Aus der Wörtersammlung: rinne

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fliegende schnecke

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alpha : 8.32 UTC — Ein Schrift­stel­ler soll exis­tie­ren, der all jene Gegen­stän­de, über die er prä­zi­se zu schrei­ben wünscht, besit­zen muss, um sie dre­hen und wen­den zu kön­nen, in sie hin­ein­se­hen, also öff­nen, zer­le­gen und wie­der, wenn dann noch mög­lich,  zusam­men­fü­gen. Es wur­den bei­spiels­wei­se gekauft: Eine rote Rei­se­schreib­ma­schi­ne  Oli­vet­ti Valen­ti­ne nach dem Design des Etto­re Sott­s­ass, ein Kalei­do­skop von Metall und bun­tem Glas, ein auf­zieh­ba­res Vogel­we­sen mit Federn eines Strau­ßes, ein Mes­sing­mi­kro­skop Leitz No158461, eine flie­gen­de Schne­cke. Den Kauf die­ser flie­gen­den Schne­cke hat­te ich nur geträumt wie die Schne­cke selbst, und zwar mehr­fach, ein sehr lang­sam durch die Luft fah­ren­des Wesen ohne Flü­gel. Ich wach­te auf, sobald ich nach der Schne­cke grei­fen woll­te mit den Hän­den eines Kin­des. Eigent­lich soll­te ich nie­mals das Ende eines Trau­mes erzäh­len, Trau­men­den befin­den sich nicht sel­ten bereits mit einem Bein im neu­en Tag, in einem Bezirk der Welt, den wir Wirk­lich­keit nen­nen, ich bin dann schon wach gewor­den auf einem Bein, habe die Fens­ter geöff­net, es reg­net zum Bei­spiel, auf der Stra­ße weit unter mir bewe­gen sich Regen­schir­me, Men­schen sind kei­ne zu erken­nen, aber ein paar nas­se Tau­ben, die sich, von der Schwe­re ihres Gefie­ders in die Tie­fe gezo­gen, kaum noch in der Luft zu hal­ten ver­mö­gen. Eine Exkur­si­on zur Kaf­fee­ma­schi­ne hin nüt­ze ich, um mein Mikro­skop vom Tisch zu holen. Tat­säch­lich erken­ne ich jetzt eine Her­de gold­grü­ner Frö­sche, die sich an der Haus­wand gegen­über west­wärts bewe­gen. Zu hören ist von ihnen nichts, aber der Regen rauscht sehr schön, pras­selt auf die Blät­ter der Bäu­me, tropft von den Regen­rin­nen auf ble­cher­ne Fens­ter­sim­se, was für ein wun­der­schö­ner Mor­gen, schon habe ich den Traum, den ich träum­te, bei­na­he ver­ges­sen. — stop

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auf hoher see

9

del­ta : 15.33 UTC — Vater vor vie­len Jah­ren, wie er sich über einen Tisch beugt, der leuch­tet. Er trägt ein wei­ßes Hemd und einen kamel­far­be­nen Pull­over. Die­sen erin­ner­ten Pull­over hat­te ich heu­te Nach­mit­tag auf einer Foto­gra­fie ent­deckt, die mei­nen Vater zeigt auf einem Segel­boot vor der kali­for­ni­schen Küs­te im Jahr 1965. Ich bin mir nun nicht sicher, wel­ches der Objek­te zunächst in mei­nem Kopf gegen­wär­tig war, die Erin­ne­rung an die Far­be des Pull­overs, den Vater trug, als er sich über einen Leucht­tisch beug­te. Oder war es die Begeg­nung mit der Foto­gra­fie des Seg­lers gewe­sen, die eine Erin­ne­rung färb­te oder über­haupt erst mög­lich mach­te?  Vater betrach­te­te ein Dia, das vor ihm auf dem Tisch lag. Zwi­schen sei­nem Auge und der Foto­gra­fie klemm­te eine SILVESTRI — Lupe; es war des­halb, weil Vater, mich mir vor­stell­te, so tief oder so weit wie mög­lich in die Foto­gra­fie hin­ein­se­hen woll­te. Ich erin­ne­re mich, dass ich selbst immer wie­der Foto­gra­fien in die­ser Wei­se betrach­te­te. Ich ent­deck­te, dass es mög­lich war, rein erfun­de­ne Gegen­stän­de oder Gesich­ter oder Tie­re in den Tie­fen der besich­tig­ten Foto­gra­fie wahr­zu­neh­men, dem­zu­fol­ge zu hal­lu­zi­nie­ren und für eine kurz dar­auf­fol­gen­de Erzäh­lun­gen der Licht­auf­nah­me in Gedan­ken fest­zu­hal­ten. — stop

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von ziffern

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bamako : 23.02 UTC — Ich packe einen Kof­fer. Har­te, sehr har­te Scha­le, hart wie die Scha­le der Pekan­nüs­se. Ich lege Hem­den hin­ein, und Hosen und eine Jacke, es könn­te kalt wer­den nachts dort, wohin ich rei­se. Bril­le, Turn­schu­he, bun­te Strümp­fe und 1 Paar Hand­schu­he, Hals­tü­cher in Gelb und Rot und Blau. 2 Bücher, die von Vögeln erzäh­len, 1 Land­kar­te, 2  star­ke Bat­te­rien für Schreib­ma­schi­ne, 1 Gum­mi­band, Sei­fe, 1 Stet­son Hut, 1 Pull­over tau­ben­grau, 1 Pull­over gelb, 1 Tele­fon. Letz­te Pha­se vor Abrei­se. Ich sit­ze und schau mir an, was ich als Rei­se­ord­nung betrach­te. Ich klap­pe den Kof­fer zu und ver­schlie­ße mein Gepäck, in dem ich das Zah­len­schloss wild bewe­ge.  Der Kof­fer ist zu, ich kann ihn nicht öff­nen. Ich suche nach einem Zet­tel.  Ich bin auf­ge­regt. Ich mah­ne zur Ruhe. Ich sage: Sei gleich­mü­tig, Lou­is! Geduld, Lou­is!  Eine Zahl ist zu erin­nern, vier Stel­len. Noch ist Zeit. Ich begin­ne mit der Zahl 001. Zwei Flie­gen sau­sen her­um. Im Café um die Ecke wird gefei­ert. Ich beob­ach­te, als gehör­ten sie nicht zu mir, mei­ne Fin­ger, die in rhyth­mi­scher Bewe­gung Zah­len ver­su­chen. Astor Piaz­zolla: Tiem­po Nue­vo. Es geht dar­um, kei­ne der mög­li­chen Zah­len zu über­ge­hen, es geht um Prä­zi­si­on. Eine wun­der­ba­re Nacht, noch früh. — stop

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polarnacht

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romeo : 2.15 UTC — In der Nacht selt­sam dun­kel. Er steht auf, öff­net die Tür zur Die­le. Kein Licht in der Küche. Auch nicht von der Stra­ße her. Kühl­schrank dun­kel. Him­mel dun­kel. Fens­ter der Woh­nun­gen des Hau­ses im vier­ten Stock gegen­über ohne Licht. Im Trep­pen­haus dort irren Taschen­lam­pen­lich­ter oder Mobil­te­le­fo­ne. Hier, sagt er laut, ist der Tisch, und hier ist der Herd und hier sind Klin­ke und Tür zu Bad. Er bemerkt in die­sen Minu­ten einer Nacht ohne Elek­tri­zi­tät, dass er das Licht sei­ner Vor­stel­lungs­kraft zu erhel­len ver­mag, in dem er von den Gegen­stän­den spricht, an die er sich erin­nern will. Tür zum Arbeits­zim­mer. Schreib­tisch gleich links. Vor­sicht Lam­pen­schirm. Ein Buch. Schreib­ma­schi­ne. Kaf­fee­tas­se. Zwei Stif­te, tat­säch­lich. — stop

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on the road

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hima­la­ya : 7.12 UTC —Vor weni­gen Jah­ren ent­deck­te ich Jack Kerou­acs Roman On the Road in der unge­kürz­ten Fas­sung als E‑Book. Ich beob­ach­te­te, dass eine Rechen­ma­schi­ne irgend­wo, ver­mut­lich von Nord­ame­ri­ka aus, ver­zeich­ne­te, wel­che Zei­len die­ses Romans von Lesern oder Lese­rin­nen wäh­rend ihrer Lek­tü­re mar­kiert wor­den waren. Eine aus­ge­dehn­te, prä­zi­se Leser­be­ob­ach­tung scheint kaum merk­lich Stun­de um Stun­de voll­zo­gen zu wer­den. Ich stell­te mir vor,  Licht­ma­schi­nen, die von Men­schen in der Hand gehal­ten wer­den, doku­men­tie­ren, wie lan­ge Zeit sich lesen­de Men­schen mit einem bestimm­ten Text beschäf­ti­gen, wie sie den Text stu­die­ren, ob sie die Lek­tü­re der ein oder ande­ren Sei­te wie­der­ho­len, an wel­chen Text­or­ten ihre Augen inne­hal­ten oder ihre Hän­de über den Bild­schirm strei­chend vor­wärts blät­tern, wie vie­le Leser sich zunächst mit dem Ende einer Geschich­te beschäf­ti­gen, ehe sie die ers­te Sei­te des Tex­tes öff­nen, um nun tat­säch­lich mit der Lek­tü­re zu begin­nen, so wie sich der Autor oder Autorin die Lek­tü­re ihres Tex­tes ein­mal vor­ge­stellt haben könn­ten. Dass fun­ken­de Bücher Kör­per­tem­pe­ra­tu­ren mes­sen, Feuch­tig­keit, Sal­ze der Hän­de, wel­che sie berüh­ren, ist nicht unwahr­schein­lich. Man will wis­sen, weil man es wis­sen kann, an wel­cher Stel­le des Tex­tes Leser ver­lo­ren gehen oder von wel­cher Stel­le des Tex­tes an Leser rest­los ein­ge­fan­gen sind, ja, das ist denk­bar. Guten Mor­gen. Es ist März, leich­ter Regen. — Die Welt der Wör­ter scheint sich der Lage unse­rer Welt anzu­glei­chen: Vor eini­gen Tagen bemerk­te ich das Wort Aero­sol­bom­be. Soll­te ich tat­säch­lich der Regis­tra­tur mei­nes Wör­ter­spei­chers gestat­ten, Wör­ter des Krie­ges zu erler­nen, sodass mei­ne Schreib­ma­schi­ne in der Zukunft des Notie­rens weder Warn- noch Feh­ler­hin­wei­se an mich sen­den wür­de. — stop

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ian­nis Xenakis
Die Schönheit
sichtbarer
Musik

 

 

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karussellfahrt

2

del­ta : 14.14 UTC — Träum­te. Wäh­rend ich träum­te, mach­te ich Übun­gen zur Spra­che. Ich erzähl­te einem Ton­band, das sich im Traum befand, was ich träum­te, um mich mor­gens erin­nern zu kön­nen. Ich wach­te auf und erin­ner­te mich an den Wunsch im Traum einem Ton­band zu erzäh­len. — stop
ping

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stimmen

pic

india : 20.12 UTC — Ges­tern hat­te ich mich plötz­lich an Vaters Stim­me erin­nert. Die Stim­me sag­te: Aber das ist doch Koko­lo­res. Dann lach­te die Stim­me. Und ich dach­te noch dar­an, wie ich vor Jah­ren ein­mal bemerk­te, dass ich mich für einen Moment nicht mehr an die Stim­me mei­nes Vaters erin­nern konn­te. Wie ich auch such­te, ich fand sie nicht. Ich war natür­lich sehr erschro­cken gewe­sen. Anstatt der Stim­me mei­nes Vaters, hör­te ich die Stim­me des gro­ßen Erzäh­lers Isaak B. Sin­ger, eine hel­le und zugleich raue Stim­me, die der Stim­me mei­nes Vaters sicher ähnel­te. Ich hat­te vor ein oder zwei Jah­ren Sin­gers Stim­me in einem Film­in­ter­view gehört. Foto­gra­fien zei­gen den alten Mann spa­zie­rend am Atlan­tik. Auch mein Vater war mehr­fach in Brigh­ton Beach gewe­sen, wenn ich nicht irre. Plötz­lich kehr­te die Erin­ne­rung an die Stim­me mei­nes Vaters zurück. Isaac B. Sin­gers Geschich­te im Übri­gen geht so: Kurz nach mei­ner Ankunft (in Ame­ri­ka) betrat ich zum ers­ten Mal eine Cafe­te­ria, ohne zu wis­sen, was das ist. Ich hielt es für ein Restau­rant. Ich sah lau­ter Leu­te mit Tabletts und frag­te mich, war­um man in so einem klei­nen Restau­rant so vie­le Kell­ner brauch­te. Ich gab jedem, der mit einem Tablett vor­bei­kam, ein Zei­chen. Ich hielt sie alle für Kell­ner und woll­te etwas bestel­len. Aber sie igno­rier­ten mich, man­che lächel­ten auch. Und ich dach­te, was für ein unwirk­li­cher Ort! Es war wie in einem Traum. Ein klei­nes Café mit so vie­len Kell­nern, und nie­mand beach­tet mich! Irgend­wann begriff ich dann, was eine Cafe­te­ria ist. Sie wur­de mein zwei­tes Zuhau­se. Die Cafe­te­ri­en wur­den eine Art Zuhau­se für Flücht­lin­ge aus Polen, Russ­land und ande­ren Län­dern. Vie­le mei­ner Geschich­ten spie­len in Cafe­te­ri­en, wo all die­se Men­schen auf­ein­an­der­tra­fen: die Nor­ma­len, die weni­ger Nor­ma­len und die Ver­rück­ten. Das ist also der Hin­ter­grund mei­ner Geschich­ten, die in Cafe­te­ri­en spie­len. – stop

 

 

 

 

 

 

 

 

Spu­ren einer Zeit
da mein Vater
das Wort
Kokolores
sagte 

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chatGPT

2

india : 20.33 UTC — Ich stel­le ChatGPT fol­gen­de Fra­ge: Was wür­den Sie mir bit­te über fol­gen­den Text (Im Qua­ran­tä­ne­gar­ten 2. Novem­ber 2023) erzäh­len, einen Text, den ich selbst geschrie­ben habe. ChatGPT ant­wor­te­te: »Ihr Text beschreibt ein­dring­lich eine Mischung aus Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart, mit star­ken emo­tio­na­len Nuan­cen. Hier sind eini­ge Aspek­te, die mir auf­fal­len: Atmo­sphä­re und Stim­mung: Der Text erzeugt eine nach­denk­li­che und melan­cho­li­sche Atmo­sphä­re, ins­be­son­de­re durch die Erwäh­nung des Win­des, des Febru­ars und des ver­las­se­nen Hau­ses im Süden. Die Wor­te ver­mit­teln eine emo­tio­na­le Ver­bin­dung zu ver­gan­ge­nen Zei­ten und Orten. Ver­lust und Erin­ne­rung: Die Betrach­tung der Klei­der und per­sön­li­chen Gegen­stän­de ver­schwun­de­ner Men­schen bringt den Schmerz des Ver­lusts her­vor. Die Details wie Schu­he, Hals­tü­cher und der ver­wil­der­te Gar­ten ver­stär­ken das Gefühl von Abwe­sen­heit und Ver­gäng­lich­keit. Beob­ach­tun­gen und Foto­gra­fie: Die Erwäh­nung des Foto­gra­fie­rens von Schu­hen und der Ent­de­ckung von per­sön­li­chen Gegen­stän­den in einer Hand­ta­sche ver­mit­telt den Ein­druck, dass der Prot­ago­nist ver­sucht, Erin­ne­run­gen fest­zu­hal­ten oder die Ver­gan­gen­heit zu ver­ste­hen. Foto­gra­fie kann oft als Mit­tel die­nen, um Momen­te ein­zu­frie­ren und Erin­ne­run­gen zu bewah­ren. Der Schmerz des Abschieds: Der Text endet mit einer star­ken Aus­sa­ge über den Schmerz, der mit dem Gedan­ken ver­bun­den ist, die alte Dame nie wie­der besu­chen zu kön­nen. Dies ver­stärkt das Gefühl von Ver­lust und Abschied. — Ins­ge­samt ist Ihr Text sehr bild­haft und ein­fühl­sam. Er ver­mit­telt eine per­sön­li­che Erfah­rung von Ver­lust, Erin­ne­rung und dem Ver­such, die Ver­gan­gen­heit zu bewah­ren.“ ::: Ers­te selt­sa­me, unheim­li­che Begeg­nung mit einer Maschi­ne in eige­nen Räu­men. Zeit für Ant­wort: 3 Sekun­den. — stop

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besuch um kurz nach mitternacht

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sier­ra : 0.55 — Ein Nacht­fal­ter segel­te durch mein Arbeits­zim­mer, als sei er eine Erin­ne­rung. Das Tier war so müde und so schwach, dass es sich der Luft anver­trau­te. Kurz dar­auf saß der Fal­ter auf dem Boden und ich hob ihn auf und setz­te ihn behut­sam an eine Wand. — Es ist jetzt bald 1 Stun­de nach Mit­ter­nacht. Okto­ber. Ein paar Dioden­lich­ter glü­hen zu mir her­über. Ich wer­de den Fal­ter füt­tern, wer­de ihn mit­tels Zucker­was­ser über den Win­ter brin­gen. Er könn­te viel­leicht 260 Jah­re alt, er könn­te ein Lich­ten­berg­fal­ter sein, der zu Kräf­ten kom­men möch­te. — stop

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zerzaust

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zou­lou : 12.28 UTC — L. erzäh­le vor lan­ger Zeit, sie habe ein­mal eine Frau gekannt, die weder in Büchern las noch in Zei­tun­gen. Trotz­dem sei die­se Frau, deren Namen sie nicht in Erin­ne­rung habe, Wör­tern sehr eng ver­bun­den gewe­sen, da sie pau­sen­los Wör­ter notier­te. Sie schrieb mit der Hand, sie schrieb in Cafés, U‑Bahnen, auf Bän­ken sit­zend in Parks einer Stadt, die sie ein Leben lang nie ver­las­sen haben soll. Sie schrieb an einem ein­zi­gen Buch, an einem Buch, das sie stets in einer wei­te­ren Vari­an­te mit sich führ­te, im Grun­de an einem Buch einer­seits, das sie bereits auf­ge­schrie­ben hat­te, und einem Buch ande­rer­seits, in dem sie das Buch, das zu Ende geschrie­ben wor­den war, wie­der­hol­te, aber natür­lich nicht, ohne das Buch im Pro­zess des Abschrei­bens zu ergän­zen. Jede Ergän­zung wur­de sorg­fäl­tig über­legt, manch­mal wur­den Wör­ter ersetzt, gan­ze Sät­ze oder ein Gedan­ke hin­zu­ge­fügt, sel­ten eine Pas­sa­ge gestri­chen. In die­ser Wei­se ver­än­der­te sich das Buch, das Buch nahm an Umfang zu, wur­de lang­sam schwe­rer. Immer dann, wenn ein Buch abge­schrie­ben wor­den war, ver­schwand das abge­schrie­be­ne Buch. Und wie­der­um begann die Frau eine wei­te­re Kopie anzu­fer­ti­gen, die sich im Pro­zess der Ver­dopp­lung schein­bar nur unwe­sent­lich von ihrem Ori­gi­nal unter­schei­den wür­de. Der Rücken der Frau war leicht gekrümmt, sie ging viel spa­zie­ren und war stets sorg­fäl­tig geklei­det. Sie soll schon ein wenig wild aus­ge­se­hen haben, irgend­wie zer­saust, aber glück­lich, sagen wir, zer­zaust und immer beschäf­tigt und irgend­wie fröh­lich. Sie notier­te zier­li­che, äußerst exak­te Zei­chen. — Das Radio erzählt von einer Repor­te­rin der Besat­zungs­ar­mee, sie habe Men­schen, wel­che vor Last­kraft­wa­gen war­te­ten, um Brot zu erhal­ten, gera­ten, dank­bar zu sein. — stop



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