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charlie : 0.02 — l i p p e n b ä n d c h e n
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charlie : 0.02 — l i p p e n b ä n d c h e n
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india : 0.01 — Arthur Mashuryan, Konditor aus Remagen, ist ein Künstler feinster Backwaren, ein rundlicher Mann, fröhlich und selbstbewusst, ein Unternehmer armenischer Herkunft. Er erzählt im Bildschirmradio Folgendes: Aufklärung ist bedeutend. In erster Linie, die Verbindung zwischen den Flüchtlingen und den Deutschen zu schaffen. Weil, ich habe das Gefühl, dass man keinen Bezug dazu hat. Man muss auch teilweise sagen, Deutschland geht es gut, Deutschland ist ein global agierendes Land, die Unternehmen sind global vernetzt, und dieser Wohlstand, den Deutschland erwirtschaftet hat, ist auch ein Grund für bestimmte Flüchtlinge, und das muss man auch als Verbindung sehen, in diesem Zusammenhang, die Verantwortung, diese Art der Sichtweise. Ich möchte niemanden verurteilen, weder deutsche Unternehmen noch die Politik, noch die Menschen, man muss das System verstehen, wie so etwas funktioniert. Man ist Exportweltmeister, die Frage ist nur, das hört sich schön an, aber was ist, was steckt dahinter, Exportweltmeister bedeutet auch, dass man in anderen Ländern erfolgreich agiert, so wie in Deutschland, aber auf der anderen Seite gibt es Verlierer, und diese Verlierer haben Beine bekommen und sind heutzutage hier. Nicht nur aus Kriegsgebieten, auch Wirtschaftsflüchtlinge, das muss man auch erwähnen, dass das auch ein Problem ist. Wenn man verhungert, stirbt man trotzdem, auch wenn man nicht erschossen wird. — stop

MELDUNG. Zu Lissabon, im Teatro Nacional de São Carlos, werden am kommenden Sonntagabend, 13. März 2016, zwei seltene, junge Goldbaumsteigerfrösche der Gattung dendrobates auratus öffentlich zur Sprengung gebracht. Zündung des männlichen Tieres um 20 Uhr, Zündung des weiblichen Tieres um 20:30 Uhr. Die Vorstellung ist ausverkauft. — stop

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charlie : 0.12 — Herr Ludwig, den ich im Januar besuchte, erzählte mir, dass er sich vor Jahren wünschte, ein Schiffsmodell aus Streichhölzern zu bauen. Unverzüglich kaufte er damals einige Tausend der hölzernen Stäbchen, weil er sie auf diesem Wege insgesamt billiger erstehen konnte. Außerdem suchte er nach einem geeigneten Schiff, dessen Körper hervorragend dokumentiert sein sollte. Seine Wahl fiel auf die RMS Queen Mary 1. Er lud Pläne aus dem Internet, Grundrisse, Blaupausen, Hunderte Fotografien sowie Lettercards, die an Bord des luxuriösen Schiffes von Passagieren während ihrer Reise notiert worden waren. Herr Ludwig erwähnte, dass er sich bald in ein Abenteuer verwickelt fühlte, seine Tage, die zuvor schwere und leere Tage gewesen seien, wären plötzlich leicht geworden und die Zeit ging nur so in Eilschritten dahin, dass es eine wahre Freude war, kaum aufgestanden sei schon wieder Abend gewesen. Im Dezember vor zwei Jahren, kurz vor Weihnachten, war Herr Ludwig seinen Angaben zur Folge mit der Vorbereitung seiner Rekonstruktionsarbeiten fertig geworden, und so öffnete er eine Schachtel Streichhölzer und fügte, nachdem er mit einem Messerchen Schwefelköpfe beider Stäbchen sorgsam abgetrennt hatte, mit einem Klebstoff, der wundervoll nach Walnusslikör duftete, zwei der Zündhölzer seitwärts aneinander. Nach einer Weile, er hatte mehrfach seinen Arbeitstisch umrundet, prüfte er die Festigkeit der Verbindung und war zufrieden. Er baute, in dieser Weise der Klebung fortfahrend, zunächst einen Schornstein des riesigen Schiffes, dann einen zweiten Schornstein, drei Wochen vergingen, bis beide Schornsteine fertig geworden waren, und auf den Tisch gestellt, sodass sie nun miteinander verbunden werden konnten. Die Hände des alten Mannes rochen in jenen Wochen seiner filigranen Arbeit nach Schwefel, und die Luft duftete nach Walnüssen und Aceton, und irgendwann in dieser Zeit muss sich Herr Ludwig, versehentlich oder mit Vorsatz, von seinen Schiffsbauplänen entfernt haben. Als Januar wurde, waren auf dem Tisch deutliche Konturen eines Dromedars zu erkennen, dessen Körper auf vier Schornsteinen ruhte, eine wunderbare Wandlung seiner Vorhabens, das Schiff baue er später, sagte Herr Ludwig, in dem er mit einer bewährten Bewegung einen Schwefelkopf von einem Streichholz trennte. Der Kopf hüpfte über den Tisch, und als er von der Kante des Tisches stürzte, war nicht das Mindeste zu hören gewesen. — stop
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india : 0.01 — h e r z h a u t
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delta : 2.05 — Mitten in der Nacht wachte ich auf. Vor den Fenstern fiel Schnee, buschige Flockenpelze, sehr dicht, aus der Entfernung, ein heller, sich bewegender Schatten. Esmeralda hockte auf dem Fensterbrett und sah hinaus. Sie schien tatsächlich Schneeflocken zu beobachten, vielleicht deshalb, weil es in der Wohnung zur Nachtzeit, ich hatte geschlafen, nichts weiter zu untersuchen gab. Ich überlegte, ob es möglich wäre, die kleine Schnecke, die nun seit Oktober des Jahres 2013 in meiner Nähe lebt, einmal mit nach New York zu nehmen. Ich müsste sie im Handgepäck verstauen, heimlich, vielleicht in einer Dose verbergen, die belüftet ist. Ich könnte eine Handvoll Sultaninen als Schneckenproviant mit mir nehmen in der Hosentasche, Esmeralda füttern, während wir über den Atlantik fliegen. Es ist seltsam, ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, wer mir Esmeralda geschenkt haben könnte, wer sie vor zwei Jahren für mich in eine Schachtel setzte und weshalb. Vor einigen Wochen, als Esmeralda gerade friedlich schlafend vor mir auf dem Schreibtisch auf einer Banane saß, näherte ich mich mit einem Ohr und lauschte an ihrem Häuschen. Ich hörte nichts oder nur eine Vorstellung, ein summendes Geräusch. Bald wäre ich aufgestanden, wollte mir feines Werkzeug aus der Küche holen, wollte ein äußerst feines Loch in Esmeraldas Schneckengewinde bohren. Als hätte sie geahnt, was ich plante, als hätte sie meinen zugleich nachdenklichen wie bereits entschlossenen Blick bemerkt, richtete Esmeralda ihre Fühler nach mir aus und musterte mich. Ich meinte in diesem Augenblick ein Lächeln in ihrem Gesicht bemerkt zu haben. — stop
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himalaya : 0.36 — Meine Mutter überlegte vor einigen Tagen, ob sie ihre geliebte Zeitung, die sie ein halbes Leben lang jeden Morgen in aller Frühe studierte, nicht vielleicht abbestellen sollte, weil sie nicht mehr so schnell lesen würde wie früher noch, also weniger Zeitung wahrnehmen könne in derselben Zeit. Sie rief bei der Zeitung an. Ein junger Mann, der die Gefahr erkannte, eine treue Leserin zu verlieren, machte ihr unverzüglich ein großzügiges Angebot. Er sagte, wenn sie die Zeitung weitere 2 Jahre abonnieren würde, müsste sie ein halbes Jahr lang für ihre Zeitung nichts bezahlen, weswegen meine Mutter sofort von ihrem Wunsch, sich um ihr Lesevergnügen zu bringen, Abstand nahm. Sie abonnierte also die Zeitung für weitere 2 Jahre, obwohl sie doch möglicherweise langsamer und noch langsamer lesen wird, also jener Teil der Zeitung, der ungelesen, größer werden wird. Der junge Mann am Telefon hatte im übrigen auch für dieses Problem ungelesener Zeitungsabteile eine beruhigende Mitteilung zu machen. Er sagte, die Zeitung würde auch dann gedruckt, wenn Mutter sie abbestellen würde, was vermutlich der Fall ist, ein Argument, das wirkte. Als ich Mutters Geschichte hörte, dachte ich, man müsste einmal elektrische Papiere erfinden, hauchdünne Computerbildschirme, die zu einem Gefäß versammelt sind, das sich anfühlt wie eine Zeitung. Über Funk würden Zeichen gesendet werden, gerade so viele Zeichen wie üblicherweise gelesen werden von dem Besitzer des Zeitungsgefäßes, Zeichen über Literatur und Lokales und über die Politik der großen, weiten Welt. Eine Zeitung mit Augen, eine Zeitung, die vermerkt, wie viele ihrer Zeichen präzise gelesen werden, eine Zeitung beinahe wie ein Computer, oder, genauer gesagt, ein Computer, der sich wie eine Zeitung anfühlen würde, in dem man blättern könnte, ein Computer der raschelt, oder eben eine Zeitung, die man ausschalten kann. — stop

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tango : 0.08 — Gestern erreichte mich eine skurrile E‑Mail einer Frau namens Mi Oksana. Es ist denkbar, dass diese E‑Mail eigentlich von einem angeheiterten Computerprogramm notiert wurde, das sich zur Tarnung hinter einem poetisch wirkungsvollen Namen versteckte. Ich überlegte, welche Prozesse möglicherweise in einem digitalen Gehirn zu einem rauschartigen Zustand führen könnten, der eine Gestalt hervorbringen würde, die Mrs. Mi Oksana ähnlich sei. Sie notierte Folgendes: Lieber Louis, vor allen Dingen habe ich vor dich zu sagen, dass ich nur ernste Beziehungen mochte. Spielen ist nichts für mich, und ich bin ein ehrliches Mädchen. Wenn du auch reputabel bist und desselben suchtest, dann werde ich mich über einen Brief von Dir freuen. Mein Name ist Oksana. Ich bin 31 und ich wohne in Russland. Ich war nie verheiratet und ich habe keine Kinder. Vor einem Jahr habe ich mich getrennt und jetzt bin ich auf der Jagd nach einem Freund in deinem Staat. Ich hoffe, dass Menschen in deinem Staat sich mit Respekt zu einer Frau verhalten. Ich hoffe, dass du ein verantwortlicher Mann bist, und wir könnten probieren unsere Liebe aufzubauen. In dieser Mitteilung sende ich dir mein Foto. Ich hoffe, dass es dir gefallen wird. sofern auf mich gespannt bist, bitte gib mir Antwort und verrate deinen echten Namen. Ich hätte gern ein Foto Dich zu sehen. Schöne Gruße. Oksana — stop
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sierra : 0.01 — n a s e n b a l l
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