Aus der Wörtersammlung: traum

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holly

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del­ta : 6.58 — Im Traum mit Jürg Feder­spiel auf Fähr­schif­fen zwi­schen Man­hat­tan und Sta­ten Island hin und her unter­wegs. Sobald wir eines der bei­den Ufer erreich­ten, ver­lie­ßen wir unser Schiff, um sofort das nächs­te Schiff in die Gegen­rich­tung zu bestei­gen. Wir mach­ten das so selbst­ver­ständ­lich, als hät­ten wir nie etwas ande­res an die­sem Ort getan. Jedes Mal muss­ten wir eine Schleu­se pas­sie­ren, wir zogen dann unse­re Schu­he und unse­re Gür­tel aus und setz­ten bedeu­tungs­vol­le Gesich­ter auf, indem wir an schwer bewaff­ne­ten Poli­zis­ten vor­über­gin­gen. Bald schon stan­den wir wie­der Nasen im Fahrt­wind, Schul­ter an Schul­ter, und Herr Feder­spiel wie­der­hol­te sei­ne Lieb­lings­ge­schich­te, eine kur­ze Erzäh­lung, die von den Augen der Frei­heits­sta­tue berich­te­te. Das sei­en ohne Zwei­fel die Augen jener Men­schen, die übers Meer gekom­men waren, um in Ame­ri­ka ein neu­es Leben zu begin­nen. Rie­si­ge Möwen­ma­schi­nen beglei­te­ten das Schiff, sie jag­ten nach Foto­ap­pa­ra­ten und ande­ren glit­zern­den Din­gen. Kaum hat­ten wir ein Ufer erreicht, war der Dich­ter zu Ende gekom­men und die Geschich­te ver­ges­sen, wes­we­gen sie unver­züg­lich erin­nert wer­den muss­te. Und so fuh­ren wir wei­ter und immer wei­ter Hin und Her. Auch Hol­ly war da. Ich konn­te ihren Rücken sehen und ihren Hut, der sich auf dem Kopf lang­sam dreh­te. — stop
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sinusknoten

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ulys­ses : 5.08 — Im Traum woll­te ich mein Herz mit einem Mäd­chen tei­len, das sehr krank gewe­sen war. Ich beob­ach­te­te, wie ein Chir­urg mei­ne Brust öff­ne­te. Bald hör­te ich das Mäd­chen lachen und sah, wie es davon hüpf­te. War­te­te einen Tag auf dem Rücken lie­gend und mach­te mich dann stadt­wärts im Zwie­licht auf die Suche nach einem wei­te­ren Her­zen. – Nacht. Wun­de­re mich, dass ich lebe von Minu­te zu Minu­te. stop. Fei­ne Wör­ter gesam­melt: ping query sin­gle­cast cha­os class hesi­od elap­sed seconds flood maxi­mum hop count nona­me broad­cast > 255.255.255.255.2223 toctoctoc

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lippenstille seidenherz

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del­ta : 7.28 — Es gebe, notiert René Char in sei­ner Gedicht­samm­lung Lob einer Ver­däch­ti­gen, nur zwei Umgangs­ar­ten mit dem Leben: ent­we­der man träu­me es oder man erfül­le es. In bei­den Fäl­len sei man rich­tungs­los unter dem Sturz des Tages, und grob behan­delt, Sei­den­herz mit Herz ohne Sturm­glo­cke. — Bald ein­mal zwei oder drei Tage schwei­gen, um den Kopf­stim­men stum­mer Men­schen nach­zu­spü­ren. Ich könn­te mich kurz vor Beginn des Silen­ti­ums ver­ab­schie­den von Freun­den: Bin tele­fo­nisch nicht erreich­bar! Oder einen Block besor­gen, Fra­gen zu ver­zeich­nen, sagen wir so: Füh­ren sie in ihrem Sor­ti­ment Hör­ge­rä­te für Engel­we­sen fin­ger­groß? Eine Kärt­chen­samm­lung zu erwar­ten­der Wie­der­ho­lungs­sät­ze wei­ter­hin: Habe vor­über­ge­hend mein Ton­ver­mö­gen ver­lo­ren! — Dass einer, der nach einer trau­ma­ti­schen Erfah­rung ohne Stim­me ist, in drin­gen­den Fäl­len kopf­seits zu brül­len beginnt, dass er in der Lip­pen­stil­le mit den Ohren noch nach gerings­ten Spu­ren eines Geräu­sches sucht. — stop
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schlafhauszeit

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sier­ra : 20.21 — Ein­mal nach einer Metho­de suchen, für einen Men­schen, das heißt, anstel­le eines ande­ren Men­schen, schla­fen zu kön­nen. Man wür­de fort­an Traum­zeit ran­gie­ren, man wür­de sagen, heu­te und mor­gen, wäh­rend Du arbei­test, um fer­tig wer­den zu kön­nen mit Dei­ner Arbeit, weil Du fer­tig wer­den, sofort fer­tig wer­den musst, lege ich mich auf mein Sofa und schla­fe vier­und­zwan­zig Stun­den für Dich und mich. Und kom­men­de Woche dann, wenn ich nach Finn­land rei­sen wer­de, wo’s im Som­mer nie­mals dun­kel wird, schläfst Du Tage oder Wochen anstatt mei­ner, weil im Herbst tod­si­cher wie­der viel wil­de Arbeit über Dich her­fal­len wird. Viel­leicht soll­ten ein­mal Schlä­fer exis­tie­ren, Men­schen, die schla­fen, das könn­te sein, Men­schen, die vor­nehm­lich schla­fen, um sich ernäh­ren zu kön­nen, sobald sie für kur­ze Zeit wach gewor­den sind, Schlaf­sä­le viel­leicht, oder Schlaf­wa­ben für Schlä­fer, wohl­tem­pe­rier­te Träum­er­ge­häu­se. Wie könn­te geschla­fe­ne Zeit, die Wir­kung die­ser Zeit, gespei­chert und von Kopf zu Kopf geschrie­ben sein? — stop

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marit

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nord­pol : 0.02 — Ver­gan­ge­ne Nacht war ich wach gewor­den um fünf. Ich hat­te einen merk­wür­di­gen Traum, in dem Mr. Eli­ot erklär­te, dass er Brie­fe, die ich an ihn schrei­be, nicht lesen kön­ne, weil er schon vor lan­ger Zeit blind gewor­den sei. Ich war dann also wach um fünf und fühl­te mich leicht, und ich wun­der­te mich, woher die­se Leich­tig­keit gekom­men sein moch­te. Da erin­ner­te ich mich, dass ich noch immer nach­drück­lich auf eine Ant­wort James Sal­ters war­te, ich hat­te ihm vor zwei Jah­ren zuletzt geschrie­ben. Auch Mr. Sal­ter könn­te blind gewor­den sein, kein Wun­der, dass er nicht schreibt. Unver­züg­lich such­te ich in den Archi­ven nach dem Brief, den ich notiert hat­te. Er war rasch gefun­den, eine fei­ne Geschich­te, die ich berüh­re, die ich hier wie­der­ho­le, indem ich sie mit Stim­me lese, in der Hoff­nung, dass Mr. Sal­ter mich hören kann: Lie­ber James Sal­ter, als ich heu­te Nacht am Schreib­tisch saß und in Ihren wun­der­ba­ren Erzäh­lun­gen las, habe ich eine klei­ne Spin­ne bemerkt, die mich beob­ach­te­te, jawohl, sie saß auf dem Feins­ten der Blatt­haa­re eines Ele­fan­ten­fuß­bau­mes, der neben mei­ner Com­pu­ter­ma­schi­ne steht, und beob­ach­te­te mich aus meh­re­ren win­zi­gen schwar­zen Augen. Ich habe über­legt, was die­ses Wesen wohl in mir sieht. Für einen wei­te­ren kur­zen Moment habe ich dar­über nach­ge­dacht, ob Spin­nen viel­leicht hören, – ich lese oft laut vor mich hin, das soll­ten sie wis­sen -, und so wun­der­te ich mich, dass ich vie­le Jah­re gelebt habe, ohne der Fra­ge nach­zu­ge­hen, ob Spin­nen über Ohren­paa­re oder doch wenigs­tens über einen zen­tra­len Gehör­gang, wo auch immer, ver­fü­gen. Ich saß also am Schreib­tisch, ich las und die klei­ne geti­ger­te Spin­ne, von der ich Ihnen erzäh­le, seil­te sich zur Tas­ta­tur mei­ner Com­pu­ter­ma­schi­ne ab. Ich hat­te den Ein­druck, dass ihr die­se Luft­num­mer Freu­de mach­te, weil sie ihre Lan­dung immer wie­der hin­aus­zö­ger­te, indem sie den Faden, der aus ihr selbst her­aus­ge­kom­men war, ver­speis­te, dem­zu­fol­ge ver­kürz­te. Viel­leicht hat­te sie bemerkt, dass ich sie betrach­te­te, das ist denk­bar, weil ich auf­ge­hört hat­te, laut zu lesen, für einen Moment, um nach­zu­den­ken, viel­leicht woll­te sie, um sich mir dar­zu­stel­len, auf mei­ner Augen­hö­he blei­ben. Das war genau in dem Moment, als Marit nach ihrer letz­ten Nacht auf unsi­che­ren Bei­nen die Trep­pe her­un­ter­ge­kom­men war, Marit, die doch eigent­lich seit Stun­den schon tot gewe­sen sein muss­te. Marit setz­te sich auf eine Trep­pe und begann zu wei­nen. Sicher wer­den Sie sich erin­nern an Marit, wie sie auf der Trep­pe sitzt und weint, weil sie wuss­te, dass sie eine wei­te­re letz­te Nacht vor sich haben wür­de. Als ich las, dass Marit lebt und weint, habe ich eine Pau­se gemacht, weil ich erschüt­tert war, weil das Gift nicht gewirkt hat­te. Ich saß vor mei­nem Schreib­tisch und über­leg­te, ob auch sie, James Sal­ter, erschüt­tert waren, als Marit lang­sam, auf unsi­che­ren Bei­nen die Trep­pe her­un­ter­kam. Und wäh­rend ich an Sie und Ihre Schreib­ma­schi­ne dach­te, beob­ach­te­te ich die Spin­ne, die mit­tels ihrer win­zi­gen Bei­ne, den Faden, an dem sie hing, betas­te­te. Ist das nicht ein Wun­der, eine Spin­ne wie die­se Spin­ne? Haben Sie schon ein­mal bemerkt, dass es nicht mög­lich ist, mit einer elek­tri­schen Schreib­ma­schi­ne zwei Buch­sta­ben zur glei­chen Zeit, also über­ein­an­der, auf das Papier oder den Bild­schirm zu schrei­ben? Immer ist einer vor, nie­mals unter dem ande­ren. Mit herz­li­chen Grü­ßen Louis.

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luftraum

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echo : 17.18 — Da war ein jun­ger Mann, der lei­se zu sei­nem Hand­te­le­fon sprach, eine Beschwö­rung ohne Pau­se in einem Sub­way­zug auf dem Hoch­gleis über Brook­lyn. Als der Zug in den Tun­nel taucht, als die Funk­über­tra­gung längst abge­bro­chen ist, spricht er wei­ter, wohin? — stop

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groundzerosekundenzeit

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char­lie : 22.18 — Kurz nach sechs Uhr abends. Church Street. Auf einer Trep­pe sitzt ein Mann in einem dunk­len Anzug, wei­ßem Hemd, blau­er Kra­wat­te. Seit bald einer Vier­tel­stun­de, Akten­kof­fer zwi­schen den Bei­nen, Hän­de gefal­tet, ver­harrt er in die­ser Wei­se bewe­gungs­los, schaut in den Luft­raum über Ground Zero. Press­luft­häm­mer sind zu hören, Tau­ben picken über den Boden. Eine Arm­län­ge ent­fernt von dem Mann, der zu beten scheint, balan­ciert ein sehr viel jün­ge­rer Mann auf den Schul­tern eines wei­te­ren jun­gen Man­nes. Er hält mit einer Hand einen Foto­ap­pa­rat so weit wie mög­lich in die Höhe, um eine Foto­gra­fie jenes Ortes auf­neh­men zu kön­nen, der hin­ter einem Bau­zaun ver­bor­gen liegt. Das sieht so aus, als ver­su­che er rück­wärts in die Zeit vor­zu­drin­gen, als wol­le er noch etwas vom Ver­schwun­de­nen, vom Schre­cken doku­men­tie­ren, all das fin­den viel­leicht, was dort nicht mehr ist, so gründ­lich wur­de auf­ge­räumt. Wie er jetzt von den Schul­tern des Freun­des springt, fällt ihm der Foto­ap­pa­rat aus der Hand. Der klei­ne Blech­kas­ten schep­pert über den Geh­steig, Tau­ben flie­gen auf. Auch der Blick des beten­den Man­nes bewegt sich, fla­ckert für einen Moment in den Räu­men der Zeit. — stop
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george ferry terminals tiefseeelefanten

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sier­ra : 17.10 — Hat­te einen Traum, eine Wahr­neh­mung, die mir lan­ge Zeit, ich war längst erwacht, ein sehr wirk­li­cher Raum gewe­sen zu sein schien. Dort, im Nacht­zim­mer, war­te­te ich an einem spä­ten Abend in der zen­tra­len Hal­le des Saint Geor­ge Fer­ry Ter­mi­nals auf das nächs­te Schiff nach Man­hat­tan zurück. Ich war­te­te lan­ge, ich war­te­te den hal­ben Tag und eine hal­be Nacht, begeis­tert vom Anblick einer Her­de fili­gra­ner Tief­see­ele­fan­ten, die über den hel­len, san­di­gen Boden eines Schau­aqua­ri­ums wan­der­ten. Sie hat­ten ihre meter­lan­gen Rüs­sel zur Was­ser­ober­flä­che hin aus­ge­streckt, such­ten in der See­luft her­um und berühr­ten ein­an­der in einer äußerst zärt­li­chen Art und Wei­se. Ein fas­zi­nie­ren­des Geräusch war zu hören, sobald ich eines mei­ner Ohren an das war­me Glas des Gehe­ges leg­te. Die­ses Geräusch nun sucht seit Stun­den nach einem Wort für sich selbst, nach einem Zei­chen­satz, der ver­mut­lich nie­mals exis­tie­ren wird. — stop
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lamellenohr

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ulys­ses : 17.
52 — Ich hat­te, selt­sa­me Geschich­te, die Idee, dass ich, in dem ich schla­fend oder wachend durch Man­hat­tan spa­zie­re, ler­nen soll­te, mei­ne Ohren in der Wei­se der See­hun­de durch Mus­kel­kraft zu ver­schlie­ßen. Denk­bar, dass mir bald Lamel­len feins­ter Haut gewach­sen sein wer­den, Innen­ohr­se­gel, deren Bewe­gung ich ver­fü­gen könn­te, wie ich die Bewe­gung mei­ner Hän­de vor­her­sa­gen kann. — Mensch­li­che Stim­men im Vor­über­ge­hen in den Far­ben sanf­ter Traum­ge­sprä­che. Der Schlaf der Augen in der Sub­way, die Wild­heit zufäl­li­ger Bli­cke. — stop
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