esmeralda

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tan­go : 22.08 — Vor zwei Tagen, später Nach­mit­tag, über­re­ichte mir ein schw­er atmender Bote ein Päckchen, auf dessen Anschriften­seite mit wuchti­gen Druck­buch­staben eine Anweisung notiert wor­den war: Do not shake! Der junge Mann, vielle­icht um mich zu war­nen, deutete auf die Schachtel in sein­er Hand und sagte: Ich rieche, dass in diesem Päckchen etwas lebt! Und schon war er wieder auf der Treppe ver­schwun­den. Tat­säch­lich han­delte es sich bei dem Päckchen um einen Lebend­trans­port, der in der ital­ienis­chen Hafen­stadt Tala­m­one aufgegeben wor­den war. Eine Sch­necke hock­te in ein­er per­fori­erten Schachtel geduckt unter welken Blät­tern. Als ich das kleine Tier vor­sichtig auf einen Teller set­zte, machte es zunächst einen sehr müden, erschöpften Ein­druck. Sein Haus schien bald vom Kör­p­er zu rutschen, auch wurde kein­er­lei Fluchtver­such unter­nom­men, stattdessen saß die Sch­necke nahezu ohne Bewe­gung und schaute mich an. Selb­st, als ich mich mit einem Fin­ger näherte, zog sie sich nicht in ihr Kalkgewinde zurück. Eine halbe Stunde lang betra­chteten wir uns geduldig. Dann war später Abend gewor­den, ich hat­te mehrfach tele­foniert, der Sch­necke ein Apfel­stückchen ange­boten, das Pack­pa­pi­er, in welch­es die Sendung eingeschla­gen gewe­sen war, auf der Suche nach ein­er Botschaft oder einem Absender, einge­hend unter­sucht, und war dann kurz spazieren gegan­gen. Indessen hat­te sich die Sch­necke in Rich­tung der Süd­wand mein­er Küche in Bewe­gung geset­zt, war von dort aus, eine schim­mernde Spur hin­ter­lassend, weit­er zur Diele hin gewan­dert, erre­ichte dort den Boden, um eine halbe Stunde später mein Arbeit­sz­im­mer zu betreten. Der­art leise war die Sch­necke weit­erge­zo­gen, dass ich sie beina­he vergessen hätte. Dann war Sam­stag, der Sam­stag verg­ing, zwei weit­ere Stückchen Apfel, und es wurde Son­ntag und wieder Abend und es begann zu reg­nen. In diesem Moment sitzt die Sch­necke einen hal­ben Meter hoch über dem Fuß­bo­den an der Wand meines Wohnz­im­mers. Sie scheint zu schlafen. Wiederum ist sie nicht in ihrem Häuschen ver­schwun­den, was höchst merk­würdig ist. — stop

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polaroidanemonen

batavia

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gink­go : 22.16 — Ich bin nahe daran, mich an die Exis­tenz der Sch­necke Esmer­al­da zu gewöh­nen, die am 20. Okto­ber in der Gestalt eines Geschenks zu mir gekom­men war. Es ist so, dass ich nun behut­sam durch meine Woh­nung laufe, auch niemals im Dunkeln, Esmer­al­da kön­nte vielle­icht ger­ade über den Boden wan­dern. Alle Türen ste­hen offen, manch­mal muss ich län­gere Zeit nach der kleinen Sch­necke suchen. Heute Mor­gen saß sie an der Decke meines Arbeit­sz­im­mers, das war zum ersten Mal, ich ent­deck­te sie nach ein­er Stunde, ich hat­te sog­ar hin­ter den Kühlschrank geschaut, einen Tisch, drei Lam­p­en, Stüh­le und zwei Kom­mod­en ver­rückt. Eine Sch­necke mit einem Sch­neck­en­haus auf dem Rück­en, erscheint als äußerst zer­brech­lich­es Wesen, ger­ade dann, wenn sie über einem Abgrund wan­delt. Eine halbe Stunde begleit­ete ich Esmer­al­da auf ihrem Weg von Ost nach West. Ich hörte, wie ich mit ihr sprach. Esmer­al­da, sagte ich, Esmer­al­da! Hielt indessen einen Hut in der Hand, um Esmer­al­da im Not­fall auf­fan­gen zu kön­nen. Gegen den Abend zu, sie hat­te eine Weile in einem Meter Höhe an der Wand neben meinen Büch­ern aus­geruht, erre­ichte sie den Boden, kroch von West nach Ost quer durch mein Zim­mer, um an der gegenüber­liegen­den Wand wieder zur Decke hin aufzusteigen. Ich lock­te mit einem Stückchen Apfel, verge­blich. Ich zog Esmer­al­da an ihrem Häuschen von der Wand, set­zte sie in der Küche neben einem Blatt Batavi­asalates ab, auch das war nicht erfol­gre­ich gewe­sen. Esmer­al­da wen­dete unverzüglich, klet­terte vom Tisch, um am späten Abend genau jenen Ort wieder zu erre­ichen, den sie zuvor ein­genom­men hat­te. Nach wie vor wun­dere ich mich darüber, dass Esmer­al­da ihr Gehäuse wie ein Schmuck­stück auf dem Rück­en zu tra­gen pflegt. Ich habe noch nie wahrgenom­men, dass sie sich in ihr Häuschen zurück­ge­zo­gen hätte. Ihr Kör­p­er ist feucht, ihre Stielau­gen sinken manch­mal zu Boden, das ist der Moment, da sie zu schlafen scheint. — stop

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nüsse. 20 gramm

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oli­mam­bo : 0.15 — Als ich unlängst von ein­er Reise zurück­kehrte, ent­deck­te ich Esmer­al­da auf dem Rah­men der Tür zum Arbeit­sz­im­mer. Die kleine Sch­necke hock­te genau dort, wo ich sie vor mein­er Abreise zulet­zt gese­hen hat­te. Vielle­icht kon­nte sie das Gewicht mein­er Schritte auf der Treppe spüren, ihre Füh­ler­au­gen jeden­falls waren bere­its aus­ge­fahren, als ich die Tür zur Woh­nung öffnete. Esmer­al­da schien den heimkehren­den Mann in aller Ruhe zu betra­cht­en. Ich über­legte, kaum hat­te ich die Woh­nung betreten, ob es möglich sein kön­nte, dass sich das Sch­neck­en­we­sen in der Zeit mein­er Abwe­sen­heit nicht von der Stelle bewegt haben kön­nte. Geschälte Pekan­nüsse, die ich im Dezem­ber noch in Küche und Diele auf den Boden legte, waren unberührt. Nun aber, da ich meinen Kof­fer aus­pack­te, rührte sich Esmer­al­da. Sie schien an Gewicht ver­loren zu haben, war in ihrer Wan­derung  jedoch so schnell wie üblich, weshalb ich behaupten möchte, dass Esmer­al­da keinen Schaden genom­men haben dürfte. Nach ein­er Weile erre­ichte sie das Arbeit­sz­im­mer und klet­terte unverzüglich zur Decke empor, um direkt über meinem geöffneten Kof­fer Platz zu nehmen. Dort ver­weilte sie für mehrere Stun­den, auch als ich meinen Kof­fer längst entleert und das Licht im Zim­mer aus­geschal­tet hat­te, rührte sie sich nicht. Direkt unter ihr, auf dem Sofa, lagen ein Paar Hand­schuhe und ein Notizbuch. Gegen Mit­ter­nacht meldete sich L. Er berichtete, er habe einen Auf­trag angenom­men, näm­lich in die Gegend von Narvik zu reisen, um zwei­hun­dert tiefge­frorene Seen, die noch ohne Namen sein sollen, zu beze­ich­nen. Als ich kurz darauf in mein Arbeit­sz­im­mer zurück­kehrte, genau in dem Moment, da ich das Licht anschal­tete, liess Esmer­al­da sich von der Decke fall­en. Sie lan­dete weich auf meinen Hand­schuhen. Ein unglaublich­er Anblick, es schien, als würde die Sch­necke in drastis­ch­er Weise mit mir kom­mu­nizieren. Indem ich sie in die Luft hob, ver­suchte sie verge­blich, sich in ihr Haus zurück­zuziehen. Jet­zt wieder Ruhe. Nebel­nacht. — stop

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ein unfall

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whiskey : 3.05 — Es war gestern Nacht um kurz nach drei Uhr, da ist etwas Schreck­lich­es geschehen. Eine Kaf­fee­tasse fiel mir aus der Hand in genau dem Moment, da ich Esmer­al­da auf dem Weg von der Küche in mein Arbeit­sz­im­mer passierte. Die kleine Sch­necke war mir auf dem Fuß­bo­den ent­ge­gengekom­men, vielle­icht wollte sie nach­se­hen, wo ich geblieben war. Natür­lich wurde sie von der Tasse getrof­fen, ich hörte ein helles Geräusch, die Tasse zer­brach, Kaf­fee spritzte gegen die Wände, und ich dachte, dass Esmer­al­da diesen Unfall nicht über­lebt haben kön­nte. Ich rief: Esmer­al­da! Um Him­mel­swillen! Und ging in die Knie. Aber anstatt eines Kalk­stein­scher­ben­haufens, fand ich eine äußer­lich voll­ständig intak­te Sch­necke vor, die sich allerd­ings nicht bewegte, ver­mut­lich deshalb, weil sie erschrock­en gewe­sen war. Ich hob sie vor­sichtig auf, set­zte sie in der Küche auf einen Teller und wartete. Es dauerte unge­fähr drei Stun­den, bis Esmer­al­da wieder Zeichen von Leben zeigte. In dieser Zeit wich ich nicht von ihrer Seite, berührte sie immer wieder vor­sichtig, um sie zu weck­en, redete ihr gut zu, ein­mal entschuldigte ich mich für meine Unacht­samkeit. Esmer­al­das Kör­p­er schien in meinen Augen heller gewor­den zu sein, er schim­merte, plöt­zlich streck­te sie einen Füh­ler nach mir aus und so war ich unverzüglich wieder glück­lich gewor­den. Sei­ther sind beina­he 24 Stun­den ver­gan­gen. Ich kann in diesem Augen­blick noch nicht sagen, ob Esmer­al­das Krise über­standen ist, denn sie ver­hält sich weit­er­hin merk­würdig, kriecht den Rand des Tellers ent­lang, ohne eine Pause einzule­gen, immer im Kreis herum, immer im Kreis herum. Zeitweise fol­gte ich ihr mit ein­er Lupe, um ihr Gehäuse nach Bruch­spuren zu unter­suchen. Nicht der kle­in­ste Riss war zu erken­nen, nicht ein­mal ein Abrieb, ich kon­nte den Ort, da die Tasse auf ihrem Gehäuse zer­schellte nicht find­en. Und so läuft Esmer­al­da immer weit­er im Kreis herum. — stop

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ohne radioradar

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nord­pol : 1.55 — Eine stille Arbeit­snacht. Auf dem Tisch in der hölz­er­nen Küche unterm Dach stapeln sich Ton­spulen, die ich nach Zeit­punkt der Auf­nahme oder den Namen der Per­so­n­en, die ich befragte sortierte: Katin­ka 1 — 3. Vor weni­gen Minuten war ich kurz eingeschlafen, ohne vom Stuhl zu fall­en. Bal­ance scheint möglich zu sein, oder ich habe nicht sehr tief geschlafen. Als ich erwachte, saß Esmer­al­da vor mir auf dem Tisch. Sie betra­chtete mich. Ihre Füh­ler­au­gen bewegten sich äußerst langsam auf und ab. Dann set­zte sie sich in Bewe­gung, wen­dete sich ein­er Banane zu, die auf dem Teller lag, dort schien sie bald eingeschlafen zu sein. Ich kann sie derzeit berühren, ihren schim­mern­den Leib, sie flüchtet nicht, sie ist kühl und sie riecht nach Eisen und Regen und etwas nach Salz. Gestern hat­te ich mich wieder ein­mal gefragt, ob Esmer­al­da vielle­icht in der Lage sei, zu hören. Ich machte mich sofort auf den Weg zum Com­put­er, um nachzu­forschen, ob Sch­neck­en über ein Gehör ver­fü­gen. Dann klin­gelte das Tele­fon, eine Stunde später erin­nerte ich mich, dass ich nach den Ohren der Sch­neck­en fra­gen wollte. Heute aber ist so eine Nacht, da ich nichts wis­sen will, auch nicht ob Esmer­al­da hören kann wenn ich pfeife oder spreche. In mein­er Nähe, sie schlafen ver­mut­lich ger­ade, existieren Per­so­n­en, die nichts ahnen vom Mor­den in der Ukraine, von Viren, die in Afri­ka Men­schen befall­en, von Flüchtlin­gen, die durch das Singschar — Gebirge irren. Sie lesen keine Zeitung, sie besitzen wed­er Radio noch Fernse­hgerät, aber sie lesen Büch­er, die sich immer sehr weit hin­ter der Jet­ztzeit bewe­gen. — stop

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am nachttisch

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india : 3.02 — Ich träumte von Win­ter­fliegen. Als ich aufwachte, erin­nerte ich mich, vor Jahren ein­mal über Win­ter­fliegen nachgedacht zu haben. Ich notierte Fol­gen­des: Die Gat­tung der Win­ter­fliegen sollte in eisiger Umge­bung existieren, in Höhlen, die sie mit ihren Fliegen­füßen per­sön­lich in den Schnee ein­graben. Vielle­icht, das ist möglich, sind Win­ter­fliegen von Natur aus eher küh­le Wesen, oder aber sie tra­gen einen wär­menden Pelz, ein Fell, wie das der Eis­bären, weiche, weiße Män­tel von Haut und Haar, die ihre äußerst langsam schla­gen­den Herzen schützen. Diese Fliegen, dachte ich, wer­den ein­hun­dert Jahre oder älter, sie kön­nten sich von fein­sten Stäuben ernähren, vom Plank­ton, das aus windge­bück­ten Wäldern ange­flo­gen kommt, von Moosen, Birken­pollen, vom Kot­sand nordis­ch­er Füchse. Ich stellte mir vor, sie sind weiß, so weiß, dass man sie nicht sehen wird, wenn sie über den Schnee spazieren. Man wird meinen, der Schnee bewege sich selb­st oder es wäre der Wind, der den Schnee bewegt, stattdessen sind es die Fliegen, die nicht größer sind als jene Fliegen, die nachtwärts im Som­mer aus einem Apfel steigen. – Ein ruhiger Tag, Augen zu, warm, Sonne. — Abends sitze ich in der Küche am Tisch. Ich öffne eine Schreib­mas­chine, die ich vor drei Jahren aus dem aktiv­en Schreib­maschi­nen­leben in mein Schreib­maschi­nen­mu­se­um trans­ferierte, um nachzuse­hen, ob ich sie vielle­icht noch ein­mal in Gang set­zen kön­nte. Sehr kleine Schrauben tür­men sich zu einem Berg, es riecht nach Met­all, nach Zinn, wie in der Kind­heit, wenn ich meine Nase an Radi­ogeräte drück­te. An der Wand in näch­ster Nähe hockt Esmer­al­da, sie scheint mich zu beobacht­en oder das Innere der Schreib­mas­chine. Aus dem Neben­z­im­mer drin­gen noch immer Kampfgeräusche, Schüsse von Gewehren, helle Töne, als wür­den Kiesel­steine aneinan­der schla­gen. Auch große Kaliber sind zu vernehmen, deren genaue Beze­ich­nun­gen ich nicht kenne, Mörs­er vielle­icht, Panz­erkanonen, Maschi­nen­waf­fen. Ein Mann, ich möchte seinen Deck­na­men an dieser Stelle nicht verze­ich­nen, sam­melt Filme in der dig­i­tal­en Sphäre, die er zu end­losen Ket­ten knüpft, Szenen aus dem syrischen Bürg­erkrieg, zulet­zt von dem Kampf um Kobane. Per­so­n­en ste­hen auf ein­er Straße, sie feuern auf Häuser, plöt­zlich fall­en sie um. Ein junger Mann hüpft vor dem Kör­p­er ein­er jun­gen Frau, die auf dem Rück­en liegt, ein Teil ihres Gesicht­es fehlt. Der junge Mann preist Gott, er stellt seinen Stiefel auf die Brust der jun­gen Frau, die ver­mut­lich, nein sich­er, gegen ihn kämpfte. Bär­tige Män­ner eilen gebückt über Felder, einem der Män­ner fliegt ein Arm davon. — stop

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nachtflug

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india : 0.18 — In diesem Jahr ist er spät zu mir gekom­men, der Win­ter längst vorüber. Ein Fal­ter segelte gestern Abend durch mein Arbeit­sz­im­mer, bald saß er auf dem Boden. Ich näherte mich sehr vor­sichtig, hob ihn auf und set­zte ihn behut­sam an eine Wand. — Es ist jet­zt kurz nach Mit­ter­nacht. Ein paar Dio­den­lichter glühen zu mir herüber. Ob ich den Fal­ter füt­tern sollte? Vielle­icht würde er etwas Him­beer­marme­lade zu sich nehmen. Ich stelle mir vor, der Fal­ter kön­nte 254 Jahre alt, er kön­nte ein Licht­en­bergfal­ter sein, der rasch bei mir zu Kräften kom­men möchte. Ja, das ist denkbar, immer wieder denkbar. Gestern, das will ich schnell noch erzählen, habe ich Flugver­suche unter­nom­men mit ein­er fil­igra­nen Rück­en­pro­peller­drohne. Es han­delt sich um die Nach­bil­dung eines Tauben­schwänzchens, demzu­folge ist sie nicht größer als 50 Mil­lime­ter. Ich habe ihr beige­bracht, mir zu fol­gen, wenn ich durch meine Woh­nung spaziere. In dieser Ver­fol­gung ist sie bere­its sehr präzise, außer­dem so schnell in ihrer Bewe­gung gewor­den, dass ich sie mit bloßer Hand nicht fan­gen kön­nte. Ein­mal näherte sie sich mein­er Sch­necke Esmer­al­da. Das war ein Moment von höch­ster Aufmerk­samkeit, ein Ver­hal­ten, als würde das Tauben­schwänzchen mit Esmer­al­da sprechen, sehr selt­sam, anrührend, die Kirschbäume blühen. — stop

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von der sekundenzeit

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delta : 0.02 — Wie jet­zt der Som­mer näherkommt, ändert sich alles. Im Win­ter erfrieren Men­schen, im Som­mer fall­en sie verse­hentlich aus Fen­stern, die sie zum Vergnü­gen geöffnet haben. Bern­hardt L., der mich besuchte, erzählte von seinen Erfahrun­gen, die er mit Todesur­sachen betrunk­en­er Men­schen sam­melte. Es war ein  angenehmer Abend. Eigentlich woll­ten wir nicht von trau­ri­gen Geschicht­en sprechen, aber dann wurde es doch irgend­wie wieder ein­mal ernst. Wir saßen auf Garten­stühlen vor dem Fen­ster zu den Bäu­men, die in den Him­mel staubten, und beobachteten meine Sch­necke Esmer­al­da, die sich der frischen Abend­luft näherte. Sie kroch ziel­stre­big über den Boden hin, dann die Wand hin­auf und ließ sich auf dem Fen­ster­brett draußen nieder. Wenn sich Sch­neck­en set­zen, bewe­gen sie sich kaum noch, ihr feuchter Kör­p­er scheint indessen etwas bre­it­er zu wer­den. Mein Bekan­nter Bern­hardt L. war sehr inter­essiert an der Exis­tenz Esmer­al­das in mein­er Woh­nung, er hat­te sie noch nie zuvor gese­hen und auch noch nicht von ihr gehört. Er wollte wis­sen, woher sie gekom­men war, wie alt sie wohl sei, und warum sie diesen sehr schö­nen Namen Esmer­al­da von mir erhal­ten habe. Ich erin­nere mich, wie er mit einem Fin­ger zärtlich über Esmer­al­das Häuschen strich, während er von einem unglück­lichen Mann erzählte, der ein Zeitwirtschaftler von Beruf gewe­sen sein soll. Dieser Mann habe Minuten gezählt, Sekun­den, in der Beobach­tung arbei­t­en­der Men­schen in ein­er Fab­rik. Seine Auf­gabe sei gewe­sen, Zeiträume aufzus­püren, die durch Verän­derun­gen in den Bewe­gun­gen der beobachteten Men­schen einges­part wer­den kön­nten. In einem Brief, der sehr aus­führlich sein Unglück notiert, habe er berichtet, dass es ihm zulet­zt nicht möglich gewe­sen sei, eine Tasse Kaf­fee von der Küche in sein Wohnz­im­mer zu tra­gen, ohne darüber nachzu­denken, ob es wirtschaftlich sei, mit nur ein­er Tasse Kaf­fee in der Hand die Räume zu wech­seln, wenn es doch möglich wäre, zwei Tassen Kaf­fee zur gle­ichen Zeit zu trans­portieren. — stop

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winterzeiten

kurz vor mitternacht

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sier­ra : 23.55 — In U-Bah­nen reisend immer wieder der Ein­druck, Men­schen wür­den mit­tels ihrer raschel­nden Zeitun­gen zueinan­der sprechen. Eine Weile ist Ruhe, aber dann blät­tert irgend­je­mand eine Seite um, und schon knis­tert der Wag­on von Rei­he zu Rei­he weit­er. Man möchte in diesen Momenten meinen, die Papiere selb­st wären am Leben und wür­den die Lesenden bewe­gen. Ein­mal habe ich mir Zeitungspa­piere von stof­far­tiger Sub­stanz vorgestellt, Papiere von Sei­de zum Beispiel, so dass kein­er­lei Geräusch von ihnen aus­ge­hen würde sobald man sie berührte. Eine eigen­tüm­liche Stille, Geräuschlosigkeit, Leere, ein Sog, eine Wahrnehmung gegen jede Erfahrung. — Kurz vor Mit­ter­nacht. Ich habe diese kleine Geschichte ger­ade eben Sch­necke Esmer­al­da vorge­le­sen, um sie zu weck­en. Sie war in der Abend­däm­merung über meinen Küchen­tisch gekrochen, hat­te sich auf eine Banane geset­zt und war dann ver­mut­lich eingeschlafen, während ich eine Debat­te des griechis­chen Par­la­ments via Livestream beobachtete. Dort auf dem Bild­schirm aufgeregte Men­schen, die in ein­er wohlk­lin­gen­den Sprache for­mulierten, die ich nicht ver­ste­he, aber sofort erkenne, sobald ich sie vernehme. Ein­mal meinte ich, den Namen Willy Brandts gehört zu haben. — stop. Wolken­los­er Him­mel. stop. Nichts weit­er. — stop

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drohne2

ein zeitraum wird sichtbar

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echo : 0.28 — Wann war es das erste Mal gewe­sen, dass ich von der Filmemacherin Lau­ra Poitras hörte. Vielle­icht im Som­mer des Jahres 2013. Ich erin­nere mich, jemand erzählte, sie sei eine in sich ruhende, sehr starke Frau, die niemals, auch in gefährlichen Sit­u­a­tio­nen nicht, ihre Fähigkeit der Konzen­tra­tion ver­lieren würde. In ihrem Doku­men­tarfilm Cit­i­zen­four, der vornehm­lich in einem Hotel der Stadt Hong Kong gedreht wurde, ist sie selb­st kaum zu sehen. Ich meine ihre Gestalt sowie ihre Kam­era in einem Spiegel für einige Sekun­den wahrgenom­men zu haben. Ein merk­würdi­ger, inten­siv wirk­ender Film, dessen Bilder vage Vorstel­lun­gen der Ereignisse jenes Som­mers mit wirk­lichen Bildern füllte. Edward Snow­den sitzt bar­fuss auf einem Bett, meine Augen beobachteten ihn im Licht der vorgestell­ten, ver­mut­lich sehr realen Gefahr, in der sich der junge mutige und über­aus klar sprechende Mann befand. Immer wieder hielt ich den Film an, um nachzu­denken oder zu ler­nen. Ein­mal beobachtete ich indessen wie sich Sch­necke Esmer­al­da über den Boden meines Arbeit­sz­im­mers in Rich­tung eines geöffneten Fen­sters fort­be­wegte. Sie wan­derte gemäch­lich die Wand hin­auf zum Fen­ster­brett, wartete dort einige Minuten, während sie den Nachthim­mel mit ihren Augen betastete, um sich schließlich hin­aus an die raue Hauswand zu wagen. Einige Stun­den später, in der Däm­merung des Mor­gens, kehrte sie zurück. Ihre Kriech­spur schim­merte im ersten Licht des Tages an der Wand des Haus­es, sie war, aus der Per­spek­tive ein­er Sch­necke betra­chtet, weit herum gekom­men. Den fol­gen­den Tag über schlief Esmer­al­da tief und fest, wie mir schien, in der Küche auf dem Tisch. Ihr schw­eres Gehäuse lehnte an ein­er Aprikose. — stop

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giuseppi

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oli­mam­bo : 2.05 — Eine Schwe­fel­wolke, von Feuer­w­erk­ern über dem Fluss an den Him­mel geset­zt, walzt nachts durch mein Arbeit­sz­im­mer. Ich warte in diesem Moment vor dem Bild­schirm und tele­foniere und beobachte zur gle­ichen Zeit, wie mein Ver­schlüs­selung­spro­gramm meldet, irgen­deine Mas­chine habe in den ver­gan­genen 5 Minuten ver­sucht, meinen Basiss­chlüs­sel her­auszufind­en. Ich erhalte 1218 War­nun­gen inner­halb 1 Minute per E-Mail zugestellt. Und während ich von Giusep­pi Logan ( Hört ihm zu! ) erzäh­le, dem ich ohne es zu bemerken, im Jahre 2010 im Thomp­kins Square Park per­sön­lich begeg­net sein kön­nte, geht das immer weit­er so fort, in kleineren Paketen tre­f­fen rasend schnell alarmierende E-Mails bei mir ein. In diesem Moment kön­nte ich wirk­lich nicht sagen, ob ich nicht vielle­icht träume, was ich vor mir auf dem Bild­schirm beobachte. Vorhin zählte ich Marienkäfer nahe der Lam­p­en. Zur Zeit leben 22 Per­sön­lichkeit­en in mein­er Woh­nung, 1 Käfer sitzt schon seit Stun­den auf dem Gehäuse Esmer­al­das fest. — stop

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giuseppi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nie­mand klang in einem Ensem­ble so wie Giusep­pi [Logan]. Bei seinem Spiel hielt er seinen Kopf weit zurück; dazu erk­lärte er: „Auf diese Art ist meine Kehle weit offen“, so kon­nte er mehr Luft einziehen. Er spielte in einem Umfang von vier Oktaven auf dem Alt­sax­ophon. Was ihn als Impro­visator von anderen unter­schied, war die Art, wie er seine Noten platzierte und damit einen bes­timmten Klang schuf, dem die anderen der Gruppe dann fol­gten. Seine Stücke waren aus diesem Grund sehr attrak­tiv; Giusep­pi hat­te seine ganz eige­nen Ansicht­en über Musik …“ – Bill Dixon

the look of silence

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papa : 0.45 — Als ich gestern Abend den außergewöhn­lichen Doku­men­tarfilm The Look of Silence betra­chtete, ist etwas sehr Merk­würdi­ges geschehen. Meine Sch­necke Esmer­al­da stürzte näm­lich aus 1 Meter Höhe von der Wand auf den Fuß­bo­den, woraufhin ich die Sch­necke vor­sichtig in die Hände nahm und nach möglichen Schä­den suchte. Als ich die Sch­necke kurz darauf wieder vor die Wand set­zte, als Esmer­al­da nach weit­eren 2 Minuten erneut von der Wand stürzte, stoppte ich den Film und über­legte, ob meine Sch­necke möglicher­weise krank gewor­den sein kön­nte. Indessen klet­terte Esmer­al­da, wie unter einem Zwang, zum drit­ten Mal die Wand hin­auf, dies­mal jedoch fiel sie nicht auf den Boden zurück. Besorgt ver­fol­gte ich ihre Bewe­gung mehrere Minuten lang, alles ging solange gut, bis ich die Betra­ch­tung des Filmes fort­set­zte. Nach eini­gen weit­eren Ver­suchen ist nun Fol­gen­des zu bericht­en. Esmer­al­da reagiert schein­bar auf Geräusche, die der Film erzeugt. Ich nehme an, meine Sch­necke wird von Rufen der Zikaden, welche im Film immer wieder über län­gere Zeit zu hören sind, müde, sie schläft ein, sie ver­gisst sich sozusagen, ihre Lage an der Wand, die gefährliche Tiefe unter ihr. Eine erstaunliche Beobach­tung. Ich habe bish­er noch nicht darüber nachgedacht, ob Sch­neck­en über ein Hörver­mö­gen ver­fü­gen, es ist denkbar, dass Sch­neck­en über ein Kör­per­hau­tohr gebi­eten. — stop

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mexico

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nord­pol : 1.15 — Gestern Abend ist etwas Lustiges passiert. Sch­necke Esmer­al­da ent­deck­te eine Möglichkeit, mein Fernse­hgerät zu besteigen. Sie saß wohl schon eine Weile dort obe­nauf, als ich sie, kurz nach­dem ich das Fernse­hgerät eingeschal­tet hat­te, bemerk­te. Vom auf­blenden­den Licht unter ihrem Haft­fuß über­rascht, begann sie, kreuz und quer über den Bild­schirm zu flücht­en, ihre Augen indessen streck­te sie soweit wie möglich von sich, schließlich ließ sie sich ein­fach fall­en, wand sich auf dem Boden als wäre sie ver­rückt gewor­den, lag dann eine Weile still, so dass ich mich vor­sichtig näherte, weil ich fürchtete, sie kön­nte ern­sthaft Schaden genom­men haben. Ich fuhr, um ihre Lebens­geis­ter zu lock­en, mit einem feinen Pin­sel über ihre feuchte, ledrige Haut, und bemerk­te bald wie ein Schim­mern über ihren Kör­p­er wan­derte. Kurz darauf streck­te sich ihr Kör­p­er unter ihrem schw­eren Gehäuse in der Art der Scheck­en, wenn sie sich erheben, und wan­derte über den Boden fort in die Diele und von dort aus in die Küche hoch auf den Tisch, wo sie nun seit Stun­den auf ein­er Banane sitzt. Ich glaube, sie schläft, ihre Tur­mau­gen haben sich in den Kör­p­er zurück­ge­zo­gen, aber sie erwacht unverzüglich, wenn ich und solange ich tele­foniere, zum Beispiel mit M., die von ihrem Fre­und erzählt, der bald nach Mexiko reisen wird. Sie wohnt seit Jahren mit ihm in ein­er Woh­nung, ohne ein Wort mit ihm zu sprechen. Sie sagt, jede sein­er Reisen seien für sie mit dem Wun­sch ver­bun­den, er möge bald zurück­kehren, sie sei fröh­lich, sobald er wieder in die Woh­nung trete, sprechen werde sie jedoch nie wieder mit ihm an diesem Ort, und das sei gut so, weil sie sich in dieser Weise zu Hause nie stre­it­en, sie lebten sehr har­monisch, er mache immer Früh­stück für sie, er lege Fotografien, zum Beispiel von Mexiko, auf ihren gemein­samen Tisch, sie suche dann die Guten her­aus, Bilder, die gelun­gen sind, es gebe nie Diskus­sio­nen deswe­gen, weil sie eben nicht mehr miteinan­der sprechen, höch­stens mit den Augen und mit den Hän­den oder mit­tels Gegen­stän­den, die irgend­wo liegen oder nicht liegen. — stop

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schnee

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delta : 2.05 — Mit­ten in der Nacht wachte ich auf. Vor den Fen­stern fiel Schnee, buschige Flock­en­pelze, sehr dicht, aus der Ent­fer­nung, ein heller, sich bewe­gen­der Schat­ten. Esmer­al­da hock­te auf dem Fen­ster­brett und sah hin­aus. Sie schien tat­säch­lich Schneeflock­en zu beobacht­en, vielle­icht deshalb, weil es in der Woh­nung zur Nachtzeit, ich hat­te geschlafen, nichts weit­er zu unter­suchen gab. Ich über­legte, ob es möglich wäre die kleine Sch­necke, die nun seit Okto­ber des Jahres 2013 in mein­er Nähe lebt, ein­mal mit nach New York zu nehmen. Ich müsste sie im Handgepäck ver­stauen, heim­lich, vielle­icht in ein­er Dose ver­ber­gen, die belüftet ist. Ich kön­nte eine hand­voll Sul­ta­ni­nen als Sch­neck­en­pro­viant mit mir nehmen in der Hosen­tasche, Esmer­al­da füt­tern während wir über den Atlantik fliegen. Es ist selt­sam, ich habe lange Zeit darüber nachgedacht, wer mir Esmer­al­da geschenkt haben kön­nte, wer sie vor zwei Jahren für mich in eine Schachtel set­zte und weshalb. Vor eini­gen Wochen, als Esmer­al­da ger­ade friedlich schlafend vor mir auf dem Schreibtisch auf ein­er Banane saß, näherte ich mich mit einem Ohr und lauschte an ihrem Häuschen. Ich hörte nichts oder nur eine Vorstel­lung, ein sum­mendes Geräusch. Bald wäre ich aufge­s­tanden, wollte mir feines Werkzeug aus der Küche holen, wollte ein äußerst feines Loch in Esmer­al­das Sch­neck­engewinde bohren. Als hätte sie geah­nt, was ich plante, als hätte sie meinen zugle­ich nach­den­klichen wie bere­its entschlosse­nen Blick bemerkt, richtete Esmer­al­da ihre Füh­ler nach mir aus und musterte mich. Ich meinte in diesem Augen­blick ein Lächeln in ihrem Gesicht bemerkt zu haben. — stop

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seltsam

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ulysses : 1.18 — Wie ist es möglich, Geschicht­en zu erzählen, die selt­sam sind, ohne sofort selb­st für selt­sam oder merk­würdig oder gar gefährlich gehal­ten zu wer­den, da doch diese merk­würdi­gen Geschicht­en in meinem Kopf entste­hen? Ich habe L. von Esmer­al­da erzählt, dass Esmer­al­da eine Sch­necke sei, die in mein­er Woh­nung lebe, als wäre sie eine Katze, dass ich das kleine Tiere füt­tern würde, dass ich meine Woh­nung im Win­ter beheize, auch wenn ich nicht anwe­send sei, damit Esmer­al­da nicht frieren möge. Liebe L. sagte ich, ich wäre niemals auf die Idee gekom­men, mir aus freien Stück­en eine Sch­necke zu kaufen oder aber zur Som­merzeit in einem Garten einz­u­fan­gen, nein, niemals, wenn nun aber eine Sch­necke als Geschenk, als kosten­freie Offerte auf postal­is­chem Wege zu mir reiste, warum sollte ich das Geschenk zurück­weisen, warum nicht einen Ver­such unternehmen, ein guter oder vorzüglich­er Sch­neck­en­hal­ter zu wer­den? Wir wer­den es ver­suchen, sagte ich zur Sch­necke kurz nach­dem sie angekom­men war. Jahre sind sei­ther ver­gan­gen, Esmer­al­da scheint mit ihrem Leben in mein­er Woh­nung ein­ver­standen zu sein. Ein­mal öffnete ich die Tür zum Trep­pen­haus und wartete. Ein anderes Mal öffnete ich ein Fen­ster und wartete wiederum einige Zeit, Esmer­al­da blieb oder kehrte zurück. Es stellt sich nicht zum ersten Mal die Frage: Wie alt wer­den Sch­neck­en? Ist Esmer­al­da nicht vielle­icht bere­its viel zu alt, um noch als gewöhn­liche Sch­necke betra­chtet wer­den zu kön­nen? — stop

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maryland

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lima : 9.15 UTC — Vor weni­gen Stun­den noch auf dem Sofa sitzend, beobachtete ich Esmer­al­da wie sie sich mir langsam über den hölz­er­nen Boden meines Arbeit­sz­im­mers von der Diele her kom­mend näherte. Immer wieder ein­mal hielt die kleine Sch­necke kurz an, betra­chtete Struk­turen des Holzes, Wirbel ins­beson­dere, die sie aus irgen­deinem Grund für bemerkenswert erachtete. Eine halbe Stunde später war sie bei mir auf dem Sofa angekom­men, fuhr sogle­ich ihre Füh­ler in den Kopf zurück, um ein wenig zu schlafen. Gegen 22 Uhr weck­te ich Esmer­al­da. In diesem Augen­blick bemerk­te ich, dass ich nicht wusste wie ich Esmer­al­da präzise ansprechen sollte: Guten Mor­gen vielle­icht, oder doch: Guten Abend! Welche Uhrzeit haben wir, dachte ich, ger­ade in Mary­land? Ich über­legte einige Minuten lang, indessen Esmer­al­da mich aufmerk­sam zu betra­cht­en schien. Dann schlief sie wieder ein. — Heute ist der 1. Mai. Regen. Nichts weit­er. — stop

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apfel

pic

echo : 0.10 UTC — Ich hat­te an einem Abend der ver­gan­genen Woche mein Fernse­hgerät aus­geschal­tet, war in die Küche getreten, um Sch­necke Esmer­al­da zu beobacht­en, wie sie einen Apfel zunächst umrun­dete, sich dann aufrichtete samt ihres Gehäus­es und auf den Apfel klet­terte. Eine Bewe­gung, die ger­adezu waghal­sig anmutete. Es reg­nete. Ich wurde schläfrig. Um kurz vor Mit­ter­nacht klin­gelte das Tele­fon. Jemand war in der Leitung, sprach aber nicht, atmete nur. Ich hörte eine Weile zu, und ich dachte, dass Atem eine schöne Sprache ist, aber auch etwas unheim­lich. Also kehrte ich zu Esmer­al­da zurück, die nun auf dem Apfel hock­te als wäre der Apfel ein Stuhl oder ein Sofa. Wie so häu­fig nachts, las ich Esmer­al­da einen ver­schlüs­sel­ten Nachrich­t­en­text vor. Ich habe näm­lich bemerkt, dass Esmer­al­da sehr aufmerk­sam wird, sobald ich ihr kryp­tis­che Texte vor­trage, erstaunlich, da Sch­neck­en doch gehör­los sein sollen. In diesem Fall, es war nicht leicht gewe­sen, las ich T.C.Boyle: Nfjof muvoh jtu tfis fout­di­jfe­fo- bcfs xbt oýu{u ft@ Jdi cjo gýs Gsbvfosfdiuf/ Jdi cjo gýs Vnxfmutdivu{/ Jdi cjo gýs Nvmujlvmuvsbmjtnvt/ Jdi cjo gýs Cjmevoh/ Ejf wjfm­fo Nfot­d­i­fo bvt efs Bscfjuf­slmbt­tf- ejf jdi lfoof- tjoe qpmju­jt­di sbe­jlbm boefs­fs Botjdiu bmt jdi/ Ejf VTB tjoe fjo hftqb­mu­foft Mboe/ Jdi lpn­nf tfm­c­tu bvt efs Bscfjuf­slmbt­tf- voe jdi mfcf fjo­fo hspà­fo Ufjm nfjofs [fju jo efo lbmjg­p­so­jt­d­i­fo Cfsh­fo- xp wjfmf tph­fo­boouf Sfe­ofdlt mfcfo/ Jdi mjfcf ejftf Nfot­d­i­fo- wjfmf wpo jio­fo tjoe joufm­mjh­fou voe fjogýimtbn/ Bcfs jo qpmju­jt­d­i­fo Gsb­h­fo ibc­fo tjf tjdi usb­vsjhf­sxfjtf hbo{ voe hbs nbo­jqvmjfs­fo mbttfo/ Ebcfj xfse­fo hfs­bef tjf ejf Pqgfs wpo Usvn­qt Qpmju­jl tfjo voe bn nfjtu­fo voufs jis {v mfje­fo ibcfo/ Xfoo qsjwjmfhjf­suf Bnf­sjl­bofs xjf jdi ovs hfnåà jis­fo xjsut­dibgumjd­i­fo Joufs­ft­tfo hfxåimu iåu­u­fo- eboo iåu­u­fo xjs Usvnq hfxåimu- xfjm fs ejf Tufvf­so tfol­fo xjmm voe ebgýs tpshu- ebtt xjs votfs Hfme cfibmufo/ Bcfs jdi xåimf efo Lboe­je­bu­fo- eft­tfo Ibmu­voh jdi gýs sjdi­u­jh ibmuf- voe ojdiu efo- efs njs Qspgju csjohu/ Jdi cjo Qbusjpu/ — stop

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