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echo : 0.10 — Sobald ich mit der Hand Zeichen auf ein Blatt Papier notiere, der Eindruck, ich würde keine Schuhe tragen. Warum? — stop

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echo : 0.10 — Sobald ich mit der Hand Zeichen auf ein Blatt Papier notiere, der Eindruck, ich würde keine Schuhe tragen. Warum? — stop

tango : 1.15 – Rettete am See zur Zeit der Abenddämmerung eine Raupe, die sich dem Netz einer Klammerspinne näherte. Legte das kühle, weiche Tier in meine linke Hand und zählte mit dem Zeigefinger der anderen Hand sechzehn sehr kurze Beine. Las dann weiter in Tabucchis Buch kleiner Missverständnisse. Sehr schöne erste Sätze gefunden. Wie die Dinge so laufen. Und was sie lenkt. Ein Nichts. Manchmal beginnt es mit einem Nichts, mit einer Phrase, die sich in dieser, die sich in dieser riesigen Welt voller Phrasen, Dinge und Gesichter verliert, in einer großen Stadt wie dieser, mit ihren Plätzen, der U‑Bahn, den Menschen, die aus dem Büro hasten, den Straßenbahnen. — stop

marimba : 1.15 — Saß frühabends am See unter blühenden Akazienbäumen. Vielleicht deshalb, weil die Akazien blühn, niesen in diesen Tagen und Nächten die Schwäne und auch die Rotwangenschildkröten niesen und alle Enten. Hör sie noch aus großer Entfernung, feine, helle Luftgeräusche, während ich am Schreibtisch sitze und Kenzaburo Oe’s Roman Der Stolz der Toten beobachte, das geschlossen vor mir liegt. Gleich werde ich das Buch öffnen und seine Zeichen zählen.
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nordpol : 0.05 — In Bagdad spricht ein Reporter vor einer Fernsehkamera. Menschen, Passanten, schauen ihm über die Schulter, sie machen Victoryhandzeichen in Richtung der Kamera und lachen. Im Hintergrund kreuzt ein Cruise-Missile eine Straße. Der Flugkörper kommt von rechts und fliegt nach links, er fliegt genau in Ampelhöhe und gerade so schnell, dass er nicht zu Boden fällt. Er fliegt in einer Art und Weise, als würde er sich an Verkehrsregeln halten. Kurze Zeit später eine Detonation, kaum hörbar, aber sichtbar, eine Erschütterung des Bodens, eine Erschütterung der Luft, eine Erschütterung, die auf den Körper des Kameramannes einwirkt, die sich durch den Körper des Kameramannes fortsetzt bis zur Kamera hin und die Stabilität des Bildes beeinflusst. Auch Horizont und Himmel sind erschüttert, wie die Menschen und ihre Victoryhandzeichen. stop. Würden SIE eine 500-Pfund-Bombe nach einem Menschen werfen? — stop

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~ : louis
to : Mr. gustave flaubert
subject : MEMPHIS
Verehrter Mr. Flaubert, gestern, am späten Nachmittag, knisterte ein feiner Regen ans Dachfenster meines Zimmers und ich habe mich auf den Rücken gelegt und ihr ägyptisches Reisetagebuch geöffnet, eine sehr feine Arbeit, detailliert, das Abschiednehmen, ihre voraus reisenden Koffer. Während Sie gerade an Bord der Canja Memphis passierten, bin ich eingeschlafen, vielleicht weil ich müde war von einer viel zu kurzen Nacht. Als ich wieder wach wurde, knisterte der Regen noch immer gegen das Fenster, und ich erinnerte mich, ihnen erzählen zu wollen, dass ich seit vorgestern, 15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, Augenpaare sammle, die meine elektrische Seite besuchen. Vermutlich werden Sie mich für einen seltsamen Vogel halten, weil ich Augen paarweise zähle, ihre Existenz und woher sie kommen und welche Brillen sie tragen und die Zeit messe, die sie mit meinen Wörtern verbrachten. Gestern Abend um 22 Uhr 17 Minuten und 11 Sekunden hatte ich Besuch aus Shanghai. In großer Entfernung lurten also ein paar Augen, verweilten, kaum zu glauben, sechs Sekunden auf meinen Zeilen, dann waren sie wieder weg. Ich habe mir gedacht, dass diese hastigen Augen vielleicht meine Schriftzeichen nicht entziffern konnten, dass sie deshalb nur zwei oder drei Atemzüge lang bei mir verweilten. Ja, lieber Flaubert, das könnte sein, nein, ich hoffe, dass es so gewesen ist. Später Abend schon wieder. Werde jetzt weiter lesen in Ihrer ägyptischen Reise, während die Augenzählmaschine arbeitet, ohne dass ich mich auch nur einmal für sie bewegen müsste. Ihr Louis, mit allerbesten Grüßen.

sierra : 0.25 — Seit Jahren, mit Vergnügen, beobachte ich einen Gedanken, der sich nicht bewegt, kein Buchstabenzeichen des Gedankens rührt sich von der Stelle. Manchmal denke ich, der Gedanke bewegt sich heimlich, während ich andere Gedanken denke. — stop
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echo : 8.15 — Drei Wochen zurück notierte ich einen Brief an Y. Ich schrieb folgenden Satz : Hast Du schon einmal Deine Hände aus der Luft betrachtet? Heute erreicht mich seine Antwort : Apollo. Apollo. stop. Begeistert etwas Zeit in Sidney Lumets Verdict verbracht. Ein herrlich spielender Newman. Feine, knisternde Glasgeräusche, als würde der Film in jedem nächsten Moment in tausend Stücke zerspringen. Kurz darauf nähert sich Maximilian Schell in Paris Marlene Dietrich. Ihre Stimme aus dem Off, die von dort ein wenig so klingt, als würde sie ein Glas Cognac getrunken haben oder zwei. Eine singende Stimme. Eine Stimme, die singt und spricht zur gleichen Zeit. Einmal will Maximilian Schell ihr eine männliche Frage stellen. Marlene Dietrich : Was isn das? — stop
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tango : 2.15 – Eines Tages im Jahre 1965, vielleicht an einem Samstag, vielleicht an einem Sonntag, ich konnte schon laufen und hatte gelernt, mir die Schuhe zu binden, nahm Roman Opalka den kleinsten seiner verfügbaren Pinsel in die rechte Hand und malte mit titanweißer Farbe das Zeichen 1 auf eine schwarz grundierte Leinwandfläche. Bevor er diese erste Ziffer malte, fotografierte er sich selbst. Er war gerade 34 Jahre alt geworden, und als er etwas später seine Arbeit unterbrach, — er hatte weitere Ziffern, nämlich eine 2 und eine 3 und eine 4 auf die Leinwand gesetzt -, fotografierte er sich erneut. Er war nun immer noch 34 Jahre alt, aber doch um Stunden, um Ziffern gealtert. Auch am nächsten und am übernächsten Tag, Woche um Woche, Jahr um Jahr, wurde er älter, indem er Ziffern malte, die an mathematischer Größe gewannen. Wenn eine Leinwand, ein Detail ( 196 x 135 cm ), zu einem Ende gekommen war in einer letzten Zeile unten rechts, setzte er fort auf einer weiteren Leinwand oben links, die indessen eine Lichtspur heller geworden war, als die Grundierung des Bildes zuvor. Bald sprach er Zahl für Zahl lauthals in die Luft, um mit seiner Stimme auf einem Tonband die Spur seiner Zeichen zu dokumentieren. — In unserer Zeit, heute, ja, sagen wir HEUTE, oder nein, sagen, wir morgen, ja, sagen wir MORGEN, wird Roman Opalka mit weißer Farbe auf weißen Untergrund malen, Ziffern, die nur noch sichtbar sind durch die Erhebung des Materials auf der Oberfläche des Details. Der Betrachter, stelle ich mir vor, muss das Bild von der Seite her betrachten, um die Zeichen in ihren Schatten erkennen zu können. — stop![]()
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sierra : 2.05 — Eine angenehme Nacht mit Benny Goodman und seinem Orchester 1938 in der Carnegie Hall. | stop | I play lightly, softly singing. | stop | Regen. | stop | Nasse Fliegen, nasse Falter. | stop | Habe in meiner Küche vor dem Ofen Platz genommen und eine Ente und die Hitze betrachtet und über die Zeit nachgedacht, über die hohe Geschwindigkeit, in der ich arbeite. Eine neue Geschichte beginnen, eine sehr langsam erzählte Geschichte, jeden Tag ein Zeichen. Ich beginne mit dem Zeichen : z – zoulou
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2.27 – Das Geräusch eines Bleistifts auf Papier. Seit ich vor einigen Tagen bemerkte, dass ich nach und nach die Fertigkeit des Schreibens mit der Hand verliere, notiere ich wieder mit dem Bleistift in einem Heft. – Folgendes, sagen wir. Sobald ich ein Wort Zeichen für Zeichen lese, sobald ich das Wort in ein Geräusch verwandelt habe, verliere ich seine Bedeutung. Das Wort LUMUMBA zum Beispiel, warm, tief, wohlklingend, leer. Alle Wörter, die ich nach diesem Wort LUMUMBA erfinde, tragen ein – u — in sich. Zu diesem Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich gegen das intensiv wirkende — u — in dem Wort LUMUMBA am Besten mit einem — i — ankommen kann. — HIBISCILLI. — Das — i -, weiß der Himmel warum, hat in meinem Kopf mit Freude, mit Glück zu tun. Also weiter mit der Musik : begaioku : lidabobi : basijebu : pomebebu : bodibabe : mitusubu : cawariba : babunabe : nufumetu. — stop

