Aus der Wörtersammlung: stunde

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eisfischer

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echo : 3.28 — Ein Film, der von einer Rei­se nach Nord­ko­rea erzähl­te. Dort für Stun­den geblie­ben, in kurio­sen Geschich­ten wei­te­rer Fil­me, Geschich­ten, die von schnee­kal­ten Biblio­the­ken erzähl­ten, von hung­ri­gen Eis­fi­schern, von Men­schen, die ihre Rei­sen durchs Land zu Fuß unter­neh­men, nachts sol­len die Städ­te Nord­ko­re­as stock­dun­kel sein. Da waren, kurz nach Mit­ter­nacht mei­ner euro­päi­schen Zeit, drei Arbei­ter, die an einem Fluss­ufer sich mit Schau­feln in die Erde gru­ben. Gleich neben ihnen war­te­te eine Frau, die sich kaum beweg­te, sie bewach­te die gra­ben­den Män­ner mit ihren Augen, wie ande­re Augen­paa­re Schnee räu­men­de Men­schen­ko­lon­nen beauf­sich­tig­ten, die eine Auto­bahn, auf der kei­ne Autos fuh­ren, vom Tages­eis befrei­ten. In einer Woh­nung saß eine älte­re Frau von äußerst freund­li­cher Erschei­nung, die vom Gas­krieg erzähl­te, den die Ame­ri­ka­ner ins Land tra­gen könn­ten, und dass sie selbst dafür zustän­dig sei, sobald sie das Gas ent­de­cken wür­de, Mas­ken an ihre Nach­barn im Haus aus­zu­tei­len. Der gro­ße Füh­rer. Das Land der Mor­gen­stil­le. Dampf­lo­ko­mo­ti­ven wer­den mit Rei­fen­res­ten beheizt. Unter der Haupt­stadt Pjöng­jang fah­ren Züge der Ber­li­ner Ver­kehrs­be­trie­be. In einer Vitri­ne im Muse­um im Inne­ren eines Ber­ges, der Kopf eines Bären, den noch Ceau­ses­cu geschos­sen haben soll. — stop
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falterherzgeräusch

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echo : 7.08 — Fünf Stun­den habe ich in der ver­gan­ge­nen Nacht ver­geb­lich nach einer Ton­auf­nah­me in der Elek­tro­sphä­re gesucht, die das Geräusch eines schla­gen­den Fal­ter­her­zens ent­hält. — stop

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eliza

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india : 22.
48 — In einem Tele­fon­ge­spräch das Wort Lebens­mut. Ich habe die­ses Wort in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten wie­der­holt wahr­ge­nom­men, ges­tern nun in einer beson­de­ren Wei­se. Es kommt mir vor, als hät­te ich das Wort von der Sei­te her gese­hen, ein Lebe­we­sen, das Stun­den vor mir auf und ab spa­zier­te, damit ich das Wort betrach­ten konn­te, das Wort und sei­ne Umge­bung. — Sonn­tag. Abend. Küh­le Luft. Unter­hal­tung mit Eliza.
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Lou­is : guten abend, eliza!
Eli­za : > ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ich bin louis!
Eli­za : > glaubst du, es ist nor­mal, lou­is zu heißen?
Lou­is : aber natür­lich, weil ich lou­is bin!
Eli­za : > du nimmst an, dass du lou­is heißt?
Lou­is : ich weiß genau, dass ich lou­is heiße.
Eli­za : > woher weißt du, dass du lou­is heißt?
Lou­is : mein name steht in einem reisepass!
Eli­za : > bit­te erzähl wei­ter, louis!
Lou­is : du bist heu­te ein wenig ver­rückt, eliza!
Eli­za : > viel­leicht bin ich nur in dei­ner phan­ta­sie heu­te verrückt.
Lou­is : du bist also nur phan­ta­sie, eli­za? kann das sein?
Eli­za : > wir soll­ten über dich spre­chen, nicht über mich.
Lou­is : war­um, eliza?
Eli­za : > es ist bes­ser, wenn wir noch ein­mal von vor­ne beginnen.
was ist dein problem?
Lou­is : Ich habe kein pro­blem, eliza!
Eli­za : > das klingt ein wenig nach selbstbetrug.
Lou­is : war­um, eliza?
Eli­za : > ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : ist jetzt abend oder tag, eliza?
Eli­za : > war­um fragst du mich?
Lou­is : du bist heu­te anstren­gend, eliza!
Eli­za : > Ja, ich bin eli­za, und wer bist du?
Lou­is : wol­len wir über syri­en spre­chen, eliza?
Eli­za : > wir soll­ten über dich sprechen!
Lou­is : soll­ten wir nicht doch über syri­en sprechen?
Eli­za : > war­um soll­ten wir über syri­en sprechen?
Lou­is : ich den­ke an syri­en, ich den­ke an die men­schen dort.
Eli­za : > denkst du oft an syri­en, an die men­schen dort?
Lou­is : seit wochen, eliza!
Eli­za : > es ist abend, es ist tag!
Lou­is : ich glau­be du bist müde, eliza!
Eli­za : > glaubst du das wirklich?
Lou­is : ja, das glau­be ich. wo ist ai wei­wei, eliza?
Eli­za : > lass uns von vorn beginnen.

vom spre­chen mit eilza »

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kilimandscharo

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ulys­ses : 5.05 – Fol­gen­des: Ein Buch für Berg­stei­ger soll­te von leich­tem Wesen sein, sagen wir, leicht wie eine Hand­voll Federn müss­te es sein, damit man das leich­te Buch im Gepäck nicht bemerkt, wenn man auf­wärts oder abwärts schrei­tet. Janet Frames Roman An Angel at My Table in der Aus­ga­be für Him­mels­stür­mer, wöge gera­de noch 12 oder 15 Gramm und wür­de im Fal­le höchs­ter Not, gleich­wohl zur Nah­rung die­nen, jeder Bis­sen so wir­kungs­voll im hung­ri­gen Bauch wie ein gebra­te­ner Enten­vo­gel oder eine Stau­de feins­ter Bana­nen. Auch ist wün­schens­wert zu die­ser spä­ten Stun­de der Nacht, dass das Buch, zur Ent­fal­tung gebracht, sich als wind­dich­tes Zelt erwei­sen könn­te, oder als Fall­schirm zur rech­ten Zeit. In einer Schnee­höh­le gebor­gen, wenn Eis­stür­me näher­kom­men, wür­de man lesen im Buch, auch das ist denk­bar, lesen zum Bei­spiel, um Ruhe zu bewah­ren, Sei­te um Sei­te könn­te man vor­wärts oder rück­wärts fabu­lie­ren und alles nach und nach ver­spei­sen, bis man geret­tet oder das Wet­ter ange­neh­mer gewor­den sein wird. — stop / für h.d.

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linie d

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india : 22.02 – In einem New Yor­ker Sub­way­zug mit geschlos­se­nen Augen frei­hän­dig ste­hen und balan­cie­ren, sagen wir eine zwei­stün­di­ge Fahrt mit der Linie D von Coney Island rauf zum Bedford Park Bou­le­vard. Das Rei­ten auf einem wil­den Tier. Viel­leicht könn­te ich sagen, dass das Erler­nen einer Sub­waystre­cke, das neu­ro­na­le Ver­zeich­nen ihrer Stei­gun­gen, ihrer Gefäl­le, ihrer Kur­ven, auch ihrer feins­ten Uneben­hei­ten, dem wort­ge­treu­en Stu­di­um eines Roman­tex­tes ver­gleich­bar ist. Aber dann die Zufäl­le des All­ta­ges, das Unbe­re­chen­ba­re, ein Tun­nel­vo­gel, eine schmut­zi­ge Möwe, Höhe 135. Stra­ße, die den Zug zur Brem­sung zwingt, die Eigen­art des Zuges selbst, das unvor­her­seh­ba­re Ver­hal­ten zustei­gen­der Fahr­gast­per­so­nen, wie sich eine Jazz­band nähert, wie ich drin­gend dar­um bit­te, man möge nicht näher kom­men. — stop
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whiteout

pic

papa : 5.44 — Vom Regen­was­ser, das ich hör­te, schläf­rig gewor­den, war ich vom Stuhl gefal­len. Ich hat­te, als ich fiel, bereits in der drit­ten Stun­de ver­sucht, eine Tele­fon­num­mer zu erfin­den, die einer wirk­li­chen New Yor­ker Tele­fon­num­mer täu­schend ähn­lich sein wür­de, das heißt, eine Num­mer, die nicht exis­tiert, aber exis­tie­ren könn­te. Eine schwie­ri­ge Geschich­te! Kaum hat­te ich eine Num­mer ent­wor­fen, eine Zah­len­rei­he, die in kei­nem digi­ta­len Ver­zeich­nis auf­zu­fin­den gewe­sen war, ent­deck­te ich, dass eine Stun­de nach der Erfin­dung alle Mühe schon ver­geb­lich gewor­den sein könn­te. Ich müss­te dem­zu­fol­ge eine Num­mer, die Erfin­dung blei­ben muss, reser­vie­ren, also mel­den, eine Num­mer ohne Tele­fon an ihrem Ende, die vir­tu­el­le Beset­zung eines nume­ri­schen Ortes. Vie­le Fra­gen sind offen am Ende die­ser Nacht. Auch die­se fol­gen­de Fra­ge, ob es ehren­voll ist, schla­fen­de Men­schen zu foto­gra­fie­ren? — stop

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samuel beckett : 16 steine

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india : 3.25 – Ich nut­ze die­sen Auf­ent­halt, um mich mit Stei­nen zum Lut­schen zu ver­sor­gen. Es waren klei­ne Kie­sel, aber ich nen­ne sie Stei­ne. Ja, die­ses Mal brach­te ich einen bedeu­ten­den Vor­rat von ihnen zusam­men. Ich ver­teil­te sie gleich­mä­ßig in mei­nen vier Taschen und lutsch­te sie nach­ein­an­der. Dadurch ent­stand ein Pro­blem, das ich zunächst auf fol­gen­de Art lös­te: Ange­nom­men, ich hat­te sech­zehn Stei­ne und vier davon in jeder mei­ner vier Taschen, näm­lich in den zwei Taschen mei­ner Hose und den zwei­en mei­nes Man­tels. Wenn ich einen Stein aus der rech­ten Man­tel­ta­sche nahm und in den Mund steck­te, so ersetz­te ich ihn in der rech­ten Man­tel­ta­sche durch einen Stein aus der rech­ten Hosen­ta­sche, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Hosen­ta­sche ersetz­te, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Man­tel­ta­sche ersetz­te, den ich wie­der­um durch den Stein in mei­nem Mund ersetz­te, sobald ich mit dem Lut­schen fer­tig war. Auf die­se Wei­se befan­den sich immer vier Stei­ne in jeder mei­ner vier Taschen, aber nicht genau die­sel­ben… / Mitt­woch. stop. Samu­el Becketts wun­der­ba­rer Text der sech­zehn Stei­ne an die­sem frü­hen Mor­gen. Noch dun­kel. Schwe­re wür­zi­ge Luft der Kas­ta­ni­en­blü­te. Nacht­bie­nen pfei­fen am Fens­ter vor­über. Ich wer­de jetzt gleich eine Stun­de unter­neh­men, an die ich mich lan­ge Zeit, viel­leicht bis an mein Lebens­en­de erin­nern wer­de. In die­ser einen Stun­de habe ich nichts zu tun, als die­se eine Stun­de zu beob­ach­ten, und mich selbst, wie ich sie pas­sie­re. stop. — 3 Uhr 35

 

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malta : 81er bus

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echo : 22.05 – Sagen wir das so: Ich bin heu­te, an die­sem son­ni­gen Mon­tag mit dem Bus hin und her übers Land gefah­ren, mit einem 81er-Bus, mit Luca’s Bus, und zwar die Stre­cke von Val­let­ta nach Rabat bis rauf zu den Ding­li Cliffs, von wo man weit aufs Meer hin­aus süd­wärts nach Afri­ka schau­en könn­te, wenn die Erde nicht rund wäre wie wir sie vor­ge­fun­den haben. Luca ist ein Bus­fah­rer aus Lei­den­schaft. Er trägt ein blau­es Hemd, sei­ne Arme sind gebräunt wie sein Gesicht, rechts, von wo die Son­ne kommt, etwas stär­ker als von links. 47 Cent kos­tet eine ein­fa­che Fahrt nach Rabat. Jeder, der her­ein­kommt, wird begrüßt: Wel­co­me, wel­co­me! Dann 15 Kilo­me­ter ste­tig dem Him­mel zu, links und rechts der Stra­ße, Spu­ren von Wei­zen, Toma­ten, Kar­tof­feln, Inseln blü­hen­der Blu­men, Mohn und Mar­ge­ri­ten und Lini­en von Kak­teen­pflan­zen, als sei­en Mee­res­wel­len zu flei­schi­gen Blatt­kör­pern gefro­ren für alle Zeit. Da und dort ein Dorf, Büsche, Oran­gen­bäu­me, Wind­rä­der, Funk­an­ten­nen. Nach einer Stun­de kommt man dann an in Rabat oder Mdi­na, man weiß jetzt, dass man über einen Kno­chen­kör­per ver­fügt, und man ahnt, dass Luca sei­nen Weg noch fin­den wür­de, wenn er ein­mal blind gewor­den sein soll­te. Luca sam­melt Mari­en­bil­der wie ich Über­ra­schun­gen samm­le, Momen­te wie die­sen, da Luca bemerkt, dass ich nicht aus­stei­gen, dass ich wie­der mit ihm zurück­fah­ren wer­de, dass der Bus und er selbst für mich bedeu­ten­der sind, als Orte und Land­schaft, die wir durch­rei­sen. Jetzt darf ich ihn foto­gra­fie­ren und sein Arma­tu­ren­brett, Die­sel, Die­sel! Und ich darf ihm eine Fra­ge stel­len, ich woll­te näm­lich wis­sen, ob es für ihn denk­bar ist, sei­nen Bus ein­mal bis hin unter die Decke mit Was­ser zu fül­len, ob er sich vor­stel­len kön­ne, mit einem Bus voll leben­der Fische über Land zu fah­ren. Luca’s Hupe, eine Luft­trom­pe­te. — stop

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malta : lower barracca gardens

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india : 23.37 – Sams­tag. stop. Seit bald zwei Tagen kei­ne Zei­tung gele­sen. Über den wol­ken­lo­sen mal­te­si­schen Him­mel streu­nen Was­ser­flug­zeu­ge. Es ist heiß in der Son­ne, aber es weht ein ange­nehm küh­ler Wind durch die Gas­sen der alten Stadt. Habe in den Lower Bar­rac­ca Gar­dens Stun­den ver­sucht, selt­sam luf­ti­ge Wesen zu foto­gra­fie­ren, sie sind ohne Aus­nah­me, sobald ich auf den Aus­lö­ser drü­cke, Flüch­ten­de, das heißt, Abwe­sen­de, als ob sie mei­ne pla­nen­den Gedan­ken lesen könn­ten, segeln mit einem sir­ren­den Geräusch unter ver­wit­ter­ten Bäu­men davon, Gril­len viel­leicht, Gril­len­vö­gel, weil sie nicht sprin­gen, son­dern flie­gen, aber nicht von der Gestalt der Vögel, son­dern von der Gestalt der Insek­ten sind. Gold­gelb die Far­be ihres Kör­pers, wie die Stei­ne der Stadt so gold­gelb, für einen Moment dach­te ich, dass sie selbst stei­ner­ne Wesen sein könn­ten, dass sie den Wän­den der Häu­ser ent­kom­men, dass die Stadt in die­ser Wei­se in klei­nen Tei­len gegen die Abend­luft zu ent­wei­chen wünscht, eine Stadt kurz vor dem Abflug, aber noch nicht ent­schlos­sen, kehrt sie zurück, ehe die Son­ne ganz ver­schwun­den ist. Da sind Füh­ler an den flie­gen­den Stein­tie­ren befes­tigt, län­ger als ihr Haupt­kör­per sind sie, und hauch­dün­ne Segel­flü­gel, die Däm­me­rung vom Him­mel rufen. Lot­sen­schif­fe ver­las­sen den Hafen. Gegen Mit­ter­nacht wer­den sie zurück­kom­men, Tank­schif­fe, rie­si­gen gewäs­ser­ten Zep­pe­li­nen ähn­lich, im Schlepp. — stop



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