Aus der Wörtersammlung: ohren

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im juli

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echo : 0.10 UTC — Ein­mal, vor einem Jahr prä­zi­se, ging ich im Haus der alten Men­schen her­um. Da waren geöff­ne­te Türen, und da schau­te ich hin­ein in die Zim­mer. Ich beob­ach­te­te einen alten Mann, der vor sei­nem Roll­stuhl knie­te, und eine alte Dame mit schloh­wei­ßem Haar, die lag wie ein Mäd­chen, mit weit von sich gestreck­ten Armen und Bei­nen im Bett wie in einer Som­mer­wie­se. An einem wei­te­ren Tag beob­ach­te­te ich ein Bett, in des­sen Kis­sen­tie­fe ein klei­ner Mensch ruhen muss­te. Nur Hän­de waren von ihm zu sehen, die sich beweg­ten, die Schat­ten war­fen, die spiel­ten oder mit der Luft spra­chen, Stun­de um Stun­de, Tag für Tag. — Und jetzt ist ein Jahr spä­ter gewor­den, es ist Novem­ber, es ist Zeit zu berich­ten, dass der klei­ne unsicht­ba­re Mensch im August gestor­ben ist. Viel­leicht ist er an den Wir­kun­gen der Zeit gestor­ben oder aber in sei­nem Bett an den Fol­gen eines ohren­be­täu­ben­den Lärms, der auf ihn ein­wirk­te mona­te­lang, weil man das Haus über ihm um ein Dach­ge­schoss erwei­ter­te, wäh­rend er noch immer in sei­nem Bett lag. Aber das ist natür­lich nur eine Ver­mu­tung öder eine Befürch­tung oder eine Behaup­tung, nichts wei­ter. — stop

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redentore

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nord­pol : 16.58 UTC — Von der Wasser­bus­sta­tion Reden­tore aus ist heu­te das Schwes­ter­chen Zitel­le nicht zu hören, nicht wenn man ein Mensch ist, nicht wenn man mit­tels gewöhn­li­cher Ohren die Luft betas­tet. Es ist warm und feucht über dem Kanal vor Giudec­ca, ein leich­ter Wind weht von Ost. Es ist viel­leicht des­halb so still, wo es doch nicht wirk­lich still sein kann, weil die Luft lang­sam west­wärts fließt. Wenn man sich nun aber auf der Stel­le in die Tie­fe bege­ben wür­de, ein Fisch wer­den, ein Fisch sein, wenn man ins Was­ser tauch­te, könn­te man Zitel­le ganz sicher weit­hin sin­gen hören, ihr Pfei­fen und Zetern tag­ein und tag­aus, dass es eine wah­re Freu­de ist, wie sie immer wie­der kurz inne­hält, um zu lau­schen, ob ihr jemand ant­wor­tet, viel­leicht von Palan­ca her oder von den Giar­dini – Zwil­lingen, die sich immer wie­der ein­mal mel­den, sobald die See stür­misch gewor­den ist. Es heißt, die­ses Sin­gen, Zetern, Jau­len der Wasser­bus­sta­tionen sei weit ins offe­ne Meer hin­aus zuhö­ren. Kein Wun­der demzu­folge, kein Wun­der. – stop

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neufundland 18.01.45 uhr : schneeweiße stimme

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del­ta : 20.01 UTC — Noe, wir sind glück­lich, mel­de­te sich am frü­hen Abend end­lich wie­der. Ver­mut­li­che Tie­fe: 886 Fuß. Posi­ti­on: 78 See­mei­len süd­öst­lich der Küs­te Neu­fund­lands seit nun­mehr 2732 Tagen im Tief­see­tauch­an­zug unter Was­ser. ANFANG 18.01.45 | | | schrei­be oder den­ke ich? s t o p alles da drau­ßen ohne das geräusch einer spra­che. s t o p nur das sin­gen der wale. s t o p was sehen sie in mir? s t o p einen fisch? b l a c k s h o e f r o m a b o v e. s t o p das rau­schen der luft links und rechts mei­ner ohren. s t o p das was­ser nur eine schwa­che vorstel­lung. s t o p — e n o r m o u s g r e y f i s h r i g h t h a n d . s t o p ich habe den ver­dacht jün­ger zu wer­den. s t o p viel­leicht des­halb jün­ger wer­de weil ich mei­nen kör­per nicht sehen kann. s t o p unmög­lich das geräusch des regens noch vorzu­stellen. s m a l l s p o o n f r o m a b o v e . s t o p einen atem­zug lang habe ich mei­nen namen ver­ges­sen. s t o p t h r e e b l u e f i s h e s l e f t h a n d . s t o p immer wie­der die­sel­ben träu­me. s t o p von kie­men. s t o p von uhren. s t o p. von astro­nauten. s t o p von yoko. s t o p von ihrer stim­me die nicht erin­nert wer­den kann. s t o p schnee­weiße stim­me. s t o p schnee­weiße haut. s t o p schnee­weißer sand. s t o p ich soll­te wie­der ein wenig schwei­gen. stop | | | ENDE 18.03.58

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ping

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pong

pic

alpha : 20.02 — Kaum eine hal­be Stun­de ist ver­gan­gen, seit ich den Wunsch ver­spür­te, mich zu beru­hi­gen. Das war haupt­säch­lich, des­halb gewe­sen, weil ich mei­nen Puls in den Ohren schla­gen hör­te. So sehr hat­te ich mich auf­ge­regt über einen klei­nen Text, dem ich auf Posi­ti­on Twit­ter begeg­net war, dass ich kaum noch den­ken konn­te. Ich dach­te nur das eine: Du bist wütend, Lou­is! Ich setz­te mich also auf einen Stuhl und kon­zen­trier­te mich auf die Erfin­dung eines Wor­tes. Das half, das war schon immer so gewe­sen. Eini­ge Wör­ter, die ich bis­lang nicht kann­te, also ent­deck­te, sind Gebur­ten see­li­scher Span­nung. Auch die­ses Mal war bald Ruhe ein­ge­kehrt, nach­dem ich das Wort Zika­den­pau­ke for­mu­liert hat­te. Ver­mut­lich waren mei­ne Ohr­ge­räu­sche unmit­tel­bar für das Wort ver­ant­wort­lich. Aber das ist im Grun­de nicht wesent­lich. Das Wort ist ent­deckt und kann nun von Such­ma­schi­nen gefun­den, fest­ge­hal­ten und wei­ter­ge­ge­ben wer­den. — stop

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haus no 178

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romeo : 20.33 UTC — Wie vie­le Male bin ich bereits an dem Büro im Par­terre des Hau­ses No 178 vor­über gekom­men, es müs­sen hun­der­te Male gewe­sen sein. Ein Mann sitzt dort hin­ter einem Fens­ter, der im Licht einer Lam­pe und eines Bild­schir­mes arbei­tet, ohne je sei­nen Kopf zu heben, wenn ich an ihm vor­über­ge­he. Ande­re berich­ten das Glei­che. Und das ist doch selt­sam, er scheint an dem Leben auf der Stra­ße über­haupt nicht inter­es­siert zu sein. Nie wen­det er den Kopf, als sei er fest ver­schraubt, als sei auch sei­ne Wir­bel­säu­le ver­an­kert in die­ser Hal­tung gera­de­aus auf einem Stuhl, der gleich­wohl nicht beweg­lich ist, sodass der Mann weder frei­wil­lig noch mit Ver­gnü­gen so vor dem Tisch sit­zen wird, son­dern weil er nicht anders kann. Und weil das so zu sein scheint, wird der Mann ver­mut­lich über Rada­re gebie­ten, die ihm ermög­li­chen zu wis­sen, wer an sei­ner Tür vor­über kommt. Er weiß näm­lich immer­zu genau, wer kommt und wie­der ver­schwin­det, ver­mut­lich kann er sehr gut rie­chen oder aber er kann sehr gut hören, kann mit den Ohren sehen. Er irrt sich, wie ich hör­te, nie. — stop

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vom gehör

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romeo : 0.12 UTC — Ich stel­le fest, ich habe zwei Ohren. Mit zwei Ohren schon bin ich zur Welt gekom­men. Mei­ne Ohren hör­ten dem­zu­fol­ge von der Welt, noch ehe ich ange­kom­men war. Ich hör­te von der Welt da drau­ßen, und ich hör­te, so wur­de erzählt, das Herz mei­ner Mut­ter schla­gen, das war nicht fern. — Erstaun­lich. — stop

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von wörtern von ohren

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sier­ra : 18.28 — Es don­nert, heult, brüllt, zischt, pfeift, braust, saust, sum­met, brum­met, rum­pelt, quäkt, ächzt, singt, rap­pelt, pras­selt, knallt, ras­selt, knis­tert, klap­pert, knur­ret, pol­tert, win­selt, wim­mert, rauscht, mur­melt, kracht, gluck­set, röcheln, klin­gelt, blä­set, schnarcht, klatscht, lis­peln, keu­chen, es kocht, schrei­en, wei­nen, schluch­zen, kräch­zen, stot­tern, lal­len, gir­ren, hau­chen, klir­ren, blö­ken, wie­hern, schnar­ren, schar­ren, spru­deln. Die­se Wör­ter und noch ande­re, wel­che Töne aus­drü­cken, sind nicht blo­ße Zei­chen, son­dern eine Art von Bil­der­schrift für das Ohr. — G.C.Lichtenberg / stop

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ein name fern und nah

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echo : 18.55 — Im Schnell­zug saß eine jun­ge Frau. Als der Zug län­ge­re Zeit hal­ten muss­te, kamen wir ins Gespräch. Die jun­ge Frau sag­te, dass sie bewun­de­re, wie schnell ich auf mei­ner Schreib­ma­schi­ne mit den Fin­gern tip­pen kön­ne. Sie erwähn­te, dass sie in Sri Lan­ka gebo­ren wor­den sei, aber schon lan­ge in Euro­pa lebe. Tat­säch­lich hör­te ich kaum einen Akzent in ihrer Stim­me. Ich frag­te sie nach ihrem Namen. Wel­chen ihrer Namen ich wis­sen wol­le, erkun­dig­te sie sich, ihren euro­päi­schen, den Namen ihres Man­nes, der sich mit einem Bruch­teil ihres Geburts­na­mens ver­bun­den habe, oder eben den Namen ihrer Kind­heit? Mit einer scheu­en Hand­be­we­gung rief sie mei­ne klei­ne fla­che Schreib­ma­schi­ne zu sich her­über, nahm sie in ihre lin­ke Hand und begann mit ihrer rech­ten Hand Zei­chen um Zei­chen zu tip­pen. Sie sag­te: Ich schrei­be ihnen, wie ich in Sri Lan­ka als unver­hei­ra­te­te Frau geru­fen wur­de. Vor­sich­tig berühr­te sie mit einer Fin­ger­spit­ze die Tas­ta­tur auf dem Bild­schirm, es dau­er­te lan­ge Zeit, ehe sie fer­tig gewor­den war. Immer wie­der schien sie ihren Namen zu prü­fen, ob auch alles stimm­te. Kurz dar­auf las sie mir ihren Namen vor, ein schö­nes Geräusch in mei­nen Ohren. Dann gab sie mir mei­ne Schreib­ma­schi­ne zurück und ich buch­sta­bier­te mei­ner­seits Fol­gen­des vor­sich­tig nach: Mal­va­la Sri Brah­ma­na Rin­nay­a­ka Tann­ko­an Mydiu­an­sela­ge Langt Mahe­hi­ka Tann­ko­an Sana­ton­ga. Es war an einem Don­ners­tag gewe­sen, gegen 18 Uhr. — stop
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