ulysses : 5.08 — Im Traum wollte ich mein Herz mit einem Mädchen teilen, das sehr krank gewesen war. Ich beobachtete, wie ein Chirurg meine Brust öffnete. Bald hörte ich das Mädchen lachen und sah, wie es davon hüpfte. Wartete einen Tag auf dem Rücken liegend und machte mich dann stadtwärts im Zwielicht auf die Suche nach einem weiteren Herzen. – Nacht. Wundere mich, dass ich lebe von Minute zu Minute. stop. Feine Wörter gesammelt: ping query singlecast chaos class hesiod elapsed seconds flood maximum hop count noname broadcast > 255.255.255.255.2223 toctoctoc
Aus der Wörtersammlung: licht
code-schirme
echo : 20.55 - title / 2 LN children WIA beschleunigt title / 2 local national children wounded in action. stop. Jeder Wörtercode ein Mantel. stop. Haben verwundete Kinder ihr Gesicht, ihr Augenlicht, Arme oder Beine verloren? stop. Ein Buchstabe noch unterscheidet für sich Leben von Tod: title / 2 LN children KIA beschleunigt title / 2 local national children killed in action. stop /aus geheimen Feldberichten der US-Armee zum Irak-Krieg, veröffentlicht auf der Plattform Wikileaks

verschwinden
sierra : 18.01 — Vor Kurzem, am frühen Abend genauer, ist mir eine merkwürdige Geschichte mit mir selbst passiert. Ich saß gerade vor dem Computerbildschirm und beobachtete, wie ein Server Zeile um Zeile meldete, welche Datei einer digitalen Arbeit gerade aus der lesbaren Welt in eine nicht lesbare Welt befördert wird, als ich bemerkte, dass mir das Löschen gefällt, dass auch das Verschwinden, Zeile für Zeile, reizvoll sein kann. Für einen kurzen Moment hatte ich die Idee, dass der Server, nachdem er meine Geschichte zu Ende gelöscht haben würde, auf mich selbst zugreifen könnte, also die Person des Autors zu sich holen und löschen, wie kurz zuvor die Gedankenarbeit zweier Tage. Womit, fragte ich, würde er beginnen? Mit einer meiner Hände eventuell, oder mit meinen Augen oder mit meinen Ohren? Wie würde sich dieses Verschwinden bemerkbar machen? Würde ich den Eindruck haben, leichter zu werden, oder würde ich vielleicht vergeblich nach einem Bleistift greifen, weil meine zupackende Hand lichtdurchlässig geworden ist? – stop

betäubung
alpha : 10.25 — Meldungen, die den Tod oder die Verwundung von Menschen verzeichnen, werden zur Unsichtbarkeit hin betäubt durch Beschleunigung der Sprache: title / 2 LN children WIA = title / 2 local national children wounded in action. /aus geheimen Feldberichten der US-Armee zum Irak-Krieg, veröffentlicht auf der Plattform Wikileaks

edison
olimambo : 3.15 — Varianten, Bewegungen einer Hand zu beschreiben, die sich spielerisch über einer Klarinette bewegt. — Müde. — Vielleicht diese Art Sandaugenmüdigkeit, die Nachtarbeit bewirken kann. Wann ist Mittag in der Nacht? Wann beginnt der Abend? Ich stehe auf, vertrete mir die Beine, laufe vor dem Bücherregal hin und her, entdecke ein Buch, das von Edison erzählt, ein Buch aus der Kinderzeit, sitze auf dem Sofa, lese und schaue. — Wie man Glühbirnen macht? Zunächst macht man einen gläsernen Behälter für das Licht und dieses Glas nun glüht in einem sehr warmen orangefarbenen Ton und ist flüssig und irgendwie sehr heiß, denn die Männer, die an ihm arbeiten, tragen kräftige Handschuhe, ihre Gesichter sind zum Schutz mit feuchten Tüchern verbunden. Jetzt bin ich eingeschlafen. — stop
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pong pong
alpha : 2.01 — Kuriose Beobachtung heut Nacht. Ich saß auf meinem Sofa und dachte an eine Apparatur, die in der Lage sein könnte, Bücher in einem vorgegebenen Rhythmus selbstständig umzublättern. Über zwei Arme sollte diese Maschine verfügen, gleichwohl über fingerähnliche Fortsätze, einen Motor und Sensoren, empfindlich für Licht. Während ich die Maschine in meinem Kopf zusammensetzte, notierte ich die Anzahl der Schrauben, die bald einmal im wirklichen Leben zur Festigung nötig sein werden, handschriftlich auf ein Blatt Papier. Immer wieder, wenn ich in meiner Arbeit gestört wurde, setzte ich neu an. Das ist nämlich sehr merkwürdig mit Maschinen, die ich erfindend montiere, sie verschwinden vollständig aus dem Sinn, sobald ich nur für eine Sekunde meine Arbeit zu unterbrechen habe, sagen wir, weil ich höre, wie draußen auf der Straße Schritte laufen. Eigentlich ist diese Nacht überhaupt ungeeignet, eine Kopfmaschine zu bauen. Ich habe die Fenster meiner Wohnung geöffnet, ein leichter Wind fährt durch die Kronen der Bäume vor dem Haus. Diese Bäume im Dunkeln sind Kastanien. Sie machen Nussmusik, pong, pong. — stop

in der paukenhöhle
echo : 16.02 — Ich habe mir eine Maschine vorgestellt, derart filigran konstruiert, dass ich sie meinen inneren Ohren zufügen könnte, und zwar in nächster Nähe der Gehörknöchelchen, eine Trafomaschine, 50 mg von Gewicht und mit bloßem Auge kaum noch zu erkennen. Dort in den Paukenhöhlen befindlich, würde das Maschinenwesen in physikalischer Weise Strom erzeugen, würde durch die Bewegung eines Gedankens gesteuert, Geräusche der Welt dämpfen, das heißt bremsen, aber niemals verstärken. Je lauter die Welt, in der ich mich befinde, je leiser ich sie höre, desto heller das Glühbirnenlicht, das von gesammelten Strömen zunehmender Stille entzündet sein wird. — stop

nachricht
sierra : 2.56 — Zu jeder Zeit, auch dann, wenn ich schlafe, habe ich etwas Licht in meinem Kopf. – stop
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central park — liegend
tango : 15.28 — Im Central Park für Stunden. Einmal lege ich mich ins Gras und notiere was ich sehe: Hunde, zum Beispiel, Riesenpudel im weißen Pelz, rosafarben die Haut ihrer Gesichter, Kreaturen, Menschenhunde, die uralte Bäume markieren. Das feine, helle Grün der Kronen, wisperndes Licht, als wär noch Frühling, solche Bäume, die geduldig flanierende Personen beschirmen. Und Läufer, männliche und weibliche Läufer, leicht bekleidet, entspanntes Lächeln, wie von unsichtbaren Fußsänften getragen. Vier Polizisten, je mit Mütze, schweres Gerät klimpert in der Mitte ihrer runden, festen Körper. Eisverkäufer streiten am Ufer eines Sees, auf dem Funksteuerboote segeln. Ein verliebtes Paar ist da noch, sie liegen, und ein weiteres, ein gleichgültiges Paar lungert auf einer Bank, die Frau einerseits türmt mit zartesten Bewegungen ihrer rot bemalten Zehen Baumsamenspreu zu Gebirgen, der Mann andererseits beobachtet ein filigranes Wesen, das von Leibwächtern umringt über eine Wiese nordwärts schreitet. Ich schlafe bald ein. Eine nordamerikanische Biene, brummend. Das Blau des Himmels. Zwei Luftballons wippen vorüber, als würden sie auf eigenen Beinen gehen. — stop
raymond carver goes to hasbrouck heights
echo : 22.12 — Es ist die Welt des Raymond Carver, die ich betrete, als ich mit dem Bus die Stadt verlasse, westwärts, durch den Lincoln Tunnel nach New Jersey. Der Blick auf den von Steinen bewachsenen Muskel Manhattans, zum Greifen nah an diesem Morgen kühler Luft. Dunst flimmert in den Straßen, deren Fluchten sich für Sekundenbruchteile öffnen, bald sind wir ins Gebiet niedriger Häuser vorgedrungen, Eiszapfen von Plastik funkeln im Licht der Sonne unter Regenrinnen. Der Busfahrer, ein älterer Herr, begrüßt jeden zusteigenden Gast persönlich, man kennt sich hier, man ist schwarz oder weiß oder gelb oder braun, man ist auf dem Weg nach Hasbrouck Heights, eine halbe Stunde Zeit, deshalb liest man in der Zeitung, schläft oder schaut auf die Landschaft, auf rostige Brückenriesen, die flach über die sumpfige Gegend führen. Und schon sind wir angekommen, ein liebevoll gepflegter Ort, der sich an eine steile Höhe lehnt, einstöckige Häuser in allen möglichen Farben, großzügige Gärten, Hecken, Büsche, Bäume sind auf den Zentimeter genau nach Wünschen ihrer Besitzer zugeschnitten. Nur selten ist ein Mensch zu sehen, in dem ich hier schlendere von Straße zu Straße, werde dann freundlichst gegrüßt, how are you doing, ich spüre die Blicke, die mir folgen, Bäume, Blumen, Gräser schauen mich an, das Feuer der Azaleen, Eichhörnchen stürmen über sanft geneigte Dächer: Habt ihr ihn schon gesehen, diesen fremden Mann mit seiner Polaroidkamera, diesen Mann ohne Arme! Gleich wird er ein Bild von uns nehmen, wird klingeln, wird sagen: Guten Tag! Ich habe Sie gerade fotografiert. Wollen Sie sich betrachten? — stop





