Aus der Wörtersammlung: ende

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linie 8

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echo : 10.06 UTC – Nächs­te Hal­te­stel­le Max-Weber-Platz. Ich hab Weiß Ferdls Gesang noch im Ohr, wie er die Geschich­te erzählt von der Linie 8, die durch Mün­chen fährt zu einer Zeit, da ich noch nicht gebo­ren wor­den war. Wie oft habe ich die­se Auf­nah­me als Kind viel­leicht gehört? Die Stim­me des alten Münch­ner Kaba­ret­tis­ten ist mir heut Mor­gen ver­mut­lich des­halb ins Gehör gera­ten, weil ich Infor­ma­tio­nen einer moder­nen Stra­ßen­bahn zuhör­te, einer Stim­me prä­zi­se, die von einem Com­pu­ter erzeugt wird: Bit­te in Fahrt­rich­tung rechts aus­stei­gen. Die­se Stim­me, wie sie mir bewusst wur­de, scheint sich bereits in vie­le wei­te­re Städ­te fort­ge­setzt zu haben, es ist eine weib­li­che Stim­me, die auch kom­pli­zier­te Stra­ßen­na­men zu for­mu­lie­ren ver­mag. Manch­mal dehnt sie Wör­ter in einer selt­sam unbe­hol­fe­nen Art. Das hört sich an, als wür­de eine Schall­plat­te für einen Moment beschleu­nigt, dann wie­der abge­bremst. Auch Kin­der hören zu, oder Men­schen, die soeben die deut­sche Spra­che ler­nen. Viel­leicht, stel­le ich mir vor, wer­den sich in die­ser Wei­se bestän­di­ger Wie­der­ho­lung nach und nach jene unbe­hol­fen klin­gen­den Sen­ten­zen der Stra­ßen­bahn­an­sa­gen in unse­re all­täg­li­che Spra­che schlei­chen. Das ist denk­bar. Ich muss das beob­ach­ten. — stop

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von den wörtern

9

marim­ba : 14.14 UTC — Mit den Men­schen ver­schwin­den ihre Schrif­ten. Manch­mal ver­schwin­den Schrif­ten vor den Men­schen. Es ist dann, wenn man sich nicht län­ger vor­stel­len kann, die Hän­de der Men­schen wür­den sich je noch ein­mal der­art bewe­gen, dass Buch­sta­ben auf einem Blatt Papier sicht­bar wer­den. Aber die Wör­ter, die nicht mehr geschrie­ben wer­den, könn­ten noch ein­mal for­mu­liert wor­den sein, leuch­ten­de Wör­ter wie das Wort Apfel­stru­del. — stop

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neufundland 08.10.12 uhr : zimt

2

oli­mam­bo : 8.10 UTC — Noe mel­det sich am spä­ten Mor­gen. Ver­mut­li­che Tie­fe: 852 Fuß. Posi­ti­on: 77 See­mei­len süd­öst­lich der Küs­te Neu­fund­lands seit nun­mehr 2526 Tagen im Tief­see­tauch­an­zug unter Was­ser. ANFANG 08.10.12 | | | > mei­ne laut­los arbei­tenden hän­de. s m a l l r e d f i s h f r o m d o w n s i d e. s t o p ob ich wohl wei­ter­hin ein mensch­li­ches wesen bin? s t o p hier in die­ser tie­fe eine hal­tung der demut. s t o p fra­gen. s t o p auch fra­gen ohne ant­wor­ten. s t o p ich fra­ge. s t o p ich war­te. s t o p und war­te. s t o p habe den ver­dacht ein kind gewor­den sein. s t o p ich tra­ge kei­ne schu­he. r u s t y c a b l e s f r o m a b o v e. s t o p ich kann mich an mein gesicht nicht erin­nern. s t o p war­um? s t o p wie lan­ge zeit bin ich bereits hier? s t o p schluss jetzt. s t o p fan­gen wir noch ein­mal von vor­ne an. s m a l l b l u e f i s h t o p l e f t. s t o p ich hei­ße noe. s t o p ich befin­de mich 851 fuß tief unter dem meeres­spiegel kurz vor neufund­land. s t o p ich zäh­le fische. s t o p das radio in mei­nem helm macht selt­same geräu­sche. s t o p es geht mir gut. s t o p ich notie­re : die luft die ich atme duf­tet nach zimt. s t o p | | | ENDE 08.12.15

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eine schreibmaschine : tasten

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del­ta : 8.26 UTC – Vor lan­ger Zeit beob­ach­te­te ich mei­nen Vater, wie er sei­ne mecha­ni­sche Schreib­ma­schi­ne zer­leg­te, um sie zu säu­bern und zu ölen. Ges­tern habe ich die­se Scheib­ma­schi­ne in einem Regal wie­der­ent­deckt. Das war ein inten­si­ver Moment des Vor­mit­ta­ges gewe­sen, nach­mit­tags hör­te ich in einem Zug eine frem­de Spra­che, ich ver­stand kein ein­zi­ges Wort, und doch schien mir die frem­de Spra­che ver­traut zu sein, als hät­te ich sie ein­mal gekonnt. Sind mecha­ni­sche Schreib­ma­schi­nen für jede exis­tie­ren­de oder gewe­se­ne Spra­che die­ser Welt vor­stell­bar? — stop

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funkendes buch

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zou­lou : 20.02 UTC – Letz­te Nacht träum­te ich von Fran­çoi­se Sagan. Sie stürm­te im Traum wie eine Furie in mein Arbeits­zim­mer, stell­te sich auf einen wacke­li­gen Holz­stuhl und begann in höher gele­ge­nen Rei­hen mei­nes Regals nach einem bestimm­ten Buch zu suchen. Indes­sen zeter­te sie unfreund­lich, die­ser elen­de Roman Ulim Triers fun­ke aus mei­nem Arbeits­zim­mer selt­sa­me Sät­ze, die nun über­all in ihren Roma­nen sicht­bar oder les­bar gewor­den sei­en, als wären sie von ihr, der Sagan, per­sön­lich geschrie­ben. Ich ver­such­te die alte Dame zu beru­hi­gen, über­haupt sah sehr gefähr­lich aus, was sich vor mei­nen Augen ereig­ne­te. Sie trug ein schnee­wei­ßes Hemd­chen, das ihr bis zu den Knien reich­te, spin­del­dürr war sie und zit­ter­te, auch der Stuhl unter ihren Füßen zit­ter­te. Ich flüs­ter­te: Ich ken­ne kei­nen Schrift­stel­ler namens Ulim Trier. Ach, Pap­per­la­papp, ant­wor­te­te Fran­çoi­se Sagan, Sie haben doch über­haupt kei­ne Ahnung von die­sen Büchern, die sich über­all ein­mi­schen. Schla­fen Sie wei­ter. Also schlief ich sofort ein und bin seit­her nicht wie­der wach gewor­den. — stop

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von hohen frequenzen

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sier­ra : 16.02 — Vor dem Roll­stuhl, in dem die alte Dame hock­te, knie­te ein Mäd­chen im Alter von 6 Jah­ren. Die alte Dame erzähl­te dem Mäd­chen eine Geschich­te. So lei­se war die Stim­me der alten Dame gewor­den, dass sie kaum noch zu hören war, man­che der lei­sen Wör­ter waren nur in Gedan­ken zu ver­neh­men, waren Ver­mu­tung. Je mehr der Ver­mu­tun­gen sich in den laut aus­ge­spro­che­nen Wör­tern der Erwach­se­nen, die links und rechts des Roll­stuh­les ste­hend, in gebück­ter Hal­tung lausch­ten, anein­an­der reih­ten, des­to stren­ger wur­de der Blick der alten Dame, sie schien unzu­frie­den, viel­leicht sogar ver­zwei­felt zu sein. Plötz­lich sag­te das Mäd­chen: Ihr hört nicht rich­tig zu! Die Tan­te sagt, dass sie an Weih­nach­ten immer den Got­tes­dienst in der Kir­che St. Paul besuch­te. Sie sagt gar nichts über das Wet­ter mor­gen. Unver­züg­lich begann die alte Dame zu lächeln. Sie wink­te das Mäd­chen zu sich her­an und flüs­ter­te ihm etwas ins Ohr. Ja, sag­te das Mäd­chen, das stimmt, ich kann her­vor­ra­gend hören, ich glau­be, ich kann auch Fle­der­mäu­se hören, wenn sie bei uns im Gar­ten her­um­flie­gen. Die alte Dame flüs­ter­te etwas Wei­te­res in das Ohr des Mäd­chens, sofort stand das Mäd­chen auf und schob den Roll­stuhl der alten Dame auf den Flur hin­aus. Im Flur vor einem Fens­ter hock­te eine wei­te­re alte Dame in einem Roll­stuhl, sie schien zu schla­fen. Schnee fiel vor dem Fens­ter, dich­te, gro­ße und sehr run­de Flo­cken. Bald saßen nun zwei alte Damen Sei­te an Sei­te in ihren Stüh­len. Und das Mäd­chen ging vor den Damen in die Hocke. Sie weck­te die schla­fen­de alte Dame und sag­te mit ihrer hel­len Stim­me: Du, du woll­test heu­te Mor­gen mei­ner Tan­te etwas erzäh­len. Ich bin jetzt ganz Ohr! — stop
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ewig

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sier­ra : 22.12 — Im Haus der alten Men­schen beob­ach­te­te ich eine 94-jäh­ri­ge Frau, die an einem Tisch saß und notier­te. Ich hör­te, sie schrei­be seit Jah­ren Tag für Tag, Stun­de um Stun­de lan­ge Lis­ten in Notiz­hef­te. In die­sen Lis­ten, erzähl­te sie ein­mal, wür­de sie ver­mer­ken, was noch zu tun sei im Leben. Als ich mich lei­se näher­te, bemerk­te ich tie­fe Fur­chen in den Sei­ten des Hef­tes, kei­ne Schrift­zei­chen jedoch, weil sich in der schrei­ben­den Hand der Notie­ren­den, ein Kugel­stift befand, der längst leer geschrie­ben war. — stop
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