echo : 1.02 — k o p f b a u m
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rot
india : 5.58 — Zwei Fotografien, die möglicherweise nicht mehr existieren, zeigen den Kopf eines älteren Mannes ohne Haare, dessen Mund weit geöffnet ist. In diesem weit geöffneten Mund hockt ein kleiner schwarzer Vogel von rotem Stirngefieder. Der Vogel scheint sich in dem Mund des alten Mannes wohlzufühlen, er kauert dort, als wäre der Mund sein Nest. Weitere Vögel sind auf dem Bild zu erkennen, die dem Vogel im Mund des Mannes gleichen, dunkles Gefieder, das über ihren Augen hellrot leuchtet. Vier Vögel sitzen auf dem Kopf des alten Mannes, fünf auf seinen Schultern, von einem Vogel ist am linken Rand der Fotografie nur ein Schwanz zu erkennen, zwölf Vögel befinden sich schwirrend in einem Orbit um den Kopf in der Höhe der Ohren, es sieht so aus als wären diese Vögel Kopfvögel, eine Spezies für sich, wie Putzerfische vielleicht, die Mondfische ein Leben lang begleiten. Auf einer zweiten Fotografie, von der sich nicht sagen lässt, ob sie vor oder nach der beschriebenen Aufnahme gefertigt wurde, zeigt sich der Mund des alten Mannes geschlossen, er lächelt. Strahlend blaue Augen sitzen hinter einer Brille, in deren Gläsern sich warmes Licht spiegelt. Als ich beide Bilder vor einiger Zeit nebeneinander legte, begann ich unverzüglich jene Vögel, die sich um den Kopf des Mannes herumbewegten oder auf ihm saßen, jeweils sorgfältig zu zählen. — stop
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karadzic
marimba : 5.15 — Was, in dieser Minute des beginnenden Tages, unternimmt Radovan Karadžić in seiner Zelle zu Den Haag? Ob er vielleicht noch schläft? — stop
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von lilli
tango : 1.02 — Es ist denkbar, dass Lilli Tampere eine Ausnahme ist. Sie scheint vom frühen Morgen an bis in den späten Abend hinein, auch während der Nacht noch, Twitternachrichten zu notieren. 17558 Botschaften will sie persönlich in einem Zeitraum von 15 Monaten in sieben Sprachen verfasst haben. Ich dachte selbstverständlich über Zahlen, Tage, Stunden, Minuten, Anschläge nach, ich wunderte mich, ich war begeistert, sofort habe ich Lilli Tampere einen Brief gesendet. Ich habe geschrieben: Lieber red_maki, wie heißen Sie wirklich! Ich kann nicht glauben, dass Sie tatsächlich existieren in der Art und Weise, dass Sie über ein einzelnes, schlagendes Herz verfügen, vermutlich sind Sie, in Betrachtung der ungeheuren Zahl der Textnachrichten, die Sie bereits gesendet haben, entweder eine Person, die sich aus zahlreichen Personen oder Herzen fügt, oder aber Sie sind ein Computer! — Red_maki antwortete umgehend: Lieber Herr Louis, ich bin sehr begabt, ich habe kleine, schnelle Hände, ich muss niemals schlafen, ich bin kein Computer, ich heiße Lilli Tampere. Guten Morgen! – Ich muss das weiter beobachten. — stop
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im nachtexpress
MELDUNG. In einem Großraumwagon des Nachtexpresses Mozart von München ( Flughafen ) nach Wien ( Hauptbahnhof ) sind gegen Mitternacht aufgrund versehentlicher Entfaltung eines 2‑Sekundenzeltes drei tasmanische Singzikaden ( Cicadidae ), 22 australische Knotenameisen ( rot / Myrmicinae ) sowie ein Dornteufelchen ( 25 Gramm ) in die Freiheit entwichen. Noch etwas Weiteres war flüchtig, das knurrte, ehe es verstummte. — stop

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marimba : 2.28 — l i p p e n k n o s p e
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von ohrenbäumen
marimba : 0.55 — Auf der Suche nach der Existenz der Ohrenbäume in der digitalen Sphäre, entdeckte ich, dass sie möglicherweise nicht existieren. Ich könnte einen Ohrenbaum demzufolge erfinden. So viel ist noch zu sagen: Eine Amerikanerin, Mrs. Elizabeth Ohrenbaum, soll von 1796 bis 1885 in dem Städtchen Ladoga im Staate Indiana gelebt haben. Außerdem möglicherweise ein Mann namens Ludwig Ohrenbaum, nach dem Mr. Benedict Ornburn an einem Sonntag, den 6. September 1998 um 22:50:02 Uhr im Jahr 1998 mit folgenden Worten suchte: Query: I am looking for information about LUDWIG OHRENBAUM / The first OHRENBAUM (LUDWIG) is supposed to have come to Berks Cnty about 1699 from Germany. This OHRENBAUM or a decendent, LUDWIG OHRENBAUM had a son, also called LUDWIG OHRENBAUM (LUDWIG II).LUDWIG II is recorded in Pennsylvania Archives, second series Vol 14. I would like to know more. — Achtzehn Jahre später versuchte ich vergeblich, Ludwig Ornburn per E‑Mail zu erreichen. Folgende Antwort einer Servermaschine ist zu verzeichnen: host ff-ip4-mx-vip2.prodigy.net[144.160.159.22] said: 550 5.2.1 … Address unknown, relay=[194.25.134.82] (in reply to RCPT TO command) — /// Bitte melden! — stop
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2 uhr 56
zwitschern
kilimandscharo : 2.02 — Beim Ohrenarzt trete ich durch eine schmale Tür in einen Saal. Vögel fliegen herum, sie piepsen und pfeifen, dass es eine wahre Freude ist. Da sind Rotkehlchen, Sperlinge, Tigerwaldsänger, Seidenschwänze, Ammern, Tangaren, Schwanzmeisen, woher ich nur diese wunderbaren Namen habe? Zwei Finken landen auf meinem Kopf, sie singen nicht nur, sie sprechen, sie sagen: Sie sind zu spät, haben Sie bitte etwas Geduld! Im Saal liegen zwanzig oder dreißig Menschen in Badewannen, andere sitzen auf Stühlen, tragen irgendwelche blinkenden Käfige über dem Kopf. Grad als ich mich heimisch fühle, bemerke ich einen Korb, in dem menschliche Ohren liegen, das war nahe der Joralemon Street. Ich sitze bald auf einer Bank mit Blick auf die Upper New York Bay. Es ist früher Abend. Wolkenloser Himmel. Noch immer kann ich nicht sagen, ob ich wirklich wach bin. — stop

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nordpol : 2.28 — h ö r b e e r e
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