesen, wie eine Raupe ein Lebwesen ist, das sterben, also aufhören könnte. Dieser Text ist das Ergebnis einer Schreib­ar­beit, die fünf­und­zwanzig oder sechs­und­zwanzig Menschen in diesem Moment in ihren Chat­pro­gramm­masken verrichten. Der Verdacht, der Text schreibt sich auch dann, wenn ich nicht anwe­send bin. – Acht Uhr zwölf in Rangen, Burma. – stop

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