Aus der Wörtersammlung: freund

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chicago

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echo : 15.12 UTC — Am Ende jeden Tages eine Auf­ga­be notie­ren, die sofort nach Schlaf­zeit zu tun ist, zum Bei­spiel: Natha­lie Sar­rau­tes Kind­heit lesen. Oder: 1 Par­tic­les schrei­ben, wel­ches? Oder eine Roman­se­quenz stu­die­ren: Dave Eggers Zeit­o­un. Ein brü­tend hei­ßer Tag. Lud­wig rief an, ja, der Lud­wig, die­ser ner­vö­se, freund­li­che Mann, der seit Jah­ren von einer klei­nen Erb­schaft lebt, die ihm sei­ne Mut­ter hin­ter­ließ, etwas Geld also für beschei­de­nes Leben, sowie ein Kabi­nett voll grau­sa­mer Erin­ne­run­gen. Lud­wig berich­tet, er habe nun 580 Mas­ken der Schutz­klas­se FFP2 zur Ver­fü­gung, ein Vor­rat, gelie­fert von der Post nach un d nach, der für vie­le Jah­re aus­rei­chend sein könn­te, wenn man bedenkt, dass Lud­wig nur ein oder zwei Male in der Woche für kur­ze Zeit sei­ne Woh­nung ver­lässt. Er trägt wun­der­schö­ne Schu­he, ich wür­de Lud­wig sofort anhand sei­ner Schu­he erken­nen. Auch sei­ne Schu­he lie­fert die Post. Im Grun­de, das ist denk­bar, wur­de Lud­wigs Leben durch die Pan­de­mie nur unwe­sent­lich ver­än­dert. Das Leben drau­ßen war bereits sehr gefähr­lich, als das Virus noch nicht exis­tier­te, als das Virus nur eine Idee gewe­sen war. Lud­wigs Geld könn­te an Wert ver­lie­ren, dar­über haben wir nicht gespro­chen, aber über den Klang der Was­ser­spra­chen. — stop

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am telefon abends

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del­ta : 0.25 UTC — Vor lan­ger Zeit habe ich eine lus­ti­ge Geschich­te erlebt. In die­ser Geschich­te kom­men ein Mäd­chen vor, die Mut­ter des Mäd­chens, die mei­ne Schwes­ter ist, ein Tele­fon, ein Foto­ap­pa­rat, außer­dem ein Fahr­rad, das pink ist und ich. Die Geschich­te ereig­ne­te sich abends. Das Mäd­chen rief mich an. Sie sag­te ihren Namen und dann erzähl­te sie ein­fach dar­auf los, zum Bei­spiel, dass sie ein Fahr­rad besit­ze, das pink­far­ben ist, und dass sie mit dem Fahr­rad schon allei­ne her­um­fah­ren kön­ne, ohne umzu­fal­len, und zwar durch den Wald. Plötz­lich spricht sie nicht mehr, es ist still, aber ich höre sie atmen. Ich den­ke noch: Vor weni­gen Mona­ten konn­te sie nicht so gut erzäh­len, wie rasend schnell das geht, dass sich die Wör­ter for­mie­ren. Das Mäd­chen erzähl­te jetzt in gan­zen Sät­zen, es scheint so zu sein, dass sie nun, da sie über gan­ze Sät­ze ver­fü­gen kann, end­lich alle ihre Geschich­ten sofort erzäh­len möch­te. Eine hel­le, fröh­li­che Stim­me. Aber dann doch die­se selt­sa­me Stil­le am Tele­fon, nur ihr Atem. Ich fra­ge: Bist Du noch dran? Hal­lo! Kannst Du mich hören? Aber das Mäd­chen ant­wor­tet nicht. Immer noch ihr Atmen. Nach einer Minu­te plötz­lich wie­der ihre Stim­me. Ich erfah­re, dass ihre Mut­ter sie gera­de foto­gra­fiert, wie sie mit mir tele­fo­niert. Ich sage: Das freut mich. Wun­der­bar, wir wer­den foto­gra­fiert, Du und ich, ich bin in dem Tele­fon. Wie­der Stil­le. Eine Pau­se. Eine sehr kur­ze Pau­se. Sagt das Mäd­chen: Quatsch mit Soße. — Ges­tern, es war Abend, als mich ein Freund anrief. Er sag­te: Du klingst sehr nah an mei­nem Ohr. Trägst Du eine Mas­ke? Wir soll­ten einen Schritt zurück­tre­ten! — stop
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erstaunlich

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marim­ba : 16.12 UTC —  Hin­ter dem Tre­sen eines Back­wa­ren­la­dens stand eine jun­ge Frau. Sie beob­ach­te­te, wie ich mein Porte­mon­naie durch­such­te. Las­sen Sie sich Zeit, sag­te sie. Sie war mir bereits frü­her ein­mal ange­nehm auf­ge­fal­len, eine sehr gedul­di­ge und immer freund­li­che Per­son. Ich sag­te: Ich wer­de doch lang­sam ein alter Mann. Ja, sag­te sie, ja, ja, las­sen Sie sich ruhig Zeit, wir kön­nen klei­nes Wech­sel­geld gut gebrau­chen. Ich durch­such­te das Täsch­chen, das für Mün­zen ein­ge­rich­tet war, bald aber dreh­te ich mei­nen Geld­beu­tel ein­fach auf den Kopf und ließ eine Hand­voll Mün­zen auf einen Tel­ler auf dem Tre­sen fal­len. Es waren sicher 20 Mün­zen gewe­sen, die vor unse­ren Augen lagen, 1 Cent, 2 Cent auch 10 Cent­mün­zen. Kaum 1 Sekun­de war ver­gan­gen, die jun­ge Frau hat­te nur einen knap­pen Blick auf den Tel­ler vor uns gewor­fen, da sagt sie: Das sind 40 Cent zu viel. Sie zähl­te das Geld in einer rasen­den Geschwin­dig­keit mit zwei Fin­gern durch, und sie lach­te, ver­mut­lich weil sie mei­nen stau­nen­den Blick bemerk­te. Wie machen sie das, frag­te ich. Die jun­ge Frau ant­wor­te­te: Es geht nicht lang­sa­mer. Nein, sag­te ich, ich mei­ne, wie haben Sie mit nur einem Blick den Wert des Gel­des auf dem Tel­ler fest­ge­stellt? Das ist Übung, sag­te sie, ich kann das auch mit Per­len oder mit Lin­sen, aber das, was ich als Sum­me erken­nen möch­te, muss auf einem klei­nen Tel­ler wie die­sem Tel­ler hier lie­gen. Erstaun­lich, sag­te ich. Sie sind nicht alt, ant­wor­te­te die jun­ge Frau. Doch, doch, sag­te ich, ich hal­te mich beim Trep­pen­stei­gen am Gelän­der fest, das ist neu, das kam ein­fach so von einem Tag auf den ande­ren Tag. Erstaun­lich, sag­te die jun­ge Frau, das wird schon wie­der. — stop

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ein zerbeultes saxophon

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nord­pol : 11.03 — Ein Leser schrieb eine E‑Mail. Er habe, notier­te er, einen Feh­ler in einem mei­ner Par­tic­les­tex­te ent­deckt. Ob er mir schrei­ben sol­le, wo ich den Feh­ler fin­den wür­de. Ich kor­ri­gier­te den Text und dach­te noch: Das ist inter­es­sant, die­ser klei­ne aber doch bedeu­ten­de Feh­ler hat­te sechs Jah­re in mei­nem Text exis­tiert, ein Buch­sta­be nur, in einer Geschich­te, die ich nie wie­der ver­ges­sen soll­te, die Geschich­te selbst und auch nicht, dass sie exis­tiert, dass sie sich tat­säch­lich ereig­ne­te, eine Geschich­te, an die ich mich erin­nern woll­te selbst dann noch, wenn ich mei­nen Com­pu­ter und sei­ne Datei­en, mei­ne Notiz­bü­cher, mei­ne Woh­nung, mei­ne Kar­tei­kar­ten bei einem Erd­be­ben ver­lie­ren wür­de, alle Ver­zeich­nis­se, jede Spur. Die­se Geschich­te, ich erzäh­le eine sehr kur­ze Fas­sung, han­delt von Giu­sep­pi Logan, der in New York lebt. Er ist Jazz­mu­si­ker, ein Mann von dunk­ler Haut. Giu­sep­pi Logan, so wird berich­tet, atme Musik mit jeder Zel­le sei­nes Kör­pers in jeder Sekun­de sei­nes Lebens. In den 60er-Jah­ren spiel­te er mit legen­dä­ren Künst­lern, nahm eini­ge bedeu­ten­de Free­jazz­plat­ten auf, aber dann war die Stadt New York zu viel für ihn. Er nahm Dro­gen und war plötz­lich ver­schwun­den. Man­che sei­ner Freun­de ver­mu­te­ten, er sei gestor­ben, ande­re spe­ku­lier­ten, er könn­te in einer psych­ia­tri­schen Anstalt ver­ges­sen wor­den sein. Ein Mann, ein Black­out. Über 30 Jah­re lang war Giu­sep­pi Logan ver­schol­len gewe­sen, bis man ihn vor weni­gen Jah­ren in einem New Yor­ker Park lebend ent­deck­te. Er exis­tier­te damals noch ohne Obdach, man erkann­te ihn an sei­nem wil­den Spiel auf einem zer­beul­ten Saxo­fon, ein­zig­ar­ti­ge Geräu­sche. Freun­de besorg­ten ihm eine Woh­nung, eine Plat­te wur­de auf­ge­nom­men, und so kann man ihn nun wie­der spie­len hören, live, weil man weiß, wo er sich befin­det von Zeit zu Zeit, im Tomp­kins Squa­re Park näm­lich zu Man­hat­tan. Ein Wun­der, das mich sehr berührt. Ich will das klei­ne Wun­der unter der Wort­bo­je Giu­sep­pi Logan in ein Ver­zeich­nis schrei­ben, das ich aus­wen­dig ler­nen wer­de, um alle jene Geschich­ten in mei­nem Gedächt­nis wie­der­fin­den zu kön­nen, die ich nie­mals zu ver­ges­sen wün­sche. — Giu­sep­pi Logan:  Hört ihm zu!
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vor langer zeit im dezember

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oli­man­bo : 0.02 UTC — Ein­mal kam ich von einem Besuch bei Freun­den nach Hau­se zurück, und wie ich so in mei­ne Woh­nung stol­per­te, ent­deck­te ich Mrs. Cal­las, die damals in Gedan­ken bei mir wohn­te, wie sie wei­nend vor einer Foto­gra­fie stand, vor einer Schwarz-Weiß-Foto­gra­fie, die ich seit vie­len Jah­ren besit­ze und mir immer wie­der sehr ger­ne anse­he. Natür­lich wun­der­te ich mich, dass Mrs. Cal­las wein­te, weil die Foto­gra­fie zwei alte Men­schen zeigt, eine Frau und einen Mann, die fried­voll Sei­te an Sei­te in einer Küche an einem Tisch sit­zen. Rais­sa Orlo­wa, liest ihrem alten Mann, Lew Kope­lew, viel­leicht aus einem Buch vor. Und ich frag­te Mrs. Cal­las, war­um sie denn wei­nen wür­de, das sei doch eine sehr beru­hi­gen­de Foto­gra­fie. Ich glau­be, setz­te ich hin­zu, sie sind glück­lich. Mrs. Cal­las ant­wor­te­te unver­züg­lich, Ernst in der Stim­me, ja, das sind sie, glück­lich, ganz sicher sind sie sehr glück­lich. Ich wün­sche mir für mich ein Ende wie die­ses hier an der Wand, Mr. Lou­is. Sie müs­sen mir ein ande­res Ende schrei­ben! – Und so sit­ze ich nun müde auf dem Sofa und notie­re die­se Geschich­te, wäh­rend Mrs. Cal­las mich hoff­nungs­voll beob­ach­tet. Wie nur könn­te ich sie trös­ten, weil ich doch vor ihrem Schick­sal ohn­mäch­tig bin? Viel­leicht könn­te ich erzäh­len, dass ich Lew Kope­lew in Mün­chen ein­mal für weni­ge Sekun­den begeg­ne­te. Ich könn­te ihr beschrei­ben, wie er mir am Haupt­bahn­hof aus einer Men­schen­men­ge her­aus ent­ge­gen­kommt, wie ich sei­ne Erschei­nung, sei­ne statt­li­che Grö­ße, sei­nen schloh­wei­ßen Bart bewun­de­re. Und ich könn­te Mrs. Cal­las berich­ten, wie Lew Kope­lew mei­nen Blick bemerkt, wie er mich freund­lich betrach­tet und wie er mei­nen nicken­den Gruß erwi­dert, weil er in mei­nem Blick gese­hen haben wird, dass ich ihn für lan­ge Zeit gele­sen habe und immer wie­der lesen wer­de. – Ja, viel­leicht soll­te ich Mrs. Cal­las von die­sen Sekun­den mei­nes Lebens erzäh­len, und dass es erhol­sam sein könn­te, sich zunächst ein­mal zur Ruhe zu legen für zwei oder drei Tage.

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vorletztes telefon

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vik­to­ry : 15.02 UTC — D. rief an. Sie habe, sag­te sie, eben noch ein­mal unse­re gemein­sa­me Freun­din B. besucht, die im Ster­ben lie­ge. Es war spät am Abend und ich dach­te, ich kön­ne nicht anru­fen am Bett einer Ster­ben­den um die­se Uhr­zeit. Ich war­te­te also und schlief, dann war die Nacht vor­über. B. mel­de­te sich mit kaum noch hör­ba­rer Stim­me. Ihre Toch­ter sit­ze neben ihr und wür­de das Tele­fon hal­ten, ja, es wird lang­sam Zeit, sag­te sie, 94 Jah­re, nein, ins Kran­ken­haus mag sie nicht mehr gehen, sie möch­te jetzt auf­hö­ren, sie sei dank­bar, es gehe ihr gut, ich sol­le an sie den­ken und wün­schen, dass es nicht lang dau­ern möge, ja, sie kön­ne schla­fen. Schö­ne Gesprä­che, sag­te sie, haben wir geführt in die­sem Som­mer, Wal­ter Kem­pow­ski, ja, den ken­ne ich per­sön­lich. Ich ant­wor­te­te, dass ich ihr dank­bar sei für ihre Geschich­ten von der Geschich­te, von Ros­tock, und die­sen Din­gen, wie sie den Krieg gera­de so über­leb­te. Und ich hör­te, dass sie immer müder wur­de, und ich fra­ge noch, ob ich sie viel­leicht mor­gen noch ein­mal anru­fen dür­fe. Du kannst es ver­su­chen, sag­te sie. — stop

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blackout

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hima­la­ya : 20.58 UTC — Fol­gen­de freund­li­che Dar­stel­lung zwei­er sich zuge­wand­ter Gesich­ter, lie­gend, in ein­fachs­ten Zei­chen Buch­sta­ben­zei­chen dar­ge­stell­te, sind den Such­ma­schi­nen Yand­ex, Bing und Goog­le zu die­sem Zeit­punkt nicht bekannt: :-)(-: * Aber die Zei­chen­fol­ge :-) (-: Selt­sa­me Geschich­te. — stop

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nachts

 

sier­ra : 3.02 — Lou­is bat mich, eine Geschich­te zu erzäh­len vom Glück, als ich noch ein Kind gewe­sen war. Ich muss­te nicht lan­ge über­le­gen. Ich sag­te, dass ich abends, sobald das Licht in mei­nem Zim­mer aus­ge­schal­tet wur­de, heim­lich in mei­nen Büchern gele­sen habe. Zu die­sem Zweck hat­te ich eine Taschen­lam­pe unter mei­nem Kopf­kis­sen ver­steckt. Ich las immer im Sit­zen, die Bei­ne ver­schränkt, Jules Ver­ne zum Bei­spiel. Auf­re­gend, nicht nur die Bücher, son­dern das ver­bo­te­ne Lesen zur Nacht­zeit selbst. Wäh­rend ich Lou­is von mei­nem Glück berich­te­te, erin­ner­te ich mich, wie mein Bru­der, der in dem­sel­ben Zim­mer geschla­fen hat­te, ein­mal erzähl­te, ich, der Älte­re, habe zur Som­mer­zeit wie ein leuch­ten­der Berg aus­ge­se­hen, der sich manch­mal beweg­te. Hin und wie­der, ich erin­ne­re mich, fla­cker­te das Licht, weil die Kraft der Bat­te­rien in der klei­nen Lam­pe zur Nei­ge ging. Ich muss­te dann immer ein wenig war­ten, bis sich die Bat­te­rien wie­der erhol­ten. Oft war ich in die­ser Zeit des War­tens noch im Sit­zen ein­ge­schla­fen. Da lach­te Lou­is, ver­mut­lich, weil er sich erin­ner­te.- stop

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regen

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zou­lou : 18.07 UTC — Ein Freund erzähl­te von einer Rede, die er an einem spä­ten Som­mer­abend auf einem Anruf­be­ant­wor­ter vor­fand, als er nach Hau­se gekom­men war. Die­se klei­ne lie­be­vol­le Rede war von sei­ner ster­bens­kran­ken Frau kurz vor ihrem Tod im Hos­pi­tal für ihren gelieb­ten Mann gespro­chen wor­den, wäh­rend er gera­de auf dem Fahr­rad von ihr zurück nach Hau­se fuhr. Es hat­te gereg­net. Er saß in der Küche im letz­ten Licht des Tages. Er erzähl­te, er habe lan­ge Zeit geweint, sich die Rede immer wie­der ange­hört, dann beschlos­sen, die Stim­me sei­ner gelieb­ten Frau mit­tels eines Ton­ban­des auf­zu­neh­men. Irgend­et­was muss kurz dar­auf gesche­hen sein, wovon er nicht berich­ten woll­te. — stop

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abend mit fliege no 2

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bamako : 22.58 UTC — Denk­bar ist, dass ich mir in weni­gen Minu­ten die Gegen­wart einer Flie­ge so sehr wün­schen wer­de, dass mich kurz dar­auf tat­säch­lich eine Flie­ge in der Vor­stel­lung beglei­ten wird, als wäre sie eine Freun­din der Luft, die mir nicht von der Sei­te wei­chen möch­te. Für Sekun­den wird sie wirk­lich gewor­den sein. Ich höre sie bereits jetzt, viel­leicht weil ich mich, wäh­rend ich über mei­nen Flie­gen­wunsch nach­den­ke, an Flie­gen erin­ne­re, wie sie mir um den Kopf her­um brum­men oder pfei­fen. Kurz dar­auf, wer­de ich mich, wie ges­tern Abend noch gesche­hen, vor mei­ne Schreib­ma­schi­ne set­zen und eine Geschich­te von einer brum­men­den Flie­ge schrei­ben, wie sie mich von einem Zim­mer in das Zim­mer gehend in Kop­fes Höhe flie­gend beglei­tet. In die­ser Sekun­de, da ich von ihr erzäh­le, mit den Tas­ten, wird deut­lich, dass sie nicht exis­tiert, und doch kann ich sie hören mit dem Kopf, ein Oszil­lie­ren zwi­schen Vor­stel­lung und Wirk­lich­keit. Jetzt habe ich einen Kno­ten im Kopf, den 14. Buch­sta­ben­kno­ten, seit ich an die­ser Stel­le notie­re. — stop

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