Aus der Wörtersammlung: eiche

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chronik der gefühle

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echo : 4.55 UTC — Spin­nen hier oben in mei­ner Woh­nung unter dem Dach sind scheu gewor­den. Fast möch­te ich manch­mal mei­nen, dass sie gar nicht län­ger exis­tie­ren in mei­nen Zim­mern, wenn ich nicht da und dort Spu­ren beob­ach­ten könn­te, die auf ihre Exis­tenz ver­wei­sen, Netz­wer­ke oder ein Häuf­chen win­zi­ger Flie­gen, wel­ches noch vor weni­gen Tagen auf dem Fens­ter­brett ganz sicher nicht gewe­sen ist. An einem Abend, ich hat­te die Fens­ter geöff­net, spa­zier­te plötz­lich ein recht umfang­rei­ches Spin­nen­ex­em­plar über die Wand mei­nes Arbeits­zim­mers, groß wie die Scha­le eines Tee­löf­fels. Die Spin­ne beweg­te sich laut­los über meh­re­re Wän­de hin, bis sie, ohne eine län­ge­re Pau­se ein­ge­legt zu haben, in der Küche durch ein geöff­ne­tes Fens­ter mei­ne Woh­nung wie­der ver­ließ. Kaum eine hal­be Stun­de war die Spin­ne in mei­ner Woh­nung gewe­sen. Und ich dach­te, viel­leicht hat sie eine Spur, Duft­spur oder Faden ver­legt, es wer­den wei­te­re Spin­nen kom­men, hof­fent­lich eher klei­ne­re Spin­nen, die ich gern zu Gast haben wür­de, wäh­rend ich die gro­ßen Spin­nen doch sehr gründ­lich fürch­te. Ich war­te nun seit eini­gen Tagen bereits. In die­ser Zeit des War­tens habe ich unheim­li­che und prä­zi­se erzähl­te Geschich­ten Alex­an­der Klu­ges gele­sen und auch gehört, sie sind wun­der­voll anzu­hö­ren. — stop

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api

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india : 0.20 UTC — Wir kom­men Daten­spei­chern näher, in wel­chen alle je von Men­schen­hand geschrie­be­nen und über­lie­fer­ten Zei­chen­sät­ze ver­sam­melt sein wer­den. Mei­ne Schreib­ma­schi­ne könn­te tat­säch­lich ein­mal mit die­sen frei schwe­ben­den Gedächt­nis­sen ver­bun­den sein, und wäh­rend ich notie­re, wür­de unver­züg­lich ange­zeigt, ob der gera­de ein­ge­ge­be­ne Satz bereits ein­mal auf­ge­schrie­ben wur­de oder nicht. — Ein war­mer Abend. Auf dem Dach des Hau­ses jen­seits der Stra­ße sitzt seit zwei Tagen eine Tau­be, Dolo­res, allein. Viel­leicht die Hit­ze. — stop

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abend mit fliege no 2

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bamako : 22.58 UTC — Denk­bar ist, dass ich mir in weni­gen Minu­ten die Gegen­wart einer Flie­ge so sehr wün­schen wer­de, dass mich kurz dar­auf tat­säch­lich eine Flie­ge in der Vor­stel­lung beglei­ten wird, als wäre sie eine Freun­din der Luft, die mir nicht von der Sei­te wei­chen möch­te. Für Sekun­den wird sie wirk­lich gewor­den sein. Ich höre sie bereits jetzt, viel­leicht weil ich mich, wäh­rend ich über mei­nen Flie­gen­wunsch nach­den­ke, an Flie­gen erin­ne­re, wie sie mir um den Kopf her­um brum­men oder pfei­fen. Kurz dar­auf, wer­de ich mich, wie ges­tern Abend noch gesche­hen, vor mei­ne Schreib­ma­schi­ne set­zen und eine Geschich­te von einer brum­men­den Flie­ge schrei­ben, wie sie mich von einem Zim­mer in das Zim­mer gehend in Kop­fes Höhe flie­gend beglei­tet. In die­ser Sekun­de, da ich von ihr erzäh­le, mit den Tas­ten, wird deut­lich, dass sie nicht exis­tiert, und doch kann ich sie hören mit dem Kopf, ein Oszil­lie­ren zwi­schen Vor­stel­lung und Wirk­lich­keit. Jetzt habe ich einen Kno­ten im Kopf, den 14. Buch­sta­ben­kno­ten, seit ich an die­ser Stel­le notie­re. — stop

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babuschka no 2

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char­lie : 4.12 — Ein­mal, im Jahr 2013, hat­te ich einen Text geschrie­ben, den ich nur des­halb notier­te, um ihn mit­tels eines Ver­schlüs­se­lungs­pro­gramms in einen Zustand der Unles­bar­keit zu ver­set­zen. Genau­ge­nom­men hat­te ich den Text mit einer beson­de­ren Haut, mit einer Zeit­haut umge­ben. Um ihn näm­lich lesen zu kön­nen, müss­te man den Text zunächst deco­die­ren, das heißt, solan­ge mit­tels einer Com­pu­ter­ma­schi­ne sei­ne Öff­nung pro­bie­ren, bis der rich­ti­ge Schlüs­sel gefun­den ist. Ges­tern, bei gro­ßer Hit­ze, stell­te ich mir vor, was gesche­hen wür­de, wenn nun nach Tagen, Wochen oder Jah­ren des Rech­nens das suchen­de Pro­gramm mel­den wür­de: Ich bin fün­dig gewor­den! Wie ein mensch­li­cher Ana­lyst sich in die­sem Moment zufrie­den sei­nem Bild­schirm nähert, um fest­zu­stel­len, dass sich hin­ter den Zei­chen eines ver­schlüs­sel­ten Tex­tes wei­te­re ver­schlüs­sel­te Zei­chen befin­den. stop — Auf den ers­ten Blick ist fol­gen­dem kodier­ten Text nicht anzu­se­hen, hin­ter wie vie­len Zeit­häu­ten sein les­ba­rer Ursprung ver­bor­gen lie­gen könn­te: ANFANG === B U C W 0 G c o a G j I B W W f k p h Z L v 0 h 4 Y J j 9 4 4 t m c e K C l x B M b L 4 q T d x Y I w B U v V 3 E b p b X y A z Y B e R 5 C a 9 n b s E B p U I 6 z q 3 Z C 6 a Q A R Q 1 a 8 P I N 1 j T L B b V 9 e O F 0 j 5 G s F f y 5 E M D 3 5 a r / C G 0 j V z 4 v n e u M z p T K W Y t 4 D m s J t e / F E C Y C a j 3 Z L Z / h l x G M W I 4 7 v 8 / B I g H c E / Q 2 F 9 G s W Z i z Q K 0 7 k t O W 7 8 k S k A t q u J Z 5 2 F A u n a J 6 C G B u A 7 R o C u P p D n C m 8 F 7 9 F E e m H / T T 3 K x z S 7 r 3 i 0 y 4 g M Z u m G m x i A q 4 l z d A x i o P m 0 O I b x M i T I x P w X j 5 A I i 1 z c e + T W i i x A + 6 A h k p q h o n a D e M / y s A l y W r i p 4 s Z m m / q X y n 2 o P H R q z g U i + T s H B c z + J v K 3 A a d v j Z F L 9 i R M s C f m W y U d 6S 4 4 O f z l 8 x P z H B W z 1 H 2 6 z Z o z F s C U U D Y v k +Y N F 0 f U t A y k a Y 7 E L j / u N X s s q 1 K 1 V z A C i z K Z Y 7 F N J C q y t x s Q c b W r C 3 k 4 i f V 1 l K u g f b N i P t y O 8 1 7 e l u y x d r o i d 5 d X 3 E D g O V s X i T e e 5 Q q i 0 U 6 E o 3 G 5 y r 2 9 a f a w X M a U U r Q V d b i U A V 8 F e y 4 m k e W b 9 e u b 1 i S W F g m K y 4 P 1 0 m 0 e 3 x 5 V q b N W c v i 3 6 j L h / u O I j K 8 L s t Y B s 9 F 4 l l c Q A h B J s Q h U 6 i b R U 5 B 4 f g 3 f j r 2 C I i k c M q R U C 4 4 F E u o Y i R w A r D x H W u 2 2 P w 9 d 8 f A 1 f A r 3 5 D l V 3 B G p / J m h b h 8 w F n 7 p v x g x z 9 i b / S h F t K M v 6 l 6 W L A 5 r 7 U F R S O k l C f 0 L H B a J h n V y w Q 0 e Y k 9 w 9 y / Z M 4 Y m F W O T m x 4 s s A W 5 w X 2 N z L g 3 + 9 + d x L 7 T 8 U + A Y C U L b T M J y l M + H Q y S F 7 S T D I / 8 O 6 4 K F 0 4 d 7 g v I === ENDE / code­wort : babusch­ka — stop. Sechs Jah­re sind seit­her ver­gan­gen. Heu­te nun erhielt ich Mel­dung eines Algo­rith­mus, der den Namen “Lepo­rel­lo N=8” trägt, ein Algo­rith­mus evo­lu­tio­nä­rer Klas­se. Er hat­te mei­nen Text unter­sucht. Es ist berüh­rend zu sehen, wie Lepo­rel­lo N=8 aus vor­lie­gen­den Zei­chen­ket­ten einer Ver­schlüs­se­lung, ver­such­te Wör­ter zu bil­den. Eine gewis­se Ver­zweif­lung ist zu bemer­ken oder unbe­ding­ter Wil­le zu einem Ergeb­nis zu kom­men. Lesen Sie selbst: ANFANG === BUCW 0 Gco­aG­jIBWWfkphZLv 0 h 4 YJj 9 4 4 tmceK­ClxBMbL 4 qTdxY­Iw­BUvV 3 EbpbXyA­zY­BeR 5 Ca 9 nbs­EB­pUI 6 zq 3 ZC 6 aQARQ 1 a 8 PIN 1 jTLBbV 9 eOF 0 j 5 GsFfy 5 EMD 3 5 ar / CG 0 jVz 4 vneuMzpTKWYt 4 DmsJ­te / FECY­Caj 3 ZLZ / hlxGM­WI 4 7 v 8 / BIgH­cE / Q 2 F 9 GsW­Ziz­QK 0 7 ktOW 7 8 kSkAt­quJZ 5 2 FAunaJ 6 CGBuA 7 RoCuP­pDn­Cm 8 F 7 9 FEemH / TT 3 KxzS 7 r 3 i 0 y 4 gMZumGmxiAq 4 lzd­AxioPm 0 OIbx­Mi­TIxPwXj 5 AIi 1 zce + TWiixA + 6 Ahkpqho­na­DeM / ysA­ly­Wrip 4 sZmm / qXyn 2 oPHR­qz­gUi + TsHBcz + JvK 3 Aad­v­jZFL 9 iRM­sCfmWyUd 6S 4 4 Ofzl 8 xPzHBWz 1 H 2 6 zZozFs­CUUDYvk +YNF 0 fUtAy­kaY 7 ELj / uNXssq 1 K 1 VzA­CizKZY 7 FNJC­qytxsQcb­WrC 3 k 4 ifV 1 lKugfbNi­PtyO 8 1 7 eluyx­droid 5 dX 3 EDgOVsXi­Tee 5 Qqi 0 U 6 Eo 3 G 5 yr 2 9 afa­wX­MaU­Ur­QVdbiUAV 8 Fey 4 mkeWb 9 eub 1 iSWFgm­Ky 4 P 1 0 m 0 e 3 x 5 VqbNW­cvi 3 6 jLh / uOI­jK 8 LstYBs 9 F 4 llc­QAhBJs­QhU 6 ibRU 5 B 4 fg 3 fjr 2 CIik­cMqRUC 4 4 FEu­oY­iR­wAr­DxHWu 2 2 Pw 9 d 8 fA 1 fAr 3 5 DlV 3 BGp / Jmhbh 8 wFn 7 pvx­gxz 9 ib / ShFtKMv 6 l 6 WLA 5 r 7 UFRSO­klCf 0 LHBa­Jhn­VywQ 0 eYk 9 w 9 y / ZM 4 YmFWOT­mx 4 ssAW 5 wX 2 NzLg 3 + 9 + dxL 7 T 8 U + AYCULbTM­JylM + HQySF 7 STDI / 8 O 6 4 KF 0 4 d 7 gvI === ENDE / code­wort : babusch­ka — stop

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“Hi!” — “Hi!”

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romeo : 0.33 UTC — War Zeu­ge einer Begeg­nung zwei­er Algo­rith­men bei mir Zuhau­se auf einem Bild­schirm, der sich teil­te, und zwar in der Mit­te. In rasen­der Geschwin­dig­keit wur­den dort Zah­len­ket­ten erzeugt. Nach drei oder vier Minu­ten stopp­te die Zah­len­pro­duk­ti­on in der lin­ken Spal­te. Nach weni­gen wei­te­ren Sekun­den erschien die Zei­chen­fol­ge: Hi! Kurz dar­auf stopp­te auch in der rech­ten Spal­te die Zah­len­pro­duk­ti­on, wie­der­um für weni­ge Sekun­den Stil­le oder Lee­re. Dann erschien auch hier die Zei­chen­fol­ge: Hi! Ich war gerührt, man stel­le sich das ein­mal vor, Algo­rith­men, die sich zur Begrü­ßung einer Spra­che bedien­ten, die ich zu lesen, in der Lage gewe­sen war. — stop
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palmenhaus süd

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gink­go : 15.01 UTC — Im Wüs­ten­haus das fei­ne Geräusch der Kak­teen, sobald ich ihr Sta­chel­horn mit einem Pin­sel, einem Mika­do­stäb­chen, einem Fin­ger berüh­re. Hell. stop. Federnd. stop. Pro­pel­lernd. stop. Klän­ge, für die in mei­nem suchen­den Wort­ge­hör wei­ter­hin kei­ne eige­ne Zei­chen­fol­ge zu fin­den ist. stop. Die Stil­le beim Durch­blät­tern eines feuch­ten Buches kurz dar­auf in der Man­gro­ven­ab­tei­lung des Pal­men­hau­ses. Ich beob­ach­te­te, dass ich einen Satz­ge­dan­ken, ehe der Gedan­ke zu einem Ende gekom­men ist, in mei­nem Kopf nur dann anzu­hal­ten ver­mag, sobald ich den Gedan­ken Wort für Wort voll­zie­he, also bereits so lang­sam den­ke, dass ich mit­zu­schrei­ben in der Lage bin. stop Man soll, hör­te ich, Kak­te­en­dor­ne als Gram­mo­fon­na­deln ver­wen­det haben. Erstaun­lich! — stop

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tauchgang

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india : 0.08 UTC — ‘Es ist das Inter­es­san­te an Büchern, über denen man eigent­lich den Ver­stand ver­lie­ren müss­te, dass man durch sie viel­mehr an Ver­stand gewinnt. Frei­lich ist das nur ein neu­er Kom­pro­miß — denn anstän­di­ger­wei­se müss­te man aller­dings nach ihrer Lek­tü­re abdan­ken. Aber das Leben ist nicht das, was wir anstän­dig zu nen­nen lie­ben. Allein schon der Umstand, dass der Autor sei­nen Ver­stand behal­ten hat, wird genü­gen, den Leser zum glei­chen zu ver­an­las­sen; es sei denn — dass er nur so bewei­sen zu kön­nen mein­te, dass er noch tie­fer als jene sei, dass er sozu­sa­gen aus Ehr­geiz, aus “Wil­len zur Macht” wahn­sin­nig zu wer­den gera­de­zu — wünsch­te.’ Chris­ti­an Mor­gen­stern 1906 in sei­nen Apho­ris­men/ — stop
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radar

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oli­mam­bo : 0.05 UTC — Ich habe eine Bit­te: Wer in der Lage ist, fol­gen­de Zei­chen in einer für mich les­ba­ren Art und Wei­se dar­zu­stel­len, bit­te mel­den! >

! [ W Y à  &  / – U c ! É F Ç  ä  ¬  ‡ O ‘ £ % ø È ¨   < ’ ≥ ∫ z . \  G ‹ — t V Ê … ì è z t O ˇ í  ß _ “ \ ˛ m  ˚ t ÿ Ì “ Î ! = M ? • { ü ø Y § Î 7 i Q ˛ Ω π  À < Ø  . v › π Å ã y ∫ X — 7 i ª € ß ≈ r µ à  ö — — l ’ f 3 ¢ y  ≥ ø à ˝ ¸ Ò ” ˇ … ¯ Æ_ • ˚ W i ±µ o ∑ i ? O ã’ ” ] Ω J ˜ Æ Æ 2 ‹ ´ Á È Ô © ˇ Á ù 4 ü — ∫ ~ »  ó ©  } ’ ] »  ©  ˆ ≤ | í Ø æ ∑ K /  ≈ O ¯ Ä A … $ > ’ ] è / ® É c _  { © ?  Q ± C e œ ‘ G ¥ ˛ # ] } ï æ ∏ J è ª ˝ a ∂ Y Ô Ö é ˝ z ù  õ ’ l ∑ fi o  } a Á fi 7 √ Î Î · Á ” Ø œ ^ ¶ ◊ / Ñ Ñ ï ˙ + æ   ˇ w Î m ¶ · fi  ´ E z p Ï  ß { fl  / ü ù ^ º  > æ < æ ~ Ò j 8 Ω ~ q ≠  ’ Ÿ  ” Ê Û ˘ 2 ] ] K D å H  2 O À › Æ ´ à Ï á Î  ƒ £ ´  Ë , ” y 2 ì h . ˜ ≥ Õ n ª ÿ   π ª ç Ç û œ ÷ € ¸ ø ¸ ù } Í ¯ È ¶ X V  V Àï ≈ r … X ˛ ß Ñ ¡ Ÿ ◊ p  «  á  ; ı É F Y b ˚ ° î H ï ∞ #   ∞ í   û í  1 ( g ≥ ≠ F ∏ > T  ; … ∂ ”  P l p ¸ ’ , * Ç ‘ ø   È – X Ó , œ k À B µ Ü « π  — ö ◊ P ˇ ù ô ˘ ± 8 * ú \ fl È T ‚ 4 Ö ë  Ÿ @ @ © ! Ö § ∂ ñ í ¥ ˚ › ! ≠ v  À   Ú  “ ? ≤ ø  ± ø _  ê œ Ï ø  | q k « ◊ K  x ∞    x Ï —  G / ñ ª Ÿ ∫ Î  Ü â 1  _ ê I ˝ √ © – ( e w ] ∫ + K ÿ å Œ  ° ≈ fl I  ∫ ü ò ”  ã K ] é ø * ¬ µ k | Ò É Ç l Í fl  È @ Ä  ’ ! N É  ≈ E V  È r  G ‘ © Ç A . 2 @  > N 8 ˚ ◊ ‚Ä T fl ë ›  ‘ ∏ “÷ Í s À ã fl Õ € ” …  x j ¬ ‘ ı ó & w  M ∞ F _ a l Ç ¥ fl L  ¸ î ± t – 4 & | Ω Ç Ø œ J y â ” b Î √ ≈ T ’ Û z Ω  ’ s »  û À ˆ b ≥ ù Ì R ? ∆ à § p ë Ø ç ’ · ∑ ; “ }  ñ /// — stop

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zebraspringspinne

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echo : 5.18 UTC — Ich beob­ach­te an die­sem Mor­gen auf dem Fens­ter­brett nach Süden zu eine Zebra­spring­spin­ne von höchs­tens 2 Gramm Gewicht. Sie spa­ziert dort unter mei­nen Augen furcht­los auf und ab. Mög­li­cher­wei­se ist sie kürz­lich erst durch die Luft geflo­gen oder aber den gan­zen Win­ter über in mei­ner Nähe gewe­sen, ohne dass ich sie bemerk­te. Für einen Moment hal­ten wir bei­de inne und schau­en in Rich­tung der Däm­me­rung. Eine Stra­ßen­bahn kommt um die Kur­ve gefah­ren, es ist die ers­te Stra­ßen­bahn die­ses Tages. Ich schlie­ße die Fens­ter. Mit die­ser ers­ten Stra­ßen­bahn kommt der Tag in die Nacht, Vögel stei­gen aus und hocken sich in Bäu­me und sin­gen, wäh­rend Flie­gen und Fal­ter aus mei­ner Woh­nung flüch­ten, um ein­zu­stei­gen und rasch davon­zu­fah­ren. Ich soll­te mor­gens ein­mal auf die Stra­ße tre­ten und zur Hal­te­stel­le gehen und war­ten, da nun die ers­te Fahrt der Linie 16 ein­tref­fen und der Fah­rer von Nacht­fal­tern bedeckt sein wird, und die Sit­ze und Lam­pen, und auch die Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen der Früh­schicht. Dich­te, bit­te­re, stau­bi­ge Luft, ein sono­res Sum­men zehn­tau­sen­der Flü­gel. Klei­ne, har­te Käfer­kör­per stür­men durch wei­chen, flie­gen­den Fal­ter­wald, ping, pong, ping. — Die­ser Text wur­de zum ers­ten Mal vor vier Jah­ren notiert. Als ich heu­te früh­mor­gens eine Zebra­spring­spin­ne ent­deck­te, war mein Text wie­der mög­lich gewor­den. — stop

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paris

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echo : 22.08 UTC — Eine Frau trat an der Sta­ti­on Charles Michels in den Metro­wa­gon, setz­te sich und begann in einem Buch japa­ni­scher Zei­chen zu lesen. Ich beob­ach­te­te ihre Augen, wie sie von der obe­ren Kan­te des Buches senk­recht nach unten wan­der­ten, wie sie sofort wie­der nach oben hüpf­ten und ein wenig zur Sei­te, um dann erneut nach unten zu glei­ten. Eine ver­ti­ka­le Welt. — Als sie mich aber mus­ter­te, mich oder mei­nen Blick, dann eine hori­zon­ta­le Bewe­gung: Auge um Auge, von dem einen zum ande­ren und wie­der zurück. Ein selt­sa­mer Moment. — Der Ein­druck, dass die Frau mei­ne Augen betrach­te­te, als wären sie Schrift­zei­chen, dass sie sich zunächst für die eine, dann für die ande­re Iris inter­es­sier­te. Dar­auf­hin die Ein­sicht, dass ich, wenn ich ein Auge, sagen wir, das lin­ke Auge eines Men­schen für sich betrach­te, den Men­schen hin­ter dem Auge weder sehen noch erken­nen kann. — stop



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