Aus der Wörtersammlung: regen

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seltsame geschichte

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india : 5.56 — Seit eini­gen Tagen ereig­nen sich in oder in der Umge­bung mei­ner Schreib­ma­schi­ne kurio­se Din­ge. Es geht dar­um, dass ein Text, den ich am Mon­tag notier­te, sich immer dann, wenn ich schla­fe, ver­än­dert, und zwar zu sei­nem Nach­teil. Feh­ler­haf­te Wör­ter, die ich bereits kor­ri­gier­te, keh­ren wie­der oder ich ent­de­cke voll­stän­dig neu­ar­ti­ge Miss­bil­dun­gen, ver­dreh­te Buch­sta­ben, Wort­er­fin­dun­gen, Punk­te oder Kom­ma­ta ver­schwin­den, aus der Far­be ROT wird die Far­be BLAU, aus Schnee wird Regen, aus Kin­dern wer­den Grei­se. Es ist eine eigen­ar­ti­ge Situa­ti­on, ich geste­he, ich begin­ne mich zu fürch­ten. Selbst­ver­ständ­lich habe ich mir die Fra­ge gestellt, ob sich viel­leicht ein wei­te­rer Mensch, den ich bis­lang nicht ent­deck­te, in mei­ner Woh­nung befin­det, oder ob ich viel­leicht selbst schlaf­wan­delnd mich an mei­ne Schreib­ma­schi­ne set­ze. In die­sem Zusam­men­hang könn­te die unheim­lichs­te Aus­sicht der Gedan­ke sein, dass mei­ne Schreib­ma­schi­ne selbst oder gar der Text machen, was sie wol­len. Von außen jeden­falls ist ihm nicht anzu­se­hen, ob irgend­et­was mit ihm nicht in Ord­nung sein könn­te. Zur Prü­fung, der Text beginnt so: Der Rasen in Zyp’s Gar­ten war ein Tep­pich von Moos, auf dem immer irgend­et­was blüh­te. Selbst in den kal­ten Mona­ten des Win­ters, wenn es schnei­te, wenn das Eis an die Küs­te schin­del­te, glaub­te Zyp Wes­ley, die Geräu­sche des Wach­sens und Ver­ge­hens zu hören aus dem unsicht­ba­ren Raum unter dem Weiß. Er ver­füg­te über ein her­vor­ra­gen­des Gehör, obwohl er seit Jah­ren Posau­ne spiel­te, wohn­te des­halb etwas abseits. Das nächs­te Haus, indem eine Fami­lie mit Kin­dern sie­del­te, war etwa zwei­hun­dert Meter weit ent­fernt, hin­ter einer Anhö­he pas­sier­ten die Gelei­se der Sta­ten Island Rail sei­ne Gegend. Man konn­te von dort das Schep­pern der Sub­way­zü­ge lei­se hören bei Tag und bei Nacht. – stop
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PRÄPARIERSAAL : schwärme

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tan­go : 1.16 — Ges­tern, Punkt 10 Uhr abends, habe ich mei­ne ana­to­mi­sche Ton­band­ma­schi­ne wie­der ange­wor­fen. Ich hör­te eine Auf­nah­me, die ich mit der Beschrif­tung No 87 ver­se­hen hat­te. Lei­der konn­te ich mich nicht erin­nern, wo das Doku­ment auf­ge­nom­men wor­den sein könn­te, weil ich ver­säum­te, Zeit und Ort des Gesprächs, sowie den Namen der spre­chen­den Per­son zu notie­ren. Eine Frau­en­stim­me war zu hören und das Zwit­schern von Vögeln. Die Stim­me sprach rasend schnell, als ob sie den Vögeln nach­ei­fern woll­te. Mehr­fach muss­te ich die Auf­nah­me in einem ers­ten Durch­gang anhal­ten und wie­der­ho­len, um ver­ste­hen oder erah­nen zu kön­nen, was die Stim­me gesagt hat­te. Ich habe ihr einen pro­vi­so­ri­schen Namen gege­ben. Mela­nie erzählt: > Es ist eine auf­re­gen­de Zeit. Da sind Schwär­me von Gedan­ken, Geräu­schen, Bil­dern, Gerü­chen in mei­nem Kopf. Ich kann sie jeder­zeit her­vor­ho­len. Manch­mal kom­men sie von selbst. Unge­fragt. Viel­leicht dar­um, weil ich etwas Beson­de­res erle­be. Oft habe ich schon den Ver­such unter­nom­men, von mei­nen Erfah­run­gen zu berich­ten. Ich habe das Gespräch gesucht, Sie ver­ste­hen, ich bin stolz, der Auf­ga­be gewach­sen zu sein. Des­halb erzäh­le ich mit Begeis­te­rung. Ich habe zum Bei­spiel davon erzählt, dass ich sehr ger­ne an Mus­keln prä­pa­rie­re. Ich habe von der luzi­den, perl­mutt­far­be­nen Haut berich­tet, die Mus­keln umgibt. Ich habe von der Befrie­di­gung erzählt, die ich emp­fin­de, wenn ich einen Mus­kel voll­stän­dig frei­ge­legt habe, wenn ich den Mus­kel begrei­fen konn­te, sei­nen Ursprung und sei­nen Ansatz erken­nen. Ich habe, wäh­rend ich erzähl­te, mit mei­nen Hän­den vor­aus­ge­ar­bei­tet, habe mit mei­nen Hän­den auf dem Tisch Bewe­gun­gen aus­ge­führt, als war­te­te dort eine Struk­tur, die ich noch rasch prä­pa­rie­ren soll­te. Hand­ar­beit, sag­te ich, wenn du eine gute Ärz­tin sein willst, musst du zunächst eine gute Hand­wer­ke­rin sein. Wenn du nicht Hand anle­gen willst an einen Men­schen, ist alle Mühe nicht wert. Eine Pro­fes­so­rin erklär­te ein­mal: Sei­en Sie neu­gie­rig. Ver­fol­gen Sie die Struk­tu­ren wei­ter bis zu ihrem Ende. Glau­ben Sie nichts, prü­fen Sie, ob das, was in den Ana­to­mie­bü­chern steht, wirk­lich stimmt. Sehen Sie nach und sie wer­den mit Struk­tu­ren belohnt. — Ja, es ist auf­re­gend. Eine Assis­ten­tin notier­te eine wun­der­ba­re Geschich­te für mich. Das war an dem Tag gewe­sen, als Gehir­ne ent­nom­men wor­den waren. Da sei eine Kol­le­gin durch den Saal auf sie zuge­kom­men und habe ihr ein Gehirn in die Hän­de gelegt. Sie woll­te ihr eine ers­te Erfah­rung schen­ken, und sie woll­te in die­sem bedeu­ten­den Moment an ihrer Sei­te sein. Das Gehirn, ihr ers­tes Gehirn, sei uner­war­tet schwer gewe­sen. Sie erin­ner­te sich gut an ihre Sor­ge, sie könn­te das Gehirn fal­len las­sen. Sie habe in die­sem Augen­blick dar­an gedacht, dass sie eine ganz Welt in Hän­den hal­te, Träu­me eines Lebens, Bil­der, Sät­ze, Wör­ter, Wör­ter, die nie wie­der erreich­bar sein wer­den. – stop

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lenox hill : vertikal

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zou­lou : 20.25 — Es ist jedes Mal ein auf­re­gen­der Moment, wenn sich die Kabi­ne des Auf­zu­ges vom 22. Stock­werk aus nach unten zu bewe­gen beginnt. Ich wer­de etwas grö­ßer für ein oder zwei Sekun­den, ich kann das im Spie­gel, der die Rück­wand mei­nes Rei­se­be­häl­ters voll­stän­dig bedeckt, genau erken­nen, ich wer­de etwas grö­ßer, oder ich ver­lie­re den Boden unter den Füßen, es ist ein wirk­li­cher Moment des Fal­lens, ein Raum der Zeit, der bereits vor­über ist, ehe man ihn mit Wort­be­deu­tung aus­ge­spro­chen haben mag: Sekun­de. Aber dann ste­he ich schon wie­der fest auf dem Boden, bin so groß wie zuvor, ein Irr­tum natür­lich, nicht die Grö­ße, aber dass ich siche­ren Boden unter mei­nen Schu­hen haben wür­de, weil ich doch abwärts rase, was ich am wan­dern­den Licht der Zah­len­rei­he, die sich neben der Kabi­nen­tü­re befin­det, erken­ne. Außer­dem knis­tern mei­ne Ohren und ich habe den Ein­druck, dass auch mit mei­nen Augen etwas anders gewor­den sein könn­te, ein Dra­ma viel­leicht, das sich hier gera­de zu ent­fal­ten beginnt. Vor vier Wochen noch hat­te ich ein­mal im Auf­zug einen Spa­zier­gang unter­nom­men, rasch, wie ein Tier in sei­nem Käfig hin und her, ich woll­te mich sehen, wie ich im Fal­len zu gehen ver­mag, ein lus­ti­ger Anblick, neh­me ich an, weil ich kurz dar­auf den Ein­druck hat­te, der klei­ne Wäch­ter im Foy­er habe ein iro­ni­sches Lächeln im Gesicht getra­gen, viel­leicht weil er mich beob­ach­tet hat­te mit­tels einer Kame­ra, die sich in einer der obe­ren Win­kel der Kabi­ne befin­det. Selt­sam ist, man wird schein­bar nicht klei­ner, wenn man das Erd­ge­schoss erreicht, obwohl man doch schnell lang­sa­mer wird, gestaucht, mei­ne ich, gepresst und die­se Din­ge. Ich habe wei­ter­hin beob­ach­tet, dass ich, indem ich den Auf­zug ver­las­se, je eine leich­te Links­kur­ve neh­me, die so nicht geplant ist. Mei­ne Schne­cken­gän­ge, mei­ne Laby­rin­the im Kopf, dar­an könn­te es lie­gen. — stop
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grand central terminal : ein kleine lokomotive

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ulys­ses : 0.22 — Wann war es, dass ich zum ers­ten Mal ent­deck­te, dass das Fah­ren in der Sub­way eine her­vor­ra­gen­de Hand­lung dar­stellt, mei­nen ver­letz­ten Arm zu trai­nie­ren? Eine hal­be Stun­de in die­ser Sache mit der Linie A süd­wärts nach Brook­lyn unter­wegs, dann wie­der nord­wärts unter der Lex­ing­ton Ave­nue rauf nach Har­lem. Kei­ner der mit mir rei­sen­den Men­schen wird bemer­ken, was ich da tue. Ich ste­he in der Nähe einer Tür und hal­te mich ein­ar­mig an einer Hal­te­stan­ge fest. So flie­ge ich durch Tun­nels, wer­de gebremst, beschleu­nigt, rase durch Kur­ven der Fins­ter­nis, die es in sich haben, seg­le über Brü­cken, schauk­le unter dem East River von einer Insel zur ande­ren Insel. Längst wür­de ich, wenn ich nicht mit mei­ner balan­cie­ren­den Extre­mi­tät dem Zug ver­bun­den wäre, umge­fal­len sein, wür­de durch die Zug­ab­tei­le tau­meln auf der Suche nach Gleich­ge­wicht, wür­de über Bür­gern der Stadt zu lie­gen kom­men, kein schö­ner Anblick, nein ganz sicher nicht. Ein Hin und her unter der Haut, als wür­den mei­ne Mus­keln, Kno­chen, Seh­nen, selbst bereits zum Zug gehö­ren, wohl­tu­en­de, auch schmerz­haf­te Bewe­gun­gen, Befrei­ung. stop. Im Regen durch Chi­na­town. Wie­der das Geräusch der Spa­zier­stö­cke alter Män­ner, die sich in ihren Revie­ren bewe­gen, ich höre sie, weil ich sie sehe, Ein­zel­gän­ger, klein, gebückt. In einem Laden unter dem Grand Cen­tral Ter­mi­nal, es ist Abend gewor­den, eine Minia­tur des Bahn­ho­fes selbst, in dem eine Loko­mo­ti­ve ihre Krei­se zieht. Dort wie­der­um eine wei­te­re Minia­tur des Bahn­ho­fes, in der eine Loko­mo­ti­ve kreist, so klein, dass man sie ein­at­men könn­te. — stop
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central park : grammophon

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fox­trott : 0.15 — Im Cen­tral Park zur Mit­tags­zeit ein beten­der Mann, Mos­lem, Rik­scha­fah­rer, der Höhe 61. Stra­ße unter einer mäch­ti­gen, weit­ver­zweig­ten Ulme kniet, viel­leicht unter einem jener Bäu­me, deren Setz­lin­ge im Jahr 2008 nach Ore­gon geschickt wur­den, um sie dort groß­zu­zie­hen und wie­der nach Man­hat­tan zurück­zu­ho­len. Das kla­gen­de Sin­gen der Kin­der­schau­kel. Ein Eich­hörn­chen hetzt über eine Wie­se. Bald kau­ert das Tier in der Nähe des beten­den Man­nes, scheint ihn zu beob­ach­ten. Ich könn­te jetzt war­ten, bis der Mann mit sei­nem Gebet fer­tig gewor­den ist. Ich könn­te mich zu ihm in sei­ne Rik­scha set­zen. Wir könn­ten gemein­sam durch den Park fah­ren. Ich könn­te ihm eine Geschich­te erzäh­len. Ich könn­te erzäh­len, dass ich soeben noch in einem Café hör­te, wie eine jun­ge, lus­ti­ge Mut­ter von ihrer Absicht berich­te­te, ihren Sohn, der noch nicht gebo­ren wor­den ist, mit dem Namen „Gram­mo­phon“ zu ver­se­hen. Das ist eine wirk­lich auf­re­gen­de Geschich­te, die ich tat­säch­lich sofort erzäh­len soll­te. Ich soll­te den jun­gen Mann wei­ter­hin fra­gen, ob er mir viel­leicht erklä­ren wol­le, wes­halb es lebens­ge­fähr­lich für mich sein könn­te, wenn ich mich fra­gend über Moham­med, den Pro­phe­ten, äußern wür­de. Viel­leicht wür­de der jun­ge Mann brem­sen, viel­leicht sich unver­züg­lich von sei­nem Fahr­rad schwin­gen. Wir wür­den uns auf eine Bank set­zen und Geschich­ten erzäh­len von Gram­mo­pho­nen, von Pro­phe­ten und wie es ist, im Win­ter Rik­scha zu fah­ren. Und viel­leicht wür­de ich ihm dann noch vom Schnee erzäh­len, den ich als Kind aus der Luft gefan­gen habe. Ja, so könn­ten wir das machen, sofort, gleich, wenn der beten­de Mann sich erhe­ben wird. — stop

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upper new york bay : eine minute auf der samuel I. newhouse

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ulys­ses : 17.58 — Sta­ten Island Fäh­re gegen 15 Uhr. Eine Frau und ein Mann, die tief schla­fend Sei­te an Sei­te sit­zen und doch auf eine selt­sa­me Wei­se mit­ein­an­der zu spre­chen schei­nen. Sie tra­gen bei­de kei­ne Zäh­ne, viel­leicht weil sie mor­gens ver­ges­sen haben, sie ein­an­der in den Mund zu legen. Ihre Schlä­fen, eine lin­ke und eine rech­te Schlä­fe, zuein­an­der gelehnt. Lider, ala­bas­ter­far­ben, durch­sich­tig bei­na­he, hier, an der Bewe­gung der Aug­äp­fel, ist zu erken­nen, dass sie kom­mu­ni­zie­ren. Eine Hand des Man­nes ruht, gleich­wohl schla­fend, auf dem Bauch der Frau. Drau­ßen, hin­ter Salz­fens­tern, die Was­ser­fah­ne eines Feu­er­lösch­boo­tes. Und Möwen, schwe­re Möwen, die das Schiff betrach­ten, als hät­ten sie es noch nie zuvor gese­hen. Gleich wer­den die Schla­fen­den sich erhe­ben. Sie wer­den, als ob sie in ihrem Inne­ren über eine gehei­me Sand­uhr ver­füg­ten, ihre Augen öff­nen und sich bug­wärts auf den Weg machen, Sekun­den nur, ehe eine Laut­spre­cher­stim­me sie zum Ver­las­sen der Fäh­re auf­for­dern wird. — Leich­ter Regen. — stop
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upper new york bay : elefanten

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nord­pol : 11.10 — Im Traum folg­te mir ein Mann stun­den­lang, als wäre er mein eige­ner Schat­ten. Die­ser Schat­ten führ­te drei jun­ge Ele­fan­ten hin­ter sich her, damp­fen­de Geschöp­fe, die ohne Pau­se hup­ten. Das wäre für sich genom­men eine noch eher hei­te­re Geschich­te gewe­sen, wenn der Dampf der Ele­fan­ten nicht bedeu­tet haben wür­de, dass es sich um gebra­te­ne Ele­fan­ten­tie­re han­del­te, gekocht bis auf die Kno­chen. Tei­le ihrer Bäu­che waren bereits ver­lo­ren gegan­gen, auch von ihren Ohren waren kaum nen­nens­wer­te Res­te übrig gewe­sen. Ich dach­te mir noch, dass sie viel­leicht hup­ten, weil sie unter Schmer­zen lit­ten, da hat­te ich bereits einen Löf­fel in der Hand. – stop. Wäh­rend einer Fahrt mit der Sta­ten Island Fäh­re eine Frau, die mit sehr hoher Geschwin­dig­keit Pla­ton auf einem iPad las. Das wirk­te genau so, als wür­de sie den Text mit ihren Augen foto­gra­fie­ren. Nach wie vor auf der Suche nach einem Wort, das den Moment beschrei­ben könn­te, in dem Regen auf die Ober­flä­che des Mee­res trifft, nach einem Geräu­schwort für das Ver­schwin­den. — stop
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upper west side : broadway

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del­ta : 8.05 — Das Haus am River­si­de Dri­ve, in dem Uwe John­son leb­te und arbei­te­te. Pfa­de, die Uwe John­son spa­ziert haben könn­te. Eine Sub­way Sta­ti­on, 96. Stra­ße, uralte, dunk­le Bäu­me. Das Regen­licht über dem Hud­son. Was­ser­tanks, die auf Dächern wach­sen. Auf dem Broad­way tor­kelt eine Ampel. Klei­ne, schwar­ze, schweig­sa­me Män­ner in grü­nen Uni­for­men der Frei­heits­sta­tue ver­tei­len Ein­la­dun­gen zur Schiff­fahrt. Eine Kut­sche wei­ßer Pfer­de, damp­fen­de Nüs­tern, klap­pert in Rich­tung Cen­tral Park. Es ist Mon­tag, oder Diens­tag oder Sonn­tag. Eine Frau, sie tele­fo­niert in einer Spra­che, die ich noch nie zuvor hör­te. Ein Mann mit Kühl­schrank war­tet am Stra­ßen­rand. Schnel­le, scheue Bli­cke. — stop

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manhattan midtown — käfer der stille

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echo : 0.18 — Wie vie­le Cent wür­den Käfer kos­ten, die sich in mei­ne Ohren schmie­gen und von der Stil­le sum­mend erzäh­len? In wel­cher Art Woh­nung hau­sen Käfer, die von der Stil­le erzäh­len? Was und wie viel wür­den sie fres­sen? Sind Orte bekannt, da ihre Lieb­lings­spei­sen zur Abho­lung lagern? Leben Käfer der Stil­le für sich oder leben sie in Grup­pen? All die­se Fra­gen! All die­se Fra­gen! — Ich habe ein klei­nes Loch in den Zei­ge­fin­ger­strumpf mei­nes rech­ten Hand­schuhs fabri­ziert, um in der Käl­te mei­ne iPad-Schreib­ma­schi­ne bedie­nen zu kön­nen. Aber es ist warm gewor­den in New York. 15 °C. Regen. Alles dampft. Auf den Dächern der Häu­ser schnur­ren die Tur­bi­nen. — stop

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manhattan : subwayaugen

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tan­go : 0.02 — Ich fah­re in der Sub­way, ein Buch in Hän­den, in oder über der Stadt unter Men­schen sit­zend dahin und bän­di­ge mei­nen Blick. Ich kann nun tat­säch­lich lesen, also abwe­send sein. Oder ich kann vor­ge­ben, als ob ich lesen wür­de. In die­sem Fall betrach­te ich Buch­sta­ben oder die Sei­te eines Buches und ihre Zei­chen oder das Buch ins­ge­samt. Ande­re, die in mei­ner Nähe rei­sen, betrach­ten ihre Hän­de oder ihr Tele­fon oder eine Zei­tung. Wie­der ande­re lesen in der Zei­tung, sind dem­zu­fol­ge tat­säch­lich nicht anwe­send oder nur zum Teil anwe­send, wäh­rend ein Auge den Zei­len folgt, trach­tet das ande­re Auge nach innen gerich­tet in den kom­men­den Abend oder auf den ver­gan­ge­nen Mor­gen zurück. Ges­tern, auf der Fahrt mit der Linie D von der 96. Stra­ße West nach Coney Island, habe ich ein schö­nes Buch beob­ach­tet. E.B.Whites Essay Here is New York. stop. Regen. stop. Es ist warm gewor­den. Man­che New Yor­ker tra­gen Som­mer­klei­dung für einen Tag, ande­re Hand­schu­he. In der Däm­me­rung in den Pfüt­zen der Stra­ßen wie­der blin­ken­de, damp­fen­de Hun­de, künst­li­che Licht­na­tu­ren. Gespens­ter. — stop

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