marimba : 1.15 — Saß frühabends am See unter blühenden Akazienbäumen. Vielleicht deshalb, weil die Akazien blühn, niesen in diesen Tagen und Nächten die Schwäne und auch die Rotwangenschildkröten niesen und alle Enten. Hör sie noch aus großer Entfernung, feine, helle Luftgeräusche, während ich am Schreibtisch sitze und Kenzaburo Oe’s Roman Der Stolz der Toten beobachte, das geschlossen vor mir liegt. Gleich werde ich das Buch öffnen und seine Zeichen zählen.
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Aus der Wörtersammlung: geräusch
marlene
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echo : 8.15 — Drei Wochen zurück notierte ich einen Brief an Y. Ich schrieb folgenden Satz : Hast Du schon einmal Deine Hände aus der Luft betrachtet? Heute erreicht mich seine Antwort : Apollo. Apollo. stop. Begeistert etwas Zeit in Sidney Lumets Verdict verbracht. Ein herrlich spielender Newman. Feine, knisternde Glasgeräusche, als würde der Film in jedem nächsten Moment in tausend Stücke zerspringen. Kurz darauf nähert sich Maximilian Schell in Paris Marlene Dietrich. Ihre Stimme aus dem Off, die von dort ein wenig so klingt, als würde sie ein Glas Cognac getrunken haben oder zwei. Eine singende Stimme. Eine Stimme, die singt und spricht zur gleichen Zeit. Einmal will Maximilian Schell ihr eine männliche Frage stellen. Marlene Dietrich : Was isn das? — stop
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amplitude
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tango : 18.15 — Vergangene Nacht sechs Stunden Schlaf aufgezeichnet. Seltsame Spannung, während ich die Datei in das Tonbearbeitungsprogramm lade, um nach Ausschlägen zu suchen. Zunächst das Hupen eines Automobils, eine heftige Amplitude. Nach einer weiteren Stunde der Abdruck einer Feuerwehrsirene. Kurz darauf das Rascheln der Bettdecke. Gegen 3 Uhr das Geräusch einer Tür. Kann mich nicht erinnern, spaziert zu sein. — stop
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ohrgeräusch
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nordpol : 2.15 — 2.15 — Könnte ich mit meinen Ohren vielleicht das Geräusch meiner Ohren vernehmen? Ein leises Summen vielleicht? — stop

nasa
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echo : 0.15 — Im botanischen Garten spaziert. Das angenehm rasselnde Geräusch des Regens, die Luft hell vom Wasser, das noch kalt und geruchlos ist. Stöberte in Notizbüchern. Entdeckte folgende Sequenz: Sonntag. Heute ist Schwester Julia wieder im Dienst. Sehe zu, wie sie Marikki vorsichtig wäscht. Behutsame Bewegungen, ja, sehr feine Berührungen, beinahe zärtlich. Sie trägt einen Mundschutz, der sich, wenn sie lacht, wie ein Segel bläht. Sie sagt, dass Marikki uns hören könne, deshalb summe sie und deshalb hört Marikki gerade etwas NASA, während ich in ihrer Nähe sitze und notiere und im Cheever lese, heitere Gespräche der Apollo 14 Besatzung auf dem Flug vom Mond zurück. Habe bemerkt, dass ich die Luft anhalte, wenn ich sie betrachte, dass ich jenseits der amerikanischen Stimmen, die links und rechts ihres zierlichen Kopfes wispernd durch die Häute der gepolsterten Ohrhörer dringen, nach weiteren, beruhigenden Geräuschen suche. 18. Juni 2006

lumumba
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2.27 – Das Geräusch eines Bleistifts auf Papier. Seit ich vor einigen Tagen bemerkte, dass ich nach und nach die Fertigkeit des Schreibens mit der Hand verliere, notiere ich wieder mit dem Bleistift in einem Heft. – Folgendes, sagen wir. Sobald ich ein Wort Zeichen für Zeichen lese, sobald ich das Wort in ein Geräusch verwandelt habe, verliere ich seine Bedeutung. Das Wort LUMUMBA zum Beispiel, warm, tief, wohlklingend, leer. Alle Wörter, die ich nach diesem Wort LUMUMBA erfinde, tragen ein – u — in sich. Zu diesem Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich gegen das intensiv wirkende — u — in dem Wort LUMUMBA am Besten mit einem — i — ankommen kann. — HIBISCILLI. — Das — i -, weiß der Himmel warum, hat in meinem Kopf mit Freude, mit Glück zu tun. Also weiter mit der Musik : begaioku : lidabobi : basijebu : pomebebu : bodibabe : mitusubu : cawariba : babunabe : nufumetu. — stop

lichtschlitten
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0.12 — Am späten Abend, um 22 Uhr und 28 Minuten präzise, verzeichnet der Google-Index 2.850.000 Ergebnisse für die Suche nach Albert Camus in 0,15 Sekunden und für das Wort Sonne 31.500.000 Einträge in 0.03 Sekunden. Ist es Menschen möglich, einen Zeitraum von 0.15 Sekunden vorzustellen? Könnte ich, wenn ich übte, ein Gefühl bewirken, für die Zeitdifferenz zwischen 0.15 Sekunden und 0.03 Sekunden? Wie lange Zeit müsste ich mit lauter Stimme sprechend zählen, bis ich die Zahl 850.000 erreicht haben würde? Könnte ich so weit zählen, ohne einmal schlafen zu müssen? – Kurz nach Mitternacht. Ich scanne die Fotografie einer indischen Frau, die vielleicht nie erfahren wird, dass die Aufnahme ihrer Person unter der Bezeichnung darjiling.gif der Elektrosphäre zugefügt worden ist. — Das feine Geräusch der Motoren, die den Lichtschlitten ziehen. Sieben Uhr achtundzwanzig in Lhasa, Tibet. — stop
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mercè rodoreda
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0.02 — Eine wunderbare Geschichte habe ich entdeckt, eine Geschichte der katalanischen Schriftstellerin Mercè Rodoreda. Ich darf sie rasch notieren: Sie ist weiß und sie ist blau. Das heißt, sie ist weiß wie die weiße Rose, und ganz plötzlich wird sie blau. Ein Insekt färbt sie, so scheint es, aber niemand weiß, wie es das macht. Ein Augenblick der Zerstreutheit und schon ist sie blau. Dieses Insekt trägt in einem Knie, mit fadigem Speichel festgenäht, ein Päckchen, und in diesem Päckchen, umgeben von Eiern und von Blau – reinstes Indulin – ist der Ehemann. Dieser Ehemann schläft den ganzen Tag und bebrütet die Eier, die durch ein Loch in das Päckchen fallen, das in dem Knie ist, woran es festgenäht ist. Wenn die Stunde kommt, kriecht das Insekt der Blume ins Herz, lädt das Päckchen ab, und die Blume, die weiß war, wird blau von oben bis unten. Sie sagen: — Oh, es ist nämlich so, daß der Ehemann, sobald er sich blumenumhüllt sieht, das Päckchen aufbricht und alles von blauem Saft überschwemmt wird und die Eier platzen und die Kleinen sofort losfliegen, jedes mit seinem Päckchen im Knie … einverstanden. Aber das sind bloße Vermutungen. Die Wahrheit ist, daß die Blume in einem Nu blau wird. Wie? Dahinter kommt man nie, und jedermann ist ein bißchen durcheinander und verwirrt. — stop

ludwig wittgenstein
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5.27 — Bemerke immer wieder, dass ich nicht spüren kann, wo genau im Kopf ich denke. Da sind durch Worte gehemmte [ Ludwig Wittgenstein ] Gedanken, präzise vernehmbare Geräusche, die in blauen, in roten, in gelben Farbtönen erscheinen. – Einmal CNN. | stop | Nachtfernsehen. | stop | New Orleans. | stop | Alte Menschen, die aus Fenstern, von Balkonen ihrer Wohnungen her in Boote steigen. | stop | Junge Männer in Uniformen der Nationalgarde, die ihnen die Hände reichen. | stop | Gesten, als wären sie Gondoliere. | stop | Das Gesicht eines Mannes, — erschöpft, leer, ausgezehrt, geschlossen. | stop | Ja, ein geschlossenes, lichtloses Gesicht. | stop | Nichts mehr darf hinein. | stop | Nichts kann heraus. | stop | Vielleicht die Ahnung, dass er nicht wieder zurückkehren wird? | stop | Vielleicht reicht mein Blick, mein Kamerablick, nicht ausreichend tief in die Wohnung? | stop | Ich könnte ein Ohr fest auf den Boden legen und dem Meer lauschen, wie es in der Wohnung unter meiner Wohnung mit den Möbeln spielt. | stop | In Schiffen, in Städten, auf Bäumen wohnen arme Menschen tief oder an steilen Erdsegelhängen. | stop |

waterboarding
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0.15 — w a t e r b o a r d i n g. — Beunruhigendes Geräusch.



