Aus der Wörtersammlung: traum

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die stimme meines Vaters

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ulys­ses : 22.18 — Im Som­mer des Jah­res 2007, wäh­rend ich gera­de an mei­ner Bir­dy­ma­schi­ne arbei­te­te, tele­fo­nier­te ich mit mei­nem Vater. Es war eine war­me Zeit gewe­sen, die Fens­ter im weit ent­fern­ten Arbeits­zim­mer stan­den offen. Ich hör­te über eine Tele­fon­lei­tung, die ver­mut­lich durch den Welt­raum führ­te, Vögel im Gar­ten pfei­fen. Und da war noch etwas ande­res, da waren Funk­ge­räu­sche und der Gesang der Wale und ein Ras­peln, das Stimm­ge­räusch Bir­dys. Ich erin­ne­re mich, mein Vater beob­ach­te­te in jenem Som­mer Bir­dy täg­lich stun­den­lang vor sei­nem Com­pu­ter sit­zend. Sobald er einen Feh­ler bemerk­te, mel­de­te er den Feh­ler unver­züg­lich an mich wei­ter. Er nahm in die­ser zeit­li­chen Nähe Instru­men­te der klei­nen Erzähl­ma­schi­ne wahr, die ich gera­de erst in Betrieb genom­men hat­te. Von jeder Ent­de­ckung berich­te­te er in einer Wei­se, als ob er der ers­te Mensch gewe­sen sei, der sie zu Gesicht bekom­men hat­te, auf­ge­regt, kom­men­tie­rend, fra­gend. Ein sanf­ter Gedan­ke an einem Tag, da ich seit weni­gen Stun­den weiß, dass ich die Stim­me mei­nes Vaters nie wie­der hören wer­de. — stop
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james baldwin

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tan­go

~ : oe som
to : louis
sub­ject : JAMES BALDWIN
date : mar 22 12 11.15 p.m.

Abso­lu­te Stil­le. Kein Wind, kei­ne Bewe­gung auf dem Was­ser, der Him­mel leer. Seit 382 Tagen schwebt Tau­cher Noe unter uns in der Tie­fe. Er scheint glück­lich zu sein, die Tage sei­nes Auf­be­geh­rens sind vor­über. Noch vor weni­gen Wochen wünsch­te Noe, zurück­keh­ren zu dür­fen, sofort! Wir haben ihm vom Regen erzählt, von Stür­men, von sei­ner Mut­ter, von sei­nem Vater, wie stolz sie auf ihn sind. Nach 5 Tagen war Noe ruhi­ger gewor­den, mür­be von der lan­gen Zeit toben­den Zwei­fels, viel­leicht auch des­halb, weil wir ihn aus 850 Fuß Tie­fe der Dun­kel­heit auf Höhe der Däm­me­rung hoben, eine Ahnung von Licht, Hoff­nung, das Gefühl, noch nicht ver­lo­ren zu sein. Ein tap­fe­rer Mann. Er habe das Wort Schnee in sei­nem Kopf hin und her bewegt, aber er kön­ne nicht sagen, was es bedeu­te. Sor­ge berei­te ihm außer­dem, dass er sein Gesicht nicht erin­ne­re. Seit­her dis­ku­tie­ren wir, ob wir ihm nicht doch ein hei­te­res Bild sei­ner Per­son über­mit­teln könn­ten, Noe droh­te das Rück­wärts­spre­chen zu üben. All das scheint nicht unge­wöhn­lich zu sein für sei­ne schwe­ben­de Lage, ein lan­ge Zeit andau­ern­der Moment von Ein­sam­keit, Fische, die ihn beob­ach­ten, Wör­ter gehen ver­lo­ren. In die­ser Sekun­de, lie­ber Lou­is, da ich Dir schrei­be, beginnt Noe wie­der zu lesen mit hel­ler Stim­me, James Bald­win / Unter­was­ser­buch No 285, nachts träum­te ich, und mor­gens wach­te ich zit­ternd auf, konn­te mich aber nie an den Traum erin­nern, nur dar­an, dass ich gerannt war. Ich wuss­te nicht mehr, wann es mit die­sen Träu­men ange­fan­gen hat­te; es war lan­ge her. Zwi­schen­durch gab es Zei­ten, in denen ich über­haupt nicht träum­te. Und dann ging es wie­der los, jede Nacht. – Ahoi! Dein OE SOM

gesen­det am
23.03.2012
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oe som to louis »

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ein ohr

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sier­ra : 0.01 — Im Traum hat­te eines mei­ner Ohren sei­ne Posi­ti­on ver­las­sen. Das wan­dern­de Ohr hock­te, als ich erwach­te, auf mei­ner lin­ken Wan­ge wie ein wil­des Tier, das ich zu bän­di­gen trach­te­te, in dem ich mit ihm ein Gespräch zu füh­ren ver­such­te. Beschwö­rung. Ver­hand­lung. — stop

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roosevelt Island

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char­lie : 3.05 — Wie, zum Teu­fel, kommt die­ser merk­wür­di­ge Traum in mei­nen Kopf? War im Cen­tral Park auf der Suche nach einem groß­ar­ti­gen Jazz­po­sau­nis­ten, nach Fred Wes­ley gewe­sen, ver­irr­te ich mich, spa­zier­te plötz­lich auf Roo­se­velt Island her­um. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glau­be sehr fest dar­an, dass es sich um Roo­se­velt Island gehan­delt haben muss­te, weil ich mit einer Art Luft­gon­del, einer Seil­bahn ange­kom­men war. Wahr­haf­tig eine her­un­ter­ge­kom­me­ne Gegend, zer­fal­le­ne Gebäu­de, Müll und Stra­ßen, die teil­wei­se unter Was­ser stan­den. Ich war­te­te in einem Kel­ler­lo­kal, auch hier Was­ser in Knie­hö­he, hun­der­te Tische. Man konn­te in die­sem Lokal vom Men­schen essen. Wenn man sich, nach Besich­ti­gung der Kar­te, ent­schie­den hat­te, kam ein Mensch her­bei, von dem man pro­bie­ren konn­te. Da waren Arm­men­schen mit köst­lich schme­cken­den Armen, und da waren Bauch­men­schen mit köst­lich schme­cken­den Bäu­chen. Man­che die­ser Per­so­nen sahen recht schreck­lich aus, weil bereits häu­fi­ger von ihnen abge­bis­sen wor­den war. Ich wer­de das jetzt nicht wei­ter aus­füh­ren. Es ist Mon­tag. – stop

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upper new york bay : elefanten

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nord­pol : 11.10 — Im Traum folg­te mir ein Mann stun­den­lang, als wäre er mein eige­ner Schat­ten. Die­ser Schat­ten führ­te drei jun­ge Ele­fan­ten hin­ter sich her, damp­fen­de Geschöp­fe, die ohne Pau­se hup­ten. Das wäre für sich genom­men eine noch eher hei­te­re Geschich­te gewe­sen, wenn der Dampf der Ele­fan­ten nicht bedeu­tet haben wür­de, dass es sich um gebra­te­ne Ele­fan­ten­tie­re han­del­te, gekocht bis auf die Kno­chen. Tei­le ihrer Bäu­che waren bereits ver­lo­ren gegan­gen, auch von ihren Ohren waren kaum nen­nens­wer­te Res­te übrig gewe­sen. Ich dach­te mir noch, dass sie viel­leicht hup­ten, weil sie unter Schmer­zen lit­ten, da hat­te ich bereits einen Löf­fel in der Hand. – stop. Wäh­rend einer Fahrt mit der Sta­ten Island Fäh­re eine Frau, die mit sehr hoher Geschwin­dig­keit Pla­ton auf einem iPad las. Das wirk­te genau so, als wür­de sie den Text mit ihren Augen foto­gra­fie­ren. Nach wie vor auf der Suche nach einem Wort, das den Moment beschrei­ben könn­te, in dem Regen auf die Ober­flä­che des Mee­res trifft, nach einem Geräu­schwort für das Ver­schwin­den. — stop
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saint george ferry terminal : tiefseeelefanten

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echo : 0.02 — Ges­tern, Diens­tag, 24. Janu­ar, hat­te ich Gele­gen­heit mich genau so zu ver­hal­ten, als wür­de ich schla­fen, obwohl ich doch hell­wach gewe­sen war. War in der zen­tra­len Hal­le des Saint Geor­ge Fer­ry Ter­mi­nals, erin­ner­te mich an einen Traum, den ich vor zwei Jah­ren erleb­te. Ich war­te­te in die­sem Traum an einem spä­ten Abend an genau der­sel­ben Stel­le auf das nächs­te Schiff nach Man­hat­tan zurück. Ich war­te­te lan­ge, ich war­te­te die hal­be Nacht, begeis­tert vom Anblick einer Her­de fili­gra­ner Tief­see­ele­fan­ten, die über den hel­len san­di­gen Boden eines Aqua­ri­ums wan­der­ten. Sie hat­ten ihre meter­lan­gen Rüs­sel zur Was­ser­ober­flä­che hin aus­ge­streckt, such­ten in der küh­len Luft her­um und berühr­ten ein­an­der in einer äußerst zärt­li­chen Art und Wei­se. Ein fas­zi­nie­ren­des Geräusch war zu hören gewe­sen, sobald ich eines mei­ner Ohren an das haut­war­me Glas des Gehe­ges leg­te. Und auch ges­tern war­te­te ich wie­der lan­ge Zeit und beob­ach­te­te den san­di­gen Boden des Aqua­ri­ums, von dem ich geträumt hat­te. Bis­wei­len, nicht ganz wach und nicht im Schlaf, war das Signal­horn eines Fähr­schiffs zu hören. Glück­li­che Stun­den. — stop

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fluggewicht

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marim­ba : 8.28 — Ver­gan­ge­ne Nacht hat­te ich einen lus­ti­gen Traum. Ich saß auf mei­nem Sofa mit einem Engel, der vom Flie­gen erzähl­te, davon genau­er, wie es ist, eine Rei­se über den Atlan­tik zu unter­neh­men, wenn man ein Engel ist, Flug­zei­ten (2 Stun­den), Flug­hö­he (8 Meter), Pro­vi­ant, Flie­ger­bril­le und alle die­se Din­ge, an die ich zuvor nie gedacht hat­te. Der Engel war im Moment unse­res Gesprä­ches unbe­klei­det gewe­sen, schnee­wei­ße Haut, 5 Zen­ti­me­ter Höhe. Eine fas­zi­nie­ren­de Situa­ti­on. Vor uns stan­den zwei gro­ße Kof­fer. Ich hat­te sie gewo­gen, Gepäck­stü­cke aus­ge­tauscht, um das Gewicht gut zu ver­tei­len. Und da war ein wei­te­rer Kof­fer, etwas klei­ner, ein Pilo­ten­kof­fer. Auch die­sen Kof­fer hat­te ich gewo­gen. Er war 15 Kilo­gramm schwer, ich soll­te ihn mit mir ins Flug­zeug neh­men. Wie ich den klei­nen Engel frag­te, war­um sein Kof­fer so schwer gewor­den sei, was er denn mit sich neh­men wer­de nach Ame­ri­ka, ein Wesen von 20 Gramm Gewicht, dar­an erin­ne­re ich mich noch, und wie der Engel bald auf sei­nem Kof­fer saß und ver­such­te einen Reiß­ver­schluss zu öff­nen. Dann wach. Regen in Strö­men. Sams­tag. – stop
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geborstene wangen

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marim­ba : 9.28 — Sie­ben­hun­dert Men­schen sol­len vor weni­gen Wochen wäh­rend einer Demons­tra­ti­on auf dem Tah­r­ir-Platz ver­letzt wor­den sein. Das Trau­ma der Ver­sehr­ten, Ver­bren­nung, ver­ätz­te Bron­chi­en, stei­fe Hän­de und Arme, Sprach­stö­rung, blin­de Augen, zer­trüm­mer­te Kie­fer, gebors­te­ne Wan­gen, ver­lo­re­ne Erin­ne­rung. Was bedeu­tet, der Blick ist in dunk­le Sei­ten­stra­ßen der Stadt gerich­tet, in Zim­mer ver­steck­ter, not­dürf­tig aus­ge­rüs­te­ter Ambu­lan­zen, das Wort der Ver­let­zung in die­sen Zusam­men­hän­gen? — stop

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eine fliege

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india : 6.28 — Eine Flie­ge war unlängst aus gro­ßer Höhe abge­stürzt und vor mir auf den Tisch gefal­len. Die Vor­stel­lung zunächst, das Tier könn­te, noch im Flug befind­lich, aus dem Leben geschie­den sein, dann aber war Bewe­gung im lie­gen­den Kör­per zu erken­nen, zwei der vor­de­ren Flie­gen­bein­chen beweg­ten sich bebend, bald zuck­ten zwei Flü­gel. Die Flie­ge schien benom­men, aber nicht tot gewe­sen zu sein, wes­we­gen sie bald dar­auf erwach­te, eine äußerst schnel­le Bewe­gung und schon hat­te die Flie­ge auf ihren Bei­nen Platz genom­men, das heißt genau­er, auf Fün­fen ihrer sechs Bei­ne Platz genom­men, das lin­ke hin­te­re Bein streck­te die Flie­ge steif von sich. Kei­ne Bewe­gung der Flucht in die­sem Zeit­raum mei­ner Beob­ach­tung. Auch dann, als ich mich mit dem Kopf näher­te, kei­ne Anzei­chen von Beun­ru­hi­gung. Die Flie­ge schien mit sich selbst beschäf­tigt zu sein, tas­te­te mit einem ihrer Hin­ter­bein­chen nach der gestreck­ten Extre­mi­tät, die ver­letzt zu sein schien, gebro­chen, viel­leicht oder gestaucht. Natür­lich stell­te sich sofort die Fra­ge, ob es mög­lich ist, das Bein einer Flie­ge medi­zi­nisch erfolg­reich zu ver­sor­gen, Bewe­gungs­still­stand zu errei­chen, sagen wir, um eine Ope­ra­ti­on zum Bei­spiel, die drin­gend gebo­ten sein könn­te, vor­zu­be­rei­ten. Ich mach­te ein paar Noti­zen von eige­ner Hand, ich notier­te in etwa so: For­schen nach Mikro­skop, Pin­zet­ten, Skal­pel­len, ana­to­mi­schen Auf­zeich­nun­gen, Schrau­ben, Nar­ko­ti­ka und Ver­bands­ma­te­ria­li­en für Ope­ra­ti­on an geöff­ne­ter Cal­li­pho­ra vici­na. Nein, fan­gen wir noch ein­mal von vor­ne an. Unlängst. Eine Flie­ge. — stop
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kapselbäume

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lima : 0.03 – Fens­ter von opa­k­em Licht. Bäu­me drau­ßen im Park vor dem Prä­pa­rier­saal selbst nicht zu sehen, nur ihre Schat­ten, die sich im Wind beweg­ten. Der Ein­druck, jene Schat­ten­bäu­me han­del­ten aus eige­ner Kraft, Mus­keln unter der Rin­de, Seh­nen, Gelen­ke, Kap­seln, Bän­der. Sche­men zwei­er Eich­hörn­chen hüpf­ten von Ast zu Ast. Ich beob­ach­te­te eine Idee, wäh­rend ich über Kopf­hö­rer die Qua­li­tät einer Ton­band­auf­nah­me kon­trol­lier­te. Eine Stim­me. Die Stim­me eines jun­gen Man­nes. Er sag­te: Ich hielt im Traum einen Kehl­kopf in der Hand, der lei­se pfiff. Ich kann mich an ein paar sehr schrä­ge Töne erin­nern, an eine vibrie­ren­de Bewe­gung auf mei­ner Hand­flä­che, als ob dort ein Fal­ter sehr rasch mit sei­nen Flü­geln auf und ab schla­gen wür­de. : pau­se 2 sec : Manch­mal habe ich am hell­lich­ten Tag Vor­stel­lun­gen, Tag­träu­me­rei, mei­ne Hän­de, zum Bei­spiel, auf dem Lenk­rad mei­nes Autos, ohne Haut.  –  Sams­tag. Wol­ken­lo­ser Him­mel. Count Basie. — stop

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