das jahr 2102

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20.01 — Nehmen wir ein­mal an, ich würde in dieser Sekunde die Lesung meines ure­ige­nen Textes begin­nen, würde nicht schlafen ehe ich zu einem let­zten A, C, G oder T gekom­men bin, würde Tag und Nacht, Zeichen um Zeichen, Sekunde um Sekunde, meinen Text zur Sprache brin­gen, dann buch­sta­bierte ich 833.333 Stun­den durch die Zeit. Das sind 34722 Tage oder 95 Jahre. Im Jahr 2102, an einem Son­ntag im Sep­tem­ber, würde ich vielle­icht von vorne begin­nen. — stop

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marco polo

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3.15 — Ich kann mir auf der Stelle ein flug­tauglich­es Wesen denken, das von ein­er leuch­t­end roten Kör­per­farbe ist und über Augen ver­fügt, die auf Tür­men sitzen. Statt Anten­nen wach­sen ihm Scheren aus dem Kopf, statt Wass­er bewohnt es Bäume, statt von Vögeln wird es von Men­schen gefressen. Weshalb faszinieren mich Hum­mer? Warum fürchte ich Krabben? — stop

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plankton

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21.22 — Gestern Abend, ich sass im let­zten Licht der Sonne auf dem Fen­ster­brett, habe ich ent­deckt, dass ich die Luft, sobald ich ihre feinen Stäube als Plank­ton und Fliegen und Fal­ter als Fis­che betra­chte, für eine Flüs­sigkeit, sagen wir, für ein Meeres­gewäss­er hal­ten kann. — stop

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krapp

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15.05 – Ist es sin­nvoll, davon zu sprechen, dass ich Beck­ett oder Krapp bei ihrer Arbeit in meinem Gehirn beobachte, wenn ich das Let­zte Band lese? Oder beobacht­en sie mich? — stop

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fliegen

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7.15 — Ich bemerk­te unlängst, dass ich bei­de Arme hebe, also von mir abwende, also Flügel mache, sobald ich durch die Woh­nung laufe und darüber nach­denke, wie es wäre, ohne jedes Gewicht zu sein. — Haben Men­schen des 19. Jahrhun­derts eine Vorstel­lung von einem Zus­tand bewe­gungslos­er Schw­erelosigkeit erzeugt? — stop

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spixara

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0.57 — Nehmen wir ein­mal an, ein Spixar­avo­gel lebte unter meinem Dach. Was würde er in mir sehen? — Vielle­icht ein Wesen, das niemals fliegt. — stop

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No signal. Going to sleep

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18.15 — Blick auf James Wat­sons Fotografie, nach­dem ich ver­suchte, in seine Zeichen­kette vorzu­drin­gen. Ein still­ste­hen­der Men­sch mit Pipette. Lange andauernde Belich­tung, bis die Com­put­er­mas­chine meldet : No sig­nal. Going to sleep. Sind wir selt­sam gewor­den? — stop

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luftbeben

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2.15 — Heute Nacht, weiß der Him­mel warum, knis­tern die Wände mein­er hölz­er­nen Zim­mer. Vielle­icht ist der Boden unter der Stadt nach Nor­den vorg­erückt, und ich höre in diesen Stun­den das Nachfed­ern des Haus­es. Oder aber fein­ste Sub­stanzen der Luft sind in elek­trisch­er Bewe­gung, weil hin­ter den wan­dern­den Erd­mag­neten bere­its Win­ter wird. Um eins gehe ich aus dem Haus. Um zwei bin ich zurück. Jet­zt ist es fün­fzehn Minuten später und in New York ger­ade kurz nach sieben Uhr Abend, beste Zeit einen kleinen Imbiss zu mir zu nehmen. Dann wieder an die Arbeit. Habe noch ein paar Namen zu erfind­en. Geräusche, sagen wir: — Bur­ma 8. Man­drill. Sub­sev­en. Milanoma­ki. —  Gern würd ich die kom­menden 500 Jahre über­leben. — stop

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zähler

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0.01 — Existiert vielle­icht eine Mas­chine, die zählen kann, wie viele Wörter von einem Men­schen während seines Lebens aus­ge­sprochen wer­den? — Wie viele Wörter habe ich in meinem Leben bere­its zur Sprache gebracht, wie viele Wörter habe ich geschrieben und wie viele Wörter habe ich gedacht? — stop

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