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kakapo

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whis­key : 0.55 — Ich zähl­te 378 Mal das Wort Schlaf. So oft habe ich das Wort Schlaf in den ver­gan­ge­nen sie­ben Jah­ren an die­ser Stel­le [ par­tic­les ] ver­wen­det. Ein­mal such­te ich Optio­nen das Wort Nacht fort­zu­set­zen, ich ent­deck­te 628 Vari­an­ten, zum Bei­spiel: Nach­ti­gal­len­af­fe Nacht­ge­wöl­be Nacht­duft Nacht­durch­schwär­mer Nacht­eu­len­ton Nacht­ge­fie­der Nacht­wolf. Oder aber Nacht­pa­pa­gei : das ist der merk­wür­digs­te aller papa­gei­en, der kaka­po von neu­see­land [ stri­go­ps habrop­ti­lus ], den man mit dem­sel­ben rech­te, mit wel­chen man die eulen im gegen­satz mit den fal­ken einer beson­de­ren fami­lie unter­bringt, als einen ver­tre­ter einer eige­nen fami­lie betrach­ten muss. [ nach Grimm­sches Wör­ter­buch N bis Q ] — Heu­te ist ein wei­te­res Nacht­wort hin­zu­ge­kom­men, das Wort Nacht­amei­se. Ich habe vor weni­gen Minu­ten zunächst die Amei­se selbst, dann das Wort, das die Amei­se bezeich­net, mit eige­nen Augen gese­hen. — stop
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brief an charlie

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echo : 2.10 — Ges­tern schrieb ich an Char­lie einen Brief auf Papier. Lie­ber Char­lie, es war schön, Dich wie­der­ge­se­hen zu haben. Ich freue mich, dass Du Dich Dei­ner­seits freu­test als ich Dir erzähl­te, ich wür­de ein­mal einen klei­nen Text geschrie­ben haben, in dem Du vor­kommst. Ich habe die­sen Text gesucht und für Dich aus­ge­druckt. Ich hof­fe, er gefällt Dir. Herz­li­che Grü­ße. Dein Lou­is > An der Nacht­zeit­küs­te / 24. Febru­ar 2011: Flug­ha­fen. Ter­mi­nal 1. Drei Uhr und fünf­zehn Minu­ten. Ich sto­ße auf Char­lie, 36, Arbei­ter. Der Mann, der in Togo gebo­ren wur­de und lan­ge Zeit dort leb­te, sitzt unter schla­fen­den Rei­se­men­schen an der Nacht­zeit­küs­te. Er sieht selt­sam aus an die­ser Stel­le, ein Mann, der in sei­nem Leben noch nie mit einem Flug­zeug reis­te, statt­des­sen in Zügen, Bus­sen, Schif­fen durch den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent Rich­tung Euro­pa geflüch­tet war, ja, merk­wür­dig sieht Char­lie aus, wie er so unter schlum­mern­den Nord­ame­ri­ka­nern, Usbe­ken, Chi­le­nen, Japa­nern, Neu­see­län­dern sitzt. Er trägt Sicher­heits­schu­he, ein karier­tes Holz­fäl­ler­hemd und Hosen von kräf­ti­gem Stoff, mit Kat­zen­au­gen besetz­te dun­kel­blaue Bein­klei­der, die in jede Rich­tung reflek­tie­ren. Nein, unsicht­bar ist Char­lie, auch im Dun­keln, sicher nicht. Er macht gera­de Pau­se, trinkt Kaf­fee aus einer schrei­end gel­ben Ther­mos­kan­ne und genießt ein Stück­chen Brot und etwas Käse, den er aus einer Dose fischt. Sorg­fäl­tig kaut er vor sich hin, nach­denk­lich, viel­leicht weil er sich auf ein Spiel kon­zen­triert, das er seit Jah­ren bereits an die­ser Stel­le war­tend stu­diert. Char­lie tippt Lot­to. Char­lie ist ein Meis­ter des Lot­to­spiels, Char­lie spielt mit Sys­tem. Er hat noch nie ver­lo­ren. Er hat noch nie ver­lo­ren, weil er noch nie einen wirk­li­chen Cent auf eine der Zah­len­rei­hen setz­te, die er in sei­ne Notiz­bü­cher notiert. Char­lie ist ein beob­ach­ten­der Spie­ler, Vater von fünf Kin­dern, immer ein wenig müde, weil er eben ein Nacht­ar­bei­ter ist. Wenn ich mich neben ihn set­ze und ihm zuse­he, wie er mit einem roten Kugel­schrei­ber Zah­len­ko­lon­nen in sei­ne Hef­te notiert, freut er sich, macht eine klei­ne Pau­se, erkun­digt sich nach mei­nem Befin­den, und schon schreibt er wei­ter, ana­ly­siert, rech­net, sucht nach einer For­mel, die sei­ne Fami­lie zu einer rei­chen Fami­lie machen wird. Ein­mal fra­ge ich Char­lie, ob er noch Brie­fe schrei­ben wür­de an sei­ne Eltern in Lomé. Ja, sagt Char­lie, jede Woche schrei­be er einen Brief an sei­ne Eltern, die am Meer leben, am Atlan­tik näm­lich. Ein ander­mal will ich wis­sen, war­um er nicht einen Com­pu­ter ein­set­zen wür­de, um viel­leicht schnel­ler fin­den zu kön­nen, was er sucht. Char­lie lacht, sieht mich an durch kräf­ti­ge Glä­ser einer Bril­le, sagt, dass er wis­se, wie bedeu­tend Com­pu­ter sei­en für die Welt, in der wir leben, sei­ne Kin­der spiel­ten mit die­sen Maschi­nen, für ihn sei das aber nichts. Und sofort schreibt er wei­ter. Eine ruhi­ge, kla­re Schrift. Rote Zei­chen. In die­sem Moment begrei­fe ich, dass ich einer Beschwö­rung bei­woh­ne, einem Gebet, Male­rei, einer Kom­po­si­ti­on, der “all­mäh­li­chen Ver­fer­ti­gung der Idee beim Schrei­ben”. Her­mann Bur­ger – stop

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metamorphose

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tan­go : 2.28 — Nach stun­den­lan­ger Recher­che der Ver­dacht, die Behaup­tung eines Freun­des, es sei einem Wal aus ana­to­mi­schen Grün­den unmög­lich, einen Men­schen zu ver­zeh­ren, das heißt, ihn ver­se­hent­lich bei leben­di­gem Lei­be in sich auf­zu­neh­men und in den Magen zu bewe­gen, könn­te kor­rekt sein. Es bleibt nichts übrig, als geeig­ne­te Wal­fisch­gat­tun­gen zu erfin­den. — stop

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vom tattermandl

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ulys­ses : 0.12 — Ich stell­te mir, aus gutem Grund, einen Feu­er­sa­la­man­der vor, der über zwei Köp­fe ver­fügt. Inwie­fern, frag­te ich mich, wür­de sich sei­ne beson­de­re ana­to­mi­sche Gestalt auf die Art und Wei­se sei­ner Fort­be­we­gung aus­wir­ken? Wäre der Feu­er­sa­la­man­der noch in der Lage, sich fort­zu­be­we­gen, wie es für Feu­er­sa­la­man­der leicht schau­kelnd üblich ist, oder wür­de sich das klei­ne Tier etwa im Krei­se dre­hen, viel­leicht des­halb, weil der lin­ke sei­ner Köp­fe, sein Haupt­kopf, etwas schwe­rer wiegt als sein rech­ter Kopf, der über­haupt nur des­halb exis­tiert, weil ein frü­he­rer Sala­man­der­kör­per von einem Strah­len­teil­chen getrof­fen wur­de, wes­we­gen sich sein Zell­text ver­än­der­te, wes­we­gen für einen spä­te­ren, unse­ren illu­mi­nier­ten Sala­man­der bereits im Lar­ven­sta­di­um ein zwei­ter Kopf vor­ge­schrie­ben war. Ich könn­te viel­leicht sagen, dass der zwei­te Kopf des Sala­man­ders mit dem Ein­tref­fen des strah­len­den Teil­chens zu einem Zeit­punkt, da er selbst noch gar nicht exis­tier­te, unver­meid­bar wur­de. Vier Augen nun, von wel­chen zwei unmit­tel­bar in der Lage sind, sich zu betrach­ten, weil sie sich gegen­über­lie­gen, weil sie je seit­wärts, eben nicht gera­de­aus, in die Welt hin­aus schau­en. Ich erin­ne­re mich an eine Foto­gra­fie, auf der ich selbst zu sehen bin, wie ich schla­fe. — stop

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vor neufundland 2.12.16 uhr : die sterne sind rund

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tan­go : 0.02 — Neh­men wir ein­mal an, man wür­de einen Vogel von der Grö­ße eines Zei­sigs kon­stru­ie­ren, ein Wesen, wel­ches aus 1500 Ein­zel­tei­len bestehen wird, sagen wir aus Stre­ben von leich­tem Metall, einem höl­zer­nen Rumpf, Flü­gel von kost­ba­rem Tuch, Schrau­ben, Farb­schich­ten, Dioden, feins­ten Sei­len, das wäre eine sehr fei­ne Geschich­te, einen Bau­kas­ten­vo­gel ent­de­cken für Mäd­chen und Jun­gen, die nun in ihren Zim­mern sit­zen, um den Vogel­kör­per zu mon­tie­ren. Sie wer­den viel­leicht zwei oder drei Mona­te Zeit in ihren Zim­mern ver­brin­gen, kaum etwas wird noch von ihnen zu sehen sein, als das Licht, das bis spät in die Nacht ver­bo­te­ner­wei­se aus ihren Zim­mern dringt. Wie sie zuletzt ins Zen­trum ihrer Vögel, dort wo sie den Herz­ort ihrer Vögel ver­mu­ten, mit einer Pin­zet­te und zit­tern­den Hän­den eine Atom­bat­te­rie ver­pflan­zen, nicht grö­ßer als ein Reis­korn, und wie sich nun ihre Vögel mit sur­ren­den Flü­geln erhe­ben und aus den Fens­tern segeln und flat­tern zur gro­ßen Rei­se ein­mal um die Erd­ku­gel her­um. — Kurz nach Mit­ter­nacht. Ich habe einen Funk­spruch mei­nes Freun­des Noe emp­fan­gen. Tie­fe 828 Fuß. Posi­ti­on 81 See­mei­len süd­öst­lich der Küs­te Neu­fund­lands. Fröh­li­che Stim­me, fol­gen­de Nach­richt: ANFANG 2.12.16 | | | Habe lan­ge zei­ten kei­ne ster­ne gese­hen. s t o p die ster­ne sind rund. s t o p zar­te fin­ger von licht. s t o p füh­ler. s t o p als ob der welt­raum das meer durch­such­te. y e l l o w t u m b l i n g f i s h f r o m a b o v e. träum­te yoko. s t o p ihre schul­tern. s t o p ihren mund. s t o p ihre stim­me. s t o p spü­re ihren atem an mei­nem hals. s t o p ihre lip­pen auf mei­ner brust. s t o p coney island. s t o p wird man viel­leicht selt­sam in der stil­le? s t o p in der mee­res­stil­le. s t o p schluss jetzt. s t o p fan­gen wir noch ein­mal von vor­ne an. s t o p. t w o b l u e f i s h e s i n l o v e s t r a i g h t a h e a d. s t o p wer­de ich je wie­der land betre­ten? s t o p | | | ENDE 2.14.02 — stop

nach­rich­ten von noe »

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aylan kurdi

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sier­ra : 23.25 — Ich hat­te bis zum spä­ten Abend kei­ne Zei­tung gele­sen und auch die Fern­seh­ma­schi­ne nicht ange­stellt. Gegen 22 Uhr rief ein Freund an, frag­te, ob ich die Foto­gra­fie mit dem Jun­gen gese­hen hät­te, der aus Kobanê geflüch­tet, vor einem Urlau­ber­strand der Tür­kei ertrun­ken und Land gespült wor­den sei. Er sag­te, er habe mir die Auf­nah­me gera­de eben geschickt, und ich hör­te genau in die­sem Moment das Geräusch einer ankom­men­den E‑Mail mit dem Betreff: Der Jun­ge. Eine hal­be Stun­de spä­ter öff­ne­te ich die Datei. Auf der Foto­gra­fie war der Kör­per eines Kin­des am Strand zu erken­nen, ein­sam, unend­lich ein­sam, so, als habe das Meer, in dem das Kind ertrun­ken war, sei­nen Kör­per behut­sam am Strand abge­legt, seht her, schaut, was gesche­hen ist, öff­net die Gren­zen, lasst Flücht­lings­men­schen end­lich mit Flug­zeu­gen zu euch kom­men, wehrt sie nicht ab, errich­tet kei­ne Zäu­ne, hört auf, Waf­fen zu lie­fern, mit wel­chen tat­säch­lich auf Men­schen geschos­sen wird, ich bin das Meer, aus dem ihr alle gekom­men seid. Mil­lio­nen elek­tri­sche Exem­pla­re die­ser Foto­gra­fie eines leb­lo­sen Kin­des sol­len sich inner­halb weni­ger Stun­den um die Welt ver­brei­tet haben, eine Foto­gra­fie, die nie wie­der ver­schwin­den wird, ein Gedächt­nis­bild mög­li­cher­wei­se, wie das Bild (Pulit­zer­preis 1973) der durch fri­end­ly fire schwer ver­letz­ten Kim Phúc und der Geschwis­ter des Mäd­chens, flie­hend auf einer Stra­ße im Süden Viet­nams, ein Gedächt­nis­bild, an das sich die Mensch­heit nun gewöh­nen wird, das Bild betrach­ten und beden­ken, damit es sei­nen Schre­cken ver­liert, bis man es nicht mehr wahr­neh­men wird. Der Name des Jun­gen: Aylan Kur­di. Er wur­de 3 Jah­re alt. Nicht alle wer­den sich gewöh­nen. — stop

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sommerhut

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tan­go : 6.55 — Men­schen exis­tie­ren, die Flüch­ti­ge sind, unschar­fe Wesen, oszil­lie­ren­de, beben­de Per­so­nen, obwohl sie doch in nächs­ter Nähe ste­hen, man könn­te sie berüh­ren, ihnen die Hand rei­chen, wird man ihrer nie­mals sicher sein. Oder Schla­fen­de. Eine Frau mor­gens im Zug, der ich seit Jah­ren in der 6‑Uhr-15-Bahn vom Flug­ha­fen ins Stadt­zen­trum fah­rend regel­mä­ßig begeg­ne. Sie ist immer schon anwe­send, wenn ich den Zug betre­te. Sie ist ver­mut­lich die ein­zi­ge Frau, deren Gesichts­zü­ge mir ver­traut sind, ohne je ihre Augen gese­hen zu haben. Ich ken­ne sie aus­schließ­lich als schla­fen­de Per­son. Ver­mut­lich wird sie stets lan­ge vor mei­ner Zeit in den Zug gestie­gen sein, viel­leicht in Bad Kreuz­nach oder Idar-Ober­stein, da war halb noch Nacht. Ich neh­me an, ihr Schlaf ist tief, denn sie sitzt sehr sta­bil von einer Hand­ta­sche beschwert und rührt sich auch dann nicht, wenn jemand neben ihr Platz nimmt. Ihr rund­li­ches Gesicht ist nie­mals geschminkt, ein fried­li­ches, ich wür­de sagen, ein glück­li­ches Gesicht. Ein­mal, in den Tagen gro­ßer Hit­ze, trug sie einen Som­mer­hut, ein ande­res Mal im Win­ter eine Woll­müt­ze. — stop

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giraffe no 1

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alpha : 5.15 — Ich notier­te eine E‑Mail an August Bril­lé, bat ihn, mir in der Ent­schlüs­se­lung eines Tex­tes behilf­lich zu sein, den ich ver­se­hent­lich der­art kodiert hat­te, dass ihn nicht wie­der in einen les­ba­ren Zustand zurück­zu­ho­len ver­moch­te. August ant­wor­te­te, er habe zwei sei­ner Rechen­ma­schi­nen mit die­ser kom­ple­xen Auf­ga­be betraut. Er kön­ne aller­dings nicht garan­tie­ren, in den kom­men­den Jah­ren erfolg­reich zu sein in der Ent­schlüs­se­lung mei­ner Pas­sa­ge, ich sol­le mich des­halb ergän­zend an die Öffent­lich­keit mit der Bit­te um Unter­stüt­zung wen­den. Hier­mit also ersu­che ich Sie um Hil­fe. Soll­ten Sie in der Lage sein, mei­nen ver­schlüs­sel­ten Text zu deco­die­ren, wür­de ich Ihnen mit Freu­de ein klei­nes Geschenk über­mit­teln. Es han­delt sich um eine höl­zer­ne Giraf­fe, die sich mit­tels Fin­ger­dru­ckes zu einer Ver­beu­gung hin­rei­ßen lässt. Ich dan­ke Ihnen im Vor­aus! Ihr Lou­is — Code : start /// g o Q C l v O V 0 s e K Q V A K Q w P 0 I l 6 u q t u 7 3 x g K J b Q u q 3 b u x 5 o b M E h j 0 f W K K e a Q Q C V T n + 7 d o f e Q K 2 d N N a s 9 0 C p T o u q O d n 1 5 n v 6 + J G i N G E 8 6 g T v Z S R n t K r X T j t l 1 8 V u b c N z 2 L 7 T e b 8 m q w q 3 Y d K L P b M Y E h V f W g x m 0 2 b + o G A j e T v L C Q L P o j k z S Q W R i 0 u L G f R M G J C W r e Y 7 J U 9 A O C F u z 4 6 l o t m w T X g F b Y 0 7 L B B k g V Q z m u B P F j p X E O m R 8 3 f c R X Z X t k j 3 \ / y s 3 T p P C R Z v 0 E z r m B 7 5 X w c a J d k 6 d 6 7 1 I n b U + c F r T W 2 O o j r N p z y b P M v Y k s B 5 8 U L + U R I 5 5 I U f 9 Y 7 S 8 t 9 q l 7 J 6 V p s v c B R a c B D i W T f 3 X Z G a H s v U N b R e O 4 E M I C b s J n c y p N b w 1 i 6 6 u 4 N x L E y u 7 t K K m f g z R 0 E k X b g o I o N 2 q y S a x O m B l P n A 3 e z V m C R l l b C K K d 7 b j u 2 B P j e T 1 T 4 M d 6 3 3 A J 3 0 r C P e V K c m 7 s b Y U V 7 T A 1 n y S y G s I 9 H 7 q q r k V P v u 7 U c o Z y O A I Y 4 b n 2 G q C w x 6 7 C q i o C M w h w G C 0 2 R z a O A L T R U G P 7 k u V c d W t m g M K O 9 N M Z e x I K M D a A Y q 8\ / b K 5 M 6 i p X b E r q a z X s 1 C + y 2 q 9 s u 3 N H m R F C f I B mG o 5 w e 8 a H P K 6 J U m P i M x d + E 2 B m U z ZH O k 8 k q m V C f y 5 D t R 7 u J K O 6 N P 8 7 A p C 8 N k + 9 p H d a 4 G d H 1 p g 9 8 g j Y g i — /// end — stop

harlem

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kubatajo

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romeo : 5.20 — Küh­le Luft, gnä­di­ges Tier, fließt über den Boden. Zwei Tau­ben sit­zen auf dem Fens­ter­brett und spä­hen ins Zim­mer. Irgend­wo im Süden süd­lich wer­den sich in die­sem Augen­blick hung­ri­ge gro­ße Men­schen und hung­ri­ge klei­ne Men­schen durchs Unter­holz der Berg­wäl­der schla­gen. Unlängst erzähl­te vom Bild­schirm her ein älte­rer Herr zu Buda­pest, er kön­ne SIE nicht mehr sehen, Flüch­ti­ge, man soll­te ihnen in die Bei­ne schie­ßen, dann wür­den sie nicht wie­der kom­men. Und ich dach­te, der­art prä­zi­se hat er bereits Kör­per­or­te der Ver­wun­dung vor­aus­ge­dacht, dass er kon­kret wer­den kann. Wie­der Wör­ter erfun­den: jusi­be­ba babu­ke­le bife­ri­gu jaba­bu­ba kuba­ta­jo ribe­ju­mu gocubobu kub­ex­e­bu sopi­ja­be bibu­je­bi. stop — 5 Uhr 15: Miles Davis / John Col­tra­ne — Paris 1960 — stop
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fliege nachts

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tan­go : 2.15 — Ich saß in der war­men Nacht am Tisch, leg­te ein­mal die lin­ke, dann die rech­te Hand in eine Schüs­sel, die ich mit kal­tem Was­ser füll­te. Auf dem Tisch spa­zier­te eine Flie­ge. Weil ich in die­sem Moment nichts zu tun hat­te, als die­se Flie­ge zu beob­ach­ten, ent­deck­te ich, dass sie ihre Flü­gel ver­lo­ren oder ver­ges­sen zu haben schien, die Flie­ge flog nicht her­um, auch wenn ich mich mit einem Fin­ger näher­te, flog sie nicht davon, son­dern flüch­te­te zu Fuß. Es war eine klei­ne Flie­ge, sie war so klein, dass ich sie mit blo­ßem Auge kaum noch wahr­neh­men konn­te. Nach einer hal­ben Stun­de stand ich auf, such­te nach mei­ner Lese­bril­le und kehr­te an den Tisch zurück. Die Flie­ge lun­ger­te nun unmit­tel­bar neben mei­ner Schreib­ma­schi­ne, ich konn­te sie von mei­ner Posi­ti­on aus gut sehen, sie kam sogar noch näher her­an, als ich mich mit mei­nen Augen hin­ter den Glä­sern der Bril­le über dem Tisch ver­beug­te. In die­sem Augen­blick erleb­te ich den ers­ten Blick­kon­takt mei­nes Lebens mit einer Flie­ge, ich war mir sicher, die­se Flie­ge mus­ter­te mich eben­so wie ich sie mus­ter­te, es war ihre Hal­tung, die mich über­zeug­te, wie sie unmit­tel­bar vor mir auf dem Tisch hock­te, den Kopf ange­ho­ben und sich nicht beweg­te. Nach eini­gen Minu­ten dreh­te sie sich her­um und über­quer­te den Tisch wie­der­um zu Fuß hin zu einem Tel­ler und bestieg eine Man­da­ri­ne. Es war kurz nach zwei Uhr. — stop

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