Aus der Wörtersammlung: geräusch

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ohren gebraten

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tan­go

~ : lou­is
to : dai­sy und vio­let hil­ton
sub­ject : OHREN

In der ver­gan­ge­nen Nacht hab ich von Euch geträumt. Hört zu! Wir spa­zier­ten am Atlan­tik an einem frü­hen Abend in der Däm­me­rung. Schnee war gefal­len. Eis schin­del­te in der Bucht vor Coney Island, ein ver­rück­tes Geräusch, eines, das ich nicht beschrei­ben kann, viel­leicht weil das Geräusch so flüch­tig gewe­sen war, dass ich nichts fest­hal­ten konn­te von sei­ner Sub­stanz in mei­ner Erin­ne­rung, obwohl uns das Geräusch über Stun­den beglei­te­te. Ihr hat­tet rote Stie­fel an den Füßen und wart in Pel­ze gewi­ckelt, viel zu groß, sodass man Euch kaum noch sehen konn­te. Ein­mal wach­te ich auf, sah mich im Zim­mer um, schlief dann sofort wei­ter, weil ich Eue­re hel­len Stim­men noch hören konn­te. Ihr hat­tet Euch in der Nähe einer fahr­ba­ren Bude in den Schnee gesetzt. Feu­er fla­cker­ten in Fäs­sern. Unweit lag ein Wal­fisch im Was­ser ohne Haut. Über den Flam­men schau­kel­ten Pfan­nen, in wel­chen mensch­li­che Ohr­mu­scheln in der Hit­ze saus­ten. Das Kra­chen, das Knis­tern des knusp­ri­gen Flei­sches zwi­schen unse­ren Zäh­nen beglei­te­te mich durch den ver­gan­ge­nen Tag, der ein Tag gewe­sen war, da ich bald stünd­lich die Gegen­wart mei­ner Wach­oh­ren prüf­te. Nie zuvor habe ich mir vor­zu­stel­len ver­sucht, wie ich selbst oder mei­ne Ohren, – nein, das ist schon eine ganz ande­re Geschich­te, die ich Euch nur dann erzäh­len wer­de, wenn Ihr mir schrei­ben soll­tet, dass ihr sie unbe­dingt hören wollt. Euer Lou­is, gute Nacht!

gesen­det am
27.05.2011
8.48 MESZ
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lou­is to dai­sy and violet »

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falterherzgeräusch

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echo : 7.08 — Fünf Stun­den habe ich in der ver­gan­ge­nen Nacht ver­geb­lich nach einer Ton­auf­nah­me in der Elek­tro­sphä­re gesucht, die das Geräusch eines schla­gen­den Fal­ter­her­zens ent­hält. — stop

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schweres wasser

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oli­mam­bo : 2.44 — Manch­mal suche ich nach der Ahnung eines Geräu­sches. Dann den­ke ich das Geräusch so lan­ge wei­ter, bis ich mich an das erfun­de­ne Geräusch erin­nern kann. stop. Regen­ge­räusch. stop. Das Geräusch eines Regens, der die Nacht­luft hellt. stop. Wei­ßes Rau­schen. stop. Oder das Geräusch trop­fen­der Regen. stop. Schwe­res Was­ser. stop. Tam­bu­ri­ne. stop. Es ist beru­hi­gend, über den Regen nach­zu­den­ken. stop. Sicht­ba­re, hör­ba­re, fühl­ba­re Regen im Kopf. — stop

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malta : schnüre von luft

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sier­ra : 15.08 – Heu­te Mor­gen, der Kof­fer lag bereits geöff­net auf dem Bett, konn­te ich wie­der das Was­ser hören, wies sich in nächs­ter Nähe beweg­te. Hat­te ein Ohr an eine Zim­mer­wand gelegt, da waren Stim­men, die sich mit dem Was­ser unter­hiel­ten, gedämpf­te Geräu­sche, Wör­ter, die ich noch nie zuvor ver­nom­men hat­te. War dann spa­zie­ren in den Schat­ten, habe Namen gesam­melt, Türen und ihre Far­ben, die Gestalt der Trep­pen, der Brief­käs­ten, der Fens­ter­räu­me, Men­schen­spu­ren, durch all­täg­li­che Bewe­gung der Jahr­hun­der­te in die Stein­haut der Stra­ßen ein­ge­tra­gen. Wil­de Lei­tun­gen kreuz­ten von Haus zu Haus. Ich stell­te mir vor, Schnü­re umman­tel­ter Luft, jedes Tele­fon sei mit wei­te­ren Tele­fo­nen durch je eine eige­ne Lei­tung ver­bun­den. Und da waren beleuch­te­te Chris­tus­fi­gu­ren an Häu­ser­ecken. Ein paar Jungs spiel­ten Fuß­ball gegen stärks­te Nei­gung des Bodens, mit einem Ball, der ost­wärts flüch­ten woll­te. Am Hafen hock­ten Män­ner auf leich­ten Stüh­len von Holz. Sie schau­kel­ten Ruten über kla­rem Was­ser, in dem kein Fisch zu sehen war. Lan­ge Zeit der Beob­ach­tung. Die Män­ner plau­der­ten in ihrer wei­chen mal­te­si­schen Spra­che, für einen Moment war mir gewe­sen, als ob sie durch Beschwö­rung, durch ihr Lachen, Fische erzeug­ten, die genau in dem Moment ihrer Ent­ste­hung sich in die war­ten­den Haken der Jäger ver­bis­sen, um auf der Stel­le in die Luft gezo­gen zu wer­den, Fische mit sil­ber­nen Bäu­chen, blau­en Rücken, gel­ben Augen, Erfin­dun­gen, wie Wör­ter aus dem Nichts, die sich zu Lini­en for­mie­ren und blei­ben. Dann wei­ter. — stop

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malta : carduelis carduelis, sanfter irrer

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india : 8.32 – Im Zucker­wa­ren­la­den in der Man­oel­street No 15 pen­delt über der Laden­the­ke ein höl­zer­ner Käfig, nicht grö­ßer als ein Schuh­kar­ton, in dem sich ein Stieg­litz befin­det, ein Männ­chen genau­er, das bis in den Abend hin­ein, ohne je eine Pau­se ein­zu­le­gen, sofort mit der Öff­nung des Ladens gegen acht Uhr mor­gens zu sin­gen beginnt. Das ist eine Art von Gesang, die kaum in Geräu­schwör­tern wie­der­ge­ge­ben wer­den kann, ich höre ein dudu­di­de oder ein didi­di­du oder ein tschirrrz­id. Der Käfig hängt dicht unter der gewölb­ten Decke. Er scheint sich stets in leich­ter Bewe­gung zu befin­den, obwohl kein Wind­zug zu spü­ren ist in den schat­ti­gen Räu­men. Eine schläf­ri­ge Frau sitzt dort hin­ter einem Tre­sen von Glas, unter dem mit Whis­key, Pini­en­ker­nen und Kir­schen gefüll­te Pron­jo­la­ta­ta­schen sorg­fäl­tig gesta­pelt lagern, Kas­ta­ni­en­tor­ten, Oran­gen­ku­chen, kan­dier­te Früch­te aller Art, und dar­über eben jener Vogel, der unent­wegt jubi­liert oder nach Hil­fe ruft. Er sitzt auf einer Stan­ge immer an der­sel­ben Stel­le, dreht oder neigt ein wenig sei­nen Kopf zur Sei­te hin und scheint die Bewe­gung sei­ner Woh­nung in der Luft, allein durch die Vibra­ti­on sei­nes Kör­pers im Gesang her­vor­zu­ru­fen. Manch­mal ver­schließt der Vogel mit­tels eines sil­ber­nen Häut­chens, das weit­ge­hend durch­sich­tig sein könn­te, ein Auge. Nach ein oder zwei Sekun­den nur ist er wie­der zurück. Er scheint auf­merk­sam zu beob­ach­ten, wie ich in mein Notiz­buch notie­re, was ich von ihm höre. Ein sanf­ter Irrer. — stop

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malta : fernaugen

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sier­ra : 15.02 – Roll­lä­den von ros­ti­gem Metall. Zer­bro­che­ne Leucht­schrift­zei­chen. Der Fuß­bo­den vor dem Laden mit schwar­zer Far­be beschmiert. Das Büro der Liby­en Air, trost­lo­se Aus­sicht, als hät­te ein gan­zes Land sei­ne Fern­au­gen für immer geschlos­sen. Gleich links und rechts des eiser­nen Lids sit­zen jun­ge Men­schen in Cafés. Diens­tag, frü­her Vor­mit­tag, Taxi­fah­rer lun­gern in der St Pius Street. Ich fol­ge einer Kat­ze, die ihrer­seits Gerü­chen, Geräu­schen, Bewe­gun­gen und wei­te­ren unsicht­ba­ren Spu­ren und Wün­schen folgt. Präch­ti­ges Tier, schwar­zes, zer­zaus­tes Fell, brei­ter Kopf, gel­be Augen. Sie scheint ihren Beob­ach­ter ange­nom­men zu haben, dreht sich immer wie­der ein­mal nach mir um, als wür­de sie mich in der Ver­fol­gung ermun­tern. Von der Repu­blik Street in die Wind­mill Street, dann nord­wärts die Mer­chant Street ent­lang. Schul­kin­der in Uni­for­men, ein paar älte­re Men­schen, Frau­en, Män­ner, in dunk­ler, fei­ner Klei­dung, klei­ne­re Läden, Süß­stof­fe im Halb­dun­kel. Mein Blick ein­mal zur Kat­ze hin, dann wie­der hin­auf zu den hän­gen­den Win­ter­gär­ten an den Fas­sa­den der alten Häu­ser, die schmal sind, ohne Zwi­schen­räu­me. In der Old Hos­pi­tal Street eine ver­wit­ter­te Tür, die sich im Wind leicht bewegt. Dort ver­schwin­det die Kat­ze. Wild­nis ohne Dach. Zitro­nen­bäu­me ent­kom­men dem Boden. An einer Wand, von Flech­ten besetzt, ein Ofen. Im Regal gleich dar­über, eine Tas­se von Por­zel­lan. — stop
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malta : lower barracca gardens

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india : 23.37 – Sams­tag. stop. Seit bald zwei Tagen kei­ne Zei­tung gele­sen. Über den wol­ken­lo­sen mal­te­si­schen Him­mel streu­nen Was­ser­flug­zeu­ge. Es ist heiß in der Son­ne, aber es weht ein ange­nehm küh­ler Wind durch die Gas­sen der alten Stadt. Habe in den Lower Bar­rac­ca Gar­dens Stun­den ver­sucht, selt­sam luf­ti­ge Wesen zu foto­gra­fie­ren, sie sind ohne Aus­nah­me, sobald ich auf den Aus­lö­ser drü­cke, Flüch­ten­de, das heißt, Abwe­sen­de, als ob sie mei­ne pla­nen­den Gedan­ken lesen könn­ten, segeln mit einem sir­ren­den Geräusch unter ver­wit­ter­ten Bäu­men davon, Gril­len viel­leicht, Gril­len­vö­gel, weil sie nicht sprin­gen, son­dern flie­gen, aber nicht von der Gestalt der Vögel, son­dern von der Gestalt der Insek­ten sind. Gold­gelb die Far­be ihres Kör­pers, wie die Stei­ne der Stadt so gold­gelb, für einen Moment dach­te ich, dass sie selbst stei­ner­ne Wesen sein könn­ten, dass sie den Wän­den der Häu­ser ent­kom­men, dass die Stadt in die­ser Wei­se in klei­nen Tei­len gegen die Abend­luft zu ent­wei­chen wünscht, eine Stadt kurz vor dem Abflug, aber noch nicht ent­schlos­sen, kehrt sie zurück, ehe die Son­ne ganz ver­schwun­den ist. Da sind Füh­ler an den flie­gen­den Stein­tie­ren befes­tigt, län­ger als ihr Haupt­kör­per sind sie, und hauch­dün­ne Segel­flü­gel, die Däm­me­rung vom Him­mel rufen. Lot­sen­schif­fe ver­las­sen den Hafen. Gegen Mit­ter­nacht wer­den sie zurück­kom­men, Tank­schif­fe, rie­si­gen gewäs­ser­ten Zep­pe­li­nen ähn­lich, im Schlepp. — stop

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malta : manoelstreet

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echo : 22.56 – Im Auf­zug des Hau­ses Man­oel­street No 8 sitzt eine Schne­cke mit gel­bem Gehäu­se auf dunk­lem Fur­nier. Bald wer­de ich erfah­ren, dass es von Höl­zern genom­men wur­de, die Eng­län­der vor lan­ger Zeit nach Mal­ta impor­tier­ten, Bäu­me die­ser Far­be wach­sen hier nicht aus der roten Insel­er­de, aber nied­ri­ge Oran­gen und Zitro­nen­ge­wäch­se. Wenn man abends im Wind, der von der See her in die Stadt spa­zie­ren kommt, in einem der klei­ne­ren Parks lan­ge genug war­tet, kann man die Früch­te fal­len hören, wei­che, seuf­zen­de Geräu­sche, kaum wahr­nehm­bar. — Spä­ter Abend. Wäh­rend der Fahrt vom Flug­ha­fen her in einem uralten Bus durch­ge­schüt­telt, habe ich ein Ohr ver­lo­ren. Ich tra­ge es behut­sam in der Hosen­ta­sche den Flur ent­lang zu mei­nem Zim­mer, das von war­mer Far­be ist, eine Tür, die von selbst ins Schloss fällt, ein Bal­kon hin zum Meer, irgend­wo da drau­ßen in der Dun­kel­heit soll es schon lan­ge exis­tie­ren. Still die Stadt an die­sem Abend, weni­ge Stim­men, klap­pern­de Töp­fe, die Glo­cken einer Kir­che zur vol­len Stun­de, nichts wei­ter. Wie ich mein Ohr betrach­te, das auf dem Bett liegt, noch immer knis­ternd vom Sturz­flug aus grö­ßer Höhe kurz nach Sizi­li­en unter Tur­bu­len­zen hin­durch, die­ser selt­sa­me Ein­druck eines Tage wäh­ren­den Zwi­schen­rau­mes, nicht mehr zu Hau­se und doch schon im Süden ange­kom­men, unwirk­lich, alles ist denk­bar. Seh mich nach Mit­ter­nacht über eine Kat­zen­stra­ße der Stadt Val­let­ta gehen. Das Meer aus nächs­ter Nähe, brau­send aus dem unend­li­chen, dunk­len Raum her­an, fried­lich an die­ser Stel­le zu die­ser Stun­de. — stop
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alesund

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romeo : 22.58 — Plötz­lich bin ich in Ale­sund am Meer. Mei­ne Arme lie­gen traum­wärts auf einem Tisch von Holz. Bäu­me wach­sen auf ihrer Haut, Regen­wäl­der, dicht. Wenn ich mich mit einem Ohr nähe­re, hör ich das Brül­len der Affen, das Sin­gen der Vögel. Blau­es, ewi­ges Licht. Die Erde steht still. Ein schnee­wei­ßes Schiff glei­tet geräusch­los am Pier vor­über. Eis­ber­ge schau­keln am Hori­zont. Wenn ich sie betrach­te, schla­fe ich auf der Stel­le ein. — stop

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