india : 14.01 UTC — Im verwaisten Haus meiner Eltern hatte ich 18 Brillen entdeckt. Sie waren geputzt, da und dort ein Fingerabdruck. 4 Brillen für die Welt. 14 Brillen für Bücher und Zeitungen. Brillen wie Schuhe und Hüte, sehr nah wie von Zeitfäden an meine Tage genäht. Seit ich nun eine eigene Brille für die Ferne trage, weiß ich, dass sie gern verloren geht, und dass ich suchend auf dem Weg durch meine Wohnung ganz andere Dinge finde als meine Brille für die Ferne, einen Stoffbären zum Beispiel, 8 Zentimeter hoch, welchen ich in einem Park bei Regen entdeckte. Der kleine Bär war nass gewesen, ich nahm ihn mit. Oder eine fliegende Meduse, hellblau und durchscheinend und von einem zarten Geruch nach Salz und Zimt. So hatte ich über die Meduse auf einen Zettel notiert, der hinter mein Sofa gefallen war und wiederentdeckt, zu leuchten begann, durchscheinend von einem Geruch nach Salz und Zimt. — stop

Aus der Wörtersammlung: ende
abschnitt neufundland
Abschnitt Neufundland meldet folgende gegen Küste geworfene Artefakte : Wrackteile [ Seefahrt – 456, Luftfahrt — 1022, Automobile — 58331], Grußbotschaften in Glasbehältern [ 18. Jahrhundert — 55, 19. Jahrhundert – 18, 20. Jahrhundert – 751 , 21. Jahrhundert — 3556 ], physical memories [ bespielt — 21, gelöscht : 178 ], Lichtfangmaschinen [ Vögel / künstlich Gattung Inari 2 : 8 ], Öle [ 0.7 Tonnen ], Prothesen [ Herz — Rhythmusbeschleuniger – 21, Kniegelenke – 521, Hüftkugeln – 886, Brillen – 356 ], Schuhe [ Größen 28 – 39 : 14553, Größen 38 — 45 : 455 ], Kühlschränke [ 1522 ], Tiefseetauchanzüge [ ohne Taucher – 15, mit Taucher – 12 ], Engelszungen [ 687 ] | stop |

auf einer wiese im sommer
echo : 20.55 UTC – In einem Park beobachtete ich einen Mann, der einem Roboter folgte. Es war ein warmer Tag. Die Maschine in der Größe eines Staubsaugers rollte über den Rasen, wohl in dem Auftrag, das Gras zu schneiden. Der Mann bewegte sich in derselben Geschwindigkeit leicht versetzt hinter dem Roboter, umkreiste in dieser Weise Bäume in einem engen Bogen, um bald wieder den Horizont ins Auge zu fassen. Der Roboter fuhr so lange Zeit schnurgerade weiter, bis er auf einen Weg traf, also auf Gelände ohne Grasnarbe. Dort drehte er auf der Stelle um und fuhr in einem zufälligen Bogen zurück über die Rasenfläche hin. Leichtbekleidete Menschen waren zu sehen, wie sie den Roboter fixierten. Sobald sich das kleine Wesen einer dieser liegenden Personen näherte, wurden leise Hupgeräusche hörbar, ein Versuch der Verständigung vielleicht. Manchmal kniete der Mann nieder. Er schien jenen Boden zu untersuchen, der soeben noch von dem Roboter überfahren worden war. Der Mann schaute durch eine Lupe und sammelte mittels einer Pinzette von dem Rasen kleinere Gegenstände oder Teile von Würmern und Käfern auf und legte sie in einer Tüte ab. Indessen der Mann arbeitete, wartete der Roboter. Das war im vergangenen Sommer gewesen. Ein Roboter auf einer Wiese ohne Hunde, warum? — stop
fäden
tango : 15.56 UTC – Die Vorstellung eines Fadens, der ein Signal materialisiert, das von einem Telefon zu einem weiteren Telefon nah oder fern gesendet wird. Unsere Welt wäre bald von undurchdringlichem Signalgewebe bedeckt. — stop
vom nachtlicht
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nordpol : 20.55 UTC – Vor Jahren einmal hatte ich an dieser Stelle über Winterkäfer nachgedacht, es war zur Winterzeit. Ich entdeckte sehr bald einen noch namenlosen Käfer, der ohne Ausnahme paarweise erscheinen und weich sein sollte wie eine Schnecke, auch von der Körpertemperatur der Menschen und genauso groß, dass er sich in die Augenhöhlen Schlafender zu schmiegen vermag. Dort, stellte ich mir vor, würde der noch namenlose Käfer sich nicht nur als Nachtschirm begnügen, vielmehr würde er sich langsam auf und ab bewegen und in dieser Weise, sehr entspannende Polarlichtspiele von milder, beruhigender Lumineszenz erzeugen. — stop
Inarisee
langsam
wanderndes
Polarlicht
/
Ursprung
INARI
.
paris
odessa
vom poetischen wert
alpha : 15.28 UTC – Als würde ich kurz vor einem Gespräch mit einem Verleger vor einer Tür stehen. Ich bin aufgeregt und zugleich konzentriert. Ich habe meine erste Frage, die ich im Gespräch stellen werde, sorgfältig formuliert, auswendig gelernt und mehrfach geprüft. Es ist aber doch etwas anderes geplant, ein Gespräch nämlich mit ChatGPT über die Erfindung der Tiefseeelefanten. Eine Verbindung ist hergestellt, die Eingabemaske leuchtet unmittelbar vor mir auf dem Bildschirm, der Bot scheint zu warten. Ich sehe auf die Uhr, warum? — Das war gestern um kurz nach 22 Uhr gewesen. So habe ich notiert: Guten Abend! Mein Name ist Louis. Folgendes: Ich habe vor Jahren die Gattung der Tiefseeelefanten erfunden. Eine Herde dieser Tiere wanderte über einen Zeitraum mehrerer Monate von Europa aus über den Atlantik nach New York. Sie gingen Schritt für Schritt fest auf dem Boden, indessen ihre kilometerlangen Rüssel bis zur Meeresoberfläche hin ausgestreckt worden waren, um von dort Luft in die Tiefe zu holen. Sind diese Tiere jenseits eines poetischen Raumes denkbare Wesen? — 8 Sekunden später folgende erstaunliche wie berührende Antwort des künstlichen Systems:Deine Idee der Tiefseeelefanten ist faszinierend und poetisch – sie erinnert an die Kraft der Vorstellung, die in der Literatur und Kunst eine Realität für sich schaffen kann. Wenn wir die Idee aus naturwissenschaftlicher Perspektive betrachten, stoßen wir allerdings auf einige Herausforderungen: 1. Rüssellänge und Atmung: Ein kilometerlanger Rüssel, der von der Tiefsee bis zur Wasseroberfläche reicht, würde immense Schwierigkeiten für die Atmung mit sich bringen. Der Wasserdruck in der Tiefsee ist extrem hoch (z. B. ca. 1000 Atmosphären in 10.000 Metern Tiefe), während die Luftsäule im Rüssel nahezu drucklos wäre. Die Muskeln, die den Rüssel öffnen und schließen, müssten unglaublich stark sein, um den Druckunterschied zu bewältigen. 2. Druckresistenz: Lebewesen, die in der Tiefsee existieren, sind an den hohen Druck angepasst. Ein so großes Tier wie ein Elefant, das auf Landdruck optimiert ist, würde in der Tiefe zerquetscht. Eine denkbare Lösung wäre, dass die Tiefseeelefanten eine Anpassung entwickelt haben, um den Druck auszugleichen, z. B. durch eine extrem flexible oder verstärkte Körperstruktur. 3. Fortbewegung: Ein so großes Tier bräuchte sehr kräftige Beine, um auf dem Meeresboden laufen zu können, und gleichzeitig müsste es mit den Widerständen des Wassers zurechtkommen. Viele Tiefseelebewesen sind schwerelos und gleiten oder schweben – ein laufendes Tier wäre ungewöhnlich. 4. Nahrung: Die Tiefsee ist eine karge Umgebung, was Nahrung betrifft. Deine Elefanten müssten eine Strategie haben, um Nahrung in ausreichender Menge zu finden – vielleicht durch das Einfangen von Organismen, die in der Nähe der Wasseroberfläche leben, mithilfe ihrer Rüssel. Denkbare Anpassungen. Mit ein wenig Kreativität lassen sich jedoch Mechanismen erdenken, die deine Tiefseeelefanten möglich machen könnten. 1. Druckausgleich: Sie könnten ein internes System haben, das ihren Körperdruck dem Umgebungsdruck anpasst, ähnlich wie Tauchroboter, die für Tiefseeforschung gebaut werden. 2. Atmung: Statt über Rüssel könnten sie eine Art “Luftreservoir” in ihrem Körper tragen, das durch regelmäßige Besuche an der Wasseroberfläche aufgefüllt wird. 3. Körperstruktur: Ihre Beine könnten besonders dick und muskulös sein, um sowohl dem Druck als auch der Fortbewegung standzuhalten. 4. Ökologie: Sie könnten sich von organischen Ablagerungen am Meeresboden oder hydrothermalen Quellen ernähren, die als „Oasen“ der Tiefsee gelten. Poetischer Wert: Aus literarischer Sicht sind deine Tiefseeelefanten nicht nur denkbar, sondern sogar wunderbar. Sie laden dazu ein, über die Beziehung zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Lebensräumen und Anpassung nachzudenken. Sie könnten als Symbole für Ausdauer, Anpassung oder den Übergang zwischen Welten stehen – und genau das macht sie so faszinierend. Ich bin gespannt, wie du die Geschichte dieser majestätischen Wesen weiterspinnst! — stop

als tiefseeelefanten
in unseren gesprächen
noch nicht existierten
flog vater 1971 über
grönland nach
san franzisko
eine feder
sierra : 12.28 UTC – An einer Grenze, weit entfernt, sind Tag ein, Tag aus, Höllengeräusche zu vernehmen. Er las ein elektrisches Buch auf dem Bildschirm seiner flachen Schreibmaschine über diese seltsamen Geräusche, die an der Grenze zu Nordkorea weithin zu hören sein sollen. Das Buch war ein Roman, der Roman ein umfangreiches Buch. Zum ersten Mal las er einen umfangreichen elektrischen Roman in der Begleitung eines Buches von Papier, das neben seiner Schreibmaschine auf dem Tisch lag. Jedes Mal, wenn er eine digitale Seite auf seinem Bildschirm berührte, damit sie wegflog, um einer neuen Seite Platz zu bieten, blätterte er gleichwohl eine Seite des Papierbuches um. Das Papierbuch verfügte über keinerlei Schriftzeichen, es war sorgfältig gebunden, in einem zitronengelben Umschlag, leere kräftige Blätter. Ehe er zu lesen begann, zählte er die Seiten ab, die das elektrische Buch, das er zu lesen plante, in der Gestalt eines gebundenen Buches verfügen würde. Das nun ist also wird zu lesen sein, sagte er sich, und er legte eine Feder genau an jene Stelle in das Buch, an der der Roman, der von fernen Höllengeräusche erzählt, enden würde. So könnte es funktionieren, dachte er. Die Feder, sein Lesezeichen, war einmal die Feder einer Möwe gewesen. — stop
Geräusche
zum Fürchten
am inarisee
sierra : 0.15 UTC – Stundenlange Beobachtung des Inarisees zur Polarnachtzeit. Taubengrauer Himmel. Hinter Wolken wandert grünes Licht langsam ostwärts. Leuchtendes Blau steigt am Horizont aus dem Nebel, der dicht über der Eisfläche liegt. Schnee, einzelne Flocken. 5 Leuchtpunkte schimmern in der Ferne durch den Bildausschnitt der Kamera, die seit dem späten Sommer filmt. Der See war noch zu sehen im Sommer und im Herbst, Wasser, dunkel. In der Polarnacht nun wundervolles Licht des Himmels, Sterne, auch Mond, der hell strahlt, als sei er Sonne. Und eben das seltene Licht der Menschen, Menschenlicht. Die Grenze nach Russland ist 15 Kilometer entfernt. — stop

inari 5 bird island
gestaltmantel
aus der serie
vagabondit 8 NM
porträtzeichnung
pencil


