Aus der Wörtersammlung: welt

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sprechgeräusche

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gink­go : 2.15 – Etwas Selt­sa­mes ist gesche­hen. Bin ges­tern Abend im Gar­ten ein­ge­schla­fen, obwohl ich in einem äußerst span­nen­den Buch geblät­tert hat­te. Viel­leicht war’s die schwe­re, war­me Luft oder eine schlaf­lo­se Nacht der ver­gan­ge­nen Jah­re, die rasch noch nach­ge­holt wer­den muss­te. So oder so schlief ich eine Stun­de tief und fest im Gras und wäre ver­mut­lich bis zum frü­hen Mor­gen hin in die­ser Wei­se anwe­send und abwe­send zur glei­chen Zeit auf dem Boden gele­gen, wenn ich nicht sanft von einer nacht­wan­deln­den Amei­se geweckt wor­den wäre. Kaum hat­te ich die Augen geöff­net, war ich schon mit einer Fra­ge beschäf­tigt, die ich erst weni­ge Stun­den zuvor ent­deckt hat­te, mit der Fra­ge näm­lich, wie Tief­see­ele­fan­ten hören, was sie mit­ein­an­der spre­chen, da doch die Sprech­ge­räu­sche ihrer Rüs­sel sehr weit von ihren Ohren ent­fernt jen­seits der Was­ser­ober­flä­che zur Welt kom­men und rasch in alle Him­mels­rich­tun­gen ver­schwin­den. Eine dif­fi­zi­le Fra­ge, eine Fra­ge, auf die ich bis­her viel­leicht des­halb kei­ne Ant­wort gefun­den habe, weil ich eine Ant­wort nur im Schlaf fin­den kann, wenn mein Gehirn machen darf, was es will. – Fan­gen wir an. – stop – Drei Uhr und zwölf Minu­ten in Isfa­han, Iran. – stop
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lichtforscher

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echo

~ : louis
to : Mr. jona­than noe kekkola
sub­ject : TRAUMLICHT

Lie­ber Mr. Kek­ko­la, ahoi! Was machen Sie denn so? Seit Tagen kei­ne Nach­richt aus der Wild­nis. Sind Sie noch am Leben oder wur­den Sie bereits heim­lich von Bären gefres­sen? Ver­mut­lich haben Ihnen lüs­ter­ne Flie­gen der­art zuge­setzt, dass Sie kaum noch aus den Augen sehen kön­nen. Hör­te, küh­len­de Moo­se, sol­len hel­fen, dass Sie wie­der in die Welt hin­aus schau­en und mir schrei­ben wer­den. Nach einer klei­nen Rei­se süd­wärts wird nun wie­der über Tief­see­ele­fan­ten nach­ge­dacht. Das ist schon selt­sam, wenn ich Stun­den an ein und die­sel­be Sache den­ke, dann wird sie so ver­traut, dass ich sie mit mir ins Bett neh­men kann, ich mei­ne, ich träu­me, ich träu­me, mein lie­ber Kek­ko­la, mit Ele­fan­ten über atlan­ti­schen Tief­see­bo­den zu spa­zie­ren. Erin­ne­re mich gera­de an einen For­scher des Lichts. Wenn Du einem Pro­blem, einer Idee, einer Spur wirk­lich nahe kom­men willst, sag­te mein Vater, dann musst Du so inten­siv dar­an arbei­ten, dass Du nachts im Schlaf nicht davon ablas­sen kannst. Das hab ich nun also gemacht. Ich betrach­te­te fünf­tau­send Meter lan­ge Rüs­sel und Pater­nos­ter­auf­zü­ge, die es bei Ihnen in Ame­ri­ka nicht gibt, aber bei uns in Euro­pa, end­los dahin­fah­ren­de Kof­fer ohne Deckel, in die man ein­stei­gen kann, ein­stei­gen wie jene Luft, die Tief­see­ele­fan­ten in klei­nen Pake­ten atmen, Mee­res­win­de in Beu­teln von Haut. Die fah­ren dann per­lend abwärts, ein Beu­tel nach dem ande­ren Beu­tel, zur Lun­ge hin, die rie­sig ist und rosa und kühl, wie das Moos, von dem ich Ihnen erzähl­te. Mein lie­ber Kek­ko­la, was hal­ten Sie davon? Schrei­ben Sie mir, sobald Sie wie­der schrei­ben kön­nen, ja, schrei­ben Sie mir! Ich komm Sie sonst holen! Ihr Louis.

gesen­det am
20.08.2009
5.32 MESZ
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lou­is to jonathan
noe kekkola »

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quito

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fox­trott : 0.02 – Es ist frü­her Abend, ich lie­ge in einer Wie­se, ein Ohr gegen den Him­mel, das ande­re Ohr gegen die Erde gerich­tet, und höre Grä­sern und sehr klei­nen Tie­ren zu, wie sie sich auf die Nacht vor­be­rei­ten. Noch etwas Zeit ist, Minu­ten­zeit, weil ich war­te. Ein ange­neh­mes War­ten, ein War­ten vol­ler Freu­de. Nichts ist so lan­ge zu tun, als der gro­ßen Welt am Him­mel und der klei­nen Welt unter mir zuzu­hö­ren. Man raschelt dort für mich und der Him­mel schweigt, um nicht zu stö­ren. Es ist selt­sam, je glück­li­cher ich bin, des­to beweg­li­cher kann ich den­ken. So beweg­lich bin ich gewor­den, dass ich von Zeit zu Zeit über­haupt auf­hö­re, an irgend­et­was zu den­ken. Und doch bin ich nie­mals abwe­send, son­dern hier und war­te und höre den Grä­sern zu und atme und hal­te etwas Papier fest in der Hand, von dem ich bald vor­le­sen wer­de. 1 x schla­fe ich kurz ein. — stop

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bingbing

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echo : 2.28 — Ich hör­te, mei­ne Augen, sobald ich sie öff­ne, sei­en rund. Und ich dach­te mir, so lan­ge Zeit schon hast Du aus run­den Augen in die Welt hin­aus­ge­schaut, ohne das Run­de Dei­ner Augen zu bemer­ken. Ich lag auf einer Wie­se im Park und weil ich so schön glück­lich war, schlief ich ein. Da drü­ben war die Luft voll klei­ner Flie­gen, die gol­den leuch­te­ten und selt­sa­me Geräu­sche mach­ten, bing bing. Das hör­te sich an, als wür­den sie mit Zun­gen schnal­zen, aber dann wur­den sie zu sin­gen­den Fischen und ich hol­te mei­ne Augen aus dem Kopf und die Fische spiel­ten mit ihnen her­um, und ich sah, mei­ne Augen waren tat­säch­lich run­de Geschöp­fe. — Noch zu tun: Herz­kam­mern stu­die­ren. — stop

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zeichentiere

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ulys­ses : 5.15 — Das suchen­de Ler­nen chi­ne­si­scher Schrift. Wie ich ges­tern in Gewit­ter­stun­den lächelnd beob­ach­tet wur­de, weil ich sag­te: Die Zei­chen Dei­ner Spra­che erin­nern mich an Dar­stel­lun­gen der ana­to­mi­schen Welt, an Ske­let­te, an Wesen, die ich leich­ter Hand erfin­de, um das eine Zei­chen, von dem ande­ren Zei­chen unter­schei­den zu kön­nen. Habe in die­ser Wei­se eine Säbel­zahn­ti­ger­schne­cke in mei­nen Kopf auf­ge­nom­men, einen acht­ar­mi­gen Klam­mer­af­fen, eine Dop­pel­kopf­amei­se. Das For­mu­lie­ren bald gan­zer Sät­ze, jubeln­de Zoo­lo­gie. Guten Mor­gen! — stop

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afrika

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nord­pol : 0.03 — Beob­ach­te­te in einem Bus (Take five) eine Mut­ter und ihr Kind. Zwei Män­ner von dunk­ler Haut­far­be saßen gegen­über. Sie unter­hiel­ten sich. Das Kind hör­te auf­merk­sam zu. Dann lach­ten die Män­ner und das Kind frag­te die Mut­ter, was die Män­ner erzähl­ten, wor­über sie lach­ten. Sogleich lausch­te die Mut­ter zu den Män­nern hin. Sie lausch­te lan­ge, sie lausch­te auch mit den Augen. Es war nicht die eng­li­sche und auch nicht die fran­zö­si­sche Spra­che, die sie ver­nahm, es war eine selt­sam klin­gen­de Spra­che, Klick. Klick. Die Mut­ter sag­te zum Kind: über Afri­ka. – Wäh­rend ich die­se Geschich­te notier­te, erin­ner­te ich mich an einen Gedan­ken, den G.C.Lichtenberg bereits um das Jahr 1778 her­um for­mu­lier­te. Er schrieb: Vor­stel­lun­gen sind auch ein Leben und eine Welt. – So ist jetzt wie­der Nacht gewor­den. Ein Him­mel schön dun­kel von schwe­ren Wol­ken, gleich wird es Frö­sche reg­nen. — stop

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traumwärts

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india : 0.02 — Ich notie­re: Wenn ich mei­ne lin­ke Hand mit mei­ner rech­ten Hand berüh­re, durch­bre­che ich einen Spie­gel. Wenn ich sage: mei­ne Hand ohne Haut, habe ich in mei­nem Kopf ein mus­ku­lä­res Bild zur Ver­fü­gung, das sich bewe­gen lässt. — Was ist heu­te eigent­lich für ein Tag? — Sams­tag viel­leicht? — Oder Sonn­tag? – Nacht jeden­falls. Vor den Fens­tern pfeift die Welt traum­wärts von den Bäu­men. — Da war vor weni­gen Minu­ten eine Spin­ne von der Grö­ße einer Kir­sche, schnee­wei­ßer Pelz, sie­ben hell­blaue Augen. Sie blitz­te mich an, als ich die Tür zum Eis­fach mei­nes Kühl­schranks öff­ne­te. Ein Aus­druck tiefs­ter Ver­wun­de­rung, hier wie dort, als ob wir bei­de nicht glau­ben konn­ten, was wir vor uns sahen.
19621

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hilde domin

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romeo : 22.02 — Atem­los eine Kame­raluft­rei­se der jun­gen Fil­me­ma­che­rin Anna Dit­ges beob­ach­tet. Zwei Jah­re lang film­te sie ihre Begeg­nun­gen mit Hil­de Domin. Als ich mei­ne Fern­seh­ma­schi­ne aus­schal­te­te, war ich voll Glück und Freu­de, und ich dach­te, dass ich mich ver­mut­lich ver­liebt habe, in den Film, in die jun­ge Fil­me­ma­che­rin, oder nein, ich glau­be, ich habe mich in Hil­de Domin ver­liebt. Und wie ich die­se Zei­len gera­de schrei­be, den­ke ich, dass Hil­de Domin, soll­te sie mir über die Schul­ter sehen, viel­leicht sagen wür­de: Aber das geht doch nicht, das ist unhöf­lich, so nah her­an­zu­kom­men. – Ich saß im Park am Nach­mit­tag, folg­te einer Spin­ne, die auf Buch­sei­ten turn­te und las in Hil­de Dom­ins Gedich­ten: Wer es könn­te / die Welt / hoch­wer­fen / dass der Wind / hin­durch­fährt. Ihre von der Zeit gezeich­ne­te Hand, die im Film genau die­se Zei­len mit einem Blei­stift auf ein Blatt notier­te. Wie sie sagt zur jun­gen Frau hin­ter der Kame­ra: Wir sehen uns ger­ne an, weil wir uns mögen. — stop

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iriden

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sier­ra : 22.00 — Eine Frau betrat an der Sta­ti­on Charles Michels den Metro­wa­gon, setz­te sich und begann in einem Buch japa­ni­scher Zei­chen zu lesen. Ich beob­ach­te­te ihre Augen, wie sie von der obe­ren Kan­te des Buches senk­recht nach unten wan­der­ten, wie sie sofort wie­der nach oben hüpf­ten und ein wenig zur Sei­te, um dann erneut nach unten zu glei­ten. — Eine ver­ti­ka­le Welt. — Als sie mich aber mus­ter­te, mich oder mei­nen Blick, eine hori­zon­ta­le Bewe­gung: Auge um Auge, von dem einen zum ande­ren und wie­der zurück. — Ein selt­sa­mer Moment. — Der Ein­druck, dass die Frau mei­ne Augen betrach­te­te, als wären sie Schrift­zei­chen, dass sie sich zunächst für die eine, dann für die ande­re Iris inter­es­sier­te. Dar­auf­hin die Ein­sicht, dass ich, wenn ich ein Auge, sagen wir, das lin­ke Auge eines Men­schen für sich betrach­te, den Men­schen hin­ter dem Auge weder sehen noch erken­nen kann. — stop

loop



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