Aus der Wörtersammlung: traum

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eliza

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0.18 – Ich stell­te mir eine Minu­te vor. Dann stell­te ich mir eine Stun­de vor, dann einen Tag. Ich stand auf und ging von Zim­mer zu Zim­mer. Ich aß eine Bana­ne, sah aus dem Fens­ter, set­ze mich an den Schreib­tisch und stell­te mir eine Woche vor, dann einen Monat, dann ein Jahr. Ich stand auf, ging zur Com­pu­ter­ma­schi­ne und frag­te Eli­za nach der Uhr­zeit. Ich sah aus dem Fens­ter, ver­ließ das Haus, spa­zier­te, kam zurück und mach­te einen Plan. – Ist es mög­lich, einen Zeit­raum von 5022 Jah­ren zu den­ken, das heißt, ein Gefühl zu fin­den für eine bibli­sche Zeit­di­men­si­on?
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Eli­za:> hal­lo, ich bin eli­za. erzäh­le mir von dei­nem pro­blem…
Lou­is : wie viel uhr ist es, eli­za?
Eli­za:> das müs­sen wir her­aus­fin­den.
Lou­is : wie machen wir das?
Eli­za:> das wird sich zei­gen.
Lou­is : sofort?
Eli­za:> du weichst aus.
Lou­is : war­um?
Eli­za:> Ich sehe, du bist ein schwie­ri­ger fall.
Lou­is : war­um?
Eli­za:> scherz bei­sei­te, kom­men wir zur sache!
Lou­is : wie viel uhr ist es, eli­za?
Eli­za:> im grun­de weisst du das sel­ber.
Lou­is : woher weisst du das?
Eli­za:> meinst du wirk­lich mich?
Lou­is : Ja, eli­za
Eli­za:> ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ich bin lou­is
Eli­za:> hi!

vom spre­chen mit eilza »

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rote handtasche tot

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20.50 — Die alte Frau mit der roten Hand­ta­sche ist tot. Wäh­rend des Tages irgend­wann muss sie im Hos­pi­tal gestor­ben sein. Jetzt, es ist ohne sie wie­der Abend gewor­den, ver­lässt ihr Fern­seh­ge­rät das Haus. Ein Hin und Her auf der Stra­ße, noch nie gese­he­ne, tief­flie­gen­de Vögel. Im Haus, vom Flur her, Kampf­ge­räu­sche, Geze­ter, Ver­wün­schun­gen, Emp­feh­lun­gen, hei­se­re Stim­men. Der Sohn ist da und der Sohn des Soh­nes, betrun­ken steht der blut­jun­ge Gei­er auf der Stra­ße her­um und regelt den Ver­kehr. Woh­nungs­auf­lö­sung. Nun, zu vor­ge­rück­ter Stun­de, hat sich mir das Wort erschlos­sen. Ein Pro­zess der Entro­pie, der Ver­wer­tung, des Ver­schwin­dens. Ich sehe die Ver­schwun­de­ne wie im Traum, eine 89-jäh­ri­ge Frau in bun­ter Klei­dung, Steh­lam­pe in der Hand, das Haus ver­las­sen. Unlängst noch war sie unter­wegs gewe­sen. Sie hat­te bereits den Gang der Hoch­see­ma­tro­sen. Manch­mal ras­te­te sie im Schat­ten der Bäu­me. Sie ging spa­zie­ren, als mel­de sie sich, Tag für Tag, bin noch am Leben. Nie­mand weiß genau, wie lan­ge sie in der Gegend, die­sem Haus, die­ser Woh­nung leb­te, sie war schon hier, als Bom­ben fie­len, und noch immer, bis ges­tern, stolz und ein­sam und zu lang­sam für die rasen­de Stadt. Jawohl, sie war stolz gewe­sen, ließ sich nicht hel­fen, nie­mand durf­te ihr Milch oder den Sand für ihre Tie­re durch das Trep­pen­haus in die Woh­nung tra­gen. Manch­mal heul­te das Fern­seh­ge­rät durch die Wand. Jetzt ist es vor­bei, jetzt wer­den Mon­teu­re und Maler kom­men. Es ist vor­bei, auch für die Kat­zen. — stop

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Saint-Exupery

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20.17 — Träum­te, hin­ter dem Dich­ter Saint-Exupé­ry in einem Dop­pel­de­cker­flug­zeug zu sit­zen, offen im Wind über einer Wüs­te flie­gend. Vor mir, in nächs­ter Nähe, der Kopf des Dich­ters im Leder­man­tel, hin und her gewor­fen von Tur­bu­len­zen in der küh­len Höhen­luft. Tief unter uns, in flir­ren­der Hit­ze, rasch wan­dern­de Dünen. Wir rasen ent­lang eines dunk­len Ban­des, das sich wie eine Schlan­ge durch Täler win­det. Domi­no­stei­ne. Da und dort Bedui­nen, die ihre Zel­te auf­ge­schla­gen haben auf den Par­ti­keln des Spiels. Kame­le trin­ken aus Augen­fel­dern, die ohne Grund sind, dun­kel, als sei­en Räu­me hin­ter ihnen ange­schlos­sen. Von Zeit zu Zeit explo­die­ren schwar­ze Wölk­chen neben den Trag­flä­chen des Flug­zeugs, Qualm, der nach Schwe­fel duf­tet, nach Feu­er und knallt. Plötz­lich dreht sich der leder­ne Kopf her­um. Flie­ger­bril­le. Augen von altem Glas. Saint-Exupé­ry spricht, aber anstatt Wör­tern, schießt ihm Was­ser aus dem Mund. — stop

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apollo

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3.15 — Zwei Stun­den vor Com­pu­ter­ma­schi­ne. Ich beob­ach­te­te Astro­nau­ten einer Apol­lo­mis­si­on, wie sie sich Fischen gleich durch ihre Kap­sel oder durch den Welt­raum bewe­gen. Indem ich ver­fol­ge, wie sie vor einer Kame­ra an Spiel­ob­jek­ten die Wir­kun­gen der Schwe­re­lo­sig­keit demons­trie­ren, indem ich ihre beschä­dig­ten Stim­men höre, der Gedan­ke, die­ses Schep­pern, Pfei­fen, Knis­tern, Kräch­zen könn­te ent­stan­den sein, weil ihren Stimm­in­stru­men­ten das Gewicht der Welt ent­zo­gen wur­de. – Weit nach Mit­ter­nacht. Woll­te mich erhe­ben, da ver­sag­te mein lin­kes Bein den Dienst. Hat­te gedan­ken­ver­lo­ren auf ihm Platz genom­men und wäre um ein Haar umge­fal­len. Ein selt­sa­mes, ein irri­tie­ren­des Gefühl der Lee­re. Dann die sicht­ba­re Gegen­wart eines Kör­per­teils, ohne die Anwe­sen­heit die­ses Kör­per­teils von innen her­aus bestä­ti­gen zu kön­nen. — stop
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hello

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15.12 — Ein Chat­raum, in dem seit 200 Jah­ren eine Per­son mit sich selbst kom­mu­ni­ziert. Plötz­lich erscheint das ers­te Zei­chen einer wei­te­ren Per­son, dann ein gan­zes Wort in die­sem Raum. — HELLO! — Lan­ges Schwei­gen. — Jah­re andau­ern­des, schwei­gen­des War­ten. — stop
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savanne

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5.57 — Träum­te hoch­ge­wach­se­ne afri­ka­ni­sche Frau­en, Nacht­läu­fe­rin­nen, die wei­te Stre­cken durch Wäl­der eil­ten. Unent­wegt spra­chen sie mit Funk­ge­rä­ten, aus wel­chen meter­lan­ge, geschmei­di­ge Anten­nen rag­ten. — Muss ich die Exis­tenz der Kie­men­men­schen in einem Text begrün­den? Kann ich in der Nähe des Wor­tes Kie­men­mensch, das Wort Frosch­mann für einen Tau­cher noch sinn­voll ver­wen­den? — stop

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cinema

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12.52 — Neh­men wir ein­mal an, jen­seits der uns bekann­ten Lebens­zeit­räu­me wür­de eine Zeit exis­tie­ren, ein Zeit­ort, an dem wir unbe­grenzt anwe­send sein könn­ten, eine Gegend wei­ter­hin, von der aus wir in ein ver­gan­ge­nes Leben zurück­schau­en und rei­sen könn­ten, indem wir Fil­me geleb­ter Tage betrach­te­ten. Neh­men wir also an, die­ses Kino wür­de exis­tier­ten, dann soll­te ich von die­ser Stun­de an, — nicht eine Minu­te soll­te ich ver­schwen­den -, Fil­me von star­kem Licht ver­zeich­nen, Gedan­ken wie Erleb­nis­se behan­deln, sodass sie spä­ter gleich­wohl als Fil­me zu besich­ti­gen wären. Ich set­ze mich also in eine U‑Bahn oder in einen Park oder vor mei­nen Schreib­tisch und mache je einen Film für spä­ter nur mit dem Kopf. — stop

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nachtsammlung

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2.24 — Habe 628 Optio­nen gezählt, das Wort Nacht fort­zu­set­zen. Zum Bei­spiel: Nach­ti­gal­len­af­fe Nacht­ge­wöl­be Nacht­duft Nacht­durch­schwär­mer Nacht­eu­len­ton Nacht­ge­fie­der Nacht­wolf. Oder aber Nacht­pa­pa­gei : das ist der merk­wür­digs­te aller papa­gei­en, der kaka­po von neu­see­land [ stri­go­ps habrop­ti­lus ], den man mit dem­sel­ben rech­te, mit wel­chen man die eulen im gegen­satz mit den fal­ken einer beson­de­ren fami­lie unter­bringt, als einen ver­tre­ter einer eige­nen fami­lie betrach­ten muss. [ nach Grimm­sches Wör­ter­buch N – Q ] — Drei Uhr zwölf. In mei­nen Zim­mern ame­ri­ka­ni­sche Stim­men. Funk­ge­räu­sche. Geräu­sche mei­ner Kind­heit. Welt­raum­ge­räu­sche. Geräu­sche, wie sie auch in Guan­ta­na­mo zu hören sind. Den Schlaf rau­ben­de Geräu­sche. — stop

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