Aus der Wörtersammlung: zeit

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mrs. callas pfeift

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echo : 3.15 — Man stel­le sich das ein­mal vor, Mrs. Cal­las kann pfei­fen. Sie war zu Besuch gekom­men und hat­te eine beson­de­re Foto­gra­fie ent­deckt. Auf die­ser Foto­gra­fie sitzt sie unter Men­schen an einem Tisch, den sie nicht erin­nern konn­te, und dar­über war sie ver­wun­dert oder beun­ru­higt, also mach­te sie merk­wür­di­ge Geräu­sche mit dem Mund. Wer sind die­se Leu­te, woll­te sie wis­sen. Wann war das gewe­sen? Woher haben Sie die­se Foto­gra­fie? — Wir gin­gen dann noch spa­zie­ren um kurz nach Mit­ter­nacht. Ange­neh­mes Papier­licht, die Son­ne war nicht unter­ge­gan­gen, strahl­te etwas schläf­rig am Him­mel her­um. Noch immer leich­ter See­gang, aber zwei schö­ne Stun­den hei­te­rer Gesprä­che. Wie ich mich freu­te, Mrs. Cal­las stau­nen zu sehen. Ich habe kei­ne Kin­der, nein, nein, ich habe kei­ne Kin­der. Doch, doch sag­te ich, Sie haben Kin­der gebo­ren, sie sind eine fabel­haf­te Mut­ter. Sie­ben Töch­ter, jawohl, sie­ben sehr selt­sa­me Töch­ter, Sie wer­den sich doch um Him­mels­wil­len an ihre Töch­ter erin­nern, an Sven­ja, Mar­le­ne, Bob­by, Lyd­wi­en, Vass­il­li­ki, Eleo­no­re, Bumu­bai. Soll ich Ihnen von Ihren Gebur­ten erzäh­len, Mrs. Cal­las? – Kaum zurück, leg­te sie sich aufs Sofa und ver­tief­te sich wie­der in jenes Bild, das von ihr, wie sie glaub­te, abge­nom­men wor­den war. Manch­mal näher­te sie sich mit einem Fin­ger, flüs­ter­te, oh, ich glau­be, da ist etwas, die­sen Herrn ken­ne ich viel­leicht, ja, das könn­te ein Musi­ker sein, ein Bas­sist, nein, das ist einer, der Cel­lo spielt. — Seit Stun­den nun liegt sie so her­um. Sie hat etwas von einer Kat­ze, ganz ohne Zwei­fel. Ich weiß, sie wird sich bald erhe­ben, und sie wird zu mir her­über­kom­men, wird die Foto­gra­fie auf den Schreib­tisch legen und sagen: Irgend­et­was stimmt hier nicht, Mr. Lou­is! Ich glau­be, ich wer­de jün­ger. Ich glau­be, die Zeit geht falsch her­um. Was haben Sie dazu zu sagen? Spre­chen Sie!

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auftauchen

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alpha : 0.28 — Immer wie­der ein Bild vor Augen, ein Bild lang­sam vor­rü­cken­der Zeit. stop. Die Ober­flä­che des Atlan­ti­schen Oze­ans vor Neu­fund­land. stop. Kei­ne Bewe­gung, nicht die kleins­te Wel­le. stop. Auch am Him­mel, kei­ne Wel­len, kein Flug­zeug, kein Vogel. stop. Abso­lu­te Stil­le. stop. Minu­ten­lan­ge Stil­le. stop. Tage der Stil­le, Mona­te, Jah­re. stop. Jetzt ein Schat­ten. stop. Der Schirm der Was­ser­ober­flä­che öff­net sich. stop. Der Helm eines Tief­see­tau­chers erscheint. stop. Schwe­res Gehäu­se. stop. Trie­fen­de Muscheln. stop. Eine Hand. stop. Die Gestalt einer eiser­nen Hand, wie sie nach ros­ti­gen Schrau­ben tas­tet. stop. Wie der Helm des Tau­chers, durch die Luft fliegt. stop. Das Gesicht eines Man­nes, des­sen Haut schnee­weiß ist. stop. Eine Schne­cke ohne Gehäu­se, die auf sei­ner Stirn sitzt. stop. Sie scheint zu gra­sen. stop. Der Mann, wie er sich umsieht. stop. Wie er blin­zelt, wie er lächelt. stop. Flüs­tert. stop. stop. Obwohl ich ver­su­che, so nahe wie mög­lich her­an­zu­kom­men, ist doch kein Wort zu ver­ste­hen. stop. Jetzt winkt er. stop. stop. Ein hei­te­res Bild. stop. Ein Bild, in dem Zeit ent­hal­ten ist. stop. stop. Wer end­lich ver­haf­tet Robert Muga­be? stop. stop. 0.52 in Musi­na, süd­li­ches Afri­ka. — stop

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die liebe der zeppelinkäfer

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india : 2.12 — Schon weit nach Mit­ter­nacht, aber immer noch ein spä­ter Abend sum­men­der Luft. Habe drei lan­ge Stun­den ver­sucht 18.924.150 Zei­chen des mensch­li­chen Genoms als Sequenz in mein Text­ver­ar­bei­tungs­pro­gramm zu laden. Immer wie­der schei­tert die For­ma­tie­rung mit der Sei­te 32.678 des Doku­ments, als ob mei­ne Com­pu­ter­ma­schi­ne sagen woll­te, die­sen Unsinn mache ich nicht län­ger mit. — Nun aber rasch noch einen ernst­haf­ten Gedan­ken notie­ren. Neh­men wir ein­mal an, es wäre mög­lich, einen Käfer zu ent­wi­ckeln, sagen wir, einen Zep­pel­in­kä­fer, der nahe abso­lu­ter Schwe­re­lo­sig­keit unter letz­ten Mole­kü­len von Sau­er­stoff schwe­bend Ozon pro­du­zie­ren wür­de, dann könn­te man sich einen zwei­ten Käfer vor­stel­len, einen Zep­pel­in­kä­fer gleich­wohl, der eine Käfer­da­me sein soll­te, die sich natür­lich sofort ver­lie­ben wird, wes­halb wir bald einen Nebel kleins­ter, sehr gefrä­ßi­ger Zep­pel­in­kä­fer vor uns am Him­mel sehen wür­den. — Eine beru­hi­gen­de Vor­stel­lung, sagen wir, sehr beru­hi­gend. — Was aber fres­sen sie dort oben, wo es doch nichts gibt außer Mond, Stern und Son­nen­licht? Man könn­te eine Gat­tung wei­te­rer Käfer erfin­den, Käfer, die sehr schmack­haft sind und lei­den­schaft­lich ger­ne, sobald man sie frei­las­sen wird, hin­ter die Wol­ken stei­gen, um sich ihren Freu­den, den Zep­pel­in­kä­fern, mit allem, was sie sind und haben, hin­zu­ge­ben. — Ich soll­te sofort ein kom­bi­nier­tes Patent versuchen.

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animals : eine luftgeschichte

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del­ta : 7.45 — Im Wesent­li­chen exis­tie­ren drei Arten von Geschich­ten. Fer­tig anwe­sen­de, erleb­te Geschich­ten. Rein aus der Luft gefan­ge­ne, das heißt, erfun­de­ne Geschich­ten. Recher­chier­te Geschich­ten. stop. Ani­mals, zum Bei­spiel, die Geschich­te der Ent­de­ckung leben­der Papie­re. stop. Eine Luft­ge­schich­te. stop. Es ist jetzt zwei Uhr nachts. stop. Was brau­che ich? stop. Zwei Kühl­schrän­ke, fünf U‑Bahnwaggons, drei Kaf­fee­häu­ser, eine Hand­voll Abend­seg­ler, Stadt­men­schen, ein Radio­ge­rät. stop. Und Papier­tie­re stop. Sehr klei­ne Her­zen, eben­so klei­ne Gehir­ne, Mün­der und Ver­dau­ungs­trak­te. stop. Auch Pro­pel­ler­flü­gel. stop. Feins­te Ware. stop. Was brau­che ich noch? stop. Räu­me der Zeit und einen ers­ten Satz. stop. Geduld. stop. Das Geräusch mei­nes Blei­stifts auf gro­bem Papier.

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caracas

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MELDUNG. Am gest­ri­gen Abend vor­zei­tig deto­niert, sind im Opern­haus zu Man­aus [ Bra­si­li­en ] Tei­le eines kost­ba­ren Fro­sches [ Gat­tung : dendro­ba­tes ama­zo­ni­cus ] gegen das Publi­kum geflo­gen. Ein Auge, ein gan­zer Damen­kopf, wur­de von Frag­men­ten aus Schä­del und Wir­bel­säu­le der Amphi­bie durch­schla­gen. Wei­te­re öffent­li­che Spren­gun­gen im Monat Mai : San­ta Cruz, 21. [ d. aura­tus ] : Por­to Veh­lo, 22. [ d. azu­reus ] : Cara­cas, 23. [ d. leu­co­me­las ] : San Jose, 24. [ d. reti­cu­la­tus ] : New Orleans, 25. [ d. pumi­lio ] : Phoe­nix, 26. [ d. gra­nu­li­fer ] : Chi­ca­go, 27. [ d. imi­ta­tor ]. Zün­dung je 22.00 Uhr Orts­zeit. Alle Vor­stel­lun­gen sind aus­ge­bucht. — stop
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libellencafe

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tan­go : 8.08 — Ein Notiz­buch, ein beson­ders Notiz­buch, eines, das mei­ne Gedan­ken ver­zeich­nen wür­de, sobald ich spa­zie­ren gehe. Hand­lich müss­te es sein und leicht und geräusch­los schrei­ben. Viel­leicht wäre es mög­lich, die­se klei­ne Gedan­ken­schreib­ma­schi­ne, so zu pro­gram­mie­ren, dass sie jene Gedan­ken, die neue Gedan­ken sind, zu unter­schei­den ver­mag von allen wei­te­ren Gedan­ken, von Gedan­ken, die sich wie­der und wie­der den­ken wol­len, von krei­sen­den Gedan­ken, von Karus­sell­ge­dan­ken. – Wäh­rend ich ges­tern Abend vor der Kas­se eines Super­mark­tes war­te­te, hat­te ich die Idee, dass man eines Tages ein­mal ein Haus erfin­den müss­te, ein Kaf­fee­haus, in dem unter den Gäs­ten Libel­len schwir­ren, präch­tigs­te Flug­we­sen, die an Wän­den und auf Tischen sit­zen, auf den Tas­sen, den Glä­sern, den Zei­tun­gen, den Gäs­ten selbst. Ja, das wäre eine fei­ne Sache, ein auf­re­gen­der Ort, eine ange­neh­me Fan­ta­sie, die von der Gedan­ken­schreib­ma­schi­ne, die ich mir wün­sche, sehr sicher und sofort notiert wor­den wäre. Man wür­de zum Früh­stück zur Füt­te­rung der Libel­len­tie­re dort viel­leicht Flie­gen­schäl­chen rei­chen. Ja, das ist sehr gut denk­bar, Flie­gen­schäl­chen gro­ßer Flie­gen für gro­ße Libel­len, und Flie­gen­schäl­chen klei­ner Flie­gen für klei­ne Libel­len. Wie wür­de die Atmo­sphä­re die­ses Ortes wohl auf der Zun­ge schme­cken? Und was wäre noch zu hören vom Gespräch der Gäste?

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yanuk : zeitherz

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marim­ba

~ : yanuk le
to : louis
sub­ject : ZEITHERZ
date : nov 24 08 6.32 p.m.

Höhe 310. Beob­ach­te Pflan­zen seit drei Tagen. Auch in den Näch­ten, wenn ich unterm Pfei­fen der Mos­ki­tos nicht ein­schla­fen kann, war­te ich am Ran­de der Platt­form, las­se die Bei­ne bau­meln, hof­fe, dass der Schwarm schwe­ben­der Zwerg­see­ro­sen sich wie­der in Bewe­gung setz­ten wird. Lan­ge Stun­den der Ruhe, des Still­stan­des, stolz zei­gen sie ihre wei­ßen, ihre blau­en Blü­ten, schwim­men oder schwe­ben fast reg­los auf dem Nebel. Ist die­ser Nebel viel­leicht schon eine Wol­ke, bin ich so weit gekom­men, dass ich die Wol­ken­de­cke durch­sto­ßen habe? Ja, Stun­den der Bewe­gungs­lo­sig­keit, nur von einem leich­ten Wind­zug gestrei­chelt, aber dann, sehr plötz­lich, schlie­ßen sie zur sel­ben Sekun­de ihre locken­den Kel­che, eine Wel­le süßen Duf­tes wan­dert gegen den Him­mel, und es wird so still, als wären all die pfei­fen­den, sin­gen­den, krei­schen­den Geschöp­fe des Wal­des betäubt von der schwe­ren Sub­stanz der Pflan­zen­luft. Habe die Zeit gemes­sen, habe ver­sucht, einen Rhyth­mus des Schlie­ßens und Öff­nens zu fin­den, ver­geb­lich, viel­leicht, weil ich sie Jah­re beob­ach­ten müss­te, um ihre Fre­quenz zu ver­ste­hen. Ein­mal bin ich zurück in den Nebel getaucht, habe das Wur­zel­haar unter­sucht, fili­gra­ne Gefä­ße, rosa­far­ben, aber kei­ne Ver­bin­dung von Pflan­ze zu Pflan­ze. Ein Wun­der, wie sie das machen, syn­chron, simul­tan, als ver­füg­ten sie über ein gemein­sa­mes, ein gehei­mes Herz, das die Zeit zäh­len kann. – Wie­der letz­te Minu­ten vor Däm­me­rung. Das Rudel der Affen liegt um mei­ne Schreib­ma­schi­ne her­um. Du kannst Dir nicht vor­stel­len, Mr. Lou­is, von welch wei­cher, geschmei­di­ger Gestalt glück­li­che Affen sind. Selbst die Kno­chen ihrer klei­nen Köp­fe schei­nen der Schwer­kraft nach­zu­ge­ben. — Cucur­ru­cu! Yanuk

ein­ge­fan­gen
22.18 UTC
1686 Zeichen

yanuk to louis »

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walfischspaziergang

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hima­la­ya : 8.05 — Wie ich mor­gens erwa­che und anstatt in einem Zim­mer zu lie­gen, mich unter einem schö­nen frei­en Him­mel wie­der­fin­de. Das ist eigent­lich noch kei­ne gro­ße Sache. Ich wür­de zunächst die Augen schlie­ßen und den­ken, das ken­ne ich doch, wie oft schon bin ich von einem Traum in den nächs­ten gewan­dert. Ganz still wür­de ich war­ten, um kurz dar­auf mei­ne Augen erneut zu öff­nen, und schon wie­der oder noch immer wäre die­ser schö­ne Him­mel über mir, ein leich­ter Wind wür­de wehen und die Luft duf­ten nach Salz und Tang. Wie ich mich auf­set­ze und schaue, hur­ra, Was­ser in allen Rich­tun­gen, Was­ser hin bis zum Hori­zont. Was für ein sel­te­ner Anblick, was für eine merk­wür­di­ge Erfah­rung! So plötz­lich auf hoher See, und der Boden, auf dem ich sit­ze, zit­tert, nein bebt, nein pulst, und ich wür­de den­ken, wie kost­bar die­ses Leben doch ist und dass ich mich nicht erin­nern kann, wie ich hier­her auf den Rücken eines Wales gekom­men bin. – Es ist jetzt zwei Stun­den nach Mit­ter­nacht, die Luft riecht nach Schnee und die Welt ist still. Alles schläft. Auch Sie wer­den schla­fen, wäh­rend ich die­sen Text notie­re. Aber nun ist etwas Zeit ver­gan­gen, und da Sie wach gewor­den sind, wer­den Sie viel­leicht fra­gen, wie ich zu die­ser Über­le­gung einer nächt­li­chen Mee­res­lan­dung gekom­men bin. Nun, das ist ganz ein­fach. Vor weni­gen Tagen hör­te ich, eine Frau habe sich gewünscht, ein­mal in ihrem Leben auf dem Rücken eines Wales zu ste­hen. Sie wür­de sich, sag­te man, ihrer Schu­he ent­le­di­gen und auf dem Rücken des Wales spa­zie­ren wie auf einem Unter­see­boot. Natür­lich habe ich dar­über nach­ge­dacht, was gesche­hen wür­de, wenn die­ser Wal, von dem hier tat­säch­lich die Rede ist, sich nicht in der Nähe einer Küs­te, son­dern auf dem offe­nen Meer, auf hoher See, befin­den wür­de. Ja, und was wür­de gesche­hen, wenn der Wal zu tau­chen wünsch­te, viel­leicht weil er hung­rig gewor­den ist, obwohl er doch die Schrit­te einer Men­schen­frau auf sei­nem Rücken spür­te. Stel­len Sie sich vor, ich weiß, wie er das macht. Der Wal wird lang­sam und geräusch­los sin­ken, jawohl. Aber noch ehe voll­stän­dig in die Tie­fe abge­taucht wer­den wird, wird er noch ein­mal zurück­keh­ren und ruhig neben der schwim­men­den Frau im Was­ser lie­gen, wird etwas Luft­schaum bla­sen und ihr sein Auge zei­gen. Ja, so genau wird der Wal das machen, und dann wird er in der Tie­fe ver­schwun­den sein, und viel­leicht, nein, sehr sicher, wird die schwim­men­de Frau einen fei­nen Gesang aus der Tie­fe ver­neh­men, die Geschich­te einer Begeg­nung von einem Wal den Walen erzählt, eine Kurz­ge­schich­te, mehr Zeit ist nicht. — stop

 

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schweigende augen

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char­lie : 12.25 — Bemerkt, dass wir die Stür­me, die uns das Wochen­en­de über ein Lied pfei­fen wer­den, schon in die­sen Stun­den betrach­ten kön­nen, wäh­rend sie noch über dem Atlan­tik zir­ku­lie­ren. Fast alles kann man vor­aus­se­hen, nah sehen, ver­zö­gert oder in der ech­ten, syn­chro­nen Zeit. Stell­te mir vor, wie Ame­ri­ka­ner und Rus­sen durch je ein Satel­li­ten­au­ge den Unter­gang eines höl­zer­nen Schif­fes 50 See­mei­len vor Lam­pe­du­sa beob­ach­ten. Und bei­de Augen schwei­gen. — stop

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die malerei kleinster teilchen

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sier­ra : 8.02 — Ohne die Zeit noch zu bemer­ken, sechs Stun­den lang ers­te Spu­ren eines ana­to­mi­schen Hör­spiels bear­bei­tet. Kurz vor Mit­ter­nacht dann in ange­neh­mer Balan­ce mit Cor­mac McCar­thys düs­te­rem Roman Die Stra­ße auf dem Sofa. Ein Buch, das mir Freu­de macht, nicht weil es End­zeit, nein, weil es in klei­nen Abtei­len vor­wärts erzählt. Als wür­de in einem unend­lich gro­ßen, dunk­len Raum je für kur­ze Zeit das Licht ange­schal­tet, Pha­sen zei­chen­lo­ser Dun­kel­heit, Sekunden‑, Minuten‑, Stun­den­sprün­ge, dann wie­der ruhi­ge Spra­che, ein­fa­che, prä­zi­se Sät­ze. Dar­über ein­ge­schla­fen. Mor­gens von Regen­ge­räu­schen geweckt, die nicht wirk­lich exis­tier­ten. — Kurz nach sie­ben Uhr und noch immer wun­de­re ich mich, dass ich ein­ge­nickt war, ohne auch nur ein­mal zu den­ken: Du wirst gleich schla­fen. Die Idee, dass viel­leicht Bücher exis­tie­ren, die als Schlaf­bü­cher anzu­se­hen sind, Bücher, die einen gehei­men Code ent­hal­ten, hyp­no­ti­sche Zei­chen­fol­gen, unwi­der­steh­lich in ihrer Wir­kung. Man könn­te in Buch­hand­lun­gen eine wei­te­re Kate­go­rie sor­tie­ren, die der Nar­ko­ti­ka näm­lich, Roma­ne, die ins Jen­seits beför­dern, nicht zu lesen im Gehen, in Zügen, im Ste­hen! – Guten Mor­gen! — stop

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