doppelhelix

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nordpol : 0.01 – Eine Foto­grafie, die James Watson und Francis Crick vor ihrem Modell einer DNA-Doppel­helix zeigt. Der Eindruck, Watson würde einen an der Zimmer­decke lungernden Trom­pe­ten­käfer betrachten, dessen Gattung zum Zeit­punkt der Aufnahme sich bereits abzu­zeichnen beginnt.

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Viel­leicht sollte ich sagen, dass Trom­pe­ten­käfer rein pneu­ma­ti­sche Arbeiter sind, während Posau­nen­käfer sowohl pneu­ma­ti­sche als auch mecha­ni­sche Verfahren der Toner­zeu­gung in sich verei­nigen. Drummer knallen elek­trisch. Bassisten verfügen über einen Körper von unge­wöhn­li­cher Länge, über ein Gehäuse, welches von feinsten Lamel­len­kno­chen ausge­bildet sein wird. Gerade diese wohl­klin­genden Wesen werden eines Tages mit Zigarren leicht zu verwech­seln sein. Das Erstaun­liche an musi­zie­renden Käfer­wesen ist, dass sie den Musiker sowohl, als auch ein Instru­ment, das von Menschen erfunden wurde, mit sich führen, dass sie also symbio­ti­sche Wesen sind.
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polarlicht

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hima­laya : 0.02 – In einem Reise­be­richt notiert Ludwig Hohl : 8 Uhr 30. Meer. – Meer leer. stop. Beob­ach­tungs­zeit = Belich­tungs­zeit. stop. In der vergan­genen Nacht wieder den Traum vom Mann gemacht, der vor einem Aqua­rium sitzt und einen Schwarm dunkel­blauer Fische betrachtet. Als ich hinzu­trat, hörte ich, dass der Mann mit leiser Stimme Zahlen flüs­terte. Ich fragte ihn, was er denn berechnen würde, und der Mann antwor­tete, dass er die Fische zähle, dass er sich nicht sicher sei, ob es sich bei dem Schwarm blauer Fische, um einen Schwarm aus 1556 oder aus 1557 Einzel­per­sonen handele. stop. Ist das wilde Spiel der Polar­lichter am Himmel aus einer Tiefe von 70 Metern unter der Meeres­ober­fläche vor Neufund­land noch zu erkennen?

gedankenechse

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echo : 0.25 – Seit Jahren, mit Vergnügen, beob­achte ich einen Gedanken, der sich nicht bewegt, kein Buch­sta­ben­zei­chen des Gedan­kens rührt sich von der Stelle. Manchmal denke ich, der Gedanke bewegt sich heim­lich, während ich andere Gedanken denke

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marlene

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ulysses : 8.15 – Drei Wochen zurück schrieb ich einen Brief an Y. Ich schrieb folgenden Satz : Hast Du schon einmal Deine Hände aus der Luft betrachtet? Heute erreicht mich seine Antwort : Apollo. Apollo. stop. Begeis­tert etwas Zeit in Sidney Lumets Verdict verbracht. Ein herr­lich spie­lender Newman. Feine, knis­ternde Glas­ge­räu­sche, als würde der Film in jedem nächsten Moment in tausend Stücke zerspringen. Kurz darauf nähert sich Maxi­mi­lian Schell in Paris Marlene Diet­rich. Ihre Stimme aus dem Off, die von dort ein wenig so klingt, als würde sie ein Glas Cognac getrunken haben oder zwei. Eine singende Stimme. Eine Stimme, die singt und spricht zur glei­chen Zeit. Einmal will Maxi­mi­lian Schell ihr eine männ­liche Frage stellen. Marlene Diet­rich : Was isn das?

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Port-au-Prince

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hima­laya : 1.05 – Auf Haiti, einer Insel, essen Menschen, sobald sie ein Gefühl des Hungers verspüren, Plätz­chen, das heißt, sie essen sonnen­ge­trock­nete Scheiben von Lehm, der mit Mage­rine und einer Hand voll Salz in Metall­fäs­sern verrührt worden ist. Kurz darauf haben die Menschen Schmerzen, aber keinen Hunger für drei Stunden. Wenn sie auf die Straße gehen, um der Welt von ihrem Hunger, der bald wieder­kommen wird, und ihren Schmerzen im Bauch zu erzählen, werden sie von Soldaten der UN und Poli­zisten ihres Landes erschossen. stop.  Von meinem Fern­seh­bild­schirm abge­nommen. stop. Zwanzig Uhr zwölf Minuten in Port-au-Prince, Haiti.

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amplitude

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ginkgo : 18.15 – Vergan­gene Nacht sechs Stunden Schlaf aufge­zeichnet. Selt­same Span­nung, während ich die Datei in das Tonbe­ar­bei­tungs­pro­gramm lade, um nach Ausschlägen zu suchen. Zunächst das Hupen eines Auto­mo­bils, eine heftige Ampli­tude. Nach einer weiteren Stunde der Abdruck einer Feuer­wehr­si­rene. Kurz darauf das Rascheln der Bett­decke. Gegen 3 Uhr das Geräusch einer Tür. Kann mich nicht erin­nern, spaziert zu sein. – stop
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sandor marai

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india : 10.14 – Lange Zeit der Eindruck, dass in meinem Leben nur weit entfernte Wesen sterben, Wesen beispiels­weise, die Madras bewohnen, Wesen ohne Nieren. Dann, von einem Tag zum anderen, endet meine Kind­heit. Erin­nerte mich an eine Notiz des 84 jährigen unga­ri­schen Dich­ters Sandor Marai. ”In der Nacht urplötz­lich die Gewiss­heit, dass ich sterb­lich bin – nicht die Möglich­keit, sondern die Tatsache. Es war nicht beängs­ti­gend. – Und einige Tage später, am 31. Oktober des selben Jahres: Das Sterben beginnt damit, dass man es nicht mehr für unmög­lich hält zu sterben. 84 Jahre lang habe ich es niemals für möglich gehalten, und ich hatte recht. – Efl Uhr fünf­und­zwanzig in Suni, West­darfur. – stop
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