alpha : 5.03 UTC — Vor fünf Minuten erst notierte eine Frau Namens Wolfsrudel77 öffentlich, ich solle mich erschießen. — Ist das eine Nachricht? — stop
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alpha : 5.03 UTC — Vor fünf Minuten erst notierte eine Frau Namens Wolfsrudel77 öffentlich, ich solle mich erschießen. — Ist das eine Nachricht? — stop
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marimba : 22.03 UTC – Vor einer Woche erzählte mir José, er trage schwer an dem gläsernen Auge, das er rechts neben seiner Nase in seine Augenhöhle eingesetzt bekommen habe. Es sei nicht das Gewicht selbst, sondern vielmehr die Erfahrung eines Unfalls, eines Stolperns, die ihm sein Auge gekostet habe. Auf der Treppe sei er einerseits gestürzt, anderseits unglücklichst kollidiert, mit seinem Regenschirm in der Hand. Er habe in den Minuten nach jenem entscheidenden Ereignis kaum einen Schmerz verspürt. Er glaube, der Schmerz sei so groß gewesen, dass sein Geist ihn aus sofort dem Bewusstsein gesperrt haben muss. Er höre noch immer den Schrei seiner Frau, als sie ihn sah. Nun ist das so, erzählte José, da springst Du ein Leben lang in der Welt herum und denkst nicht eine Sekunde daran, dass Du ein Auge verlieren könntest. Und jetzt wiege das Gewicht seines gläsernen Auges deshalb so schwer, weil er sich vor einem zweiten gläsernen Auge fürchte, er würde in diesem Falle über kein weiteres Auge verfügen, es wäre dann dunkel, und er wisse doch aus eigener Erfahrung präzise, dieser verdammte Regenschirm, erzählte José. — stop
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india : 15.02 UTC — Wieder Sekunden, dann Minuten der Achtsamkeit (kurioses Wort) : Was höre ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Was fühle ich? Was kann ich denken? — stop
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MENSCHEN IN GEFAHR : “Seit dem 3. Juli befinden sich Ola al-Qaradawy und ihr Ehemann Hossam Khalaf aufgrund des haltloses Vorwurfs zur Muslimbruderschaft zu gehören in Haft. Bislang hat die Staatsanwaltschaft weder Beweise vorgelegt, die ihre Inhaftierung rechtfertigen würden noch wurde den beiden die Möglichkeit eingeräumt, die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung anzufechten. Die Gefängnisbehörden verweigern ihnen Besuche von Rechtsbeiständen und Angehörigen. / Ola al-Qaradawy wird seit ihrer Festnahme im Frauengefängnis Al-Qanater im Gouvernement Qalyubia festgehalten. Sie ist in in einer sehr kleinen Einzelzelle untergebracht, die nur etwa 160 cm auf 180 cm misst und weder ein Bett noch eine Toilette hat. Außerdem sind Belüftung und Beleuchtung ungenügend. Ihr wird jeden Morgen ein einziger täglicher Toilettengang von nur fünf Minuten gestattet. Somit sieht sie sich gezwungen, ihre Nahrungsaufnahme einzuschränken, um nicht auf die Toilette gehen zu müssen. Rechtsbeistände, die Ola al-Qaradawy am 5. November im Büro der Oberstaatsanwaltschaft für Innere Sicherheit sahen, berichteten Amnesty International, dass sie während der ersten vier Tage im November mit einem Hungerstreik gegen ihre Inhaftierung und die schlechten Haftbedingungen protestiert hatte. / Hossam Khalaf ist inzwischen aus der Einzelhaft in eine Gemeinschaftszelle verlegt worden. Er wird im Hochsicherheitsgefängnis Tora am Rande der Hauptstadt Kairo festgehalten. Obwohl er bereits seit seiner Inhaftierung an Augenschmerzen leidet, lehnt die Gefängnisleitung seinen Antrag weiterhin ab, sich entweder im Gefängnisspital oder auf eigene Kosten in einem Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses untersuchen zu lassen. - Hintergrundinformationen sowie empfohlene schriftliche Aktionen bis spätestens zum 11.1.2018 unter > ai : urgent action
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romeo : 5.22 — Es war Nacht und ich hockte in meiner Küche und schälte sehr langsam einen Apfel. Kurz darauf hörte ich ein raschelndes Geräusch, dessen Ursache sich in meinem Kühlschrank aufzuhalten schien. Ich wartete einige Minuten. Zunächst wieder Stille, dann erneut ein raschelndes Geräusch. Unverzüglich öffnete ich die Tür zum kühlen Raum, der hell beleuchtet war. Wie ich so auf einem Stuhl im Licht meines Kühlschrankes saß und wartete, dass sich dort etwas Unbekanntes zeigen möge, das Geräusche verursacht, begann ich damit, das sichtbare Gut im Schrank zu befragen, die Marmelade zum Beispiel, ein Gläschen voll Aprikosengelee, ob es denn möglich wäre? Oder der Senf, die Feigen in ihrer Feigenbox, Butterwaren. Aber auch das italienische Brot rührte sich nicht. Ich erinnerte mich in diesem Augenblick der Kühlschrankbeobachtung an ein Kind, das immer wieder einmal die Tür eines längst verschwundenen Eisschranks aufriss, um nach der Dunkelheit zu sehen, die angeblich verlässlich eintreten sollte, sobald die Tür des Kühlschrankes geschlossen wurde. Ich legte mich dann wieder ins Bett. — stop

sierra : 22.01 UTC — Flughafen Terminal 1. Ich höre eine sanfte Frauenstimme. Sie sagt: Diese Durchsage dient der Lautsprecherprobe. Zwei Minuten lang wiederholt sie immer wieder diesen einen Satz. Von Mal zu Mal versuche ich Abweichungen in Stimme und ihrem Ausdruck einzufangen. Plötzlich schlafe ich ein, ohne mich an die erste Sekunde, da ich nicht mehr wach war, erinnern zu können. — Was träumst Du, Mutter? — stop
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tango : 20.10 UTC — Milena erzählt, sie begleite nahe der Stadt Cesena ihre alte Mutter schon seit langer Zeit. Ihre Mutter sei gestürzt, sie habe sich den Kopf schwer gestoßen, habe dann bewusstlos 16 Stunden in ihrem Wohnzimmer gelegen, ehe sie gefunden wurde. Ihre Mutter werde nun über eine Magensonde ernährt, sie werde nie richtig wach, nur immer ein wenig wach, ein blinzelndes Erwachen, ein klarer Blick für einige Minuten, der ihr, Milena, zeige, dass ihre Mutter sie vermutlich nicht erkennt. Dann schlafe die alte Dame wieder ein. Nachdem eine Ärztin ihr empfohlen hatte, mit ihrer alten schlafenden Mutter zu sprechen, habe sie das Sprechen versucht, habe dann aber bald bemerkt, dass das Sprechen mit einer oder zu einer Schlafenden hin, sehr schwierig sei. Sie habe sich wiederholt. Deshalb habe sie in der Bibliothek der Seniorenresidenz nach einem Buch gesucht, das sie ihrer Mutter und vielleicht auch sich selbst vorlesen könne. Da sei sie auf Marcel Proust’s ersten Band der Suche nach der verlorenen Zeit gestoßen. Sie sei im Nachhinein sehr glücklich deshalb, sie lese sehr langsam, sie lese so langsam und so leise wie möglich. Jedes Wort, das auf den Papieren des Buches zu finden sei, werde ausgesprochen. Ihre Mutter schlafe indessen tief, oder aber sie höre zu, das könne niemand so genau sagen. — stop
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echo : 15.08 UTC — Meine Schreibmaschine meldete vor wenigen Minuten Folgendes: Warte auf Cloud. — stop
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MELDUNG. An diesem warmen Mittwoch, es war 7 Uhr und 8 Minuten in der Früh, wurde Käferdame Lucinda [ 15 Gramm ] von Käfer Joseph [ 22 Gramm ] erstmals mittels rhythmischer Lumineszenzen von violetter Farbe begrüßt. Sie selbst morst in gelblicher Beleuchtung. ~ MPI für Biotechnologie, Ungererstr 12, 6. Stock : Labor IIc‑8 : Level 4. — stop

charlie : 22.25 UTC — Vor wenigen Minuten noch habe ich mit einem Bleistift in meiner rechten Hand versucht, den Namen Dostojewski’s in mein Notizbuch einzutragen. Das ist vielleicht tatsächlich eine kleine Meldung wert. Der letzte Eintrag in mein Notizbuch ist nämlich mit dem Monat April verbunden, das war, ich erinnere mich, an einem Sonntag gewesen, ein stürmischer und regnerischer Tag, die Papiere meines Notizbuches waren feucht geworden, wellten sich, wellen sich noch immer. Ich habe damals die Frage notiert, ob Fledermäuse auch bei Regen fliegen. Nun ging es heute um etwas ganz anderes, ich wollte eine Notiz zum Roman Der Spieler verzeichnen. Leider fuhr ich in diesem Augenblick meines Wunsches in einem Zug voller Menschen, die sich dicht aneinander drängten, weswegen ich meine Schreibmaschine nicht erreichen konnte. Also suchte in der linken Hosentasche nach meinem Notizbuch für Notfälle. Dieses Buch ist, wie ich erwähnte, von Papier, wurde mehrfach gefaltet, ebenso mehrfach feucht und wieder getrocknet, ein Heftchen, in welchem ich beizeiten mit wilder, ungeübter Schrift notiere, sodass ich manchmal nur noch erahnen kann, was ich vermerken wollte. So habe ich heute also aus der Erinnerung Variationen eines berühmten Namens notiert, mehrfach habe ich angesetzt, dann wieder nachgedacht. Ich frage mich, was würde Fjodor M. Dostojewski vielleicht gedacht haben, hätte er mich beobachtet in diesen aufregenden Minuten einer kurzen Zugreise? — Heute ist Dienstag, es ist warm, es ist Sumatra. — stop
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