Aus der Wörtersammlung: stop

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central park

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tan­go : 0.10 – Man lässt sich abends trei­ben, sitzt mit Schreib­ma­schi­ne auf dem Sofa, schaut Regen zu, liest da einen Satz und dort einen Satz, und war­tet dar­auf, dass sich der Kopf end­lich ent­fal­ten möge. — Ein­mal such­te ich nach Spu­ren zwei­er Eich­hörn­chen, nach Bil­ly, nach Fran­kie, und lan­de­te im Cen­tral Park im Win­ter, und zwar im Jah­re 1902. Genau genom­men lan­de­te ich in einem magi­schen Film, der von Mit­ar­bei­tern der Tho­mas Alpha Edi­son Inc. bei Eis und Schnee auf­ge­nom­men wor­den war. Ich stell­te mir vor, wie die Käl­te das Öl der Kame­ra­kur­bel fes­ter wer­den ließ, sodass ein Pfei­fen zu hören gewe­sen sein könn­te und der Kame­ra­mann frös­tel­te. Ja, so genau muss das gewe­sen sein, wes­we­gen der klei­ne Film, fest­ge­hal­ten in einer Zeit lan­ge vor mei­ner Zeit, auch heu­te noch zu beben scheint. Ich muss ihn noch fin­den. — stop

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01001010

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echo : 0.02 — Eine Foto­gra­fie, die ich lan­ge Zeit ver­geb­lich wie­der­zu­fin­den such­te, zeigt die Raum­sta­ti­on MIR in gro­ßer Höhe über der Erde schwe­bend. Ich kann mich noch gut an das far­bi­ge Bild erin­nern, viel­leicht des­halb, weil ich mich die Auf­nah­me tage­lang berühr­te. Ein Bull­au­ge, dort das Gesicht einer Frau, deren Namen ich ver­ges­sen habe, ein erns­tes Gesicht, Ahnung, Schat­ten, Züge einer rus­si­schen Kos­mo­nau­tin, die Mona­te allei­ne auf der MIR-Sta­ti­on leb­te. Sie beob­ach­tet die äußerst behut­sa­me Annä­he­rung eines Raum­schif­fes der NASA, in dem sich Men­schen befin­den, die mit­tels Funk ver­mut­lich bereits Kon­takt auf­ge­nom­men haben: Wir sehen Dich! — Da war das tie­fe Schwarz des Welt­alls im Hin­ter­grund, ein abso­lut töd­lich wir­ken­der Raum, der sich zwi­schen den bei­den Raum­kör­pern erstreck­te. Immer wie­der ein­mal in den ver­gan­ge­nen Jah­ren habe ich mich an das Gesicht der Kos­mo­nau­tin erin­nert, eine Iko­ne mensch­li­cher Ver­lo­ren­heit, und ins­ge­heim wei­ter gezeich­net. — stop
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kakaduzwerge

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gink­go : 6.55 – Ein schläf­ri­ger Mann sitzt in die­sen Minu­ten mit einer Schreib­ma­schi­ne auf dem höl­zer­nen Boden sei­nes Arbeits­zim­mers. Habe zuletzt zwei Stun­den in Chris­toph Rans­mayrs letz­ter Welt gele­sen, in einem Buch, das ich immer dann zur Hand neh­me, wenn mir die Spra­che müde zu wer­den scheint. Der Mai kam blau und stür­misch. Ein war­mer, nach Essig und Schnee­ro­sen duf­ten­der Wind fraß die letz­ten Eis­rin­den von den Tüm­peln, feg­te die Rauch­schwa­den aus den Gas­sen und trieb zer­ris­se­ne Gir­lan­den, Papier­blu­men und die öli­gen Fet­zen von Lam­pi­ons über den Strand. (Chris­toph Rans­mayr). Kaum hat­te ich das Wort Schnee­ro­se zu Ende gele­sen, stand ich auf und war­te­te erhitzt zwei oder drei Minu­ten vor mei­nem Aqua­ri­um. Dort woh­nen seit eini­gen Mona­ten Wäl­der und Fische, die mich im Zwie­licht schwe­bend, Stun­de um Stun­de beob­ach­ten. Ein­mal, gegen Zwei, ent­fal­te­te ich einen Stadt­plan New Yorks. Das mach­te sie wild. Dann wie­der Ruhe. Flos­sen­fä­den. Flug­dra­chen­schwän­ze. Und die­ser Mann, die­ser schläf­ri­ge Mann, der sich wie­der und wie­der nähert. Sei­ne Freu­de, dass ihn das Wort Schnee­ro­se, indem es dem Wort Essig folg­te, der­art begeis­ter­te, dass ihm warm wur­de, feu­rig und alle die­se Din­ge. Aber natür­lich, aber natür­lich erneut die Fra­ge, ob mei­ne Kaka­du­zwer­ge mich als einen der ihren, als einen Fisch betrach­ten. — Guten Morgen!
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ohrensegel

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whis­key : 0.01 – Gespräch mit einer klei­nen Phi­lo­so­phin am frü­hen Abend in einer Stra­ßen­bahn, wes­we­gen ich nun für den Rest mei­nes Lebens gerührt sein wer­de von einem ihrer Gedan­ken, der mir zu erklä­ren ver­such­te, wes­we­gen ihre Ohren etwas grö­ßer sei­en als die Ohren ihrer bes­ten Freun­din. Das wäre näm­lich so, dass ihre Ohren des­halb grö­ßer sei­en, weil sie viel weni­ger spre­chen wür­de als ihre Freun­din übli­cher­wei­se. Ich kann, fuhr sie fort, mit mei­nen Ohren sogar mei­ne eige­ne Stim­me hören, obwohl ich gar nichts sage. Blin­de segel­ten durch die Luft. — stop
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ohrlilie

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echo : 5.10 – Dass weib­li­che Trom­pe­ten­kä­fer feder­leich­te, trans­pa­ren­te Wesen sein soll­ten, die über Ohren ver­fü­gen, wel­che grö­ßer sind als der zen­tra­le Kör­per ihrer selbst – ein äußerst ange­neh­mer Gedan­ke einer­seits, merk­wür­dig ande­rer­seits. War­um? — stop
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liu xiaobo und liu xia

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del­ta : 0.02 – Mit­ter­nacht vor­über. Gleich, in weni­gen Minu­ten, wer­de ich das Haus ver­las­sen und ein wenig spa­zie­ren gehen, rüber zu den Wäch­tern, die vor dem Frank­fur­ter Mes­se­turm Stän­de anti­qua­ri­scher Bücher umsor­gen. Viel­leicht haben sie schon offe­nes Feu­er in einer Ton­ne ent­zün­det. — Wie gut die Luft heut riecht! — Gebra­te­ne Tau­ben segeln durch die Nacht und die Stra­ßen­bah­nen fah­ren jen­seits der Glei­se, wie sie wol­len. Es schneit, aber es schneit rück­wärts, der Schnee fällt zum Him­mel hin­auf. Eine gute Stun­de ist das, Schritt für Schritt im Kreis her­um­zu­lau­fen und an jene Men­schen zu den­ken, die nicht anwe­send sind, weil sie nicht anwe­send sein kön­nen, weil sie ver­haf­tet oder weil sie in ihren Häu­sern arre­tiert wor­den sind. — stop
lliiuu

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peter bichsel : lesen macht arbeitsunfähig

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marim­ba : 3.28 – Ich habe die Film­stim­me eines Schwei­zer Schrift­stel­lers gehört, den ich seit vie­len Jah­ren sehr ger­ne lese, weil sei­ne Sät­ze in mei­nem Kopf ein Gefühl von Klar­heit, Frei­heit und ange­neh­mer Küh­le bewir­ken. Ich weiß, dass das natür­lich Unsinn ist, weil ich mit mei­nem Gehirn unmit­tel­bar kei­ne Tem­pe­ra­tu­ren wahr­zu­neh­men ver­mag, und doch immer wie­der der Ein­druck pola­rer Luft, ein Knis­tern. Der Mann, von dem ich spre­che, heißt Peter Bich­sel. Er fährt gern ziel­los in Zügen her­um, weil er in Zügen aus­ge­zeich­net notie­ren kann. Ich stel­le mir vor, wie die Men­schen des Zuges, Land­schaf­ten, Schie­nen, Schwel­len, Abtei­le, unmerk­lich zu Tei­len einer beson­de­ren Schreib­ma­schi­ne wer­den. Als Kind, erzählt Peter Bich­sel, habe er sich dar­auf gefreut, ein alter Mann zu sein. Er habe damals nicht gewusst, dass ein Groß­va­ter nicht ewig ein Groß­va­ter blei­be, son­dern das Leben noch älter wird, und der Groß­va­ter dann stirbt. — stop
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oktobermond

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marim­ba : 7.12 – Okto­ber­licht, das vom Boden her kom­mend den Him­mel gol­den bemalt. Spa­zie­ren­de Rie­sen­schat­ten. Vor einem Kiosk sitzt eine afri­ka­ni­sche Frau am Bord­stein, spricht luft­wärts in selt­sa­men Spra­chen, als wür­de sie mit ver­stor­be­nen Men­schen tele­fo­nie­ren. — Ich wer­de die Rück­sei­te des Mon­des nie mit eige­nen Augen sehen. — stop
skelette



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