Aus der Wörtersammlung: stimme

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mann ohne mund

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tan­go : 22.16 — Drei­fach einem Mann ohne Mund begeg­net, jedes Mal unter der Lex­ing­ton Ave­nue gegen den Abend zu fah­rend, wenn sich die Züge fül­len mit Pend­lern in alle Rich­tun­gen des Him­mels. Das Pfei­fen der Luft, die den Saum einer Öff­nung am Hals des Man­nes in Schwin­gung ver­setzt, ich hör­te es in nächs­ter Nähe, ich hör­te es im Traum, ich erin­ner­te es bei einer zwei­ten Begeg­nung sofort, als wäre das pfei­fen­de Flat­tern eine Stim­me, da war er noch ent­fernt, da sah ich sein zer­stör­tes Gesicht durch die Men­ge der Rei­sen­den näher­kom­men, sah sei­ne gleich­wohl vom Feu­er ver­seng­ten Hän­de, rosa leuch­ten­de Haut da und dort, die Ahnung einer Nase, sein Auge, das letz­te, gerö­tet von der Anstren­gung und vom Aus­druck der Dank­bar­keit, mit dem er jeden unter der Stadt rei­sen­den Men­schen bedach­te, sobald er sich Davids Geschich­te lesend näher­te, spre­chen­den Foto­gra­fien vor einer ruhig atmen­den Brust: Ich, ich habe in Bag­dad mein Gesicht ver­lo­ren in einer Sekun­de an einem Abend wie die­sem Abend, in einem Som­mer wie die­sem Som­mer. Und wie er jetzt wei­ter­geht, wie er die Stil­le mit sich nimmt. Auch ich habe kein Wort zu ihm gesagt, als ob ein Mann ohne Mund nicht hören kön­ne. — stop

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miniatur — world trade center

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oli­mam­bo : 0.02 — Ein Frau­en­we­sen spät­abends in der Sub­way Linie 1 süd­wärts. Voll­stän­dig in Weiß geklei­det, blau geschmink­ter Mund, hoch­ge­wach­se­ne, schma­le Sta­tur, fal­ten­lo­se Stirn, die bis hin an die Decke des Zuges reicht. Leicht gebeugt ver­harrt sie von Taschen umge­ben neben einer Tür in der eisi­gen Luft, erns­tes Gesicht, ver­schenkt Zet­tel, auf wel­chen je nur ein Wort, das Wort LOVE, hand­schrift­lich ver­zeich­net ist. Ihre hei­se­re Stim­me, die Laut­spre­cher­an­sa­gen wie­der­holt. stop. Echo­es. stop. Ladies and Gen­tle­men! Plea­se stay clear of the clo­sing doors. This is a local A‑Train. — stop
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vögel

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char­lie : 2.08 — Plötz­lich war er da, wie aus dem Nichts, der Jun­ge heut Nacht woher zurück­ge­kom­men. Knie­te auf einem Stuhl vor dem Bett, auf dem sei­ne Mut­ter ruh­te. Ein Arzt hat­te zu ihm gespro­chen, erklärt, wes­halb die Mut­ter so lan­ge Zei­ten schla­fen müs­se, die­sen merk­wür­di­gen Schlaf, Mona­te, Mona­te, Mona­te. Und dass die Mut­ter nicht ant­wor­ten, aber hören kön­ne, wenn man zu ihr spre­chen wür­de. Also erzähl­te der Jun­ge sei­ner Mut­ter von der Schu­le, vom Schnee, vom Ball­spiel, von damp­fen­den Loko­mo­ti­ven sei­ner Modell­ei­sen­bahn. Manch­mal flüs­ter­te er, beug­te sich hin zum schla­fen­den Ohr, erzähl­te von gehei­men Din­gen. Und von den Vögeln berich­te­te der klei­ne Mann, von Vögeln, die sehr nah gleich hin­ter dem Fens­ter an der Brüs­tung des Bal­kons ihre Schnä­bel wetz­ten. Vögel waren das, beson­de­re Vögel, sie hal­fen, wei­ter­zu­er­zäh­len, wenn ihm nichts ein­fal­len woll­te. Ein­mal hör­te ich, wie er einen Vogel erfand, ein Wesen, das allein durch Wör­ter für Sekun­den exis­tier­te, einen Vogel der Poe­sie. Sei­ne glo­cken­hel­le, auf­ge­reg­te Stim­me, sein erhitz­tes Gesicht, sei­ne müden Augen, sei­ne Hän­de, die die Luft beschrie­ben. — stop
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stille

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kili­man­dscha­ro : 1.58 — Flie­gen am Abend trau­rigs­ter Nach­richt, Zau­si­ge, die mit dem Was­ser spre­chen. Regen, sanf­ter Regen. Dei­ne fröh­li­che Stim­me. Wir Men­schen sind für letz­te Din­ge nicht gemacht. Dank­bar lausch ich wei­ter Ele­fan­ten­oh­ren­win­den nach. - für g.

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avenue of the americas

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india

~ : lou­is
to : dai­sy und vio­let hil­ton
sub­ject : AVENUE OF THE AMERICAS

Ich muss Euch nicht erzäh­len, wo ich mich gera­de befin­de, lie­be Vio­let, lie­be Dai­sy, ich höre Eue­re Stim­men, hör, wie Ihr scherzt, was macht er nun schon wie­der, war­um ist er ein­ge­schla­fen, das muss ein betäu­ben­des Buch gewe­sen sein. Jetzt also bin ich wach gewor­den. Ich notie­re die­se Sät­ze in dem Wis­sen, dass Ihr lesen wer­det, Zei­chen für Zei­chen, wie in die­sem Augen­blick erscheint, was ich schrei­be. Das Notie­ren ist so etwas wie das Sicht­bar­ma­chen des Den­kens, nicht wahr, so könn­ten wir das viel­leicht sagen. > …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… > Spa­zier­te in Eue­rer Ange­le­gen­heit, wie ver­spro­chen, durch Man­hat­tan. Ich hat­te mei­nen klei­nen Foto­ap­pa­rat in der Hand, stand mit­ten auf der Ave­nue of the Ame­ri­cas, um das neue Hip­po­drom-Gebäu­de abzu­lich­ten. Auch das wisst Ihr natür­lich, wie wir dann Rich­tung Bryant Park spa­zier­ten, unser Gespräch über gehei­me Ten­ta­keln der Bäu­me, die den Lärm der Stadt aus der Luft zu fan­gen schei­nen. Und mein Begeh­ren, gewiss, ein Eich­hörn­chen zu fan­gen, das war­me Licht des hupen­den Abends, mei­ne Über­le­gung, wie ich Euch eines Tages ein­mal per­sön­lich begeg­nen könn­te, und mein Ver­spre­chen, ein wei­te­res Eue­rer Jugend­bil­der zu sen­den. Was Euch nicht bekannt sein wird, weil ich’s nur dach­te, ich hat­te in all den gemein­sa­men Stun­den eine ver­we­ge­ne Fra­ge in mei­nem neu­gie­ri­gen Kopf. Nun, es ist kurz nach Mit­ter­nacht, wer­de ich die­se Fra­ge für Euch buch­sta­bie­ren, unsi­cher ein wenig, was gesche­hen wird, ob ich Euch nicht zu Nahe kom­me, sodass Ihr aus mei­nen Augen ver­schwin­den wer­det. Gebt gut acht! Es ist näm­lich so, dass ich mich fra­ge, wie auch immer die Räu­me beschaf­fen sind, die für Euch aus­ge­dacht, ob Ihr dort Oben für die Ewig­keit noch immer leib­lich mit­ein­an­der ver­wach­sen seid? – Euer Lou­is, sehr herz­lich, wünscht eine gute Nacht!

gesen­det am
18.05.2010
0.05 MESZ
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lou­is to dai­sy and violet »

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andrea faciu — touching the city

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hibis­kus : 18.02 — Fan­gen wir noch ein­mal von vorn an. Wie das ist, eine Stadt zu berüh­ren, tou­ch­ing the city. Die Hand einer Frau, gefilmt von einer Kame­ra, die sich in einer wei­te­ren Hand, der zwei­ten Hand der­sel­ben Frau befin­det, streicht über Häu­ser­wän­de, Klin­gel­knöp­fe, Brief­käs­ten, Namens­schil­der. Film­par­ti­kel, in einen ver­dun­kel­ten Raum getra­gen, wo sie sich wie­der­ho­len, ver­win­kelt zu zar­ten, beben­den Geräu­schen des Lichts. — In Flo­renz, an einem herbst­li­chen Abend, erzählt die Künst­le­rin Andrea Faciu der­art span­nend von ihrer Arbeit, dass ich einen Tag spä­ter mei­ne eige­nen Hän­de beob­ach­te, indem sie die Stadt Flo­renz berüh­ren. Die­se Hän­de nun tas­te­ten in New York nach der sil­ber­nen Haut eines Sub­way-Wag­gons, Ges­ten der Begrü­ßung viel­leicht. Da war eine mühe­voll gehen­de Frau gewe­sen, ich erin­ne­re mich, eine India­ne­rin unter einem Pon­cho, gebeugt von der Last einer Chris­tus­fi­gur, die sie durch einen Tun­nel nahe dem Times Squa­re schlepp­te. Ihre mur­melnd beten­de Stim­me. Chris­tus blink­te. — stop
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eine kleine physik

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char­lie : 0.02 — Zunächst Bil­der, dann Klän­ge. Die Erin­ne­rung des Gehörs scheint lang­sa­mer zu spie­len, als die Erin­ne­rung der Augen. Wie sich all­ge­mei­ne phy­si­ka­li­sche Geset­ze der Außen­welt in mei­nem Gehirn beru­hi­gend wie­der­fin­den. — Stel­len Sie sich vor, ich habe den gest­ri­gen Nach­mit­tag unter einem Regen­schirm zuge­bracht. So im Gehen im Was­ser, die Suche nach kleins­ten Par­ti­keln einer gro­ßen Stadt. Bin ich Ang­ler, bin ich Jäger, bin ich ein Domp­teur? Ob Eich­hörn­chen mit­tels Zun­gen­stim­men zuein­an­der spre­chen? — stop
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winde

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sier­ra : 0.02 — Ver­gan­ge­ne Nacht ein fei­ner Traum. Pen­del­te unter rie­si­ger Stadt in einem U‑Bahnzug. Kost­bar geschmück­te saßen zwi­schen zer­lump­ten Men­schen. Amei­sen pro­zes­sier­ten, kreis­run­de Papie­re in ihren Zan­gen, ein zer­teil­tes Buch durchs Abteil. Kin­der spiel­ten mit Ping­pong­bäl­len, feder­lo­se Täub­chen fackel­ten über offe­nen Koh­le­feu­ern. Und da waren Libel­len von vor­neh­mer Grö­ße, bit­ter duf­ten­de, blau­häu­ti­ge Tie­re, sie schweb­ten mit der rei­sen­den Luft. Nie wur­de Dun­kel im Zug, Jah­re fuh­ren wir so dahin, ohne je ein­mal anzu­hal­ten. Eine Laut­spre­cher­stim­me, schep­pernd, pfei­fend. Immer wie­der der­sel­be Satz: It was a wrong num­ber that star­ted it. – stop. — Mein Hand­no­tiz­com­pu­ter, so lei­se, so lei­se, dass ich mich zu ihm nei­ge, um sei­nen Wind wahr­neh­men zu kön­nen. — stop
ping

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standby

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nord­pol

~ : lou­is
to : Mr. jona­than noe kek­ko­la
sub­ject : STANDBY

Mein lie­ber Jona­than, Mitt­woch ist gewor­den, frü­her Mor­gen, höchs­te Zeit, eine Nach­richt zu über­mit­teln, die Sie viel­leicht trau­rig stim­men wird. Sie haben gehört, eine Insel nahe Grön­land spricht seit Tagen mit­tels Feu­er und Asche zur Welt. Ver­mut­lich wer­den Sie sich fra­gen, war­um ich Ihnen davon erzäh­le. Nun, der Him­mel über Euro­pa ist zu einem unsi­che­ren Ort gewor­den, Staub­stei­ne flie­gen durch die Luft in gro­ßer Höhe, es ist denk­bar, dass sich mei­ne Rei­se zu Ihnen nach Ame­ri­ka ver­zö­gern wird. Ich habe des­halb eine Bit­te an Sie, lie­ber Mr. Kek­ko­la, den drin­gen­den Wunsch habe ich, dass Sie selbst, soll­te ich im Mai, am 2. des Monats, nicht auf Coney Island erschei­nen, für mich dort sit­zen und den Hori­zont foto­gra­fie­ren wer­den, unse­re Ele­fan­ten, Sie ver­ste­hen, Spu­ren unse­rer Ele­fan­ten! Ich wäre Ihnen so sehr herz­lich dank­bar, mein lie­ber Freund. Machen Sie sich um Got­tes­wil­len unver­züg­lich auf den Weg! Bis bald, ich hof­fe, bis bald! STANDBY. – Ihr Lou­is. Ahoi ps. Besit­zen Sie eine Kamera?

gesen­det am
21.04.2010
6.22 MESZ
1002 zeichen

lou­is to jona­than
noe kekkola »



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