luftmedusen

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nord­pol : 0.28 — Eine Pflanze ist denk­bar, wel­che zeit­le­bens als flie­gen­des Wesen exis­tiert. Sie wird in der Luft gebo­ren und dort stirbt sie am Ende auch, ohne je den Erd­bo­den berührt zu haben. Irgend­wie scheint sie trotz­dem den Laub­moo­sen ver­wandt, sie schätzt den Wind und den Regen, vor län­ge­rer Zeit ein­mal muss sie dann abge­ho­ben sein, hält sie sich nun bevor­zugt in einer Höhe von 1000 bis 2000 Metern frei schwe­bend auf. Es darf dort nicht zu kalt und nicht zu tro­cken sein, sie ist dem­zu­folge ein Geschöpf eher feuch­ter, war­mer, äqua­to­ria­ler Gebiete. Man könnte sagen, dass sie mit­tels einer Lupe betrach­tet Medu­sen­tie­ren ähn­lich ist, den Zwerg­me­du­sen, weil von klei­ner Gestalt, ihre Blü­ten, dort wo der Wind sie bestäubt, sind trans­pa­rente Gewebe, nicht grö­ßer als Mari­en­kä­fer­ge­häuse, wel­che der­art ange­ord­net sind, dass der Wind die flie­gende Pflanze in eine vor­be­stimmte Him­mels­rich­tung treibt. Man ernährt sich vom Licht der Sonne, vom Was­ser, das sich in der Luft, das heißt, in den Wol­ken befin­det, und von mine­ra­li­schen Stäu­ben, die die Welt umkrei­sen. Ihre Wur­zeln sind fei­nen Füh­lern ähn­lich, aller­dings abwärts gerich­tet, dem Erd­bo­den zu, sie sind in der Lage mit kleb­ri­gem Film, der sie bedeckt, alles das fest­zu­hal­ten oder ein­zu­fan­gen, was in der Größe zu ihnen passt. Manch­mal, in den Zei­ten größ­ter Not, fres­sen sie sich gegen­sei­tig auf, was im Prin­zip eine leichte Sache ist, weil man nicht sel­ten, zu Kolo­nien ver­wach­sen, in nächs­ter Nähe zu ein­an­der lebt, wes­halb man vor­ein­an­der nicht flüch­ten kann. Die schnel­lere unter zwei Nach­bar­pflan­zen gewinnt, ist aller­dings sehr häu­fig bereits selbst schon von ande­rer Seite her behut­sam ange­tas­tet. Das sind Tra­gö­dien der Luft, die sich unauf­hör­lich und völ­lig geräusch­los voll­zie­hen, ein Kom­men und Gehen, wo sie sich über den Him­mel bewe­gen herrscht Däm­me­rung, ster­ben die Wäl­der des Bodens, Wie­sen, Step­pen, Gär­ten. Flie­gende Pflan­zen sind nicht ohne Grund strengs­tens ver­bo­tene Erfin­dun­gen. – stop

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MELDUNG : k.a.i.r.o.

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MELDUNG. Drei mit Hand­feuer bewaff­nete Beamte [ Soko K.a.i.r.o ] haben an der Ram­bla del Mar [ Bar­ce­lona ] drei Ägyp­ter sicher­ge­stellt, fili­grane Mei­ßel wei­ter­hin [ 0.5 Zoll Kan­ten­länge ], sowie zwei Hand­täsch­chen [ tür­kise ]. Fol­gende kryp­ti­sche Signa­tur war dem Sockel­ge­stein des natio­na­len Aqua­ri­ums [ Moll d’Espanya del Port Vell ] beige­bracht : 886LILLI71MANRAY6Y. Auch diese Ägyp­ter [ Ägyp­ter No 17 und 18 des lau­fen­den Jah­res ], je 178 cm hoch, mitt­le­res Alter, ver­wei­gern jede Aus­sage. – stop

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regen

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ulys­ses : 6.06 — Ges­tern Abend tele­fo­nierte ich mit einer Freun­din. Sie hatte kurz zuvor geschrie­ben, Hoch­was­ser habe den Kel­ler ihres Hau­ses erreicht. Sie erzählte, das Was­ser komme nun durch zwei kleine Löcher in Boden und Wand her­ein, 5 Liter in einer hal­ben Stunde. Ich hörte ihre Stimme, erschöpft, müde, sie wolle sich einen Wecker stel­len und jede halbe Stunde Was­ser schöp­fen. Eine harte Sache, die noch einen Tag und eine ganze Nacht so wei­ter­ge­hen kann. Wäh­rend wir spra­chen, war das Geräusch trop­fen­den Was­sers im Hin­ter­grund zu ver­neh­men, als würde meine Gesprächs­part­ne­rin in einer Höhle sit­zen, in einer ent­fern­ten Zeit. Als ich klein und sehr uner­fah­ren gewe­sen war, hatte ich die Vor­stel­lung, nach star­kem Regen könnte das Was­ser in Tele­fon­lei­tun­gen drin­gen. Ich wun­derte mich des­halb, dass das Tele­fo­nie­ren nach Gewit­ter­re­gen noch funk­tio­nierte. Wenn ich dann etwas spä­ter durch den Gar­ten spa­zierte, meinte ich zu beob­ach­ten, wie unsere Tele­fon­lei­tun­gen aus dem Boden flüch­te­ten. Sie hat­ten sich zu Tei­len auf­ge­löst und schlän­gel­ten, hell­rote, glän­zende Wür­mer, durch das feuchte Gras. Ich konnte sie berüh­ren, und wenn ich sie ihn meine Hände nahm, kit­zelte es sehr ange­nehm auf den Hand­flä­chen. Ein­mal setzte ich eine flüch­tende Tele­fon­lei­tung in ein Mar­me­la­de­glas. Es waren ein gutes Dut­zend Wür­mer gewe­sen, die sich um Aus­gang bemüh­ten. Ich beäugte sie lange Zeit, die Wände des Gla­ses beschlu­gen rasch, so dass ich das Glas immer wie­der öff­nen musste. Wenn ich mein Ohr an den Behäl­ter drückte, konnte ich sie hören, einen eigen­tüm­li­chen Laut der Not, für des­sen Beschrei­bung ich bis­her kein Wort ent­deckte. Damals nahm ich das Glas mit in mein Zim­mer. Ich stellte es unter mein Bett. Am nächs­ten Mor­gen hatte ich seine Exis­tenz ver­ges­sen. — stop

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ai : syrien

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MENSCH IN GEFAHR : “Der Akti­vist Ali Mahmoud Oth­man wurde im März 2012 in der Pro­vinz Aleppo fest­ge­nom­men und befin­det sich seit­dem an einem unbe­kann­ten Ort in Haft. Er gehörte einem Netz­werk von Akti­vis­ten an, das in der Stadt Homs ein pro­vi­so­ri­sches Medi­en­zen­trum unter­hielt. Es gab Film­ma­te­rial an Nach­rich­ten­agen­tu­ren wei­ter und half aus­län­di­schen Jour­na­lis­ten, wäh­rend des mili­tä­ri­schen Angriffs auf das Vier­tel Baba Amr im Februar 2012 nach Homs hin­ein­zu­kom­men bezie­hungs­weise die Stadt zu ver­las­sen. / Von einem ande­ren syri­schen Akti­vis­ten hat Amnesty Inter­na­tio­nal erfah­ren, dass Regie­rungs­kräfte Ali Mahmoud Oth­man eine Kurz­mit­tei­lung geschickt hat­ten, um ihn an einen bestimm­ten Ort zu locken, wo er dann fest­ge­nom­men wurde. Im April 2012 strahlte das syri­sche Staats­fern­se­hen ein Inter­view mit Ali Mahmoud Oth­man aus, in dem man ihm Fra­gen zu sei­ner Betei­li­gung an der Pro­test­be­we­gung in Homs und zu sei­nen Medi­en­ak­ti­vi­tä­ten stellte. Er wurde zudem gefragt, wes­halb die Pro­teste sei­ner Ansicht nach trotz der von Prä­si­dent Bas­har al-Assad ein­ge­lei­te­ten Refor­men unver­min­dert wei­ter­gin­gen. Akti­vis­ten in Syrien sind der Ansicht, dass das Inter­view nicht glaub­haft ist und Ali Mahmoud Oth­man dazu gezwun­gen wurde. / Seit die­sem Fern­seh­in­ter­view fehlt von Ali Mahmoud Oth­man jede Spur. Im Novem­ber 2012 sagte ein außer­halb Syri­ens leben­der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ger Amnesty Inter­na­tio­nal, die Fami­lie habe aus inof­fi­zi­el­ler Quelle erfah­ren, dass Ali Mahmoud Oth­man in das berüch­tigte Mili­tär­ge­fäng­nis Sayd­naya nahe Damas­kus gebracht wor­den sei.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 25. Juni 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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winter

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oli­mambo : 5.10 — Es ist sehr lange her, war noch Win­ter gewe­sen, als ich Mut­ter beob­ach­tete, wie sie im Ses­sel vor Vaters Schreib­tisch kau­erte. Sie hatte sich getraut und sei­nen Com­pu­ter ange­schal­tet. Ja, Vaters Com­pu­ter lässt sich noch immer betrei­ben. Obwohl ich nicht damit gerech­net habe, dass mit dem Tod eines Men­schen auch die Exis­tenz sei­ner Uhren und Schreib­bild­ma­schi­nen enden würde, wun­dere ich mich, wenn ich Vaters leise tickende Uhr an mei­nem lin­ken Arm betrachte. Und das sum­mende Geräusch sei­nes Com­pu­ters, er macht ein­fach wei­ter. Man stelle sich ein­mal vor, es wäre anders­herum, mit dem Ver­sa­gen der Com­pu­ter würde auch das Leben ihrer Besit­zer enden. Das wäre selt­sam und sehr gefähr­lich in unse­rer Zeit. Aber es ist denk­bar, dass ein­mal Com­pu­ter exis­tie­ren wer­den, die drei­hun­dert Jahre alt wer­den oder noch älter, ohne dass ihnen das Licht aus­ge­hen würde. Kurzum, Mut­ter saß vor dem Schreib­tisch. Immer, wenn ich sie so sehe, bemerke ich, wie klein sie gewor­den ist, ohne dass ich selbst grö­ßer gewor­den wäre. Sie saß weit nach vorne gebeugt. Ich beob­ach­tete ihre Hände, die ver­such­ten den Zei­ger auf dem Bild­schirm in nächs­ter Nähe zu bän­di­gen. Ihr Gesicht berührte bei­nahe den Bild­schirm. Und als ich sie fragte, warum sie so selt­sam dasit­zen würde, sagte sie, dass sie die Buch­sta­ben mei­ner particles-Arbeit nur in die­ser Weise lesen könne, sie seien viel zu klein und sie habe ver­ges­sen, wie man die Buch­sta­ben grö­ßer machen könne. Des­halb sind die Buch­sta­ben mei­ner particles-Arbeit grund­sätz­lich gewach­sen und wir sind jetzt sehr zufrie­den, weil wir wis­sen, dass die Größe der Buch­sta­ben auf Bild­schir­men mani­pu­liert wer­den kann. — Weit nach Mit­ter­nacht. Der Him­mel tropft und die Bäume und Dach­rin­nen und Vögel. Gegen drei Uhr hatte ich, wie aus hei­te­rem Him­mel, Lust auf gebra­tene Wach­teln, warum? — stop

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luft

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nord­pol : 3.57 — Das Schwei­gen im Spre­chen ist inso­fern eine Hand­lung, als ich das, was ich sagen könnte, nur wei­ter denke, ohne es umzu­brin­gen in der Luft. — stop

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paris — mumbai

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tango : 3.55 — Eine ange­nehme Nacht. Lei­ses Regen­ge­räusch. Ich habe über die Erfin­dung flie­gen­der Pflan­zen nach­ge­dacht, über Pflan­zen, die zeit­le­bens den Erd­bo­den nie­mals berüh­ren. Gegen drei Uhr dann einen Brief an Henry geschrie­ben. Lie­ber Henry, anbei die Stre­cke Paris — Mum­bai in Wor­ten, so wie sie der Com­pu­ter aus­ge­rech­net hat. Ich habe für das tür­ki­sche Staats­ge­biet einige Lücken gelas­sen, da ich ent­spre­chende Zei­chen­sätze nicht fin­den konnte, um Städte und Dör­fer kor­rekt dar­zu­stel­len. Von die­sen Gebie­ten ein­mal abge­se­hen, sollte Deine Route voll­stän­dig vor­ge­schrie­ben sein. Du wirst, sofern alles gut gehen wird, nach 105 Stun­den Bom­bay errei­chen. Natür­lich darfst Du nicht anhal­ten, am bes­ten reist Du in Beglei­tung. Das Pro­gramm gab fol­gen­den war­nen­den Hin­weis: Unsere Anga­ben die­nen nur zu Pla­nungs­zwe­cken. Es ist mög­lich, dass die Ver­kehrs­ver­hält­nisse auf­grund von Bau­stel­len, Ver­kehr, Wet­ter oder ande­ren Fak­to­ren von den hier dar­ge­stell­ten Vor­schlä­gen abwei­chen. Sie soll­ten daher Ihre Reise ent­spre­chend pla­nen und alle Ver­kehrs­schil­der oder Hin­weise bezüg­lich Ihrer Route beach­ten. Ich wün­sche Dir, lie­ber Henry, eine gute Reise. Dein Louis > Route nach Mum­bai Cen­tral, Mum­bai, Maha­rash­tra, Indien 9.302 km – ca. 105 Stun­den Paris, Frank­reich‎ 1. Auf Rue de Rivoli nach Wes­ten Rich­tung Rue du Renard star­ten 69 m wei­ter gesamt 69 m 2. Leicht links abbie­gen auf Rue de la Cou­tel­le­rie Ca. 56 Sekun­den 140 m wei­ter gesamt 210 m 3. Rechts abbie­gen auf Av. Vic­to­ria 32 m wei­ter gesamt 240 m 4. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Rue Saint-Martin zu wech­seln 71 m wei­ter gesamt 300 m 5. 1. Abzwei­gung links neh­men, um auf Quai de Ges­v­res zu wech­seln Ca. 1 Minute 160 m wei­ter gesamt 450 m 6. Wei­ter auf Quai de l’Hôtel de ville Ca. 1 Minute 600 m wei­ter gesamt 1,1 km 7. Wei­ter auf Quai des Céles­tins Blitz­ge­rät inner­halb von 200 m 260 m wei­ter gesamt 1,3 km 8. Wei­ter auf Quai Henri IV Ca. 1 Minute 750 m wei­ter gesamt 2,1 km 9. Wei­ter auf Voie Mazas Ca. 1 Minute 950 m wei­ter gesamt 3,0 km 10. Wei­ter auf Quai de Bercy Ca. 2 Minu­ten 1,5 km wei­ter gesamt 4,5 km 11. A3 A6 Péri­phé­ri­que Porte de Bercy Cha­ren­ton Die Auf­fahrt Rich­tung A3/A6/Périphérique/Porte de Bercy/Charenton neh­men 270 m wei­ter gesamt 4,8 km 12. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 70 m wei­ter gesamt 4,8 km 13. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 120 m wei­ter gesamt 5,0 km 14. An der Gabe­lung rechts hal­ten und wei­ter Rich­tung A4 27 m wei­ter gesamt 5,0 km 15. A4 Metz Nancy Marne la Val­lée Cré­teil An der Gabe­lung rechts hal­ten, Beschil­de­rung in Rich­tung A4/Metz/Nancy/Marne la Vallée/Créteil fol­gen und wei­ter auf A4 Teil­weise gebüh­ren­pflich­tige Straße Blitz­ge­räte ab 7,4 km > …

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MELDUNG : tiefseeelefanten

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MELDUNG. Tief­see­e­le­fan­ten, 227 hupende Rüs­sel­ro­sen, nahe Mili Atoll gesich­tet. Man wan­dert in nord­west­li­cher Rich­tung. — stop
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am Wasser

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ginkgo : 2.08 — Eine Foto­gra­fie, die mich ges­tern Abend per Email erreichte, zeigt eine ältere Frau auf der Dach­ter­rasse eines Hau­ses, das voll­stän­dig aus Holz zu beste­hen scheint. Das Gebäude befin­det sich an der Küste des Atlan­tiks auf Sta­ten Island. Ein blü­hen­der Gar­ten umgibt das Anwe­sen weit­räu­mig, man kann das gut erken­nen, weil der Foto­graf zum Zwe­cke der Auf­nahme auf einen höhe­ren Baum gestie­gen sein muss, im Hin­ter­grund das Delta des Lemon Creek, zwei schnee­weiße Segel­boote, die vor Anker lie­gen, und Schwäne, sowie ein paar ame­ri­ka­ni­sche Sil­ber­mö­wen, die sich zan­ken. Die Frau nun winkt mit ihrer lin­ken Hand zu dem Foto­gra­fen hin. Mit der andern Hand drückt sie ihren Som­mer­hut fest auf den Kopf, ver­mut­lich des­halb, weil an dem Tag der Auf­nahme eine fri­sche Brise vom Meer her wehte. Far­ben sind auf dem Schwarz­weiß­bild nur zu ver­mu­ten. Ich erin­nere mich jedoch, dass mir jemand erzählte, das Haus sei in einem leuch­ten­den Rot gestri­chen. Bei der Frau auf der Foto­gra­fie han­delt es sich übri­gens um Emily im Alter von 62 Jah­ren. Ich kann das so genau sagen, weil in einer Notiz, die der Email beige­fügt wurde, ein Hin­weis zu fin­den war, eben auf Emily, die sich im Moment der Belich­tung auf der Dach­ter­rasse ihres Hau­ses damit beschäf­tigte, eine Salz­wiese anzu­le­gen: Das ist meine Emily als sie noch lebte. Ein hei­ßer Tag. Wir waren von einem Spa­zier­gang zurück­ge­kom­men, hat­ten in Ufer­nähe Salz­mie­ren, Stran­da­stern, Mit­tags­blu­men, Fuchs­schwänze, Blei­wurz und Was­ser­nüsse gesam­melt. Am Nach­mit­tag machte sich Emily an die Arbeit. Sie brachte san­dige Erde auf ihren Blu­men­ti­schen aus, in wel­cher Lei­tun­gen für Flut, für Ebbe ver­bor­gen lagen. Sie war glück­lich gewe­sen, aber sie ahnte bereits, dass das Was­ser stei­gen wird. Sie fürch­tete sich vor den Win­ter­stür­men, ihren Namen, ihrer tosen­den Wild­heit. Am dem Abend, als ich die Auf­nahme machte, sagte Emily, dass es selt­sam sei, sie habe das Gefühl, an einem Ort zu woh­nen, der eigent­lich schon dem Meer gehöre. Dein S. — stop
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