federlibelle

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romeo

~ : mal­colm
to : louis
sub­ject : FEDERLIBELLE
date : may 22 13 5.35 p.m.

Wie­der wan­dern wir süd­wärts. Es ist ein gro­ßes Glück. Vor vier Wochen noch war Fran­kie ernst­haft krank gewe­sen. Er lag auf einer Bank am Hud­son River, Höhe 26. Straße. Als wir ihn in die­ser unge­wohn­ten Hal­tung bemerk­ten, fürch­te­ten wir, er könnte gestor­ben sein, keine Bewe­gung. Vor­sich­tig näher­ten wir uns, hoben ihn an, hüll­ten ihn in eine Decke. Er hatte hohes Fie­ber, sein Herz raste, manch­mal schien es aus­zu­set­zen. Zwei Tage und zwei Nächte waren wir ihm sehr nah gekom­men. Nun bin ich mir sicher, dass Fran­kie uns kennt, dass das kleine Tier uns Ver­trauen schenkt. Er scheint die Tage sei­ner Gefan­gen­schaft ver­ges­sen zu haben, zu kei­ner Zeit wehrte er sich. Wir füt­ter­ten ihn mit Nuss­brei und Pflau­men. Wäh­rend er schlief waren leise, knat­ternde Laute zu ver­neh­men. Am Mor­gen des drit­ten Tages, wir hat­ten in sei­ner Nähe über­nach­tet, war Fran­kie wei­ter­ge­zo­gen. Wir folg­ten ihm in einem Abstand von zwan­zig oder drei­ßig Metern. Er wan­derte zunächst nord­wärts bis Höhe 35. Straße, kehrte dann plötz­lich um, als hätte er sich erin­nert, dass er zuvor noch süd­wärts gelau­fen war. Seit drei Wochen kam­pie­ren wir nun vor einem alten Back­stein­haus, 371 West 11. Straße, des­sen Feu­er­lei­tern Fran­kie gefal­len. Die Bewoh­ner des Hau­ses haben sich an uns gewöhnt, wie wir gegen­über auf unse­ren Gar­ten­stüh­len sit­zen und Fran­kie nicht aus den Augen las­sen. — Aller­beste Grüße sen­det Mal­colm / code­wort : federlibelle

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22.05.2013
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mal­colm to louis »

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esmeralda

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echo : 2.10 — Lud­wig schickte mir einen Wecker, der es in sich hat. Als wür­den fünf oder sechs Bie­nen im Wecker­ge­häuse ihre Run­den dre­hen, so ein Geräusch kommt aus dem Wecker, so genau. Eigent­lich sieht der Wecker aus wie jeder andere Wecker sei­ner Art, etwas alt­mo­disch in der Gestal­tung. Er ruht auf drei Bein­chen, und sein Zif­fer­blatt ist rund und mit einer Zeich­nung geschmückt, irgend­wel­che Blu­men, Blü­ten, weiß und rot und blau. Oben auf dem Wecker sit­zen zwei metal­lene Schirme fest, zwi­schen ihnen ruht ein Kegel, damit könnte der Wecker sich ver­stän­di­gen, wenn man ihn dazu auf­for­dern sollte. Natür­lich han­delt es bei die­sem Wecker, den Lud­wig mir schickte, um einen beson­de­ren Appa­rat, der nicht nur die Zeit mes­sen, son­dern angeb­lich auch Zeit­räume aus­lö­schen kann, in dem er jedes mensch­li­che Wesen, das sich in sei­ner Nähe auf­hält, in den Schlaf zu schi­cken ver­mag. Man habe, hörte ich, Lud­wigs Geliebte Esme­ralda unlängst auf­ge­fun­den wie sie vor einem Wecker saß, genau so einem Wecker, wie Lud­wig ihn mir schickte. Lange Zeit war sie ver­schwun­den gewe­sen. Als man ihre Woh­nung gewalt­sam öff­nete, war nichts zu hören als ein Radio, das leiste spielte. Esme­ralda saß in der Küche vor dem Küchen­tisch, ihr Kopf war etwas geneigt von der Schwer­kraft, ihre Hände lagen im Schoss, ein Glas, das Was­ser darin weit­ge­hend ver­duns­tet, stand neben dem Wecker auf dem Tisch. Sie wirkte fried­voll, schien zu lächeln, ver­mut­lich hatte sie bis zuletzt geschla­fen. Schmal war sie gewor­den und blass, ihre Haut fühlte sich an, als wäre sie von Papier. Die Luft im Raum muss schwer gewe­sen sein, und süß und scharf in glei­cher Weise. Alle, die sich dem Wecker auf dem Tisch näher­ten, schlie­fen auf der Stelle ein, sodass man sich nicht anders zu hel­fen wusste, als auf den Wecker zu schie­ßen. — stop
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vor den mangroven

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delta : 2.25 — Es darf nicht sein, dass Leute einem den Film kaputt machen. Man­chen habe ich schon das Essen aus der Hand geris­sen und weg­ge­wor­fen. Man muss sie ver­prü­geln oder bedro­hen, sonst ist der Film ver­dor­ben, man hat das Recht sie umzu­brin­gen, damit sie auf­hö­ren. Aber Mord ist keine sehr gute Lösung, nach­her wird man noch ver­haf­tet bevor der Film zu Ende ist. Als ich die „Lady von Shang­hai“ das letzte Mal gese­hen habe, wollte ich nicht ein­fach nur mit Rita Hay­worth schla­fen: Ich wollte Sex mit ihr in Schwarz­weiß! Viel­leicht könnte man das mit Kon­takt­lin­sen oder einer Brille hin­krie­gen, die alles in Mono­chrom ver­wan­delt. Das ist eine selt­same Sache, dass ihre Lip­pen nicht rot sind. Und das liegt nicht am Lip­pen­stift. Ihr Mund hat diese beson­dere Farbe, weil er in die­sem silb­ri­gen Schwarz­weiß gefilmt wor­den ist. Sie ist ein Feti­sch­ob­jekt, nicht nur weil sie so schön ist, son­dern weil Wel­les’ Kamera sie foto­gra­fiert hat. Des­halb möchte man nicht nur ein­fach Sex mit Rita Hay­worth, man möchte genau mit die­ser Figur aus dem Film schla­fen. Der Grund warum ich sexu­ell total ver­küm­mert bin, liegt in mei­nem Schei­tern, den fil­mi­schen Vor­bil­dern gerecht zu wer­den. Im ech­ten Leben spielt sich Sex nie­mals in Schwarz­weiß ab. — Diese kleine Geschichte, die eigent­lich aus zwei Geschich­ten besteht, erzählte Jack Angst­reich gerade noch in dem wun­der­vol­len Film Cine­ma­nia von Angela Christ­lieb und Ste­phen Kijak, einer Doku­men­ta­tion, die von dem Leben lei­den­schaft­li­cher Kino­gän­ger in New York berich­tet. — 2 Uhr 15. Regen nach wie vor, küh­ler, hell­grauer Herbst­re­gen. Es könnte sein, dass die­ser Regen nie wie­der auf­hö­ren wird. In eini­gen tau­send Jah­ren bald beweg­ten sich amphi­bi­sche Eich­hörn­chen vor mei­nem Fens­ter durchs Man­gro­ven­ge­biet. Ebenso denk­bar ist, dass ich zu die­sem Zeit­punkt über zuge­spitzte Fin­ger­bee­ren ver­fü­gen werde, geeig­net, jede der fili­gra­nen Tas­ta­tu­ren moder­ner Tele­fon­ap­pa­rate feh­ler­frei und gelas­sen bespie­len zu kön­nen. — stop
ping

MELDUNG : abschnitt neufundland

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Abschnitt Neu­fund­land mel­det fol­gende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : Wrack­teile [ See­fahrt – 125, Luft­fahrt — 1333, Auto­mo­bile — 1808 ], Gruß­bot­schaf­ten in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert — 6, 19. Jahr­hun­dert – 231, 20. Jahr­hun­dert – 747 , 21. Jahr­hun­dert — 88 ], phy­si­cal memo­ries [ bespielt — 102, gelöscht : 88 ], Licht­fang­ma­schi­nen [ Cine-Kodak Spe­cial II : 2 ], shop­ping lists [  8 ], Öle [ 1.8 Ton­nen ], Pro­the­sen [ Herz — Rhyth­mus­be­schleu­ni­ger – 10, Knie­ge­lenke – 51, Hüft­ku­geln – 325, Bril­len – 67 ], Schuhe [ Grö­ßen 28 – 39 : 1002, Grö­ßen 38 — 45 : 756 ], Kühl­schränke [ 37 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Tau­cher – 2, mit Tau­cher – 15 ], Engels­zun­gen [ 6 ] | stop |

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ein zeppelinkäfer

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echo : 2.54 — Wann war es, dass ich zum ers­ten Mal bemerkte wie meine Briefe klei­ner und klei­ner wur­den? Wesen von wirk­li­chem Papier, Bögen in Umschlä­gen mit einem Post­wert­zei­chen, das zuletzt die Anschrif­ten­seite mei­nes Schrei­bens voll­stän­dig bedeckte. Im Post­amt werde ich seit­her ernst genom­men. Vor eini­gen Wochen kaufte ich sinn­vol­ler Weise ein hand­li­ches Mikro­skop und einen Satz Blei­stifte von äußers­ter Härte. Ich spitzte das Schreib­werk­zeug eine Vier­tel­stunde lang, dann legte ich einen Bogen Papier in das Licht einer Linse mitt­le­rer Stärke. Ich näherte mich mit beben­den Fin­gern. Man sollte mich in die­sem Moment gese­hen haben. Bei jedem Wort, das ich auf das kleine Blatt notierte, hielt ich die Luft an. Tat­säch­lich habe ich in mei­nen Leben noch nie zuvor in einer der­art sorg­fäl­ti­gen Weise geschrie­ben. Ich brauchte drei Stun­den Zeit, um das Papier, das nicht grö­ßer gewe­sen war als eine Brief­marke von 1.5 cm Kan­ten­länge, voll­stän­dig zu beschrif­ten. Ich schrieb fol­gende Zei­len an einen Freund: Lie­ber Sta­nis­law, Du wirst es nicht glau­ben, nach 1 Uhr heute Nacht schwebte ein Zep­pel­in­kä­fer einer nicht sicht­ba­ren, schnur­ge­ra­den Linie über den höl­zer­nen Fuß­bo­den mei­nes Arbeits­zim­mers ent­lang, wurde in der Mitte des Zim­mers von einer Luft­strö­mung erfasst, etwas ange­ho­ben, dann wie­der zurück­ge­wor­fen, ohne aller­dings mit dem Boden in Berüh­rung zu kom­men. – Ein merk­wür­di­ger Auf­tritt. – Und die­ser groß­ar­tige Bal­lon von opa­kem Weiß! Ein Licht, das kaum noch merk­lich fla­ckerte, als ob eine offene Flamme in ihm bren­nen würde. Ich habe mich zunächst gefürch­tet, dann aber vor­sich­tig auf Knien genä­hert, um den Käfer von allen Sei­ten her auf das Genau­este zu betrach­ten. – Fol­gen­des ist nun zu sagen. Sobald man einen Zep­pel­in­kä­fer von unten her besich­tigt, wird man sofort erken­nen, dass es sich bei einem Wesen die­ser Gat­tung eigent­lich um eine fili­grane, flü­gel­lose Käfer­ge­stalt han­delt, um eine zer­brech­li­che Per­sön­lich­keit gera­dezu, nicht grö­ßer als ein Streich­holz­kopf, aber schlan­ker, mit sechs recht lan­gen Ruder­bei­nen, gestreift, schwarz und weiß gestreift in der Art der Zebrap­ferde. Fünf Augen in grau­blauer Farbe, davon drei auf dem Bauch, also gegen den Erd­bo­den gerich­tet. Als ich bis auf eine Nasen­länge Ent­fer­nung an den Käfer her­an­ge­kom­men war, habe ich einen leich­ten Duft von Schwe­fel wahr­ge­nom­men, auch, dass der Käfer flüch­tet, sobald man ihn mit einem Fin­ger berüh­ren möchte. Ein Wesen ohne Laut. Dein Louis, herz­lichst. — Es war eine wirk­lich harte Arbeit, all diese Zei­chen zu notie­ren. Dann fal­tete ich das Blatt Papier ein­mal kreuz und quer. Ich arbeite mit zwei Pin­zet­ten wie­derum unter star­kem Licht, steckte den Brief in ein Cou­vert, des­sen Her­stel­lung noch mühe­vol­ler gewe­sen war als das Schrei­ben des Brie­fes selbst, und machte mich auf den Weg in das nächste Post­amt. Dort wurde ich unver­züg­lich an den Schal­ter für beson­dere Brief­for­mate wei­ter­ge­lei­tet, wo mein Brief, den ich mit einer Pin­zette auf den Tre­sen beför­dert hatte, von einer wei­te­ren Pin­zette ent­ge­gen­ge­nom­men wurde. Ich war sehr glück­lich. Ich beob­ach­tete, wie der Beamte eine Brief­marke von der Größe eines Reis­korns behut­sam auf mei­nen Brief legte und mit­tels eines Stem­pels, der vor mei­nen blo­ßen Augen kaum noch sicht­bar gewe­sen war, ent­wer­tete. Dann ging mein Brief auf Rei­sen. Er flog sehr weit durch die Luft, und ich habe ihn für kurze Zeit ver­ges­sen. Nun aber, vor weni­gen Stun­den, wurde mir von einem Son­der­bo­ten der Post ein Brief von der­art leich­ter Gestalt über­ge­ben, dass ich zunächst die Anwei­sung erhielt, alle Fens­ter mei­ner Woh­nung zu schlie­ßen. Die­ser Brief, eine Depe­sche mei­nes Freun­des, ruht vor mir auf dem Tisch. Es ist ein sehr klei­nes Kunst­werk. Auf sei­ner Brief­marke sol­len sich zwei Para­dies­vö­gel befin­den, die ihre Schnä­bel kreu­zen. Ich werde das gleich über­prü­fen. — Es ist Frei­tag! Guten Mor­gen! — stop / fürs marie­chen

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ai : kolumbien

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MENSCH IN GEFAHR : “Das Haus des indi­ge­nen Men­schen­rechts­ver­tei­di­gers Pedro Manuel Lope­rena im Nord­os­ten Kolum­bi­ens wurde am 11. Mai von einer Gra­nate getrof­fen. / Am 11. Mai war­fen zwei unbe­kannte Motor­rad­fah­rer eine Gra­nate auf das Haus von Pedro Manuel Lope­rena im Bezirk Don Car­melo in Val­le­du­par, der Haupt­stadt des Depar­t­a­mento Cesar. / Pedro Manuel Lope­rena ist Koor­di­na­tor der Men­schen­rechts­kom­mis­sion der Indi­ge­nen­ver­ei­ni­gung Orga­ni­za­ción Wiwa Yugu­maiun Bun­kua­nar­rua Tay­rona (OWYBT), die das indi­gene Volk der Wiwa ver­tritt, wel­ches in der Berg­kette der Sierra Nevada de Santa Marta lebt. Die Men­schen­rechts­kom­mis­sion setzt sich seit eini­ger Zeit in meh­re­ren Fäl­len für Gerech­tig­keit ein, bei denen es um die Ver­let­zung der Men­schen­rechte geht, wie z. B. im Fall der außer­ge­richt­li­chen Hin­rich­tung von elf Ange­hö­ri­gen der Gemein­schaft der Wiwa durch Sicher­heits­kräfte zwi­schen dem 15. Februar 2005 und dem 3. August 2006 sowie in ande­ren Fäl­len, in denen auf der einen Seite Sicher­heits­kräfte gemein­sam mit Para­mi­li­tärs, auf der ande­ren Seite Gue­ril­la­ein­hei­ten Men­schen­rechts­ver­stöße began­gen haben. Die Men­schen­rechts­kom­mis­sion kämpft zudem gegen zahl­rei­che Bergbau-, Infra­struk­tur– und Tou­ris­mus­pro­jekte im Gebiet der Sierra Nevada, da das Volk der Wiwa der Ansicht ist, diese Pro­jekte wür­den ihre Nah­rungs­mit­tel­ver­sor­gung ein­schrän­ken, ihre tra­di­tio­nelle Lebens­weise beein­träch­ti­gen und somit ihr Über­le­ben gefähr­den. Pedro Manuel Lope­rena hat sich zudem öffent­lich gegen das anhal­tende Ope­rie­ren von ille­ga­len bewaff­ne­ten Grup­pen im Lebens­raum der Wiwa aus­ge­spro­chen. /Zum Zeit­punkt des Gra­na­ten­an­schlags auf das Haus von Pedro Manuel Lope­rena befan­den sich zudem seine Frau, die im Büro des Men­schen­rechts­be­auf­trag­ten (Defen­so­ría del Pue­blo) als Ver­tre­te­rin der Gemein­schaft tätig ist, sowie seine vier Kin­der (sie­ben, zehn, 18 und 19 Jahre alt) im Haus. Nie­mand von ihnen kam bei der Explo­sion zu Scha­den. / Im Februar wählte die Gemein­schaft der Wiwa neue Gemein­de­spre­che­rIn­nen. Das kolum­bia­ni­sche Innen­mi­nis­te­rium hat sich bis­lang gewei­gert, die neuen Spre­che­rIn­nen anzu­er­ken­nen.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­lene schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 27. Juni 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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louis 1 + 2 + 3

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kili­man­dscharo : 22.58 — Merk­wür­dige Stille an dem Tag als die Nach­richt gesen­det wird, dass es tat­säch­lich mög­lich gewor­den ist, mensch­li­che Wesen zu klo­nen. Ich stellte mir vor, wie in zwei oder drei Jahr­zehn­ten Louis 1 und Louis 2 und Louis 3 mit mir, mit Louis 0 auf Rei­sen gehen. Wie sie sich darum strei­ten, mei­nen Kof­fer tra­gen zu dür­fen. Wie ich sie betrachte und mich wun­dere, dass ich mich vor ihrem Anblick nicht fürchte. — stop
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polaroidlinda

jean paul

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char­lie : 3.08 — Wäh­rend eines Gesprä­ches im Gehen erzählte ich Mut­ter, dass ich vor Jah­ren ein­mal fürch­tete, ihr Leben könnte vor dem Leben mei­nes Vaters enden. In Bruch­tei­len einer Sekunde ant­wor­tete sie, dass Vater ihr in die­sem Falle sehr bald nach­ge­stor­ben wäre. Ich war sofort ste­hen­ge­blie­ben, das Wort nach­ster­ben irri­tierte. Ich meinte die­ses Wort noch nie zuvor gehört zu haben, und über­legte, ob Mut­ter das Wort viel­leicht erfun­den haben könnte, ein Wort also für eine Situa­tion, die sie sich selbst vor­ge­stellt haben mochte. Einige Stun­den spä­ter suchte ich nach dem Wort in der digi­ta­len Sphäre. Tat­säch­lich exis­tiert die­ses Wort bereits seit lan­ger Zeit. Ich war nun ein altes Kind gewe­sen, das Wör­ter lernt, in dem es Geräu­sche von den Lip­pen sei­ner Mut­ter liest. Habe auf der Suche nach den Spu­ren jenes Wor­tes eine feine Beob­ach­tung Jean Pauls ent­deckt: Außer­halb des Traums kom­men uns Emp­find­bil­der öfter von Tönen als von Reden und Schäl­len vor; nach einer Musik­nacht kann die bewegte Seele sich will­kür­lich die Melo­dien, aber nicht die Gesprä­che wie­der­klin­gen las­sen; denn wie sehr der Musik­ton, die Poe­sie des Klan­ges, so tief mehr in uns als um uns zu spie­len und unter allen Emp­fin­dun­gen von uns mehr geschaf­fen als emp­fan­gen zu wer­den scheint, bewei­set die schon ange­führte Erfah­rung, daß wir an einem Sin­gen und Flö­ten, das in immer wei­tere Ferne ver­fließt, gerade mit dem gespann­tes­ten Ohre die letz­ten aus­ster­ben­den Töne von Außen nicht von den nach­ster­ben­den von Innen son­dern kön­nen. — stop. Drei Uhr. stop. Heute Nacht pfeift ein Vogel irgendwo im Dun­keln, obwohl es noch lange Zeit nicht hell wer­den wird. Das ist selt­sam. Er scheint mich im Auge zu behal­ten. Ich stehe am Fens­ter und bewege einen Arm und eine Hand als würde ich win­ken. Diese Geste lässt den Vogel ver­stum­men, warum? — stop
ping

capote

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nord­pol : 1.22 — Gegen sechs Uhr rief ich bei Lions Wri­ters Sup­port Ser­vices an. Guten Abend, sagte ich, ich benö­tige drin­gend einen Capote zum Spa­zie­ren am kom­men­den Sams­tag. Haben Sie viel­leicht einen für mich frei, den Sie mir lei­hen könn­ten von 3 Uhr am Nach­mit­tag bis in die Nacht irgend­wann? Das Fräu­lein am ande­ren Ende der Lei­tung ant­wor­tete: Einen Capote? Bitte war­ten Sie einen Moment. Also war­tete ich. Ich war­tete unge­fähr fünf Minu­ten, hörte, wie sie mit irgend­wel­chen Leu­ten dis­ku­tierte. Ich glaube, sie hielt, wäh­rend sie sprach, mit einer Hand die Mikro­fon­mu­schel ihres Tele­fon­hö­rers zu, da ich dem Gespräch nicht fol­gen konnte. Nach eini­gen Minu­ten kehrte sie zurück: Ja, sagte sie, wir haben einen Capote frei am kom­men­den Sams­tag. Wo wol­len sie ihn tref­fen? Ich ant­wor­tete, dass ich unbe­dingt am Strand von Coney Island spa­zie­ren müsse, Treib­gut sam­meln, Sturm­zei­chen notie­ren, das Meer betrach­ten, mit Tru­man über das Was­ser spre­chen, über digi­tale Schreib­ma­schi­nen, Funk­bü­cher und alle diese Dinge. Treff­punkt also Brigh­ton Beach Ave­nue Ecke 3th Street!  Wird gemacht, bestä­tigte das Fräu­lein, Sie wis­sen schon, Capo­tes sind nicht ganz bil­lig? Oh, ja, sagte ich, das will ich gerne glau­ben. Wie viel, fragte ich, was habe ich zu erwar­ten? - 150 Dol­lar die Stunde, ant­wor­tete das Fräu­lein. Sie machte eine kurze Pause, um bald hin­zu­zu­set­zen, dass sie etwas weni­ger berech­nen würde, weil jener Capote, der für mich reser­viert war, bereits für eine Frei­tags­party gebucht wor­den sei. Er wird nicht ganz frisch am Sams­tag vor Ihnen erschei­nen, sagen wir 120 Dol­lar, wäre das in Ord­nung? - Aber natür­lich wäre das in Ord­nung, ich jubi­lierte, ein ver­ka­ter­ter Capote, even­tu­ell leicht betrun­ken, wun­der­voll! Ich quit­tierte 1200 Dol­lar für zehn Stun­den und notierte: Spa­zier­ge­spräch mit Tru­man Capote. Sams­tag 18. Mai, 15 Uhr. Das war also ges­tern gewe­sen. Vor weni­gen Minu­ten wurde mir per Kurier eine Gebrauchs­an­wei­sung für Herrn Tru­man Capote über­mit­telt. Ein Hand­buch. 15 Sei­ten. — stop
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