juliett : 0.08 UTC — Wenn die alte Dame, sie trägt einen Sommerhut auf dem Kopf, in ihrem Rollstuhl sitzend erwacht und ihre flinken Augen öffnet, fragt sich alle Welt, was sie wohl sehen und denken mag. — stop

juliett : 0.08 UTC — Wenn die alte Dame, sie trägt einen Sommerhut auf dem Kopf, in ihrem Rollstuhl sitzend erwacht und ihre flinken Augen öffnet, fragt sich alle Welt, was sie wohl sehen und denken mag. — stop

echo : 18.06 UTC — Erinnern Sie sich an das Geräusch der Tauben in einem Taubenschlag, ich meine an das Geräusch der Flügel, wenn sie ihre Federn schütteln? Sollten Sie sich erinnern, wird Ihnen nicht schwerfallen, einen kleinen Laden vorzustellen, in welchem Fächertiere wohnen, die erwarten, dass irgendjemand sie mit sich nimmt, ein Ort voller Winde kreuz und quer. Fächertiere sind wertvolle Geschöpfe. Ein ausgewachsenes, gut trainiertes Exemplar wird nicht unter 750 Pfund gehandelt. Wenn man nun eines dieser Wesen aus einer Schar hunderter weiterer Wesen wählte, wird es in einen besonderen Koffer verstaut. Es handelt sich um einen knöchernen Behälter von länglicher Form, in dem das Fächertier zur Ruhe gelegt werden kann. Nicht notwendig zu erwähnen, dass das Tier gegen seine Fesselung mittels fauchender Laute protestieren wird, aber das gibt sich bald, das muss man sich nicht allzu sehr zu Herzen nehmen. Kaum aus dem Laden getreten, schläft das Fächertier ein, das machen sie in Zeiten einer Reise immer, es ist nichts anderes zu tun. Und so geht man also spazieren. Bald sitzt man in einer Straßenbahn, es ist heiß, es ist schwül, jetzt sollte man das kleine Tier aus seinem Köcher holen. Man hält es vorsichtig in der Hand, unverzüglich wird das seltsame Wesen wach. Dort wo die Federn des Tieres in einem Punkt zueinander laufen, ist nun, aus der Nähe betrachtet, ein kleiner, runder Körper zu entdecken, so groß wie eine Murmel, der atmet, zwei Augen auch, und ein Schnabel, in dem sich eine Zunge hin und her bewegt, die einer Karpfenzunge ähnelt. Man darf das Tier an dieser Stelle berühren, sanft, dann lässt man es los. Das Fächertier entfaltet sich, prächtige Farben, Muster, die sich von Tier zu Tier unterscheiden, keines gleicht dem anderen. Und schon geht es los, eine Bewegung auf und ab, hin und her, kühlende Winde, es ist ganz wunderbar. Indessen, in den ersten Minuten staunender Beobachtung, wird man vielleicht befürchten, sie könnten sich entfernen, aber das ist niemals der Fall. — stop

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alpha : 20.02 — Kaum eine halbe Stunde ist vergangen, seit ich den Wunsch verspürte, mich zu beruhigen. Das war hauptsächlich, deshalb gewesen, weil ich meinen Puls in den Ohren schlagen hörte. So sehr hatte ich mich aufgeregt über einen kleinen Text, dem ich auf Position Twitter begegnet war, dass ich kaum noch denken konnte. Ich dachte nur das eine: Du bist wütend, Louis! Ich setzte mich also auf einen Stuhl und konzentrierte mich auf die Erfindung eines Wortes. Das half, das war schon immer so gewesen. Einige Wörter, die ich bislang nicht kannte, also entdeckte, sind Geburten seelischer Spannung. Auch dieses Mal war bald Ruhe eingekehrt, nachdem ich das Wort Zikadenpauke formuliert hatte. Vermutlich waren meine Ohrgeräusche unmittelbar für das Wort verantwortlich. Aber das ist im Grunde nicht wesentlich. Das Wort ist entdeckt und kann nun von Suchmaschinen gefunden, festgehalten und weitergegeben werden. — stop

alpha : 6.01 UTC — Ich bleibe stehen. Es ist früher Morgen. Was höre ich? Was lässt sich denken? — stop

lima : 0.08 UTC — Vorgestern, am späten Abend, führte ich ein interessantes Twittergespräch. Eine Person, ein Herr oder eine Dame, erkundigte sich auf direktem Kanal, ob es denn möglich sei, meinen eigentlichen Namen zu erfahren, weil er oder sie mich sehr gerne irgendwann in naher Zukunft wegen Hochverrats an dem deutschen Volke anklagen wolle. Ich hatte mich kurz zuvor erkundigt, ob er oder sie vielleicht einen der „versifften Neger“, die Europa angeblich bedrohten, persönlich kennen würde. Ich bat um etwas Geduld, ich würde mir Zeit nehmen, um ihre Anfrage zu entscheiden, müsste zunächst darüber nachdenken. Zeig Dich, Du Hund, schrieben der Mann oder die Frau. Ich antwortete, ich, der Hund, befürchte bei Offenlegung meines wirklichen Namens möglicherweise heute noch auf der Straße vor meinem Haus wegen Hochverrats eliminiert zu werden. Pause, fünf Minuten und 32 Sekunden, dann antwortete der Mann oder die Frau in großzügiger Weise, ich solle mich nicht aufregen, ich könne sicher sein, dass mir nichts geschehen würde. Wir kämpfen für die Freiheit der Meinung, gegen eine Diktatur, die Deutschland vernichten wolle. Er oder sie fragte sodann: Sind Dir Hans und Sophie Scholl bekannt? Es sei jetzt an der Zeit Widerstand zu leisten, damit Deutschland nicht untergehe, mutig und aufrecht. — stop

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zoulou : 18.34 — Einmal den Versuch wagen, all das, was ich an dem einen Tag dachte und wünschte und schrieb und sprach, an dem darauffolgenden Tag in präzise entgegengesetzter Weise zu denken, zu wünschen, zu schreiben. Warum? — stop
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alpha : 22.02 — Dachte wieder an eine Schreibmaschine, an eine besondere Schreibmaschine, an meine digitale Schreibmaschine, die jedes Zeichen, das ich notiere, im Moment der Speicherung in eine Hieroglyphe verwandelt, sodass ich schreibe einerseits, also einen Text speichere, anderseits nicht sofort wiederholend lesen kann, was ich für mich oder andere aufgehoben habe. Schreiben. Denken. Auf dem Wasser laufen. Eine vernünftige, das heißt, eine gute Schreibmaschine, ist nach wie vor mit dem Internet niemals verbunden. — stop
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alpha : 22.02 — Seit einer halben Stunde das Wort K i e m e n t u l p e in meinem Gehör, warum? — stop
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romeo : 12.05 UTC – Plötzlich war Dunkel geworden, der Himmel bedeckt, Strom ausgefallen, stockfinster. Viele Stunden Zeit vergingen. Ich saß auf einem Stuhl, den ich ertastet hatte, und wartete, dass das Licht zurückkehren möge. Es muss bald Vormittag geworden sein, aber noch immer dunkel, eine Dunkelheit, als wäre sie gemalt. Auch im Kühlschrank kein Licht. Ich weiß, nicht, wie ich auf die Idee gekommen war, im Kühlschrank könnte noch etwas Licht zu finden sein. Ich öffnete das Eisfach, Wasser stürzte heraus und etwas Weiches, daran mochte ich nicht denken, also machte ich den Kühlschrank wieder zu und kroch zurück zum Stuhl. Ich dachte, dass ich unbedingt sofort etwas Licht finden müsste, um sicher zu sein, dass ich nicht erblindet war. Auf den Knien arbeitete ich mich in Richtung der Wohnungstür, erreichte das Treppenhaus, hörte eine Stimme. — stop![]()
india : 15.02 UTC — Wieder Sekunden, dann Minuten der Achtsamkeit (kurioses Wort) : Was höre ich? Was rieche ich? Was sehe ich? Was fühle ich? Was kann ich denken? — stop
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