luftbeben

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2.15 – Heute Nacht, weiß der Himmel warum, knis­tern die Wände meiner hölzernen Zimmer. Viel­leicht ist der Boden unter der Stadt nach Norden vorge­rückt, und ich höre in diesen Stunden das Nach­fe­dern des Hauses. Oder aber feinste Substanzen der Luft sind in elek­tri­scher Bewe­gung, weil hinter den wandernden Erdma­gneten bereits Winter wird. Um eins gehe ich aus dem Haus. Um zwei bin ich zurück. Jetzt ist es fünf­zehn Minuten später und in New York gerade kurz nach sieben Uhr Abend, beste Zeit einen kleinen Imbiss zu mir zu nehmen. Dann wieder an die Arbeit. Habe noch ein paar Namen zu erfinden. Geräu­sche, sagen wir: – Burma 8. Mandrill. Subseven. Milano­maki. –  Gern würd ich die kommenden 500 Jahre über­leben. – stop

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zähler

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0.01 – Exis­tiert viel­leicht eine Maschine, die zählen kann, wie viele Wörter von einem Menschen während seines Lebens ausge­spro­chen werden? – Wie viele Wörter habe ich in meinem Leben bereits zur Sprache gebracht, wie viele Wörter habe ich geschrieben und wie viele Wörter habe ich gedacht? – stop

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steinzeichenmaschine

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0.55 – Eine merk­wür­dige Person könnte einmal erfunden worden sein, ein Mann, der vor einer schweren, mecha­ni­schen Schreib­ma­schine sitzt. Er notiert, ohne ein Farb­band einge­legt zu haben. Dann nimmt er das Papier aus der Maschine und macht den Eindruck der Zeichen­sätze sichtbar, in dem er mit einem Blei­stift das Papier verdun­kelt. – stop

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chicago

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11.48 – Seit einer Stunde bereits versuche ich den Namen einer jungen Frau wieder­zu­finden, das heißt, hervor­zu­holen, um mich auf die Suche nach jener Musik machen zu können, die ihre Trom­pete einmal spielte oder viel­leicht noch immer spielt. Ich laufe auf und ab. Ich spüre, dass er da ist, dass ich den Namen noch in meinem Kopf gespei­chert habe. Aber auch mit geschlos­senen Augen komm ich nicht heran. – stop

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im wald

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14.12 – Träumte einen Wald von Affen, von Katzen, von Lemuren. Kühle Luft dort, stei­nerne Halme bis unter den Himmel, uraltes Zeug. Die Affen waren durch­blutet, mäch­tige Tiere, von Kopf bis Fuß schwarz­weiß in Streifen. Auch die Ohren, schwarz und weiß. Sehr kleine Ohren, Ohren aus Mensch. Auf einer Lich­tung drehte sich eine Kugel dicht über dem Boden, rasend schnell, elek­trisch beleuchtet, warmes, ange­nehmes Licht. Sand flog auf an Ort und Stelle, und Laub. Da war noch Musik, eine Orgel, direkt aus dem Boden, Walzer­musik. Auch Stimmen von dort, gedämpfte Stimmen. Nicht weit, etwas loses Papier im Gras. Und leere Flaschen. Die Luft stank nach Schnaps, nach Urin und diesen Dingen. Im Schatten einer kräf­tigen Buche lagen ein paar Bücher herum, ein Lowry, etwas Duras, etwas Fitz­ge­rald, auch von Joyce ein paar Seiten, von O’Neill. Plötz­lich Dämme­rung, Zwie­licht. Ich erin­nere mich an das Haupt von Patricia Highs­mith, das aus dem Boden ragte. Das war ein sehr schmut­ziger Kopf, ein Kopf, der lachte. Der Kopf sah mich an und sagte, heisere Stimme: Malcolm hat wieder ein Manu­skript verloren. Dann schwieg er. Dann aber kühl: Ich wünsche eine Bestel­lung aufzu­geben. – stop

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wespenjäger

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20.05 – Beob­ach­tung am frühen Abend : Wespe, 1 Zenti­meter, stürzt sich auf Libelle, 12 Zenti­meter, reißt Insek­ten­vogel aus der Luft zu Boden, 0,5 Sekunden, tran­chiert Kopf vom Rumpf, 20 Sekunden. Abtrans­port des schönen Schil­ler­schä­dels unver­züg­lich, als wär man nur an Gehirnen inter­es­siert, oder an Augen, oder Trophäen. – stop

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sammler

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5.08 – Schreib­ma­schinen sammeln zum Beispiel, um ihre Geräu­sche studieren zu können, oder Amber­ge­steine, um einen guten Grund zu haben an Stränden spazieren zu gehen, oder Nilpferde aus Porzellan oder Schnee­ku­geln oder Engels­zungen in vivo. – stop
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pingpong

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20.12 – Früher Abend. Sehr heiße Luft. Ich frage mich, sind Geschöpfe, die über 5 Bein­paare verfügen, noch als Käfer anzu­sehen? Ich schreibe einem Freund eine E-Mail. Kaum habe ich meine Frage notiert, abge­schickt und mich erhoben, um etwas die Beine zu vertreten, kommt mit einem Ping­ge­räusch seine Antwort: Bin zurück > Sonntag, 26. August 2012. Haben Sie eine gute Zeit. Truman. Es ist jetzt 10 Minuten später. Habe ich diese Geschichte erfunden? – stop

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abenteuer auf dem tisch

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3.15 – Kaum drei Minuten zurück, über­querte sehr langsam, Stelz­schritt für Stelz­schritt, eine Spinne von enormer Größe meinen Schreib­tisch. Sie kam von rechts über die Tisch­kante, also von Westen, und marschierte auf einer schnur­ge­raden Linie ostwärts. Als sei ich schon immer hier gewesen, der Tisch, der mein Tisch ist, zwei Bücher, die meine Lese­bü­cher sind, meine Schreib­ma­schine, meine Hände und meine großen Augen, klet­terte sie an einem Mann vorüber, der die Luft anhielt, der Flucht­in­stinkte zähmte, der sich sagte, dass diese Spinne, eine sehr entschei­dende Spinne darstellte, dass, wenn er die Gegen­wart dieser Spinne nicht ertragen könnte, er, der ganze Mann, für Urwald jeder Art nicht geeignet sei. – Haben Spinnen dieser Größe einen persön­li­chen Geruch? – Könnte ich je eine Spinne verzehren? – Ist es möglich, einen Gedanken zu erfinden? – stop

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zungenwelt

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0.01 – Wie würde sich unsere Menschen­welt verän­dern, wenn wir von einem Tag zum anderen Tag über armlange Zungen der Geckos verfügten? In welcher Form kämen sie in einer voll­be­setzten Stra­ßen­bahn zum Einsatz? Und wie bei der Liebe? Und wie im Streit? Und was würden diese Zungen wohl im Schlaf unter­nehmen? – stop

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