delta : 0.22 UTC — Eine mechanische Schreibmaschine, die die chinesische Sprache zu buchstabieren vermag, soll über etwa 3000 Zeichen verfügen und 16 Kilogramm schwer sein. Eine wundervolle Vorstellung. Wie lange Zeit würde ich für Zeichensuche benötigen, um auf ihr das Wort Belugaposaune zu formulieren? — stop
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Aus der Wörtersammlung: wunder
von bestien
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lima : 15.42 UTC – Was für ein wunderbarer Nachmittag. Sonne scheint ins Arbeitszimmer, Magnolien blühen, und die Luft duftet nach Fröschen und Zimt. Hörte Charlie Parkers Summertime, während ich im Echokammerthread auf Position Twitter pfundweise Drehorgelsätze über Gutmenschen lese, die man gern aufhängen würde, wenn man doch endlich einmal aufräumen dürfte. Das Wort aufräumen ist ein sehr begehrtes Wort in der Kammer. Auch heute wieder geht Europa, geht Deutschland unter, und alle, die anderer Ansicht sind, lügen. Würden sie, die Andre88 heißen, Rebell77, Ausbilder Schmidt, Werwolf, Deutschrose, würden sie, die in dieser Weise heißen, tun, wovon sie reden, hätten wir viele lustvolle Bestien überall auf den Straßen, in den Parks, den Hinterhöfen. Auch Eichhörnchen, unsere lieben mitteleuropäischen Eichhörnchen, würden dann, von Menschenvorbildern geleitet, mit gefletschten Zähnen zugereiste Nutrias im Teich des botanischen Gartens bis zu ihrem bitteren Ende jagen. — stop
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ruhen
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kilimandscharo : 18.55 UTC – Kopfsegel, wunderbares Wort. Oder das Wort Coka. Kopfsegel existierten tatsächlich lange Zeit, ehe ich das Wort entdeckte, eine Bezeichnung durchbluteter Strukturen an Köpfen der Stirnbaseliken. — stop
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vom fehlenden oder ginkgo
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echo : 20.58 UTC – Notierte auf der Schreibmaschine im Zug und sah gar nicht hin, nicht auf den Bildschirm, nicht auf meine Hände. Ich schrieb eine halbe Stunde voran, ich schrieb schneller und immer schneller, ich dachte, da war einmal ein Mann gewesen, mit einem Kinderwagen ohne Kind auf einem Bahnsteig am Flughafen. Weil ich mich wunderte über seinen Kinderwagen ohne Kind, beobachtete ich den Mann. Das war eine seltsame Sache, ich schrieb: Wenn man sich über eine Person wundert, kann man nicht loslassen, man kann nicht sagen, ich beobachtete diese Person bereits gestern, heute beobachte ich diese Person nicht noch einmal, man wird bemerken, man folgt der Person mit den Augen, ob man nun will oder nicht. Ich hatte den Eindruck, es handelte sich bei dem Mann um eine melancholische Person, um einen Vater vielleicht, der am Flughafen auf ein Kind wartete, das nicht ankommen wird, weil das Kind längst getötet wurde von einem Stück Metall, welches in Aleppo durch die Luft schleuderte von einem Vorsatz getrieben, nämlich dem Vorsatz Menschen umzubringen. Dann plötzlich betrachtete ich meinen Bildschirm und bemerkte, dass der Buchstabe g meiner Tastatur nicht funktionierte, dass den Wörtern der Buchstabe g fehlte, sobald er eigentlich in Wörter hineingeschrieben werden musste. Also schüttelte ich meine Schreibmaschine so lange, bis sich die G‑Taste meiner Tastatur aus ihrer Blockade löste, ich las meinen Text von vorn und fügte fehlende Buchstaben in die Wörter ein, sodass der Text selbst bald vollständig geworden war. — stop
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gregorina
delta : 8.02 UTC — Ich hörte im Radio heute Morgen, in Finnland soll einfach nur anwesend zu sein bereits als Kommunikation wahrgenommen werden. — Vor den Fenstern im Süden fällt Schnee. Im Haus der alten Menschen läuft ein Mädchen herum, das Gregorina heißt. Sie ist tatsächlich anwesend im Kopf einer alten Dame, sie läuft über die Flure von Zimmer zu Zimmer. Plötzlich ist Sommer geworden, in den Zimmern blühen Apfelbäume, und das kleine Mädchen, das 70 Jahre alt geworden sein muss, hüpft herum und singt, weshalb die alte Dame, die Gregorina wahrnehmen kann, und auch die Apfelbäume, voller Glück ist, weil Gregorina zu Besuch gekommen. Sie sagt: Schau, ist das nicht wunderbar, sie ist noch immer so wie damals, Gregorina. Gut, dass wir die Apfelbäume hereingeholt haben. Es ist kalt draußen, glaube ich. Komm, ich will aufstehen. — stop
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tod in peking 7
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marimba : 0.48 UTC – Einmal, vor sechs Jahren im Winter, begegnete ich dem Fotografen und Programmierer Teddy in einem Supermarkt. Wir waren etwas verlegen gewesen, wussten in jenem Moment vor kühlen Milchflaschen stehend nicht, worüber wir sprechen sollten, weil wir wenige Tage zuvor noch ein besonders schwieriges Gespräch geführt hatten. Ich erinnere mich, von Hinrichtungsbussen erzählt zu haben, die durch China fahren sollen, von Gefängnis zu Gefängnis. Teddy sagte, er habe von diesen Bussen nichts gehört und nichts gelesen. Er war damals gerade aus Peking zurückgekommen, von einer Reise nach Tibet, präzise. Er sagte: Louis, warum erzählst Du mir diese Geschichte? Ich sagte: Nun, weil ich sie weiß! Was ich nicht ahnte zum Zeitpunkt unseres Gespräches, nun aus der zeitlichen Entfernung wie ein Ereignis für sich zu sehen, ich ahnte nicht, dass Teddy kurz darauf sterben würde. Vielleicht, wenn ich von seinem Tod gewusst hätte, hätte ich nicht von Hinrichtungsbussen erzählt, sondern eine ganz andere Geschichte, eine Geschichte, die von seinen wunderbaren Fotografien berichtet. — stop
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polarlicht
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nordpol : 0.01 — Irgendwann einmal würde ich gerne folgende Meldung notieren: Zoologischer Garten auf Grönland jenseits des Polarkreises eröffnet. Selbstverständlich wird es sich bei diesem arktischen Tierpark nicht um eine gewöhnliche Versammlung lebender Tiere handeln. Im Park dort, frei oder in Gehegen, werden vielmehr leuchtende Tiere wohnen, schimmernde, oder in allen wunderbaren Farben, die man sich auszudenken vermag, glühende Wesen, ihre Zellen nämlich werden glühen. So werden leuchtende Antilopen unter der Kuppel des Afrikahauses über künstliche Steppengräser springen, und leuchtende Menschenaffen durch das Geäst der Nachtbäume schwingen. Und da werden leuchtende Vögel sein und ebenso leuchtende Elefanten in ihren riesenhaften Volieren. Auch die Eisbären werden leuchten und die Seehunde und Robben und Schneefüchse. Es ist deshalb gut, dass in der Polarnacht immerzu Dunkel ist. Der zoologische Garten wird rund um die Uhr geöffnet sein, warum nicht! — stop

jui patel
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echo : 10.12 — Einmal erlebte ich einen älteren Herrn, den ich immer wieder erinnere, beinahe jedes Mal, sagen wir, wenn ich bewusst Fliegen beobachte. Dieser Herr nämlich nannte jede der zahlreichen Fliegen, die auf ihm selbst oder in seiner Nähe durch die Luft turnten, beim Namen. Ich hörte eine Weile zu, dann holte ich meinen Schreibblock aus der Tasche und begann die Namen der Fliegen zu notieren. Das waren wunderbare Namen, eine sehr lange Liste, Namen vermutlich, die in genau dem Moment, da sie an eine Fliege gerichtet würden, erfunden worden waren. Ich zitiere: Line Jacobsen . Nameer Burini . Jui Patel . Zollai Janos . Isabell Weber . Yvetta Cemohorsta . Alois Szeg . Bent Lauritzen . Katja Sally Innes . Vili Luksha . Abraham Vele . Magla Sellal . Sabiba Lu. — stop. Nichts weiter. — stop

schlafende
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sierra : 15.02 — Ich hörte, sobald Menschen zu schlafen beginnen, sobald sie sich in Langzeitschläfer verwandeln, verschwinden schrittweise jene Menschen aus ihrem Leben jenseits der Träume, die nur selten schlafen, nur für Stunden nachts. Oder aber die Schlaflosen kehren an die Betten der Schlafenden zurück, weil sie hier in den Schläferzimmern sitzend zur Ruhe kommen. Manchmal schlafen selbst die Ruhelosen unter ihnen an den Betten der alten Menschen ein. Wie wunderbar die Herbstbaumlampen leuchten. — stop
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ein name fern und nah
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echo : 18.55 — Im Schnellzug saß eine junge Frau. Als der Zug längere Zeit halten musste, kamen wir ins Gespräch. Die junge Frau sagte, dass sie bewundere, wie schnell ich auf meiner Schreibmaschine mit den Fingern tippen könne. Sie erwähnte, dass sie in Sri Lanka geboren worden sei, aber schon lange in Europa lebe. Tatsächlich hörte ich kaum einen Akzent in ihrer Stimme. Ich fragte sie nach ihrem Namen. Welchen ihrer Namen ich wissen wolle, erkundigte sie sich, ihren europäischen, den Namen ihres Mannes, der sich mit einem Bruchteil ihres Geburtsnamens verbunden habe, oder eben den Namen ihrer Kindheit? Mit einer scheuen Handbewegung rief sie meine kleine flache Schreibmaschine zu sich herüber, nahm sie in ihre linke Hand und begann mit ihrer rechten Hand Zeichen um Zeichen zu tippen. Sie sagte: Ich schreibe ihnen, wie ich in Sri Lanka als unverheiratete Frau gerufen wurde. Vorsichtig berührte sie mit einer Fingerspitze die Tastatur auf dem Bildschirm, es dauerte lange Zeit, ehe sie fertig geworden war. Immer wieder schien sie ihren Namen zu prüfen, ob auch alles stimmte. Kurz darauf las sie mir ihren Namen vor, ein schönes Geräusch in meinen Ohren. Dann gab sie mir meine Schreibmaschine zurück und ich buchstabierte meinerseits Folgendes vorsichtig nach: Malvala Sri Brahmana Rinnayaka Tannkoan Mydiuanselage Langt Mahehika Tannkoan Sanatonga. Es war an einem Donnerstag gewesen, gegen 18 Uhr. — stop
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