Aus der Wörtersammlung: gerade

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apfel

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echo : 0.10 UTC — Ich hat­te an einem Abend der ver­gan­ge­nen Woche mein Fern­seh­ge­rät aus­ge­schal­tet, war in die Küche getre­ten, um Schne­cke Esme­ral­da zu beob­ach­ten, wie sie einen Apfel zunächst umrun­de­te, sich dann auf­rich­te­te samt ihrem Gehäu­se und auf den Apfel klet­ter­te. Eine Bewe­gung, die gera­de­zu wag­hal­sig anmu­te­te. Es reg­ne­te. Ich wur­de schläf­rig. Um kurz vor Mit­ter­nacht klin­gel­te das Tele­fon. Jemand war in der Lei­tung, sprach aber nicht, atme­te nur. Ich hör­te eine Wei­le zu, und ich dach­te, dass Atem eine schö­ne Spra­che ist, aber auch etwas unheim­lich. Also kehr­te ich zu Esme­ral­da zurück, die nun auf dem Apfel hock­te, als wäre der Apfel ein Stuhl oder ein Sofa. Wie so häu­fig nachts las ich Esme­ral­da einen ver­schlüs­sel­ten Nach­rich­ten­text vor. Ich habe näm­lich bemerkt, dass Esme­ral­da sehr auf­merk­sam wird, sobald ich ihr kryp­ti­sche Tex­te vor­tra­ge, erstaun­lich, da Schne­cken doch gehör­los sein sol­len. In die­sem Fall, es war nicht leicht gewe­sen, las ich T.C.Boyle: Nfjof muvoh jtu tfis fout­di­j­fe­fo- bcfs xbt oýu{u ft@ Jdi cjo gýs Gsbvfosfdiuf/ Jdi cjo gýs Vnxfmutdivu{/ Jdi cjo gýs Nvmujlvmuvsbmjtnvt/ Jdi cjo gýs Cjmevoh/ Ejf wjfmfo Nfot­di­fo bvt efs Bsc­f­jufslmbttf- ejf jdi lfoof- tjoe qpmjujt­di sbe­jlbm boefsfs Botj­diu bmt jdi/ Ejf VTB tjoe fjo hft­qb­muf­oft Mboe/ Jdi lpnnf tfmc­tu bvt efs Bsc­f­jufslmbttf- voe jdi mfcf fjo­fo hspà­fo Ufjm nfjofs [fju jo efo lbm­jgpsojt­di­fo Cfsh­fo- xp wjfmf tph­fo­boouf Sfeofdlt mfcfo/ Jdi mjf­cf ejftf Nfot­di­fo- wjfmf wpo jio­fo tjoe joufmm­jh­fou voe fjogýimtbn/ Bcfs jo qpmjujt­di­fo Gsbh­fo ibc­fo tjf tjdi usbvs­jhfsx­fjtf hbo{ voe hbs nbo­j­qvm­jfs­fo mbttfo/ Ebc­fj xfse­fo hfs­bef tjf ejf Pqgfs wpo Usvn­qt Qpmju­jl tfjo voe bn nfjtu­fo voufs jis {v mfje­fo ibcfo/ Xfoo qsj­wjmfh­jf­suf Bnf­sjlb­ofs xjf jdi ovs hfnåà jis­fo xjsut­dibgumj­di­fo Joufsftt­fo hfxåi­mu iåu­ufo- eboo iåu­ufo xjs Usvnq hfxåi­mu- xfjm fs ejf Tufvf­so tfol­fo xjmm voe ebgýs tps­hu- ebtt xjs votfs Hfme cfibmufo/ Bcfs jdi xåimf efo Lboe­je­bu­fo- eftt­fo Ibmu­voh jdi gýs sjdi­ujh ibmuf- voe ojdiu efo- efs njs Qspgju csjohu/ Jdi cjo Qbusjpu/ — stop

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ABOUT ESMERLADA / ENDE

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max

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char­lie : 20.45 UTC — Ich habe mei­nen Freund Max besucht, der in Mün­chen wohnt in der Bri­en­ner­stra­ße unter dem Dach in einem Loft, das der­art weit­räu­mig ist, dass man dar­in Hal­len­fuß­ball spie­len könn­te. Sei­ne Vögel, zwei Kaka­dus, flie­gen dort gern frei her­um, sie sol­len, so Max, nie­mals bis­lang irgend­ei­nen Scha­den an sei­nen Möbeln ange­rich­tet haben. Das liegt viel­leicht auch dar­an, dass Max’ Vögel mög­li­cher­wei­se nicht ganz echt sind, ich mei­ne, dass sie küh­le Tie­re von äußerst leich­tem Metall sein könn­ten unter dich­tem Feder­kleid ver­bor­gen, dass sie also nur vor­ge­ben, Vögel zu sein, wäh­rend sie viel­mehr Droh­nen sind, die sich von Max’ Com­pu­ter gesteu­ert durch die Woh­nung bewe­gen, als wären sie natür­li­che Wesen. Ich habe bei­de Tie­re immer nur im Flug beob­ach­tet, nie aus nächs­ter Nähe, denn wenn sie ein­mal nicht flie­gen, sit­zen sie in einem Käfig, der dicht unter der Decke des Rau­mes uner­reich­bar weit ent­fernt mon­tiert wur­de. Wun­der­ba­re Algo­rith­men steu­ern den Flug der Kaka­dus, auch ihre Gesprä­che, die sie bestän­dig füh­ren. Es ist spät gewor­den, eigent­lich woll­te ich eine ganz ande­re Geschich­te erzäh­len, von Max’ Com­pu­ter, der über eine Tas­te für Cap­puc­ci­no ver­fü­gen soll. Die­se Geschich­te wer­de ich im nächs­ten Jahr erzäh­len. — stop

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eine lampe

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nord­pol : 10.28 UTC — Ges­tern, ehe ich das Haus der alten Men­schen besuch­te, dach­te ich noch, das Alt­wer­den, das Alt- oder Uralt­sein habe mit Unru­he zu tun, mit Schlaf, des­sen Zeit­räu­me kür­zer und kür­zer wer­den. Heu­te nun wür­de ich sagen, das Alt- oder Uralt­sein hat etwas mit Schlaf über lan­ge Zeit­räu­me hin­zu­tun, auf einem rol­len­den Stuhl sit­zen und schla­fen oder däm­mern. Da war wie­der eine Frau im Licht einer gel­ben Lam­pe, die im Wohn­saal vor einem Tisch saß und einen Tele­fon­hö­rer in der Hand hielt. Der Tele­fon­hö­rer war mit einem Tele­fon mit Wähl­schei­be ver­bun­den, ein der­art altes Tele­fon, dass man, um eine Num­mer zu wäh­len, eine krei­sen­de Bewe­gung aus­füh­ren muss. Die­ses Tele­fon nun war nicht mit der Wand in Ver­bin­dung, viel­mehr rag­te aus dem Gehäu­se des Tele­fons ein kur­zes Stück Kabel, das anzeig­te, dass das Tele­fon ein­mal tat­säch­lich mit der elek­tri­schen Welt ver­bun­den gewe­sen war. Als ich an der alten tele­fo­nie­ren­den Dame vor­bei­kam, dach­te ich für einen Moment, viel­leicht liest ihr gera­de jemand vor, viel­leicht Hra­bal, der aus sei­nem Roman Ich habe den eng­li­schen König bedient zitiert. Es wird Herbst, in jeder Hin­sicht. 288P, ein Dop­pel­as­te­ro­id, wur­de ent­deckt. Hur­ri­ka­ne Maria ver­wüs­tet die Kari­bik. Mr. Un droht mit Was­ser­stoff­bom­ben­test. — stop

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zwergseerose no 2

9

nord­pol : 0.02 UTC — Als ich heu­te Mor­gen erwach­te, knis­ter­te mein lin­kes Ohr. Das war ver­mut­lich dar­um gewe­sen, weil ich auf mei­nem lin­ken Ohr meh­re­re Stun­den lang träu­mend ruh­te. Für einen Moment dach­te ich, mei­ne Ohr­mu­schel wäre von Papier gemacht. Wäh­rend ich so lag und lausch­te, erin­ner­te mich an eine Geschich­te, die ich in einem schat­tigen Laden nahe der Roose­velt Island Tram­way Basis­sta­tion West in New York vor län­ge­rer Zeit erleb­te. Ich erzähl­te bereits von dem alten Mann, der hin­ter einem Tre­sen auf Kun­den war­te­te. Er war vermut­lich ameri­ka­ni­scher Staats­bürger, doch eher chine­si­schen Ursprungs. Als ich von dem klei­nen Park her, des­sen Linden­bäume Küh­le spen­deten, in den Laden trat, ver­beug­te sich der Mann, grüß­te, er kann­te mich bereits, wuss­te, dass ich mich für Schne­cken inter­es­siere, für Wasser­schne­cken prä­zi­se, auch für wan­dern­de Seeane­mo­nen­bäume, und für Pra­li­nen, die unter der Wasser­ober­fläche, also im Was­ser, hübsch anzu­sehen sind, schwe­bende Versu­chungen, ohne sich je von selbst aufzu­lösen. An die­sem hei­ßen Sommer­abend kamen wir sofort ins Gespräch. Ich erzähl­te dem alten Mann, ich wür­de nach einem beson­deren Geschenk suchen für ein Kiemen­mäd­chen namens Rose. Sie sei zehn Jah­re alt und nicht sehr glück­lich, da sie schon lan­ge Zeit den Wunsch ver­spür­te, wie ande­re Kin­der ihres Alters zur Schu­le zu gehen, leib­haftig am Unter­richt teil­zu­nehmen, nicht über einen Bild­schirm mit einem fer­nen Klas­sen­raum ver­bun­den. Ich glau­be, ich war genau zu dem rich­tigen Zeit­punkt in den Laden gekom­men, denn der alte, chine­sisch wir­ken­de Mann, freu­te sich. Er mach­te einen hel­len, pfei­fenden Ton, ver­schwand in sei­nen Maga­zinen, um kurz dar­auf eine Rei­he von Spiel­dosen auf dem Tre­sen abzu­stellen. Das waren Wal­zen- und Loch­plat­ten­spiel­dosen mit Kurbel­werken, die der Ladung einer Feder­span­nung dien­ten. Vor einer Stun­de gelie­fert, sag­te der alte Mann, sie machen schau­er­lich schö­ne Geräu­sche im Was­ser! Man kön­ne, setz­te er hin­zu, sofern man sich in dem­sel­ben Was­ser der Spiel­dosen befän­de, die fei­nen Stö­ße ihrer mecha­ni­schen Wer­ke über­all auf dem Kör­per spü­ren. Bald leg­te er eine der Dosen in ein Aqua­rium ab, in wel­chem Zwerg­see­rosen sie­del­ten. Kurz dar­auf fuhr ich mit der Tram nach Roose­velt Island rüber. Das Musik­werk, Ben­ny Good­man, das ich für Rose erstan­den hat­te, war in das Gehäu­se einer Jakobs­mu­schel ver­senkt. Die Schne­cke leb­te, wes­we­gen ich tropf­te, weil der Beu­tel, in dem ich Roses Geschenk trans­por­tierte, über eine undich­te Stel­le ver­füg­te. Gegen Mitter­nacht, ich war gera­de einge­schlafen, öff­ne­te tief in mei­nem rech­ten Ohr knis­ternd eine Zwerg­see­rose ihre Blü­te. – stop

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ein aquarium

9

tan­go : 22.02 UTC — Bob erzählt von einem Aqua­ri­um, kei­nem gewöhn­li­chen Aqua­ri­um, viel­mehr einem Aqua­ri­um, das ihm einer­seits gehö­ren, ande­rer­seits sehr weit ent­fernt sein soll, näm­lich bei­na­he auf der ande­ren Sei­te der Welt, in Thai­land in einem Vor­ort der Stadt Bang­kok in einem Café neben einer Tank­stel­le mit Gar­ten, in wel­chem Orchi­deen auf Bäu­men wach­sen. Auch Vögel sol­len dort im Gar­ten zahl­reich leben, und Kin­der spie­len, weil sich in der Nähe eine Schu­le befin­det. Er selbst, erzählt Bob, sei in die­se Schu­le gegan­gen, habe Eng­lisch gelernt und Mathe­ma­tik, gera­de in Mathe­ma­tik soll er gut gewe­sen sein. Jetzt lebt er also in Euro­pa und besucht eine Uni­ver­si­tät, um die Spra­che der Com­pu­ter­ma­schi­nen zu stu­die­ren. Das Café, das mei­ner Mut­ter gehört, und auch ein wenig mir selbst, läuft gut, sagt Bob, wir kön­nen von unse­ren Ein­künf­ten gut leben. Ich brau­che ja nicht viel Geld hier, klei­nes Zim­mer. Er holt sein Tele­fon aus der Hosen­ta­sche, tippt ein wenig auf dem Bild­schirm her­um, dann reicht er mir das klei­ne, fla­che Gerät über den Tisch. Schau, sagt er, das ist mein Café, das ist mei­ne Mut­ter in Echt­zeit, es ist gera­de frü­her Mor­gen, sie berei­tet sich auf ers­te Gäs­te vor, die kom­men bald. Tat­säch­lich erken­ne ich auf dem Bild­schirm eine älte­re Frau, die auf einem Brett von Holz irgend­wel­che Pflan­zen zer­teilt. Bob nimmt mir das Tele­fon kurz aus der Hand, tippt noch ein­mal auf den Bild­schirm. Nun sind Fische anstatt sei­ner Mut­ter zu sehen. Das ist mein Aqua­ri­um, sagt Bob, lei­der nur in schwarz-wei­ßer Far­be. Sie sind ziem­lich bunt. Zwei von ihnen habe ich selbst gefan­gen im ver­gan­ge­nen Win­ter. Es ist ein Salz­was­ser­aqua­ri­um. Gleich wird mei­ne Mut­ter die Fische füt­tern. Solan­ge kön­nen wir war­ten. — stop
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nasengeschichte

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echo : 22.56 UTC — Auf mei­ner Nase wur­de zufäl­lig ein Haar ent­deckt, ein Haar für sich, ein ein­zel­nes Haar, kein Bewuchs in dem Sin­ne von Wald, aber doch eben ein Haar wie ein Baum. Kurz nach­dem ich die Mel­dung von der Ent­de­ckung des Haa­res ent­ge­gen­ge­nom­men hat­te, habe ich das Haar ent­fernt, kein Schmerz, aber Ver­wun­de­rung, weil ich doch sehr lan­ge Zeit ohne Haar auf mei­ner Nase leb­te. Ich frag­te mich, wie ich die­ses Haar über­se­hen konn­te, es soll sich um ein durch­aus gut sicht­ba­res Haar gehan­delt haben, ein sil­ber­grau­es Gewächs. Nun also mor­gens fort­an der kon­trol­lie­ren­de Blick zu mei­ner Nasen­spit­ze hin. Eigent­lich woll­te ich eine ganz ande­re Geschich­te erzäh­len an einem Tag, da die Bör­sen­kur­se stür­zen, weil sich der 49. Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka in einer Wei­se äußer­te, dass man für mög­lich hält, er könn­te Atom­waf­fen zün­den. — stop

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auf hoher see

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bamako : 15.08 UTC — Ich hör­te von einem adop­tier­ten Jun­gen, der ger­ne den Nach­na­men sei­ner Nach­barn anneh­men möch­te. Sei­ne neu­en Eltern hei­ßen näm­lich Sim­bar­ski — Koh­le­berg, oder so ähn­lich, sei­ne Nach­barn Weber. Er selbst heißt Tobi­as, mit Vor­na­men, sein ursprüng­li­cher soma­li­scher Name ist unbe­kannt, er habe ihn, sagt er, ver­ges­sen, er wis­se nicht war­um, sein Name sei irgend­wo auf der Flucht ver­lo­ren gegan­gen. Spä­ter ein­mal will er Fluss­schiff­ka­pi­tän wer­den. Der Jun­ge meint eines die­ser gro­ßen Boo­te, die Pas­sa­gie­re beför­dern, er will eine wei­ße Uni­form tra­gen und auf sei­nem eige­nen Schiff zur See fah­ren. Zur­zeit arbei­tet er noch als Brief­trä­ger, er ist gera­de 20 Jah­re alt gewor­den. Er berich­tet, dass er in der ers­ten Stadt, in der er in Euro­pa wohn­te, nicht ver­stan­den habe, was Fahr­rad­we­ge sind, er habe sie für Flücht­lings­we­ge gehal­ten, wäh­rend die Ein­hei­mi­schen auf Bür­ger­stei­gen spa­zie­ren. — stop

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im aufzug

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sier­ra : 22.01 UTC — Stel­len Sie sich vor, ich war in einem Auf­zug gewe­sen, der nicht wei­ter­fuhr, weder nach oben noch nach unten, kei­ner­lei Bewe­gung, eine eigent­lich harm­lo­se Geschich­te, aber ich war nicht allein in dem Auf­zug, wir waren zu fünft, zum Glück nur zu fünft, nicht etwa zu siebt oder zu acht, dann wäre wirk­lich Ernst gewor­den. Da waren also ich und vier wei­te­re Per­so­nen, die ich noch nie zuvor gese­hen hat­te, Per­so­nen von der Art, von wel­chen man sagen könn­te, dass sie nicht gera­de freund­li­che Men­schen sind. Ich wür­de sogar sagen, sie waren in ihrem Auf­tre­ten unhöf­li­che Wesen, ich kann das beur­tei­len, ich war der ers­te in dem Auf­zug gewe­sen, alle wei­te­ren vier Per­so­nen kamen etwas spä­ter hin­zu, tra­ten in die Auf­zug­ka­bi­ne her­ein, ohne zu grü­ßen. Den ers­ten Herrn grüß­te ich noch, aber bei dem zwei­ten Herrn war ich schon vor­sich­tig gewe­sen, ich grüß­te ihn nicht, viel­leicht wird der vier­te Besu­cher des Auf­zu­ges dem­zu­fol­ge gedacht haben, was sind das nur für unfreund­li­che Men­schen an die­sem Ort, weil wir drei, die vor ihm im Auf­zug gewe­sen waren, uns bereits ärger­ten, des­halb ent­spre­chen­de Gesich­ter zeig­ten. Wir hat­ten kein Glück, so könn­te man das viel­leicht sagen, auch die Besu­cher vier und fünf waren kei­ne Froh­na­tu­ren, sie tra­ten her­ein, beob­ach­te­ten, was da für Men­schen sich im Auf­zug befan­den, und sag­ten sich ver­mut­lich, wir wer­den schwei­gen, weil alle schwei­gen. Dann blieb der Auf­zug also ste­hen, ohne dass sich eine Tür geöff­net haben wür­de, das Licht ging aus, auch die Anzei­gen der Stock­wer­ke, wir stan­den im Dun­keln. Unver­züg­lich hol­ten wir unse­re Dienst­te­le­fo­ne aus den Taschen, es wur­de Licht, fünf Gesich­ter, die beleuch­tet waren, ängst­li­che Gesich­ter, weil wir ahn­ten, dass wir uns nicht moch­ten, dass wir unfreund­li­che Men­schen waren, die ver­mu­te­ten, dass sofort oder in Kür­ze etwas Schreck­li­ches gesche­hen könn­te. — stop

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feldX ∣ 285 ∣

9

echo : 17.12 UTC — Wie vie­le Arbeits­schrit­te, die von Zufalls­ge­nera­to­ren gesteu­ert sind, wer­den im Zah­len­kör­per eines Algo­rith­mus not­wen­dig sein, um sein Han­deln bei län­ge­rer Beob­ach­tung als Ver­hal­ten eines kom­ple­xen Lebe­we­sens wahr­neh­men zu kön­nen? Eine selt­sa­me Fra­ge viel­leicht. Ich habe an die­sem Nach­mit­tag bemerkt, dass das Erfin­den dif­fi­zi­ler Fra­gen Freu­de berei­tet, gera­de auch dann, wenn ich sicher sein kann, dass ich eine erfun­de­ne Fra­ge selbst nie­mals zu beant­wor­ten ver­mag. — Spä­ter Nach­mit­tag: Lust auf eine Fla­sche küh­ler Tibet­luft. — stop

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sumatra petit

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india : 21.05 UTC — Es ist der 22. Juni, Abend. 30 °C Wär­me im Arbeits­zim­mer, 88 Pro­zent Luft­feuch­te, mei­ne Schreib­ma­schi­ne, die so eben noch von einem Schirm­samm­ler erzähl­te, schnauft vor sich hin, jeder wei­te­re Satz scheint ihr Pro­zes­sor­herz auf­zu­re­gen. Ich selbst habe längst auf­ge­hört zu atmen, habe mei­ne Kie­men­schäch­te, die links und rechts hin­ter mei­nen klei­nen Ohren im Ver­bor­ge­nen lie­gen, geöff­net, nun bin ich ganz auf der siche­ren Sei­te. Mein Tele­fon­hö­rer ruht neben Lutz Sei­ler Zeit­waa­ge, ein Buch, das ich zur Stun­de kaum wage anzu­fas­sen, es konn­te zer­fal­len. Über­haupt bin ich heu­te ein wenig lang­sam in der Auf­nah­me der Wör­ter, ich lese sozu­sa­gen Buch­sta­be um Buch­sta­be vor­an. Über mei­nem Sofa haben sich drei Wol­ken­tür­me gebil­det, die bald blit­zen wer­den, ich ken­ne das schon, es blitzt und dann wird es reg­nen, die­sen wun­der­ba­ren Regen aus mei­nen Zim­mer­wol­ken, der nach Veil­chen duf­tet, ich weiß noch immer nicht war­um. Auf dem Fens­ter­brett ein Zei­sig, es ist kurz nach neun Uhr, Miles Davis So What, wir tau­chen. — stop
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