Aus der Wörtersammlung: wunder

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im garten

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sier­ra : 18.01 UTC — Vater an einem Mon­tag, wie er im Arbeits­zim­mer vor sei­nem Com­pu­ter­bild­schirm sitzt. Er wür­de sich, wenn er noch leb­te, ganz sicher mit dem Inter­net ver­bun­den haben, um sehr auf­merk­sam einer Anhö­rung des U.S. Kon­gres­ses zu fol­gen, die sich der Fra­ge wid­me­te, ob der 45. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka die Wahr­heit oder wis­sent­lich die Unwahr­heit erzähl­te, als er den 44. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka über den Kurz­nach­rich­ten­dienst Twit­ter eines schwe­ren Ver­ge­hens bezich­tig­te. Ich sehe, wie mein Vater sei­nen Kopf zur Sei­te neigt, er lauscht, er war­tet, es ist ein span­nen­der Tag. — Ich habe mei­nen Vater immer wie­der ein­mal beob­ach­tet, wie er las oder schlief oder an sei­nem Com­pu­ter arbei­te­te. Manch­mal dach­te ich, dass er nun wirk­lich alt gewor­den sei, obwohl ich ihn immer schon als einen alten Mann wahr­ge­nom­men hat­te, eben sehr viel älter als ich selbst. Ich erin­ne­re mich an einen Som­mer­abend, vor fünf Jah­ren. Mein Vater saß auf einem Stuhl in sei­nem Gar­ten. Vor ihm stand ein klei­ner Tisch und auf die­sem Tisch eine Fla­sche Was­ser mit einem Dreh­ver­schluss. Ich glaub­te damals, dass mein Vater mich nicht bemerk­te. Er schien mit der Fla­sche zu spre­chen. Er beug­te sich vor, hielt die Fla­sche mit der einen Hand fest, wäh­rend er mit der ande­ren Hand an ihrem Ver­schluss dreh­te. Aber die Fla­sche war nicht leicht fest­zu­hal­ten gewe­sen, ver­mut­lich des­halb, weil sich die Feuch­te der Luft auf ihr nie­der­ge­schla­gen hat­te. Also lehn­te sich mein Vater wie­der auf sei­nem Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich neh­me an, er wird ein­ge­schla­fen sein. Als er wie­der erwach­te, war ich noch immer da und auch die Fla­sche stand noch immer auf dem Tisch. Mein Vater beug­te sich vor, nahm die Fla­sche und dreh­te an ihrem Ver­schluss. Erneut schien er sich mit der Fla­sche zu unter­hal­ten, ohne aber die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den, weil die Fla­sche sich noch immer dage­gen wehr­te, geöff­net zu wer­den. Also lehn­te sich mein Vater erneut zurück, er schüt­tel­te den Kopf. In die­sem Moment schweb­te eine Libel­le über den Tisch. Sie betrach­te­te mei­nen Vater, setz­te sich auf den Ver­schluss der Fla­sche und fal­te­te ihre Flü­gel. Ein Moment der Stil­le, des Frie­dens. Ein paar Zika­den waren zu hören, sonst nichts. Mein Vater war bald wie­der ein­ge­schla­fen, es wur­de dun­kel und die Libel­le ver­schwand. Als er erwach­te, saß ich unmit­tel­bar vor ihm. Ich hat­te die Fla­sche für ihn geöff­net und ein Glas mit Was­ser gefüllt. Mein Vater erzähl­te, dass er sich gewun­dert habe, war­um er die Fla­sche nicht öff­nen konn­te, er habe sie doch selbst zuge­dreht. — stop
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von vögeln

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ulys­ses : 18.10 UTC — Wong Kar-wai’s Vögel ohne Füße, die nie­mals lan­den. Immer wie­der eine wun­der­ba­re Vor­stel­lung. Auch die Vor­stel­lung der Zep­pe­li­ne, die Jahr­hun­der­te lang wie Wol­ken lang­sam um den Erd­ball schwe­ben. Ges­tern zeich­ne­te ich ein Rot­kehl­chen mit einem Blei­stift auf ein Blatt Papier. Ich soll­te erwäh­nen, dass die Zeich­nung des klei­nen Vogels, der von rechts her kom­mend über das Blatt nach links hin segel­te, miss­glück­te, es war das ers­te Rot­kehl­chen, das ich in mei­nem Leben zeich­ne­te. Immer­hin waren zwei Flü­gel zu erken­nen gewe­sen und ein Kör­per­chen in der Mit­te, ein Schna­bel und ein klei­ner Kopf. Auch ein roter Fleck auf dem Kör­per­chen in der Gegen­den des Hal­ses war zu ent­de­cken, weil ich nach einem roten Bunt­stift such­te, das dau­er­te recht lan­ge, wäh­rend der klei­ne Vogel gedul­dig war­te­te, dass ich mit wesent­li­cher Far­be zu ihm zurück­keh­ren wür­de. — Wes­we­gen ich ein Rot­kehl­chen gezeich­net habe? — Nun, ich habe die­se Zeich­nung ange­fer­tigt, weil ich mich frag­te, ob irgend­wann ein­mal flie­gen­de Ser­ver­ma­schi­nen in der Gestalt der Sing­vö­gel denk­bar sein wer­den, die in Schwär­men her­um­flie­gen, indes­sen sie mit­tels unsicht­ba­rer Wel­len mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren? Wie lan­ge Zeit wür­den wir die­se flüch­ti­gen Schwarm­ob­jek­te noch als unse­re Geschöp­fe ver­ste­hen? Wären wir in der Lage, sie jemals wie­der ein­zu­fan­gen? — Deniz Yücel wei­ter­hin in Haft! — stop
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html 5

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nord­pol : 18.28 UTC — Ges­tern war ein glück­li­cher Tag. L., der in Lis­sa­bon lebt, notier­te, er wer­de mich in der Ret­tung Birdy’s aus unsi­che­rer Flas­hum­ge­bung unter­stüt­zen. Vor den him­mel­blau­en digi­ta­len Bild­schirm­rei­se­kof­fern mei­ner Erzähl­ma­schi­ne sit­zend, plötz­lich die Erin­ne­rung an eine Foto­gra­fie Robert Doisneau’s, die Jac­ques Tati zeigt, wie er als Post­bo­te in einem Zustand lei­ser Ver­wun­de­rung hin­ter Tei­len sei­nes Dienst­fahr­ra­des steht, wel­ches er ver­mut­lich mit eige­nen Hän­den zer­leg­te. Ich stel­le fest: Die Dif­fe­ren­zie­rung eines Gegen­stan­des in not­wen­di­ge oder typi­sche Por­tio­nen könn­te bereits für sich genom­men, als äußerst anspruchs­vol­le Auf­ga­be zu betrach­ten sein. — stop

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winterspur

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sier­ra : 16.02 UTC — Ich spa­zier­te ein­mal im Gebir­ge durch den Schnee. Es war ein eis­kal­ter Win­ter­tag, der Him­mel von einem wun­der­vol­len Polar­blau, das ich gern gepflückt und mit mir in der Man­tel­ta­sche nach Hau­se getra­gen hät­te. Vögel waren nicht zu sehen, aber sie waren zu hören gewe­sen, dump­fe Geräu­sche wie aus einem Traum her­aus. Ja, die Vögel schlie­fen, nichts ande­res war mög­lich, hock­ten unter Schnee­schir­men, die sich über Tan­nen und Fich­ten­na­deln spann­ten, und war­te­ten auf den Früh­ling. Ein Pfad führ­te durch den Wald, eine Spur, die Tie­re bei Nacht und Men­schen bei Tag gemein­sam in den Schnee ein­ge­tra­gen haben moch­ten. Wenn ich ganz still stand, konn­te ich lei­se mein Herz in der Brust schla­gen hören. Ein sel­te­nes Ereig­nis, das eige­ne Herz­ge­räusch von unten her­auf, oder war das doch nur eine Vor­stel­lung gewe­sen. Und ich dach­te an Eich­hörn­chen, ich dach­te, gut, dass ich kein Eich­hörn­chen bin in die­sem Win­ter. Eine Stun­de ging ich so den Pfad ent­lang, dann kehr­te ich um. — stop
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marin

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gink­go : 15.05 UTC – Ein Bot­schaf­ter soll kurz vor der Erstür­mung sei­ner Depen­dance Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ange­wie­sen haben, Doku­men­te, ins­be­son­de­re papie­re­ne Doku­men­te, zu ver­bren­nen oder mit­tels moder­ner Zer­klei­ne­rungs­ge­rä­te aus ihren natür­li­chen Zusam­men­hän­gen zu rei­ßen. Nun ist gleich­wohl denk­bar, dass Men­schen, deren Arbei­ten aus­schließ­lich als digi­ta­le Sub­stanz gespei­chert wur­den, kurz vor einem dro­hen­den dau­er­haf­ten Aus­fall öffent­li­cher Strom­ver­sor­gung, den star­ken Wunsch ver­spü­ren, ihre digi­ta­len Doku­men­te auf Papier zu dru­cken, um sie in schwe­ren Kof­fern mit sich auf eine Flucht­rei­se in die Wild­nis neh­men zu kön­nen. Ich über­le­ge ernst­haft, ob es nicht viel­leicht sinn­voll wäre, eine Map­pe anzu­le­gen, in wel­cher sich wirk­li­che Papie­re befin­den, Auf­sät­ze, Brie­fe, Noti­zen, die in der Gegen­wart nur les­bar sind, solan­ge ich über elek­tri­sche Grund­ver­sor­gung ver­fü­ge. — Das wun­der­vol­le mari­ne­blaue Licht des Schnees in der Däm­me­rung. — stop

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mikroskop

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hima­la­ya : 5.06 — Wenn ich von Zwerg­kat­zen spre­che, dann von Kat­zen, die nicht viel grö­ßer sind als mit­tel­eu­ro­päi­sche rote Wald­amei­sen. Ich beob­ach­te­te zwei die­ser wun­der­vol­len Schöp­fun­gen, wie sie gegen den Mor­gen zu der­art hef­tig in mei­ner Küche tob­ten, dass sie ein­mal bei­na­he vom Tisch gefal­len wären. — stop

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ein wort

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alpha : 3.28 — In einem Gespräch hör­te ich ein schreck­li­ches Wort. In dem Augen­blick, da ich das Wort hör­te, dach­te ich: Die­sem Wort bin ich nie zuvor begeg­net. Jetzt, da ich das schreck­li­che Wort in mei­nem Kopf habe, wer­de ich es nie wie­der ver­ges­sen, ich wer­de die­ses Wort nie wie­der ver­lie­ren. — Leich­ter Schnee­fall. Wei­te­re Her­z­wör­ter ein­ge­fan­gen: herz­fän­ger, herz­far­be, herz­f­ei­bel, herz­fell, herz­fens­ter, herz­fie­ber, herz­fin­ger, herz­fleisch, herz­för­mig, herz­form, herz­fres­send, herz­freu­de, herz­freund, herz­be­frie­dung, herz­fröh­lich, herz­fröm­mig­keit, herz­fromm, herz­fül­le, herz­ge­b­eint, herz­ge­bet, herz­ge­blüt, herz­ge­b­op­pelt, herz­ge­dan­ke, herz­ge­fahr, herz­ge­fan­ge­ner, herz­ge­fühl, herz­geist, herz­ge­krab­belt, her­zens­bruch, herz­faen­ger, herz­lich­keit, her­zen­schrein, herz­be­frie­di­gung, her­zen­s­ehr, herz­rueh­rung, herz­rüh­rung, her­zen­lei­de, herz­be­keh­rung, herz­ge­liebt, herz­ge­mein, herz­ge­neigt, herz­ge­schrei, herz­ge­sel­le, herz­ge­span, herz­ge­spann, herz­ge­sperr, herz­ge­spie­le, herz­ge­spött, herz­ge­spräch, herz­ge­treu, herz­ge­wächs, herz­ge­win­nend, herz­ge­wünscht, herz­gol­den, herz­gras, herz­gru­be, herz­gründ­lich, herz­grund, herz­gül­den, herz­gut, herz­häus­lein, herz­häut­lein, herz­haft, herz­haf­tig, herz­haf­tig­keit, herz­haf­tig­lich, herz­herz­li­chen, herz­hoch, herz­hof­fär­tig, herz­hohl, herz­hold, herz­horn, her­zie­hen, her­zig, her­zi­gen, her­zig­lich, her­zi­gung, her­zin­brüns­tig, her­zin­nig, her­zin­nig­lich, her­zisch, herz­kä­fer, herz­kalt, herz­kam­mer, herz­keim, herz­kind, herz­kir­sche, herz­kit­zelnd, herz­klee, herz­klop­fen, herz­klop­fend, herz­klop­fer, herz­klop­fung, herz­kno­chen, herz­knor­pel, herz­köl­b­lein, herz­kö­nig, herz­kör­nig, herz­kohl, herz­krab­be, herz­krän­kend, herz­krän­kung, herz­krampf, herz­krank, herz­krank­heit, herz­kraut, herz­kün­di­ger, herz­küt­zelnd, herz­la­bung, herz­läpp­chen, herz­lap­pen, herz­laub, herz­leer, herz­leid, herz­lein, herz­leuch­te, herz­leuch­tend, herz­lich, herz­li­chen, herz­lich­ge­liebt, herz­lich­hoch, herz­lich­keit, herz­licht, herz­lieb, herz­lieb­chen, herz­lie­bend, herz­lo­ckend, herz­los, herz­lo­se, herz­lo­sig­keit, herz­ma­cher, herz­mah­ner, herz­man­gel, herz­ma­ril­le, herz­mensch, herz­mit­te, herz­mix­tur, herz­mu­schel, herz­mut­ter, herz­na­gel, herz­na­gen, herz­na­gend, herz­neh­mend, herz­netz, herz­noth, herz­ohr, herz­pein, herz­pfeil, herz­pfeil­ge­malt, herz­pfir­sche, herz­pfört­lein, herz­pfrie­me, herz­po­chen, herz­po­lei, herz­pol­le, herz­po­lyp, herz­prie­me, herz­pro­be, herz­prü­fer, herz­pul­ver, herz­punkt, herz­pup­pern, herz­rad, herz­räu­be­risch, herz­rau­bend, herz­re­gie­rend, herz­re­gung, herz­reich, herz­rein, herz­reis, herz­reue, herz­ring, herz­rit­te, herz­rit­tig, herz­röh­re, herz­rös­lein­gras, herz­rüh­rend, herz­rühr­lich, herz­rüh­rung, herz­ru­hig, herz­sack, herz­saft, herz­sa­me, herz­schild, herz­schlag, herz­schlecht, herz­schlech­tig, herz­schlech­tig­keit, herz­schmerz­lich, herz­schnei­dend, herz­schrein, herz­schwä­che, herz­sehn­lich, herz­seuf­zend, herz­si­e­ben, herz­spann, herz­span­ne, herz­sperr, herz­spruch, herz­sta­chelnd, herz­stär­kend, herz­stär­kung, herz­stein, herz­stem­mend, herz­stich, herz­st­osz, herz­strick, herz­sucht, herz­süch­tig, herz­täu­schend, herzt­au­sig, herzt­hei­len, herzt­hür, herz­tief, herz­trau­er, herz­trau­er­lich, herz­trau­rig, herz­traut, herz­treu, herz­treu­lich, herz­tu­te, her­zung, herz­va­ter, herz­ver­bun­den, herz­ver­driesz, herz­ver­drusz, herz­ver­ein, herz­ver­gif­te­rin, herz­ver­knüpft, herz­ver­nü­gen, herz­ver­traut, herz­viel­ge­liebt, herz­voll, herz­was­ser, herz­weh, herz­werth, her­zwil­lig, her­zwin­gen, herzwis­ser, herz­wün­schend, her­z­wun­de, her­z­wun­der, herz­wurm, herz­wurz, herz­wur­zel, herz­zer­na­gend, herz­zer­reiszend, herz­zer­schnei­dend, herz­zit­tern, herz­zu­cker, herzzwinger,

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brooklyn : zur zeit der fliederblüte

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sier­ra : 2.10 — Man stel­le sich das ein­mal vor, wie man an einem war­men Früh­lings­tag in Brook­lyn durch den Pro­s­pect Park spa­ziert. Gera­de ist die Zeit der Flie­der­blü­te ange­bro­chen, die Bäu­me duf­ten weit in die Stra­ßen hin­ein, Möwen flie­gen im Park her­um, obwohl sie eigent­lich nie­mals die Innen­sei­te der Stadt besu­chen, es ist eben ein beson­de­rer Tag in einem nächs­ten Jahr. Und wie wir so im Park spa­zie­ren, mei­nen wir zu bemer­ken, dass das Licht ein ande­res Licht ist, als noch vor Mona­ten, als wir zuletzt an die­sem wun­der­ba­ren Ort ein paar Stun­den Zeit ver­brach­ten, um Wasch­bä­ren zu zäh­len viel­leicht, oder Eich­hörn­chen, Tau­ben, Men­schen, die­se Freu­de, jawohl, an der Zäh­lung der Welt, an der Beob­ach­tung der Far­ben. Heu­te aber ist das Licht ein ande­res Licht gewor­den, noch immer oder wie­der Son­ne, aber auch ein selt­sa­mer Schat­ten, kei­ner der Wol­ken­schat­ten, die immer­zu von Licht durch­setzt gewe­sen sind, son­dern ein Schat­ten, der ener­gisch ist, der das Gleich­ge­wicht des Lich­tes in der Wei­te des Parks zu ver­än­dern scheint. Noch haben wir nicht zum Him­mel geschaut, son­dern uns nur gewun­dert, dass das Licht ein ande­res Licht ist, ein Licht­ge­fühl, das sich grund­sätz­lich änder­te, das könn­te sein, ein merk­wür­dig blau­es Licht, das auf den Blät­tern der Bäu­me flim­mert, auf den Fel­len der Eich­hörn­chen, im Gefie­der der Tau­ben. Und da sehen wir, dass den Bäu­men, den Eich­hörn­chen­tie­ren, den Tau­ben ihre Schat­ten feh­len, als wäre so etwas wie eine Son­nen­fins­ter­nis am Him­mel auf­ge­tre­ten. Höhe Caroll Street ent­de­cken wir ein Tau, nein, ein metal­le­nes Seil, das im Gestein fest ver­an­kert wur­de, ein kräf­ti­ges Seil, das senk­recht aus dem Boden steigt, ein Seil, um wel­ches sich wei­te­re Sei­le aus dem Boden erhe­ben. Gera­de in dem Moment, als wir dort am Ort der im Wie­sen­bo­den ver­an­ker­ten Seil­strän­ge ange­kom­men sind, beob­ach­ten wir eine metal­le­ne Seil­bahn­ka­bi­ne, in wel­cher ein Mensch steht, der lang­sam him­mel­wärts schwebt. Wir fol­gen ihm mit unse­ren Bli­cken hin­auf zu einem rie­si­gen Fes­sel­bal­lon, an wel­chem statt eines Kor­bes, Gebäu­de von Holz befes­tigt sind. Das sind wun­der­ba­re, klei­ne Häu­ser, sie sind in den Far­ben der Nord­län­der gestri­chen, in Blau und Gelb und grün und rot, eine Trau­be bun­ter Häu­ser, die über Fens­ter ver­fü­gen, dort, wo sich an Häu­sern Fens­ter immer befin­den. Aber die Türen, die Türen sind in den Boden der Häu­ser ein­ge­las­sen, das ist schon selt­sam, die­se Türen, die sich dort befin­den, wo man die Häu­ser nie­mals sieht, weil sie auf dem Boden ruhen. Wir ste­hen ganz still und schau­en hin­auf, und wir wun­dern uns wie weit es da doch hin­auf­geht, Men­schen win­ken aus geöff­ne­ten Fens­tern, sie sind klein, ja, die­se win­ken­den Wesen müs­sen unbe­dingt Men­schen sein, an die­sem wun­der­bar war­men Früh­lings­tag in Brook­lyn im kom­men­den Jahr, einem Tag, an dem Sil­ber­mö­wen in fürch­ter­li­chen Rudeln vom Meer her in die Stadt gekom­men sind. — stop
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papiere

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marim­ba : 5.02 — Auf einer Brief­mar­ke sind deut­lich Men­schen zu erken­nen, die im Was­ser schwe­ben. Sie bewe­gen sich lang­sam, grü­ßen oder alar­mie­ren mit win­ken­den Bewe­gun­gen ihrer Arme und Hän­de, drei Gestal­ten, drei Per­so­nen. Der Brief, auf dem das merk­wür­di­ge Post­wert­zei­chen vor län­ge­rer Zeit augen­schein­lich mit Spei­chel befes­tigt wor­den war, ruht auf mei­nem Küchen­tisch. Dort herrscht Unord­nung, weil ich für Unord­nung sorg­te. Am Frei­tag habe ich mit der Unord­nung ange­fan­gen, indem ich mei­ne alte mecha­ni­sche Schreib­ma­schi­ne zer­leg­te. Zunächst ent­fern­te ich das Gehäu­se der Schreib­ma­schi­ne, dann die Tas­ta­tur, kurz dar­auf die Papier­wal­ze der Schreib­ma­schi­ne, sowie eine Klin­gel, deren Geräusch ich mit der Metho­de des Schrei­bens zu frü­he­ren Zei­ten ver­bin­de. Sie war gedacht, wenn ich mich recht erin­ne­re, den schrei­ben­den Men­schen dar­auf auf­merk­sam zu machen, dass das Ende der Zei­le, an der er gera­de arbei­te­te, bald erreicht sein wird, auch damals ging man schon davon aus, dass Men­schen exis­tie­ren, die wäh­rend des Schrei­bens ins­be­son­de­re ihre Hän­de betrach­ten, Fin­ger, wie sie über die Tas­ta­tur hüp­fen, so dass sie das Papier, das sie beschrei­ben, über­haupt nicht wahr­neh­men, wes­halb sie ver­säu­men könn­ten, den Papier­wal­zen­schlit­ten der Schreib­ma­schi­ne zurück­zu­set­zen, um eine wei­te­re Zei­le zu begin­nen. Wäh­rend ich die Maschi­ne zer­leg­te, bemerk­te ich, dass jedes ihrer Ein­zel­tei­le in wei­te­re Ein­zel­tei­le zer­legt wer­den konn­te. Bald arbei­te­te ich mit einer Lupe, bald waren Schrau­ben, Stre­ben, metal­le­ne Häu­te von einer Klein­heit, dass ich fürch­te­te, ich könn­te sie ver­se­hent­lich atmend zu mir neh­men. Ich arbei­te­te Stun­de um Stun­de vor­an, ohne dar­an zu den­ken, einen Plan zu fer­ti­gen, der mich in die Lage ver­set­zen wür­de, die zer­leg­te Schreib­ma­schi­ne wie­der zu einer voll­stän­di­gen funk­tio­nie­ren­den Ein­heit zu fügen. In die­ser Zeit der Auf­lö­sung, lag der Brief win­ken­der Brief­mar­ken­men­schen in nächs­ter Nähe. Eine wun­der­vol­le blaue Brief­mar­ke, auf einem Brief, den ich zur­zeit noch immer nicht geöff­net habe, ich neh­me an, weil ich noch ein wenig wei­ter schla­fen will. — stop

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afrika

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nord­pol : 2.28 — Zen­tral­afri­ka­ni­sche Land­schaft. Savan­ne. Affen­brot­bäu­me. Das Ufer eines Flus­ses oder Sees. Wol­ken, schnee­weiß, getürmt. Ent­lang der Ufer­li­nie flie­gen Fla­min­gos, ein Schwarm, 200 oder 300 Tie­re. Sie sind ver­mut­lich gera­de erst gestar­tet. Wenn ich mich mit einer Lupe der Land­schaft, die auf eine Brief­mar­ke gepresst wur­de, nähe­re, ver­mag ich die Füße ein­zel­ner Vögel gut zu erken­nen, eine hoch­auf­lö­sen­de Druck­ar­beit, mög­li­cher­wei­se könn­te man unter einem Mikro­skop Federn ent­de­cken, das Licht, das sich in den Augen der Flie­gen­den bricht, Mos­ki­tos, die über dem Was­ser schwe­ben, Libel­len und wie­der­um die Füße der Libel­len. Ein sel­te­nes Exem­plar einer Pan­ora­ma­mar­ke von 2,8 cm Höhe und 1 Meter und 50 cm Brei­te. Man könn­te die­se Brief­mar­ke für Brie­fe ver­wen­den, die über ent­spre­chen­de Brei­te ver­fü­gen, sagen wir, für sehr lan­ge Lang­brie­fe, oder aber man ver­wen­det die­ses wun­der­vol­le Post­wert­zei­chen auf Kurz­brie­fen übli­cher Brei­te, dann muss man die Brief­mar­ke fal­ten. Genau­so ist das vor­ge­se­hen, natür­li­che Fal­ten sind der Brief­mar­ke bei­gebracht, eigent­lich liegt die Brief­mar­ke, sofern man sie erwer­ben möch­te, in gefal­te­tem Zustand vor, ein Bänd­chen von Haa­res­brei­te hält sie in der Gestalt einer Zieh­har­mo­ni­ka zusam­men. Auch jetzt sind Fla­min­gos gut zu erken­nen. Es han­delt sich um eine wirk­lich sehr schö­ne Mar­ke. — stop

drohne27



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