Aus der Wörtersammlung: op

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handkuss

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oli­mam­bo : 0.02 — Wie­der ein­mal wahr­ge­nom­men, dass ich mei­ne Gegen­wart nicht in moder­nen Signal­wör­tern erzäh­len kann. Wenn ich Gegen­wart erzäh­le, ver­wen­de ich Wör­ter einer Zeit, die mir eine alte Zeit zu sein scheint: Auto­mo­bil stop Hos­pi­tal stop Gram­mo­phon stop Schreib­ma­schi­ne stop Traum­me­cha­nik stop Sprech­ap­pa­rat stop Schall­plat­te stop Hand­kuss stop. – Da ist noch etwas Wei­te­res an die­sem Abend, ein Gerücht, das mich fröh­lich stimmt, sobald ich dar­über nach­zu­den­ken begin­ne. Man erzählt, Autoren des New Jour­na­lism sol­len lan­ge, sol­len vie­le Jah­re dau­ern­de Zeit unter ihren Figu­ren gelebt haben: Gay Tale­se stop Tru­man Capo­te stop Tom Wol­fe stop. Man ist dem­zu­fol­ge nicht ver­rückt. Oder man ist ver­rückt, aber nicht allein ver­rückt. — War­um nur duf­tet die­ser Abend nach Zimt und Frö­schen? — stop
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animals

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echo

~ : lou­is
to : Mr. sta­nis­law lem
sub­ject : ANIMALS

Hoch­ver­ehr­ter Herr Lem, Sie wer­den, neh­me ich an, noch nie von mir gehört haben. Ich hei­ße Lou­is. Seit vie­len Jah­ren bin ich ein stil­ler Bewun­de­rer Ihrer Kunst. In der Nähe mei­nes Schreib­ti­sches hängt des­halb eine Foto­gra­fie, die Sie in schwar­zer und wei­ßer Far­be zeigt, an einer Wand. Immer wie­der, wenn ich Sie dort betrach­te, den­ke ich, dass ihre Augen, ihr Blick, von der Wei­te der Welt erzäh­len, die sich in ihrem Kopf ent­fal­tet, dass man über­haupt die Groß­zü­gig­keit eines Geis­tes in sei­nen Augen zu erken­nen ver­mag. Eines Ihrer Bücher nun habe ich wie­der gele­sen in den ver­gan­ge­nen Tagen, weil ich mich erin­nert hat­te, dass Sie dort von win­zi­gen gefähr­li­chen Wesen berich­te­ten, Mikro­ben, die Waf­fen­pan­ze­run­gen jeder Art in Sekun­den­schnel­le zu durch­drin­gen in der Lage sind. Eine beun­ru­hi­gen­de Vor­stel­lung natür­lich. Ich hof­fe, das bald wie­der zur Sei­te legen zu kön­nen, gera­de auch des­halb, weil ich mich in die­sen Wochen per­sön­lich mit kleins­ten Wesen beschäf­ti­ge. Soll­ten Sie in der Lage sein, mei­ne Arbeit von höhe­rer Stel­le aus zu beob­ach­ten, dann wer­den Sie bald erken­nen, es geht um leben­de Papie­re, um ihren Geist, um ihr Ver­hal­ten und alle die­se Din­ge, die eine for­schen­de Per­son begeis­tern von früh bis spät. In die­sem Sin­ne sen­de ich Ihnen aller­bes­te Grü­ße. – Louis

gesen­det am
10.03.2010
22.56 MEZ
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bermuda

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alpha : 0.03 — Ob es wohl mög­lich ist, ein Blatt Papier, das aus Mil­lio­nen sehr klei­ner Lebe­we­sen bestehen wird, mit einer Sche­re, sagen wir, in zwei Tei­le zu zer­le­gen? Was soll­te gesche­hen? Wür­den mei­ne papie­re­nen Tie­re Geräu­sche erzeu­gen, die Wider­spruch signa­li­sie­ren, Empö­rung, Furcht? Oder wür­den sie wei­chen, sich in alle Him­mels­rich­tun­gen zer­streu­en, eine blitz­schnell sich voll­zie­hen­de Bewe­gung der Entro­pie? – Sonn­tag. stop. War­me, geschmei­di­ge Stun­den. stop. Hell vom Schnee, die Luft.

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kopfaffen

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hima­la­ya : 0.58 — Wann das mit den Affen genau ange­fan­gen haben könn­te, dass sie mich beglei­ten, sobald ich die Tür zur Wild­nis öff­ne und jagen gehe ins Waren­haus um die Ecke, ver­mag ich nicht zu sagen. Ein Anfang jeden­falls könn­te sein, zu wis­sen, wel­chen Ursprungs sie sind. Ich sage Ihnen das Fol­gen­de im Ver­trau­en lei­se, sie hüp­fen aus der Repro­duk­ti­on einer Male­rei her­aus, die ich vor zwei Jah­ren im Som­mer auf Höhe mei­ner Augen an den Rah­men der Woh­nungs­tü­re nagel­te, kawumm. Irgend­wann war es zur Gewohn­heit gewor­den, das klei­ne Bild zu betrach­ten, in dem ich die Schleu­se zur Außen­welt pas­sie­re. Ich schlen­de­re dann eine Stra­ße unter schnei­en­den Aka­zi­en ent­lang und beob­ach­te Wesen, wie sie in den Kro­nen der Bäu­me toben. Wenn ich mich selbst ver­ges­sen habe und war­um ich eigent­lich auf die Stra­ße getre­ten bin, sind sie gut gelun­gen. Jetzt nur noch Affen­mensch sein, atmen und in die Blät­ter schau­en. - Don­ners­tag. Das Erfin­den ist ganz sicher ein Vor­gang geschmei­di­ger Acht­sam­keit. — stop

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fiebermöwen

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india

~ : lou­is
to : Mr. jona­than noe kek­ko­la
sub­ject : FIEBERMÖWEN

Ver­gan­ge­ne Woche, lie­ber Jona­than, ist etwas Merk­wür­di­ges gesche­hen. Ich hat­te Fie­ber und geträumt, dass Sie mir einen Brief geschrie­ben haben. End­lich, end­lich, dach­te ich, um Him­mels wil­len, eine Fata Mor­ga­na, und wach­te auf und erin­ner­te mich an Ihre Wor­te in einer Wei­se, dass ich Traum von Wirk­lich­keit nicht unter­schei­den konn­te. Das mag an mei­nem hei­ßen Kopf gele­gen haben, und so ant­wor­te­te ich auf einen Brief, der nie­mals exis­tier­te. Sie wer­den sich, mein lie­ber Kek­ko­la, viel­leicht gewun­dert haben und noch immer amü­sie­ren. Nun, es geht auf Mit­ter­nacht zu, ist fol­gen­de Sache zu erwäh­nen. Im April wer­de ich eine Samm­lung von Papier­we­sen erhal­ten, einen Bogen 20 x 28 cm. Darf sie umsor­gen und pro­bie­ren, wie sie sich so machen, wenn einer wie ich sie mit wil­den Tex­ten beschreibt? Unse­ren Tief­see­ele­fan­ten geht’s vor­treff­lich. Nahe Ber­mu­da, so wird berich­tet, sol­len sie einen Schwarm ver­irr­ter Möwen aus der Luft gefan­gen haben. Ahoi! Bis bald am Strand. Ihr Louis

gesen­det am
1.03.2010
22.58 MEZ
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lou­is to jona­than
noe kekkola »

 

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blattlicht

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lima : 0.01 — Und schon ist wie­der März gewor­den. War­me Luft pfeift übers Dach, und Blät­ter, Blät­ter von Son­nen­licht, sie schau­keln vor dem Fens­ter. So fein sind sie gewirkt, dass nichts sie zu berüh­ren ver­mag als mei­ne Gedan­ken. Höchs­te Zeit von kleins­ten Wesen zu erzäh­len, wie man sie fin­det, da sie doch unsicht­bar sind, und wie man mit ihnen spre­chen oder rei­sen oder gemein­sam war­ten könn­te, sobald man ihnen begeg­net sein wird. — Papie­re­ne Her­zen. — stop
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vom verschwinden

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del­ta : 0.15 — Ein­mal, an einem Spät­som­mer­nach­mit­tag, erzähl­te mir eine älte­re Frau von einer selt­sa­men Erfah­rung, die sie gemacht hat­te, nach­dem ihre Schwes­ter uner­war­tet gestor­ben war. Zwei Jah­re lag die­ser schwe­re Ver­lust damals zurück. Die Schwes­ter hat­te sich kurz nach ihrem Tod, auf eige­nen Wunsch hin, in ein ana­to­mi­sches Prä­pa­rat ver­wan­delt. Ich erin­ne­re mich an den wil­den Blick der Frau, an ihre zier­li­che Gestalt, wie sie vor mir steht und vom Trau­ern und vom War­ten berich­tet, das heißt, genau­er, davon berich­tet, dass sie um ihre Schwes­ter bis­her nicht trau­ern konn­te, so wie sie sich das Trau­ern gewünscht hat­te, weil der Kör­per ihrer Schwes­ter gegen­wär­tig, noch in die­ser Welt gewe­sen sei. Manch­mal habe sie dar­an gedacht, ihre gelieb­te Schwes­ter zu besu­chen, sie noch ein­mal zu berüh­ren. Wir stan­den vor einer Kir­che. Um uns her­um fröh­li­che, von Last und Anfor­de­rung befrei­te Stu­den­ten. Sie hat­ten ihren ana­to­mi­schen Prä­pa­rier­kurs an die­sem Tag abge­schlos­sen, und den Men­schen, die ihre Kör­per spen­de­ten, betend gedankt. Auch die alte Frau schien nun leich­ter gewor­den zu sein, ent­schlos­sen. — Wie sie sagt, sie kön­ne ihre Schwes­ter jetzt end­lich beer­di­gen. — Und wie sie kurz dar­auf durch die Men­ge jun­ger Men­schen ver­schwin­det, ein Wölk­chen schloh­wei­ßen Haa­res. — stop



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