Aus der Wörtersammlung: wesen

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sonnenphoton

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ulys­ses : 0.18 — Oft schon über das Licht nach­ge­dacht. Woher das Licht kommt und was geschieht, wenn das Licht auf einen Gegen­stand oder auf die Ober­flä­che eines Lebe­we­sens trifft. Was wäre, wenn ich ganz ohne das Licht aus­kom­men müss­te, wenn ich nur noch hörend oder mit mei­nem Tast­sinn die Welt erfah­ren könn­te? — Ein­mal habe ich ver­sucht, den Moment wahr­zu­neh­men, da die Mor­gen­däm­me­rung ein­setz­te, aber ich konn­te nicht bestim­men, wann genau das ers­te Pho­ton mein Auge berühr­te. — stop

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flaubert

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india

~ : lou­is
to : Mr. gust­ave flau­bert
sub­ject : MEMPHIS

Ver­ehr­ter Mr. Flau­bert, ges­tern, am spä­ten Nach­mit­tag, knis­ter­te ein fei­ner Regen ans Dach­fens­ter mei­nes Zim­mers und ich habe mich auf den Rücken gelegt und ihr ägyp­ti­sches Rei­se­ta­ge­buch geöff­net, eine sehr fei­ne Arbeit, detail­liert, das Abschied­neh­men, ihre vor­aus rei­sen­den Kof­fer. Wäh­rend Sie gera­de an Bord der Can­ja Mem­phis pas­sier­ten, bin ich ein­ge­schla­fen, viel­leicht weil ich müde war von einer viel zu kur­zen Nacht. Als ich wie­der wach wur­de, knis­ter­te der Regen noch immer gegen das Fens­ter, und ich erin­ner­te mich, ihnen erzäh­len zu wol­len, dass ich seit vor­ges­tern, 15 Uhr mit­tel­eu­ro­päi­scher Som­mer­zeit, Augen­paa­re samm­le, die mei­ne elek­tri­sche Sei­te besu­chen. Ver­mut­lich wer­den Sie mich für einen selt­sa­men Vogel hal­ten, weil ich Augen paar­wei­se zäh­le, ihre Exis­tenz und woher sie kom­men und wel­che Bril­len sie tra­gen und die Zeit mes­se, die sie mit mei­nen Wör­tern ver­brach­ten. Ges­tern Abend um 22 Uhr 17 Minu­ten und 11 Sekun­den hat­te ich Besuch aus Shang­hai. In gro­ßer Ent­fer­nung lur­ten also ein paar Augen, ver­weil­ten, kaum zu glau­ben, sechs Sekun­den auf mei­nen Zei­len, dann waren sie wie­der weg. Ich habe mir gedacht, dass die­se has­ti­gen Augen viel­leicht mei­ne Schrift­zei­chen nicht ent­zif­fern konn­ten, dass sie des­halb nur zwei oder drei Atem­zü­ge lang bei mir ver­weil­ten. Ja, lie­ber Flau­bert, das könn­te sein, nein, ich hof­fe, dass es so gewe­sen ist. Spä­ter Abend schon wie­der. Wer­de jetzt wei­ter lesen in Ihrer ägyp­ti­schen Rei­se, wäh­rend die Augen­zähl­ma­schi­ne arbei­tet, ohne dass ich mich auch nur ein­mal für sie bewe­gen müss­te. Ihr Lou­is, mit aller­bes­ten Grüßen.

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doppelhelix

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echo : 0.01 — Eine Foto­gra­fie, die James Wat­son und Fran­cis Crick vor ihrem Modell einer DNA-Dop­pel­he­lix zeigt. Der Ein­druck, Wat­son wür­de einen an der Zim­mer­de­cke lun­gern­den Trom­pe­ten­kä­fer betrach­ten, des­sen Gat­tung zum Zeit­punkt der Auf­nah­me sich bereits abzu­zeich­nen beginnt.

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Viel­leicht soll­te ich sagen, dass Trom­pe­ten­kä­fer rein pneu­ma­ti­sche Arbei­ter sind, wäh­rend Posau­nen­kä­fer sowohl pneu­ma­ti­sche als auch mecha­ni­sche Ver­fah­ren der Ton­erzeu­gung in sich ver­ei­ni­gen. Drum­mer knal­len elek­trisch. Bas­sis­ten ver­fü­gen über einen Kör­per von unge­wöhn­li­cher Län­ge, über ein Gehäu­se, wel­ches von feins­ten Lamel­len­kno­chen aus­ge­bil­det sein wird. Gera­de die­se wohl­klin­gen­den Wesen wer­den eines Tages mit Zigar­ren leicht zu ver­wech­seln sein. Das Erstaun­li­che an musi­zie­ren­den Käfer­we­sen ist, dass sie den Musi­ker sowohl als auch ein Instru­ment, das von Men­schen erfun­den wur­de, mit sich füh­ren, dass sie also sym­bio­ti­sche Wesen sind. — stop
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sandor marai

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sier­ra : 10.14 — Lan­ge Zeit der Ein­druck, dass in mei­nem Leben nur weit ent­fern­te Wesen ster­ben, Wesen bei­spiels­wei­se, die Madras bewoh­nen, Wesen ohne Nie­ren. Dann, von einem Tag zum ande­ren, endet mei­ne Kind­heit. Erin­ner­te mich an eine Notiz des 84-jäh­ri­gen unga­ri­schen Dich­ters San­dor Marai. “In der Nacht urplötz­lich die Gewiss­heit, dass ich sterb­lich bin — nicht die Mög­lich­keit, son­dern die Tat­sa­che. Es war nicht beängs­ti­gend. — Und eini­ge Tage spä­ter, am 31. Okto­ber des­sel­ben Jah­res: Das Ster­ben beginnt damit, dass man es nicht mehr für unmög­lich hält zu ster­ben. 84 Jah­re lang habe ich es nie­mals für mög­lich gehal­ten, und ich hat­te recht.” – Elf Uhr fünf­und­zwan­zig in Suni, West­dar­fur. — stop
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wordpress

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echo : 7.15 – Habe ich schon erzählt, dass das Licht des Tages im Zim­mer, in dem ich schla­fe, als sanf­tes, schat­ti­ges Leuch­ten erscheint, oran­ge­far­ben zur Decke hin und in der Höhe mei­nes Bet­tes in einem tie­fen Blau? — Süd­li­ches Licht. — Das Licht ita­lie­ni­scher Mit­tags­stun­den. — Halb­wegs träu­mend immer wie­der durch die Woh­nung. Ein­mal fin­de ich mich in der Küche wie­der, wie ich um 10 Uhr zu nacht­schla­fen­der Zeit Kaf­fee zube­rei­te­te. Auch heu­te ist wie­der 10 Uhr gewor­den und viel­leicht schla­fe ich in die­sem Moment tief und fest oder hof­fe, bald tief und fest zu schla­fen, wäh­rend die­ser Text von mei­nem Word­Press-Pro­gramm frei­ge­las­sen wird. — stop
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zur welt kommen

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oli­mam­bo : 0.01 – Eine Foto­gra­fie, die zeigt, wie ich kurz nach mei­ner Geburt aus­ge­se­hen habe. Ich war schon geputzt, aber noch immer zer­furcht vom lan­gen War­ten unter Was­ser. Als ich mir vor weni­gen Minu­ten die­se ers­te Foto­gra­fie mei­nes Lebens in Erin­ne­rung rief, ist mir bewusst gewor­den, dass eines Tages ein­mal eine wei­te­re Foto­gra­fie exis­tie­ren wird, eine Foto­gra­fie, die die letz­te Auf­nah­me gewe­sen sein wird, mei­ner Per­son als einer leben­den Per­son. Auch ist mir bewusst gewor­den, dass das ZUR WELT KOMMEN mit Ent­fal­tung zu tun haben könn­te und von Natha­lie Sar­rau­te gleich­wohl eine ers­te Foto­gra­fie exis­tiert haben muss­te in schwar­zer und in wei­ßer Far­be, eine Foto­gra­fie, die viel­leicht noch immer exis­tiert. — M e i n ers­ter Schat­ten. — Ich wäre im Jahr mei­ner Geburt in Far­be bereits mög­lich gewe­sen. — stop
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hu jia

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6.08 — Ich besit­ze eine klei­ne Fern­seh­ma­schi­ne. Sie steht auf einem Brett, unter dem sich Rol­len befin­den, sodass sich das emp­fan­ge­ne Licht­bild im Raum her­um­fah­ren lässt. Ges­tern Abend, ich saß auf dem Sofa und schau­te in das Licht die­ser klei­nen Fern­seh­ma­schi­ne, kam eine jun­ge Frau ins Bild, das heißt, genau­er, die Kame­ra­ma­schi­nen, die das Licht für mei­ne Fern­seh­ma­schi­ne ein­zu­fan­gen, beauf­tragt waren, hat­ten sich weit weg in Chi­na auf die Gestalt die­ser jun­gen Frau aus­ge­rich­tet und für einen kur­zen Zeit­raum ihres Lebens hiel­ten sie an ihr fest, an ihrem jun­gen Gesicht, das vol­ler Trau­er gewe­sen war. — Was habe ich gese­hen, was habe ich gehört? — Da war eine jun­ge Frau, eine sehr blas­se jun­ge Frau, die in der chi­ne­si­schen Spra­che spre­chend davon erzähl­te, dass ihr Mann, Hu Jia, soeben von einem Volks­ge­richt zu 3 Jah­ren und 6 Mona­ten Haft ver­ur­teilt wor­den war, weil er sein Men­schen­recht auf freie Rede aus­übend gesagt und geschrie­ben hat­te, die Olym­pi­schen Spie­le des Jah­res 2008 sei­en für die Men­schen­rech­te in sei­nem Hei­mat­land eine Kata­stro­phe. Die jun­ge Frau hielt ein Kind in ihren Armen, einen Säug­ling. Wäh­rend sie sprach, beweg­ten sich ihre Hän­de in einer selt­sa­men Art und Wei­se vor Mund und Nase, Ges­ten von tie­fer Trau­rig­keit und Ver­zweif­lung, Ges­ten, die ihr Gesicht viel­leicht vor den Licht­ma­schi­nen schüt­zen soll­ten. Ich habe gese­hen, dass ihre Hän­de beb­ten. Dann war sie wie­der weg und auch ihr Kind.  – Fünf­zehn Uhr sie­ben in Lha­sa, Tibet. — stop

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tabucchi

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3.18 — Neh­men wir ein­mal an, es wür­de ein Zeit­raum jen­seits des uns bekann­ten Lebens­zeit­rau­mes exis­tie­ren, ein Zeit­ort, an dem wir unbe­grenzt anwe­send sein dürf­ten, ein Ort wei­ter­hin, von dem aus wir in unse­re ver­gan­ge­nen Leben schau­en und zurück füh­len könn­ten, indem wir die Fil­me geleb­ter Tage betrach­te­ten, neh­men wir also an, die­ses Kino exis­tier­te, dann soll­te ich mich bemü­hen, Gedan­ken wie Erleb­nis­se zu ver­zeich­nen, sodass sie spä­ter gleich­wohl als Fil­me zu besich­ti­gen wären. — stop

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abschnitt neufundland

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Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gen­de gegen Küs­te gewor­fe­ne Arte­fak­te : Wrack­tei­le [ See­fahrt – 1222, Luft­fahrt — 3798, Auto­mo­bi­le — 55635], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 2, 19. Jahr­hun­dert – 164, 20. Jahr­hun­dert – 1318 , 21. Jahr­hun­dert — 428 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 387, gelöscht : 5 ], Licht­fang­ma­schi­nen [ PFXLW-II Pana­flex : 2 ], Öle [ 0.7 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 28, Knie­ge­len­ke – 12, Hüft­ku­geln – 331, Bril­len – 1266 ], Schu­he [ Grö­ßen 28 – 39 : 1356, Grö­ßen 38 — 45 : 1218 ], Kühl­schrän­ke [ 158 ], Tief­see­tauch­an­zü­ge [ ohne Tau­cher – 5, mit Tau­cher – 34 ], Engels­zun­gen [ 221 ] | stop |

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