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marimba : 0.02 — Ich vergesse, obwohl ich ihre Bewegungen mit Augen verfolge, meine Hände, sobald ich schreibe. — Warum?



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marimba : 0.02 — Ich vergesse, obwohl ich ihre Bewegungen mit Augen verfolge, meine Hände, sobald ich schreibe. — Warum?

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romeo : 0.05 — Das Vergnügen, ein Manuskript auf Papier zu drucken. Die nadelnden, summenden, pfeifenden Geräusche der Maschine, Satz für Satz Sekundenseiten. Wie ich Arbeit von Tagen, von Wochen, vor mir zu einem Segel auf den Boden breite. Wie ich zufrieden und still vor dem Windgefäß im Zimmer stehe. Wie ich, bald wieder stürmisch geworden, in die Knie gehe, um weiteren Flugsand mit der Hand aufs Papier zu setzen. — Notierte: Ein menschliches Gehirn ruhte in meinen Händen. Und ich dachte, kühl ist es und weich und schwer. Ich hörte deutlich eine denkende Stimme, als wäre da noch ein anderer Beobachter gewesen, als ich selbst. Dann bemerkte ich, dass ich mit bloßem Auge nicht erkennen konnte, in welcher Sprache jenes Gehirn, das ich in meinen bebenden Händen hielt, ein Leben lang träumte, auch nicht, ob es glücklich oder doch eher unglücklich gewesen ist. Eine schweigende, eine verlassene, eine Welt ohne Licht. Ja, lilimambo, das Leuchten lebender Menschen! — stop
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echo : 2.18 — Ich stellte mir eine Minute vor, dann eine Stunde, dann einen Tag. Ich stand auf und ging von Zimmer zu Zimmer, aß eine Banane, sah aus dem Fenster, setze mich an den Schreibtisch, stellte mir eine Woche vor, dann einen Monat, dann ein Jahr. Ich erhob mich, sah nach der Uhrzeit, dann aus dem Fenster, verließ das Haus, spazierte und kam zurück, setzte mich aufs Sofa. Eine harmlose Geschichte. Sogleich weiter gedacht. Seltsame Kerne leise in meinem Kopf hin und her bewegt, jene von den Schlafwaben zum Beispiel, von Kofferzimmern, in welchen erwerbslose Menschen dämmernd lagern. Wie ihnen schmerzlos die Zeit vergeht, wie sie, von besseren Zeiten träumend, Blutkonserven aus ihren Knochen destillieren. Kaum hatte ich aufgeschrieben und mich gewundert über das, was ich dachte, stand ich wieder in der Küche, aß eine weitere Banane und einen Pfirsich zum Nachtisch. Dann, endlich, bemerkte ich Geraldines Sommerhut, sein Schaukeln auf atlantischen Wellen. Ungeheure Stille. Absolute Stille. In dieser namenlosen Stille, ein Hut allein auf dem Meer. Kein Schiff. Kein Land. Aber einhundert Seemeilenkreise von Stille in einem Bild, das ich niemals mit Augen sehen, sondern immer wieder nur denken werde. stop. Guten Morgen!
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sierra : 2.28 — Ich könnte vielleicht sagen, dass sich mein Gehirn mittels feiner Muskeln, die meine Augen umringen, selbst zu berühren vermag. Ich könnte weiterhin sagen, dass ich, sobald ich eine Fotografie betrachte, mit meinen Augen mein Gehirn bewege und in meinem Gehirn eine Welt: Das sind meine Augen vor langer Zeit, meine Augen als Kind. Noch immer kann ich sie sehen. — stop

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lima : 5.18 — Am Victoriasee Menschen, junge Menschen und alte Menschen, wie sie sich durch modernde Abfälle einer Fischfabrik wühlen. Gelbe Augen. Salzwunde Hände. Vereiterte Füße. Bauchballone. stop. Beobachtete zum fünften Male den Dokumentarfilm Darwins Albtraum warum? Kurz darauf notierte ich: Licht fällt in kleinen Paketen vom Himmel. Und ich dachte noch, das geht heute nicht, solch ein Satz doch nicht nach jenem Film in dieser Nacht. Lange Zeit schon ist von afrikanischen Eisfischen zu erzählen, von Luftreisenden in russischen Warentransportflugzeugen gegen den Norden zu, von all dem Elend erzählen, das sie bewirken, vom Hunger, von dem ich mit eigenen Ohren hörte, von Nilbarschfilets, vom rasen-hölzernen Fleisch auf kostbaren Tellern europäischer Sandmanufakturen. stop. Wie erzählen? stop. Wem erzählen? stop. Bald wieder Dämmerung. stop. Licht fällt in kleinen Paketen vom Himmel. — stop

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alpha : 23.52 – Einmal lag ein buntes Stück Papier auf meinem Schreibtisch, ein Luftpostbrief. Als ich das Couvert des Briefes genauer betrachtete, das heißt, als ich den Brief so nahe an meine Augen heranführte, dass ich die Stempeleinträge seiner Anschriftenseite entziffern konnte, bemerkte ich, dass der Luftpostbrief bereits vor langer Zeit in Europa aufgegeben und über den Atlantik geflogen worden war. In Santiago de Chile dann angekommen, konnte der Brief nicht zugestellt werden, vermutlich weil die Zeichen, die den Brief beschrifteten, kaum zu entziffern gewesen waren. Nach einigen Wochen Wartezeit, reiste der Brief, nun markiert mit einem Schildchen in blauer, spanischer Farbe: Imposible de entregar! *, über den Atlantik zurück, um sich nur wenige Tage später erneut auf den Weg über das Meer nach Chile zu begeben. Ein weiterer Schriftzug war hinzugekommen, ein feiner, aber großzügiger Stempelaufdruck: -Diese Sendung wurde von einem Blinden geschrieben!- Zwei frische Wertmarken, nichts sonst verändert. Und so machte sich der Brief bald darauf ein viertes Mal auf den Weg über das Meer wieder nach Europa zurück und landete, weiß der Himmel, warum, in meiner Nähe, in der Nähe meiner Schreibmaschine. — stop
* Nicht zustellbar

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olimambo : 0.02 — Angenehme Müdigkeit, warm und leicht, eine Versuchung, sagen wir, sofort die Augen zu schließen und nachzusehen, was das Nachtleuchten im Kopf mit mir vielleicht bald unternehmen wird. — Seltsam, wie es ist. — Vor wenigen Stunden noch über das Geräusch des Regens nachgedacht. Nicht einfach nur so über das gewöhnliche Geräusch vom Himmel kommenden Wassers, sondern über ein Regengeräusch, das bis in die Träume eines Schlafenden reicht, sodass er wach wird vom Regen, den er träumte und doch nicht träumte. ping ping ping. Wie er sich aufsetzt, wie er durch ein dunkles Zimmer tastet, wie er auf einem Balkon steht und wie ihm der Regen aufs Gesicht fällt. stop. Ein Uhr zweiundzwanzig auf hoher See vor Lampedusa. — stop

echo : 2.18 — Ein Zeppelinkäfer, seltsames Wesen, schwebte kurz nach 1 Uhr heute Nacht eine schnurgerade, eine unsichtbare Linie über den hölzernen Fußboden meines Arbeitszimmers entlang, wurde in der Mitte des Zimmers von einer Luftströmung erfasst, etwas angehoben, dann wieder zurückgeworfen, ohne allerdings mit dem Boden in Berührung zu kommen. — Ein merkwürdiger Auftritt. – Und dieser großartige Ballon von opakem Weiß! Ein Licht, das kaum noch merklich flackerte, als ob eine offene Flamme in ihm brennen würde. Ich habe mich zunächst gefürchtet, dann aber vorsichtig auf Knien genähert, um den Käfer von allen Seiten her auf das Genaueste zu betrachten. — Folgendes ist nun zu sagen. Sobald man einen Zeppelinkäfer von unten her besichtigt, wird man sofort erkennen, dass es sich bei einem Wesen dieser Gattung eigentlich um eine filigrane, flügellose Käfergestalt handelt, um eine zerbrechliche Persönlichkeit geradezu, nicht größer als ein Streichholzkopf, aber schlanker, mit acht recht langen Ruderbeinen, gestreift, schwarz und weiß gestreift in der Art der Zebrapferde. Fünf Augen in graublauer Farbe, davon drei auf dem Bauch, also gegen den Erdboden gerichtet. Als ich bis auf eine Nasenlänge Entfernung an den Käfer herangekommen war, habe ich einen leichten Duft von Schwefel wahrgenommen, auch, dass der Käfer flüchtet, sobald man ihn mit einem Finger berühren möchte. Ein Wesen ohne Laut. – Guten Morgen! Heute ist Samstag. Leichter Regen vielleicht. — stop

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echo : 2.26 — Eine jedem Propellerkäfer zutiefst verbundene Leidenschaft ist, auf Bäumen zu sitzen und nach Winden Ausschau zu halten. Sie sind in diesem Warten und Schauen außergewöhnlich geduldige Persönlichkeiten. Wochen, gar Monate sitzen sie kaum wahrnehmbar in Gestalt kleiner Zigarren auf knorrigen Ästen, Stämmen und Blättern herum, indessen sie ihre Augen stets geöffnet halten, blaue, sehr blaue Augen, auch wenn sie schlafen, was nicht ganz sinnvoll zu sein scheint, weil doch heranwehende Winde eher zu hören, als zu sehen sind. Wenn man nun einen Propellerkäfer bei seiner leidenschaftlichen Arbeit, insbesondere den Präludien seiner Arbeit beobachten möchte, sollte man geduldig sein und immerfort an seiner Seite, weil man nie vorhersagen kann, ob ein Wind, der sich näherte, unserem Propellerkäfer gefallen wird. Manche Winde, so seltsam das erscheinen mag, noch feinste Stürme, die vom Meer her kommen, lassen unseren Propellerkäfer vollkommen kalt, während bereits die leiseste Ahnung ganz anderer Winde, heftigste Erregung erzeugen kann. Dann, von einer Sekunde zur anderen, ändert der Propellerkäfer seine Farbe, ob er will oder nicht, er sieht jetzt ein wenig so aus, als würde Feuer in ihm brennen. Seine Füße indessen haben kleine Zehen ausgefahren, Fantasien der Natur, rein nur zur Verankerung ausgedacht, weil der Propellerkäfer sich sofort wild entschlossen mit jedem seiner Propeller gegen den Wind stemmen wird. Stürme, gerade Stürme will er fangen. So sitzt er mit geschlossenen Augen hinter pfeifenden Rotoren bebend und knistert und wartet, wartet, bis all das wilde Wetter vorübergezogen sein wird. Der Ordnung halber sei Folgendes noch rasch gemeldet: Propellerkäfer sind friedvolle, aber doch gefährliche Wesen, sobald sie aufgeladen sind. Mal haben sie sechs, mal acht, mal zehn Propeller, die sie je in ihrem Leib verbergen, um für Wochen, für Monate wieder zur Baumzigarre zu werden. Jetzt hören wir sie leise und zufrieden knallen. — stop
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sierra : 0.01 — Bemerkt, dass ich Dimensionen der Lichtreisezeit von Stern zu Stern nicht verstehen kann. Ich habe einerseits eine trockene, eine logische Erklärung zur Verfügung, kann anderseits aber das vertraute Gefühl, das mir anzeigt, dass ich etwas verstanden habe oder begreifen konnte, nicht finden. stop. Im Zwischenraum. stop. Das Staunen. stop. Wenn ich in einem anatomischen Präpariersaal an einem Tisch unter jungen Persönlichkeiten stehe und sage, dass der Körper jenes Menschen, der vor uns auf dem Tisch liegt, nach und nach verschwinden wird, indem sie ihn zerlegen, zugleich aber, in diesem Prozess des Verschwindens, sich in Information, in Wissen verwandelt, freuen sich die jungen Menschen. stop. Blitzende Augen. stop. Ein lachender Mund. stop. Und noch ein lachender Mund. stop. Anatomische Signale. — stop
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