Aus der Wörtersammlung: viele

///

halbstundenschnee

9

zou­lou : 15.18 UTC — Win­ter. Land­schaft tief ver­schneit. Ich erin­ne­re Vater, wie er auf den Bal­kon unse­res Hau­ses ein Kame­ra­sta­tiv stellt. Der Foto­ap­pa­rat, den er auf das Sta­tiv schraub­te, rich­te­te sei­ne Augen­lin­se zum Gar­ten hin, auf eine unbe­rühr­te Decke von Schnee über einem Teich, der sich kaum wahr­nehm­bar durch eine leich­te Ver­tie­fung abzeich­ne­te unter dem glit­zern­den, kal­ten Tuch. Von dem Foto­ap­pa­rat aus führ­te ein fei­nes Kabel in Vaters Arbeits­zim­mer. Das Kabel war mit sei­nem Com­pu­ter ver­bun­den, der dem Foto­ap­pa­rat jede hal­be Stun­de ein­mal Anwei­sung gab, eine Auf­nah­me des Gar­tens anzu­fer­ti­gen. Vie­le Jah­re spä­ter ent­deck­te ich eine Serie die­ser Auf­nah­men. Spu­ren sind dort zu erken­nen, einer Kat­ze, die selbst nicht zu sehen ist. Der Kopf einer Amsel wei­ter­hin, die nach ihrer Lan­dung im Schnee ver­sun­ken zu sein schien. Kurz dar­auf eine wei­te­re Kat­ze, die der Spur jener unsicht­ba­ren, frü­he­ren Kat­ze folgt. Auch Mut­ter hat ihren Auf­tritt. Ihr Kopf ist zu erken­nen, und ihre Hän­de, die in den Bild­aus­schnitt ragen. Sie wirft Nüs­se in den Schnee. Eine wei­te­re Auf­nah­me, es ist viel­leicht spä­ter Nach­mit­tag, zeigt Vater inmit­ten sei­nes Gar­tens. Er schaut hoch zur Kame­ra. — stop

///

sandwellenwinde

2

alpha : 22.18 UTC — Man kann Geschich­ten erzäh­len über das, was man foto­gra­fiert, das ahne ich schon lan­ge. Vater bei­spiels­wei­se erzähl­te, wie er mit Mut­ter an einem hei­ßen Nach­mit­tag Coney Island besuch­te, wie sie im war­men Sand sit­zen, wie er sei­ner gelieb­ten Frau berich­tet, dass er schon ein­mal an die­sem Ort gewe­sen sei, da kann­ten sie sich bereits. Vie­le Jah­re spä­ter wer­de ich mei­nem Vater erzäh­len, dass ich eine Foto­gra­fie besuch­te, die er gefer­tigt hat­te, als ich noch nicht ganz fünf Jah­re alt gewe­sen war. Ich sag­te: Es ist, lie­ber Vater, tat­säch­lich, wie Du berich­test. Man fährt eine hal­be Stun­de mit der Sub­way vom Washing­ton Squa­re aus in süd­west­li­che Rich­tung, dann ist man am atlan­ti­schen Meer und der Him­mel hell über dem Was­ser. Hef­ti­ge Sand­wel­len­win­de fau­chen mir über die Stirn, wie ich auf die­sem Boden gehe, der fest ist. Zer­bro­che­ne Muscheln, Scher­ben von bun­tem Glas, Som­mer­be­stecke, Schu­he, Wod­ka­fla­schen, Lip­pen­stif­te, Holz, Kno­chen. Da und dort haben sich schar­fe Kan­ten gebil­det unter der stren­gen Hand der Win­ter­stür­me, dunk­le, fes­te Struk­tu­ren, in wel­chen sich Spu­ren mensch­li­cher Füße fin­den, als wären sie ver­stei­nert. Bald Brigh­ton Beach. An den Wän­den der Häu­ser ent­lang der See­pro­me­na­de sit­zen alte rus­si­sche Frau­en, wohl ver­packt, auf­ge­ho­ben in die­sem Bild fros­ti­ger Tem­pe­ra­tur. Aber der Schnee fehlt. Und Mr. Isaac Bas­he­vis Sin­ger, der hier spa­zier­te lang vor mei­ner Zeit. — stop

ping

///

im wald

pic

ulys­ses : 18.12 UTC — Ein­mal spa­zier­te ich mit Mut­ter durch einen Wald. Die alte Dame, sie trug rote Turn­schu­he, frag­te mich, ob sie denn selt­sam aus­se­hen wür­de, so wie sie ging. Und ich ant­wor­te­te: Nein, dein Gang ist viel­leicht etwas steif gewor­den, etwas lang­sa­mer, vor­sich­ti­ger, aber nicht selt­sam. Am Him­mel kreis­te ein Modell­flug­zeug mit einem Kopf­pro­pel­ler, sehr lei­se, kunst­voll über einem Hügel, von dem aus wir Vaters Segel­flug­zeu­ge in herbst­li­che Win­de häng­ten. In jenem Wald, ich erin­ne­re mich, den ich mit Mut­ter spa­zier­te, such­te ich als Jun­ge nach Ske­let­ten. Es war ein dich­ter Wald jun­ger Tan­nen. Man erzähl­te, dass die Tie­re sich dort­hin zurück­zo­gen, um in Ruhe zu ster­ben. Ver­mut­lich des­halb habe ich sehr vie­le Kno­chen gefun­den. Sie waren über Jah­re hin über den Boden gewan­dert, das waren ver­mut­lich Wild­schwei­ne gewe­sen. Ich trug zahl­rei­che Kno­chen nach Hau­se, um sie zu sor­tie­ren, mit­hil­fe eines natur­kund­li­chen Buches. In einem gro­ßen Kar­ton ver­wahr­te ich Kno­chen, die ich nicht zuord­nen konn­te. Ein­mal schüt­te­te ich die­se Kno­chen vor mich auf den Boden und setzt sie so zusam­men, dass sich ein Tier abzeich­ne­te, wel­ches über meh­re­re Schä­del ver­füg­te und zahl­rei­che Bei­ne. Das Tier war sehr lang, ein Tier, über des­sen Leben ich auf­re­gen­de Geschich­ten erzäh­len konn­te. — stop

///

chicago

2

echo : 15.12 UTC — Am Ende jeden Tages eine Auf­ga­be notie­ren, die sofort nach Schlaf­zeit zu tun ist, zum Bei­spiel: Natha­lie Sar­rau­tes Kind­heit lesen. Oder: 1 Par­tic­les schrei­ben, wel­ches? Oder eine Roman­se­quenz stu­die­ren: Dave Eggers Zeit­o­un. Ein brü­tend hei­ßer Tag. Lud­wig rief an, ja, der Lud­wig, die­ser ner­vö­se, freund­li­che Mann, der seit Jah­ren von einer klei­nen Erb­schaft lebt, die ihm sei­ne Mut­ter hin­ter­ließ, etwas Geld also für beschei­de­nes Leben, sowie ein Kabi­nett voll grau­sa­mer Erin­ne­run­gen. Lud­wig berich­tet, er habe nun 580 Mas­ken der Schutz­klas­se FFP2 zur Ver­fü­gung, ein Vor­rat, gelie­fert von der Post nach un d nach, der für vie­le Jah­re aus­rei­chend sein könn­te, wenn man bedenkt, dass Lud­wig nur ein oder zwei Male in der Woche für kur­ze Zeit sei­ne Woh­nung ver­lässt. Er trägt wun­der­schö­ne Schu­he, ich wür­de Lud­wig sofort anhand sei­ner Schu­he erken­nen. Auch sei­ne Schu­he lie­fert die Post. Im Grun­de, das ist denk­bar, wur­de Lud­wigs Leben durch die Pan­de­mie nur unwe­sent­lich ver­än­dert. Das Leben drau­ßen war bereits sehr gefähr­lich, als das Virus noch nicht exis­tier­te, als das Virus nur eine Idee gewe­sen war. Lud­wigs Geld könn­te an Wert ver­lie­ren, dar­über haben wir nicht gespro­chen, aber über den Klang der Was­ser­spra­chen. — stop

///

eine flasche gin

ping
ping
ping

nord­pol : 0.18 UTC — Wes­halb Georg jene selt­sa­me Geschich­te, die er mir unlängst erzähl­te, gera­de jetzt in die­sen Tagen träum­te, da er ängst­lich in der Welt her­um­spa­ziert wie vie­le von uns, wird viel­leicht nie­man­den wirk­lich wun­dern. Im Traum näm­lich war Georg krank gewor­den vom Virus, vor dem er seit Wochen flüch­tet. Er war im Hos­pi­tal gewe­sen, konn­te kaum noch atmen, saß schweiß­nass im Bett. Da trat eine Ärz­tin in sein Zim­mer. Sie hielt eine Fla­sche Gin in der Hand. Sie war wirk­lich sehr höf­lich. Sie sag­te, er sol­le die Fla­sche unver­züg­lich lee­ren, das hel­fe, sag­te sie, die ame­ri­ka­ni­sche Metho­de. Georg ant­wor­te­te, er flüs­ter­te, dass er seit über zwan­zig Jah­ren kei­nen Alko­hol getrun­ken habe, das wür­de ihn nun doch ganz sicher unter die Erde brin­gen. Er wach­te, Gott sei Dank, bald auf. Georg war betrun­ken. Aber das war nicht wirk­lich der Fall, es war eine Ver­mu­tung, wes­halb unver­züg­lich not­wen­dig gewor­den war, den auf­rech­ten Gang zu pro­bie­ren, wes­halb Georg in die Küche spa­zier­te, das Fens­ter öff­ne­te, um nach den Vögeln zu sehen. Dann rief er mich an, um mir sei­ne Geschich­te zu erzäh­len. — stop

///

kreisgang

pic

lima : 2.52 — In Genf, nahe einer Stra­ßen­kreu­zung von der Rue de Rho­ne zur Rue d’Italie, waren selt­sa­me Din­ge zu bemer­ken. Män­ner und Frau­en näm­lich, die sich krei­send oder auf und ab über das Pflas­ter beweg­ten, wäh­rend sie das Grün­licht der Ampeln erwar­te­ten. Bei genaue­rer Betrach­tung moch­te man mei­nen, sie könn­ten viel­leicht nicht in der Lage sein, still­zu­ste­hen. Sie tru­gen Damen­kos­tü­me, Her­ren­an­zü­ge, fei­ne Schu­he, waren ver­mut­lich gera­de aus dem Büro gekom­men, befan­den sich auf dem Weg viel­leicht nach Hau­se, zur Bus­sta­ti­on nach Fer­ney oder ins Kino, ins Thea­ter, zum Jazz. Die Son­ne schien, ers­te war­me Stun­den. Aber, so dach­te ich, auch an einem eis­kal­ten Tag im Win­ter wür­den sie sich genau so bewegt haben, in Krei­sen oder auf und ab. Eine neue Zeit ist ange­bro­chen. Man nimmt jetzt nur noch sel­ten den Auf­zug, man nimmt die Trep­pe, stets der Blick hin zum Hand­ge­lenk, zur Appa­ra­tur, die Pul­se, Tem­pe­ra­tu­ren, und auch den Schlaf aus­zu­mes­sen ver­mag. Und noch einen Kreis gleich hin­ter­her und über die Stra­ße, wie vie­le Schrit­te, wie vie­le Schrit­te heu­te, wie vie­le Schrit­te mehr als ges­tern, wie weit bin ich gekom­men in die­sem Monat, viel­leicht bis nach Cham­bé­ry, vor dem Som­mer noch könn­te ich Mont­pel­lier errei­chen, im Win­ter Valen­cia, am Ende des kom­men­den Jah­res wer­de ich in Essaoui­ra sein. – Ein­mal war 2 Uhr und 44 Minu­ten in der Nacht gewe­sen. Ich beob­ach­te­te mei­nen Kak­tus, wie er blüh­te. Wenn mein Kak­tus blüht, hält er sei­ne Blü­te auch bei Nacht geöff­net, als ob er ahn­te oder wüss­te, dass in mei­nen Zim­mern Nacht­bie­nen und Nacht­win­de woh­nen. — stop

///

gesten

2

echo : 8.35 UTC — Nach vie­len Jah­ren nun wie­der die Fra­ge, ob viel­leicht Bewe­gun­gen exis­tie­ren, Ges­ten mensch­li­cher Hän­de, die bald aus­ster­ben wer­den? Die Ges­te einer Hand, bei­spiels­wei­se, in der Betrach­tung eines Dias, oder die Ges­te einer Hand, die einen Blei­stift führt über ein Blatt Papier. Oder die Ges­te einer Hand, die sich einer wei­te­ren Hand zur Begrü­ßung nähert. Ich soll­te nun end­lich eine Samm­lung aus­ster­ben­der Handbewe­gun­gen anle­gen. Sofort fan­ge ich damit an. — stop

ping

///

eine poststelle

2

india : 16.10 UTC — Auf der Anschrift­sei­te eines Brie­fes war ein Text notiert, den ich zunächst nicht ent­zif­fern konn­te. Ich hat­te das Kuvert bei einem Händ­ler ent­deckt, des­sen Samm­lung von Brief­ku­verts auf einem Tisch unter einem Schirm sorg­fäl­tig aus­ge­brei­tet wor­den war. Es waren sehr vie­le Brie­fe, der Händ­ler muss­te früh auf­ge­stan­den sein, um recht­zei­tig vor Ein­tref­fen der ers­ten Besu­cher des Floh­mark­tes mit sei­ner Dar­le­gung fer­tig gewor­den zu sein. Es reg­ne­te. Ich stand unter dem Schirm und betrach­te­te einen Brief­um­schlag nach dem ande­ren Brief­um­schlag, sie waren zum Schutz in durch­sich­ti­ge Foli­en ein­ge­schla­gen. Auf jenem Brief, von dem ich hier kurz erzäh­le, kleb­ten zwei Brief­mar­ken der Färö­er-Inseln, sie waren noch gut zu erken­nen, zwei Wale schweb­ten dort. Außer­dem waren in einer Spra­che, die ich nicht kann­te, zahl­rei­che Zei­chen, ein klei­ner Text, unter einem Namen ange­bracht. Der Name lau­te­te: Alma Pipa­luk. Ich frag­te den Händ­ler, ob er wis­se, was die­ser kur­ze Text­ab­schnitt bedeu­ten wür­de. Neu­gie­rig gewor­den kauf­te ich den Brief, spa­zier­te nach Hau­se und setz­te mich an mei­ne Schreib­ma­schi­ne, tipp­te die Zei­chen sorg­sam in die Ein­ga­be­mas­ke eines Über­set­zungs­pro­gramms. Die Spra­che, die ich notier­te, war die däni­sche Spra­che, und bei dem Text, den ich vor­ge­fun­den hat­te, han­del­te es sich um eine Anwei­sung an einen Brief­zu­stel­ler, der von der Post­stel­le einer klei­nen Sied­lung namens Uum­man­n­aq aus, den Brief an sei­ne Emp­fän­ge­rin lie­fern soll­te. Der Text lau­te­te in etwa so: Bit­te nach Anor­lern­ertooq nörd­li­che Bie­gung am roten Haus vor­bei rechts über den Steg zum gel­ben Haus an Alma, Pipa­luk nicht vor Sep­tem­ber. Der Brief trug zwei pos­ta­li­sche Stem­pel­zei­chen, akku­rat auf­ge­tra­gen. Er war geöff­net wor­den, irgend­wann von irgend­wem. — stop

ping

///

ilulissat

2

india : 14.08 UTC — Eine alte Dame spa­ziert durch den Pal­men­gar­ten. Sie spa­ziert bereits seit fünf Tagen durch den Pal­men­gar­ten. Auch in der Stadt, in der sie seit vie­len Jahr­zehn­ten wohnt, exis­tiert ein Pal­men­gar­ten, der viel grö­ßer ist, als der Pal­men­gar­ten jener Stadt, in die sie reis­te, um spa­zie­ren zu gehen. Es muss prä­zi­se die­ser Pal­men­gar­ten sein, weil sie ihn von ihrer Kind­heit kennt. Sie ist noch gut zu Fuß, aber sie geht lang­sam, sie will etwas fin­den, das mit die­sem Pal­men­gar­ten ver­bun­den ist, eine Erin­ne­rung. Die­sen Teich gab esnicht, sagt sie, aber die­sen Berg von Stei­nen, den will sie ken­nen. Auch an das Café­ am Süd­aus­gang erin­nert sie sich. Und die­se Gink­go­bäu­me gab es damals auch schon, da hat sie Blät­ter gesam­melt, um sie zu trock­nen und auf Kar­ten zu kle­ben. Nein, sie habe noch nicht gefun­den, was sie sucht, sie weiß aber ganz sicher, dass sie es hier fin­den wird, es ist ja schon da in mei­nem alten Kopf, ich muss nur dar­auf kom­men, das geht nur hier. Und wenn sie gefun­den habe, was sie hier such­te? Dann rei­se sie wei­ter nach Ilu­lis­sat, da war ich auch schon, immer schön der Rei­he nach, aber nicht im Win­ter, im Win­ter fah­re ich an die Nord­see. Jetzt geht sie wei­ter. Es ist Mai, Mitt­woch, kurz nach drei Uhr. — stop

ping

///

vor langer zeit im dezember

pic

oli­man­bo : 0.02 UTC — Ein­mal kam ich von einem Besuch bei Freun­den nach Hau­se zurück, und wie ich so in mei­ne Woh­nung stol­per­te, ent­deck­te ich Mrs. Cal­las, die damals in Gedan­ken bei mir wohn­te, wie sie wei­nend vor einer Foto­gra­fie stand, vor einer Schwarz-Weiß-Foto­gra­fie, die ich seit vie­len Jah­ren besit­ze und mir immer wie­der sehr ger­ne anse­he. Natür­lich wun­der­te ich mich, dass Mrs. Cal­las wein­te, weil die Foto­gra­fie zwei alte Men­schen zeigt, eine Frau und einen Mann, die fried­voll Sei­te an Sei­te in einer Küche an einem Tisch sit­zen. Rais­sa Orlo­wa, liest ihrem alten Mann, Lew Kope­lew, viel­leicht aus einem Buch vor. Und ich frag­te Mrs. Cal­las, war­um sie denn wei­nen wür­de, das sei doch eine sehr beru­hi­gen­de Foto­gra­fie. Ich glau­be, setz­te ich hin­zu, sie sind glück­lich. Mrs. Cal­las ant­wor­te­te unver­züg­lich, Ernst in der Stim­me, ja, das sind sie, glück­lich, ganz sicher sind sie sehr glück­lich. Ich wün­sche mir für mich ein Ende wie die­ses hier an der Wand, Mr. Lou­is. Sie müs­sen mir ein ande­res Ende schrei­ben! – Und so sit­ze ich nun müde auf dem Sofa und notie­re die­se Geschich­te, wäh­rend Mrs. Cal­las mich hoff­nungs­voll beob­ach­tet. Wie nur könn­te ich sie trös­ten, weil ich doch vor ihrem Schick­sal ohn­mäch­tig bin? Viel­leicht könn­te ich erzäh­len, dass ich Lew Kope­lew in Mün­chen ein­mal für weni­ge Sekun­den begeg­ne­te. Ich könn­te ihr beschrei­ben, wie er mir am Haupt­bahn­hof aus einer Men­schen­men­ge her­aus ent­ge­gen­kommt, wie ich sei­ne Erschei­nung, sei­ne statt­li­che Grö­ße, sei­nen schloh­wei­ßen Bart bewun­de­re. Und ich könn­te Mrs. Cal­las berich­ten, wie Lew Kope­lew mei­nen Blick bemerkt, wie er mich freund­lich betrach­tet und wie er mei­nen nicken­den Gruß erwi­dert, weil er in mei­nem Blick gese­hen haben wird, dass ich ihn für lan­ge Zeit gele­sen habe und immer wie­der lesen wer­de. – Ja, viel­leicht soll­te ich Mrs. Cal­las von die­sen Sekun­den mei­nes Lebens erzäh­len, und dass es erhol­sam sein könn­te, sich zunächst ein­mal zur Ruhe zu legen für zwei oder drei Tage.

ping



ping

ping