jombusu

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2.12 – miko­beli. s t o p lara­bebo. s t o p kanabulo. s t o p soni­taso. s t o p jombusu. s t o p ioji­bebu. s t o p Ich notiere: Wieder Wörter erfunden, wieder mein Gehirn geölt. – s t o p

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savanne

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5.57 – Träumte hoch­ge­wach­sene afri­ka­ni­sche Frauen, Nacht­läu­fe­rinnen, die weite Stre­cken durch Wälder eilten. Unent­wegt spra­chen sie in Funk­ge­räte, aus welchen meter­lange, geschmei­dige Antennen ragten. – Muss ich die Exis­tenz der Kiemen­men­schen in einem Text begründen? Kann ich in der Nähe des Wortes Kiemen­mensch, das Wort Frosch­mann für einen Taucher noch sinn­voll verwenden? – stop

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libellen

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15.11 – Bei großer Hitze von Büchern umgeben seit Stunden bereits auf dem hölzernen Boden meines Arbeits­zim­mers. Lese da eine kleine Geschichte und dort einen Absatz und hier eine Zeile und mische im Kopf und warte, bis sich alles wieder vonein­ander absetzt. Gleich werde ich Wong Kar Wais < 2046 > auflegen. Jetzt leichter Regen, die Fenster geöffnet. Dutzende Falter, die sich licht­süchtig wieder und wieder in den Bild­schirm stürzen. Ich sollte mir zwei kraft­volle Libellen halten. – stop

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unschärfe

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0.26 – Jedes Erzählen, jedes Lesen scheint ein Vorrü­cken in einer Zeit zu sein, in der ich selbst gehalten bin wie ein Fisch im Wasser gehalten ist. Immer, auch dann, wenn es um Jahre zurück­geht im Text, liegt die wahr­zu­neh­mende Vergan­gen­heit bis zu einem letzten Punkt je um ein Zeichen, um ein Wort, um Zeilen oder Seiten später, das heißt in der Zukunft. – stop

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nebelhorn

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1.28 – Gestern Abend in der Dämme­rung bin ich durch den Regen gestapft, weil ich gelesen hatte, auf dem Postamt würde ein Paket auf mich warten. Ich ging also los mit meinem Regen­schirm, der sehr schöne Geräu­sche macht, wenn Wasser aus großer Höhe auf ihn herab­fällt. Und weil es sehr windig war, musste ich den Schirm etwas schräg vor mich stellen, wie einen Schild viel­leicht, deshalb habe ich von den Menschen, die mir begeg­neten nur Schuhe gesehen oder Beine in Strümpfen oder Hosen oder flat­ternde Mäntel. Sehr seltsam dieser exqui­site Blick auf die Werk­zeuge des Gehens, sehr seltsam, wie schnell mensch­liche Wesen sich doch bewegen. Bald war ich wieder auf dem Weg zurück, ein Paket unter dem Arm, den Schirm nun, ein Segel, im Nacken, Blick auf feuchte Schilde, die sich mir entgegen stemmten, darunter Artge­nossen, geräuschlos. – Aber nun zu dem, was ich eigent­lich erzählen will. Auf meinem Schreib­tisch ruht seit sechs Stunden ein fein gestal­tetes Buch von rauem, kräf­tigem Papier, ein Buch, das mit dem Schiff zu mir über den Atlantik reiste, weswegen es fünf Wochen unter­wegs gewesen war, in einem Container vermut­lich bei Wind und Wetter, also rollte und übers Wasser schlin­gerte, auf und ab getragen von sehr hohen und klei­neren Wellen. Ich habe lange Zeit auf dieses Buch gewartet, eine sehr lange Zeit. Als ich zu warten begann war noch Sommer gewesen und jetzt ist schon Winter geworden. Nun endlich liegt das kleine Buch, das von den Zwil­lingen Daisy und Violet Hilton erzählt, auf meinem Schreib­tisch oder in meiner Küche oder auf meinem Sofa oder auf meiner Brust, wenn ich trotz der Begeis­te­rung kurz einmal einge­nickt sein sollte. Da ist eine Bewe­gung im Halb­schlaf, ein kaum wahr­nehm­bares Schau­keln. Und da sind zwit­schernde Mädchen­stimmen, und das Nebel­horn eines Damp­fers vor Brighton. – stop

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felix fénéon

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2.15 – Immer wieder fällt etwas zu mir herein und ich kann nicht sagen, warum gerade dieses und warum gerade jetzt. Vorhin habe ich an Felix Fénéon gedacht. Ich geh zum Regal und suche in seinem Buch der 1001 wahren Geschichten. Da ist eine Geschichte, die Geschichte No 81 aus dem Jahr 1906 zum Beispiel: Mit einem Ratten­schwanz versehen und zur Täuschung mit feinem Grus gefüllt, wurde ein Zylinder aus Weiß­blech in der Rue de l’Quest gefunden. Einhun­dert Jahre später, eine fried­liche Nacht ange­nehm kühler Luft. Ich stelle mir hunderte schla­fender Köpfe vor, die in meiner Nähe in ihren stei­nernen Waben liegen. Wie still sie sind in dieser Lage. – stop

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hemingway

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7.05 – Unter einem Ahorn­baum eine Hütte. Räume, so niedrig, dass ich mich, als ich eintreten will, bücken muss. Ein Tisch, auf dem ein Glas Milch steht, das dampft. Eine Katze schläft auf dem Tisch neben einer Gruppe scharf ange­spitzter Blei­stifte von gelbem Holz. Ernest Hemingway, kaum höher als 150 cm, betritt den Raum. Er setzt sich an den Tisch und beginnt mit einem der Blei­stifte in die Luft zu schreiben: Das merk­wür­dige Leuchten, das die Sonne, jetzt da sie höher steht, im Wasser hervor­ruft, und auch die Formen der Wolken über dem Fest­land bedeuten gutes Wetter. Aber der Vogel ist jetzt nahezu außer Sicht und nichts zeigt sich auf der Ober­fläche des Wassers außer einigen Stellen von gelbem, sonnen­ge­bleichten Sara­gos­sa­tang und die violette, fest­ge­formte, schil­lernde, gallert­ar­tige Blase einer Portu­gie­si­schen Galeere, die dicht neben den Boot treibt. Sie legt sich auf die Seite und rich­tete sich dann auf. Sie treibt munter wie eine Luft­blase dahin mit ihren langen, tödli­chen, violetten Nessel­fäden, die beinahe einen Meter hinter ihr im Wasser nach­schleppen. - Leichter Regen.

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