Aus der Wörtersammlung: sommer

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im juli

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echo : 0.10 UTC — Ein­mal, vor einem Jahr prä­zi­se, ging ich im Haus der alten Men­schen her­um. Da waren geöff­ne­te Türen, und da schau­te ich hin­ein in die Zim­mer. Ich beob­ach­te­te einen alten Mann, der vor sei­nem Roll­stuhl knie­te, und eine alte Dame mit schloh­wei­ßem Haar, die lag wie ein Mäd­chen, mit weit von sich gestreck­ten Armen und Bei­nen im Bett wie in einer Som­mer­wie­se. An einem wei­te­ren Tag beob­ach­te­te ich ein Bett, in des­sen Kis­sen­tie­fe ein klei­ner Mensch ruhen muss­te. Nur Hän­de waren von ihm zu sehen, die sich beweg­ten, die Schat­ten war­fen, die spiel­ten oder mit der Luft spra­chen, Stun­de um Stun­de, Tag für Tag. — Und jetzt ist ein Jahr spä­ter gewor­den, es ist Novem­ber, es ist Zeit zu berich­ten, dass der klei­ne unsicht­ba­re Mensch im August gestor­ben ist. Viel­leicht ist er an den Wir­kun­gen der Zeit gestor­ben oder aber in sei­nem Bett an den Fol­gen eines ohren­be­täu­ben­den Lärms, der auf ihn ein­wirk­te mona­te­lang, weil man das Haus über ihm um ein Dach­ge­schoss erwei­ter­te, wäh­rend er noch immer in sei­nem Bett lag. Aber das ist natür­lich nur eine Ver­mu­tung öder eine Befürch­tung oder eine Behaup­tung, nichts wei­ter. — stop

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unter freiem himmel

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sier­ra : 15.08 — Ich spa­zier­te im Park. Und wie ich so spa­zier­te, dach­te ich, viel­leicht bist Du schon 5105 Male durch die­sen Park spa­ziert, war­um nicht. Da ent­deck­te ich plötz­lich, dass jeder der Bäu­me des Parks zwei Meter über dem Boden ein Schild­chen trug an sei­nem Stamm. Zunächst ent­deck­te ich ein Schild­chen am rau­en Stamm einer Spott­nuss. Auf dem Schild­chen waren zwei Buch­sta­ben und fünf Zah­len ver­zeich­net, das könn­te ein Code sein, dach­te ich, dann ging ich wei­ter, um an dem Stamm einer Eibe ein ähn­li­ches Schild­chen zu bemer­ken. Wie­der waren zwei Buch­sta­ben und fünf Zah­len auf grü­nem Hin­ter­grund auf­ge­tra­gen. Eine Stun­de lang betrach­te­te ich Stäm­me der Bäu­me des Parks, Stäm­me der Rot­bu­chen, Bir­ken, Zwerg­nuss­kas­ta­ni­en, Erlen, Eichen und eines gewöhn­li­chen Trom­pe­ten­baums, sie alle waren mit einem Schild­chen von Metall ver­se­hen, Zif­fern, einem Schat­ten dem­zu­fol­ge, einem beson­de­ren Blick. Ver­mut­lich, dach­te ich, wird irgend­wo ein Buch oder ein digi­ta­les Ver­zeich­nis exis­tie­ren, in dem die Exis­tenz der Bäu­me fest­ge­hal­ten ist, ihre Namen mög­li­cher­wei­se und ihr Alter, viel­leicht auch, wie sich die Bäu­me beneh­men im Win­ter und im Som­mer. Zuletzt dach­te ich, dass ich even­tu­ell durch ein Muse­um spa­zie­re. Das den­ke ich noch immer. Win­ter ist gewor­den. — stop

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palanca

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echo : 22.52 UTC — Abends von der Vapo­ret­to­sta­ti­on Palan­ca her die Küs­te nach Zitel­le spa­ziert, dann wie­der ein klei­nes Stück zurück. Es ist bald spät gewor­den, kurz nach 10 Uhr. Lang­sam, von Schlep­pern gezo­gen, bewegt sich in die­sem Augen­blick das Per­so­nen­fracht­schiff Queen Mary 2 durch den Giudec­ca Canal ost­wärts in Rich­tung des offe­nen Mee­res. Da ste­hen Men­schen weit oben an Deck hin­ter der Reling, die so klein sind, dass man, ohne ein Fern­rohr zu ver­wen­den, nicht zu erken­nen ver­mag, ob sie viel­leicht win­ken, man könn­te sie für arm­lo­se Wesen hal­ten. Weit links, zur Sei­te gerückt in den Schat­ten einer Brüs­tung, hockt auf einer Stu­fe der Stein­trep­pe zur Chie­sa del San­tis­si­mo Reden­to­re hin­auf, eine jun­ge Frau, die etwas durch­ein­an­der zu sein scheint. Da ist ein Kof­fer, geöff­net. Sie hat den Inhalt des Kof­fers, Klei­der, Schu­he, einen blin­ken­den Kamm, und Blu­sen, auch einen Som­mer­hut, um sich her­um aus­ge­brei­tet. Sie sitzt dort im Kreis ihrer Besitz­tü­mer wie in einem Nest, trinkt aus einer Fla­sche Wein, und flucht mit­tels ita­lie­ni­scher Spra­che zu dem Schiff hin­auf, dass es eine wah­re Freu­de ist. Man wird sie dort oben in der Fer­ne kaum hören, nur ich ver­mut­lich, der in ihrer Nähe hockt und das Was­ser beob­ach­tet, das dun­kel schim­mert. Es die Zeit der Flut bereits. Das Was­ser berührt die Kro­nen der Quais, da und dort geht es an Land, um über das uralte Pflas­ter zu zün­geln. Eine Grup­pe von Amei­sen­schat­ten pas­siert mich west­wärts, eine hal­be Stun­de spä­ter kom­men sie mit ein paar Bro­sa­men zurück. Bestän­di­ges Brum­men. Ges­tern war ein son­ni­ger Mor­gen gewe­sen, da wur­de ich von einem hel­len Pfei­fen geweckt. Ich öff­ne­te das Fens­ter, eine Frau grüß­te vom gegen­über­lie­gen­den Haus her­über, sie brach­te an einem Seil, das ein Räd­chen an der Fas­sa­de mei­nes Hau­ses beweg­te, gera­de feuch­te Tücher aus, so haben wir Kin­der noch Seil­bah­nen von Haus zu Haus gezo­gen. — stop

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sommerhüte

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alpha : 2.08 UTC — An einem war­men Som­mer­abend war­ten Men­schen vor einem Markt auf Bän­ken. Einer nach dem ande­ren tritt in den Laden und kommt bald je mit einer Was­ser­me­lo­ne zurück. Man sitzt dann wie­der auf der Bank, hal­biert die küh­le Frucht, löf­felt sie aus und setzt sich das Scha­len­ge­häu­se auf den Kopf. So gesche­hen in einer mit­tel­eu­ro­päi­schen Stadt an einem Sams­tag gegen zehn Uhr am Abend. — stop

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papiere

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del­ta : 22.58 UTC — In die­sem Moment, da die Tem­pe­ra­tur der Luft 38 °C erreicht, darf ich einen Text zitie­ren, den ich vor Jah­ren bereits notier­te. Er han­delt von Eis­pa­pie­ren und von einem beson­de­ren Kühl­schrank, den ich damals in Emp­fang genom­men hat­te, von einem Behäl­ter enor­mer Grö­ße. Ich schrieb, ich wieder­hole, dass die­ser Kühl­schrank, in wel­chem ich pla­ne im Som­mer wie auch im Win­ter kost­bare Eisbü­cher zu stu­die­ren, eigent­lich ein Zim­mer für sich dar­stellt, ein gekühl­tes Zim­mer, das wie­der­um in einem höl­zer­nen Zim­mer sitzt, das sich selbst in einem grö­ße­ren Stadt­haus befin­det. Nicht dass ich in der Lage wäre, in mei­nem Kühl­schrank­zimmer auf und ab zu gehen, aber es ist groß genug, um einen Stuhl in ihm unter­zu­bringen und eine Lam­pe und ein klei­nes Regal, in dem ich je zwei oder drei mei­ner Eisbü­cher aus­stel­len wer­de. Dort, in nächs­ter Nähe zu Stuhl und Regal, habe ich einen wei­te­ren klei­neren, äußerst kal­ten, einen sehr gut iso­lier­ten Kühl­schrank aufge­stellt, einen Kühl­schrank im Kühl­schrank sozu­sagen, der von einem Notstrom­ag­gregat mit Ener­gie ver­sorgt wer­den könn­te, damit ich in den Momen­ten eines Strom­aus­falles ausrei­chend Zeit haben wür­de, jedes ein­zel­ne mei­ner Eisbü­cher in Sicher­heit zu brin­gen. Es ist näm­lich eine uner­träg­liche Vorstel­lung, jene Vorstel­lung war­mer Luft, wie sie mei­ne Bücher berührt, wie sie nach und nach vor mei­nen Augen zu schmel­zen begin­nen, all die zar­ten Sei­ten von Eis, ihre Zei­chen, ihre Geschich­ten. Seit ich den­ken kann, woll­te ich Eisbü­cher besit­zen, Eisbü­cher lesen, schim­mernde, küh­le, uralte Bücher, die knis­tern, sobald sie aus ihrem Schnee­schuber glei­ten. Wie man sie für Sekun­den liebe­voll betrach­tet, ihre pola­re Dich­te bewun­dert, wie man sie dreht und wen­det, wie man einen scheu­en Blick auf die Tex­tu­ren ihrer Gaszei­chen wirft. Bald sitzt man in einer U‑Bahn, den lei­se sum­men­den Eisbuch­rei­se­koffer auf dem Schoß, man sieht sich um, man bemerkt die begeis­terten Bli­cke der Fahr­gäste, wie sie flüs­tern: Seht, dort ist einer, der ein Eis­buch besitzt! Schaut, die­ser glück­liche Mensch, gleich wird er lesen in sei­nem Buch. Was dort wohl hinein­ge­schrieben sein mag? Man soll­te sich fürch­ten, man wird sei­nen Eisbuch­rei­se­koffer viel­leicht etwas fes­ter umar­men und man wird mit einem wil­den, mit einem entschlos­senen Blick, ein gie­ri­ges Auge, nach dem ande­ren gegen den Boden zwin­gen, solan­ge man nicht ange­kommen ist in den fros­tigen Zim­mern und Hal­len der Eisma­ga­zine, wo man sich auf Eis­stüh­len vor Eisti­sche set­zen kann. Hier end­lich ist Zeit, unter dem Pelz wird nicht gefro­ren, hier sitzt man mit wei­te­ren Eisbuch­be­sit­zern ver­traut. Man erzählt sich die neu­es­ten arkti­schen Tief­se­ee­is­ge­schichten, auch jene verlo­renen Geschich­ten, die aus purer Unacht­sam­keit im Lau­fe eines Tages, einer Woche zu Was­ser gewor­den sind: Haben sie schon gehört? Nein! Haben sie nicht? Und doch ist kei­ne Zeit für alle die­se Din­ge. Es ist immer die ers­te Sei­te, die zu öff­nen, man fürch­tet, sie könn­te zerbre­chen. Aber dann kommt man schnell vor­an. Man liest von uner­hörten Gestal­ten, und könn­te doch nie­mals sagen, von wem nur die­se fei­ne Luft­eis­schrift erfun­den wor­den ist. – stop

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radar

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juli­ett : 0.08 UTC — Wenn die alte Dame, sie trägt einen Som­mer­hut auf dem Kopf, in ihrem Roll­stuhl sit­zend erwacht und ihre flin­ken Augen öff­net, fragt sich alle Welt, was sie wohl sehen und den­ken mag. — stop

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von grammophonen

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marim­ba : 18.52 UTC — Ein­mal gehe ich im Traum eine Stra­ße spa­zie­ren. Da und dort Waren­häu­ser und Läden, schön warm beleuch­tet, selt­sa­mer­wei­se ohne Aus­nah­me Schall­plat­ten­lä­den. Gram­mo­pho­ne sind zu erken­nen, ganz alte Kis­ten. Plötz­lich kommt mein Bru­der auf einem Fahr­rad vor­bei, kurz dar­auf Vater im Roll­stuhl sehr kraft­voll. Er leuch­tet vor Begeis­te­rung, die­se Geschwin­dig­keit, er ist unge­heu­er geschickt mit sei­nem Stuhl. Der Roll­stuhl ist von Kirsch­baum­holz, er blüht. Bald sind Vater und Bru­der in einer Sei­ten­stra­ße ver­schwun­den. — Kurz nach­dem ich erwacht war, erzähl­te ich Mut­ter mei­nen Traum, er gefiel ihr. Jetzt sitzt sie selbst im Roll­stuhl. Wenn die­ser, ihr klei­ner Roll­stuhl doch nur blü­hen wür­de, es ist Mai, sie trägt einen Som­mer­hut und schläft. — stop

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luftsprache

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alpha : 22.12 UTC – Ich spa­zier­te im Haus der alten Men­schen. Da waren geöff­ne­te Türen, und da schau­te ich hin­ein in die Zim­mer. Ich beob­ach­te­te einen alten Mann, der vor sei­nem Roll­stuhl knie­te, und eine alte Dame mit schloh­wei­ßem Haar, die lag wie ein Mäd­chen, mit weit von sich gestreck­ten Armen und Bei­nen im Bett wie in einer Som­mer­wie­se. Ein­mal beob­ach­te­te ich ein ande­res Bett, in des­sen Kis­sen­tie­fe ein klei­ner Mensch ruhen muss­te. Nur Hän­de waren von ihm zu sehen, die sich beweg­ten, die Schat­ten war­fen, die spiel­ten oder mit der Luft spra­chen, Stun­de um Stun­de, Tag für Tag, Jahr ver­mut­lich um Jahr. — stop

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gregorina

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del­ta : 8.02 UTC — Ich hör­te im Radio heu­te Mor­gen, in Finn­land soll ein­fach nur anwe­send zu sein bereits als Kom­mu­ni­ka­ti­on wahr­ge­nom­men wer­den. — Vor den Fens­tern im Süden fällt Schnee. Im Haus der alten Men­schen läuft ein Mäd­chen her­um, das Gre­go­ri­na heißt. Sie ist tat­säch­lich anwe­send im Kopf einer alten Dame, sie läuft über die Flu­re von Zim­mer zu Zim­mer. Plötz­lich ist Som­mer gewor­den, in den Zim­mern blü­hen Apfel­bäu­me, und das klei­ne Mäd­chen, das 70 Jah­re alt gewor­den sein muss, hüpft her­um und singt, wes­halb die alte Dame, die Gre­go­ri­na wahr­neh­men kann, und auch die Apfel­bäu­me, vol­ler Glück ist, weil Gre­go­ri­na zu Besuch gekom­men. Sie sagt: Schau, ist das nicht wun­der­bar, sie ist noch immer so wie damals, Gre­go­ri­na. Gut, dass wir die Apfel­bäu­me her­ein­ge­holt haben. Es ist kalt drau­ßen, glau­be ich. Komm, ich will auf­ste­hen. — stop
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von kevin und liesl im zug

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tan­go : 22.52 UTC — Ich hör­te, er hei­ße Kevin. Er sag­te, er sei ohne Dach über dem Kopf. Auch im Som­mer oder im Herbst sei das Leben nicht leicht, im Som­mer habe er viel Durst, im Herbst fürch­te er sich vor dem Win­ter. Er wür­de gern sei­ne Geschich­te erzäh­len, war­um er so arm gewor­den sei, dass er kei­ne Woh­nung habe und nichts zu essen. Wenn Kevin spricht, ist sei­ne Stim­me wun­der­schön anzu­hö­ren. Es ist eine Stim­me, die gut sin­gen könn­te, ein Tenor viel­leicht. Nur das mit Kevins Geschich­te ist so eine Sache, ich höre Kevins Lebens­ge­schich­te seit Anfang des Jah­res im Mor­gen­schnell­zug zum Flug­ha­fen immer wie­der. Ich soll­te sagen, Kevin erzählt täg­lich eine ande­re Geschich­te, er ist im Grun­de ein guter Erzäh­ler, und auch ein guter Erfin­der. Im Win­ter erzählt er Win­ter­ge­schich­ten, im Som­mer Som­mer­ge­schich­ten. Ges­tern wur­de Kevin von einer jun­gen, mage­ren Frau beglei­tet. Sie war sehr schmut­zig. Kevin erzähl­te ihr, dass ich ihm manch­mal etwas Geld geben wür­de oder eine Bre­zel, auch dass ich auf­schrei­ben wür­de, was er berich­te. Sie setz­ten sich neben mich. Die jun­ge Frau sag­te: Wenn man träumt, ist man im Inne­ren wach und warm. Am Flug­ha­fen stie­gen bei­de mit mir aus. Wir spra­chen eine hal­be Stun­de. Der Bahn­hof war wie­der ein­mal undicht. Regen kam von der Decke. Das Licht war teil­wei­se aus­ge­fal­len, an den Wän­den saßen ein paar dicke Krö­ten. Sie schnapp­ten mit arm­lan­gen Zun­gen nach Tau­ben, die über den Bahn­steig segel­ten. Ich hör­te, das Kno­chen­ge­spenst an Kevins Sei­te soll Lie­se­lot­te hei­ßen, sehr selt­sam die­ser Name für eine recht jun­ge Per­son. Ich erfuhr, dass sie Lite­ra­tur­wis­sen­schaf­ten in Lon­don stu­dier­te, sie mag gern lesen, aber sie kom­me nicht dazu, weil sie das Bild ihres Vaters in sich tra­ge, der immer­zu betrun­ken war, ein schmer­zen­des Bild, das hell vor ihr leuch­te. Ich weiß jetzt, Bil­der eines betrun­ke­nen Vaters zu ver­dun­keln, erfor­dert unge­heu­re Kraft und Aus­dau­er. Lie­se­lot­te kann des­halb seit einem Jahr­zehnt nicht schla­fen. Sie mag Kevin, der so schö­ne Geschich­ten erzählt, dass sie bei­de von sei­nen Geschich­ten ein wenig wei­ter­le­ben kön­nen. Es ist jetzt Abend. — stop



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