Aus der Wörtersammlung: sehen

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im keller

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gink­go : 1.52 — Sechs Stock­wer­ke abwärts, ich stei­ge in den Kel­ler in räu­di­ge Land­schaft, schnee­wei­ße Spin­nen­ge­bei­ne, die von der Decke schau­keln. Nacht ist, ich ahne Rat­ten, die mich betrach­ten von irgend­wo­her, ein unheim­li­cher Ort, einer, der dem Besu­cher die Augen öff­net. Im Licht der Taschen­lam­pe kann man den Leu­ten, die über der Kel­ler­land­schaft schla­fen, in ihre Müll­höh­len schau­en. Die­ses Durch­ein­an­der von Holz­tei­len und Ölfäs­sern und Fahr­rad­ske­let­ten könn­te zur Woh­nung X gehö­ren, und das alles zur Woh­nung Y, wie sorg­fäl­tig sich die Kar­to­na­gen doch sta­peln, in wel­chen Bücher ver­mo­dern und Män­tel und Schals und Strümp­fe. In einem der Kel­ler­ab­tei­le ruht ein Plat­ten­spie­ler zen­tral auf dem Boden, sonst ist dort nichts zu sehen, nur die­ser eine Plat­ten­spie­ler, stau­big. Hin­ter der Luft­schutz­tür von schwe­rem Eisen rei­hen sich Schau­feln der Haus­meis­te­rei, die schon lan­ge ohne den Haus­meis­ter selbst aus­kom­men muss, das Hoch­was­ser des ver­gan­ge­nen Jah­res, wie es eine Linie zeich­ne­te, stand den Besen bis zum Hals. Nicht rau­chen ist noch immer an einer Wand ver­merkt in alt­deut­scher Schrift. Und wenn ich so wei­ter­ge­he um eine Ecke her­um, sto­ße ich auf ein schma­les Abteil, das sich mit einer Geschich­te ver­bin­det. Es scheint nun leer zu sein, war aber ein­mal ein beson­de­rer Ort. Ich erin­ne­re mich an eine Öllam­pe, an eine Matrat­ze, einen Stuhl und den Schat­ten eines Men­schen, der auf die­ser Matrat­ze ruh­te: Im Schat­ten saßen Augen fest, sie starr­ten in mei­ne Lam­pe, dann flüch­te­ten sie, dann kamen sie nicht zurück. — stop

station

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olkiluoto

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romeo : 0.01 — Im Doku­men­tar­film Into Eter­ni­ty aus dem Jahr 2010 eine äußerst span­nen­de Fra­ge ent­deckt: Ob viel­leicht das End­la­ger für Atom­müll Onka­lo, auf der fin­ni­schen Halb­in­sel Olki­luotoi gele­gen, wel­ches um das Jahr 2100 her­um für alle Zeit ver­sie­gelt wer­den wird, an Ort und Stel­le vor­sich­tig mar­kiert oder aber in einen Zustand ver­setzt wer­den soll­te, dass es von Men­schen ver­ges­sen wer­den könn­te? Ein viel­stim­mi­ger Text geht die­ser Fra­ge nach: Ja, es exis­tiert einer­seits der phi­lo­so­phi­sche Ansatz, dass es sinn­voll wäre, das Atom­müll­la­ger Onka­lo zu ver­ges­sen, eine Ent­de­ckung wäre dem­zu­fol­ge nur durch Zufall denk­bar. Wie aber ist es mög­lich, Ver­ges­sen zu orga­ni­sie­ren? Ander­seits könn­te man das End­la­ger mar­kie­ren. Ein nahe lie­gen­des Modell wäre ein Stein mit einem Text dar­auf in geläu­fi­gen Spra­chen der UN, je mit Hin­wei­sen auf wei­te­re Mar­ker mit je wei­ter­füh­ren­den Infor­ma­tio­nen bis hin zu einer stei­ner­nen Biblio­thek, die in unter­ir­di­schen Räu­men ange­legt wer­den könn­te. Haupt­bot­schaf­ten sind: Dies ist ein gefähr­li­cher Ort, bit­te stört die Ruhe die­ser Anla­ge nicht! Bild­spra­che käme nun ins Spiel, dras­ti­sche Sym­bo­le oder abwei­send gestal­te­te Land­schaf­ten, wel­che aller­dings nicht zwin­gend wir­kungs­voll sein wer­den. In Nor­we­gen exis­tiert ein uralter Stein, des­sen Unter­sei­te mit einer Runen­in­schrift ver­se­hen war: Do not move. Die­se War­nung wur­de von neu­zeit­li­chen Archäo­lo­gen kom­plett igno­riert. Wenn wir die Zeit spie­geln und 100000 Jah­re in die Ver­gan­gen­heit bli­cken, müs­sen wir ein­se­hen, wir haben mit unse­ren Vor­fah­ren, den „Nean­der­ta­lern“, sehr wenig gemein. Es könn­te sein, dass Men­schen der Zukunft, die auf das Lager sto­ßen, über eine ganz ande­re Erschei­nung ver­fü­gen, über ande­re Sin­ne und Bedürf­nis­se als mensch­li­che Wesen unse­rer Zeit. Die Fra­ge ist voll­kom­men offen, ob ein ver­nunft­be­gab­tes Wesen in Zukunft irgend­et­was sinn­voll inter­pre­tie­ren könn­te oder woll­te. In aller Kür­ze: Nie­mand weiß irgend­et­was! Es ist exis­tiert die Not­wen­dig­keit einer Ent­schei­dung trotz Unwäg­bar­keit. Man muss zu die­sem Zeit­punkt sagen, was man weiß, und man muss sagen, wovon man weiß, dass man es nicht weiß, und auch wovon man nicht weiß, dass man es nicht weiß. — stop

ping

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salzluft

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sier­ra : 6.25 — In der zen­tra­len Biblio­thek der Stadt Upp­sa­la soll eine Abtei­lung duf­ten­der Bücher exis­tie­ren. Der Beschrei­bung nach han­delt es sich bei die­ser Abtei­lung um einen küh­len, abge­dun­kel­ten Saal, in dem sich ent­lang der Wän­de glä­ser­ne Behäl­ter rei­hen, in wel­chen sich je ein Buch befin­det. Die­se Bücher sei­en min­des­tens ein­hun­dert Jah­re alt. Sie hät­ten sehr beweg­te Zei­ten hin­ter sich, sei­en zur See gefah­ren, über­dau­er­ten Jahr­hun­der­te in Kir­chen oder über­leb­ten zu Füßen vul­ka­ni­scher Ber­ge schwers­te Erup­tio­nen. Nähe­re man sich nun einem die­ser Behäl­ter, wür­de man bemer­ken, dass er über einen Vor­satz mit einem Rie­gel ver­fü­ge, den man öff­nen kön­ne, sobald man eine Nase an den Vor­satz leg­te. Unver­züg­lich wür­de man über­rascht von inten­si­ven Düf­ten, von Salz­luft­duft, zum Bei­spiel, wie er See­hä­fen eigen sei, oder von Schwe­fel­dämp­fen, von Weih­rauch- oder Myr­re­düf­ten. Lesen kön­ne man die Bücher natür­lich nicht, das sei nun über­haupt nicht vor­ge­se­hen, sie sind ja ein­ge­sperrt, und das wür­de sich nie­mals ändern, eine merk­wür­di­ge Geschich­te. Die­se merk­wür­di­ge Geschich­te wur­de mir ges­tern von einem Rei­sen­den erzählt, der nachts im Ter­mi­nal 1 des Flug­ha­fens war­te­te. Es war um kurz nach fünf Uhr, als sich eine Frau mit einem klei­nen roten Kof­fer in der Hand nähr­te. Sie erkun­digt sich nach der Uhr­zeit. Ich sag­te: Es ist genau fünf­zehn Minu­ten nach. Wor­auf­hin die Frau wei­ter frag­te: Mor­gens oder abends? — stop

ping

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ein zeitraum wird sichtbar

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echo : 0.28 — Wann war es das ers­te Mal gewe­sen, dass ich von der Fil­me­ma­che­rin Lau­ra Poi­t­ras hör­te. Viel­leicht im Som­mer des Jah­res 2013. Ich erin­ne­re mich, jemand erzähl­te, sie sei eine in sich ruhen­de, sehr star­ke Frau, die nie­mals, auch in gefähr­li­chen Situa­tio­nen nicht, ihre Fähig­keit der Kon­zen­tra­ti­on ver­lie­ren wür­de. In ihrem Doku­men­tar­film Citi­zen­four, der vor­nehm­lich in einem Hotel der Stadt Hong­kong gedreht wur­de, ist sie selbst kaum zu sehen. Ich mei­ne ihre Gestalt sowie ihre Kame­ra in einem Spie­gel für eini­ge Sekun­den wahr­ge­nom­men zu haben. Ein merk­wür­di­ger, inten­siv wir­ken­der Film, des­sen Bil­der vage Vor­stel­lun­gen der Ereig­nis­se jenes Som­mers mit wirk­li­chen Bil­dern füll­te. Edward Snow­den sitzt bar­fuß auf einem Bett, mei­ne Augen beob­ach­te­ten ihn im Licht der vor­ge­stell­ten, ver­mut­lich sehr rea­len Gefahr, in der sich der jun­ge, muti­ge und über­aus klar spre­chen­de Mann befand. Immer wie­der hielt ich den Film an, um nach­zu­den­ken oder zu ler­nen. Ein­mal beob­ach­te­te ich indes­sen, wie sich Schne­cke Esme­ral­da über den Boden mei­nes Arbeits­zim­mers in Rich­tung eines geöff­ne­ten Fens­ters fort­be­weg­te. Sie wan­der­te gemäch­lich die Wand hin­auf zum Fens­ter­brett, war­te­te dort eini­ge Minu­ten, wäh­rend sie den Nacht­him­mel mit ihren Augen betas­te­te, um sich schließ­lich hin­aus an die raue Haus­wand zu wagen. Eini­ge Stun­den spä­ter, in der Däm­me­rung des Mor­gens, kehr­te sie zurück. Ihre Kriech­spur schim­mer­te im ers­ten Licht des Tages an der Wand des Hau­ses, sie war, aus der Per­spek­ti­ve einer Schne­cke betrach­tet, weit her­um­ge­kom­men. Den fol­gen­den Tag über schlief Esme­ral­da tief und fest, wie mir schien, in der Küche auf dem Tisch. Ihr schwe­res Gehäu­se lehn­te an einer Apri­ko­se. — stop

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winterreise

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alpha : 1.58 — Eine Bekann­te berich­tet, sie wür­de sich sel­ten, nur jedes zwei­te Jahr ihr Haar kür­zen. Für die­sen Pro­zess der Kür­zung besu­che sie immer wie­der den­sel­ben Fri­seur, er scheint ihr inzwi­schen ver­traut zu sein. Das zwei Jah­re lan­ge Haar, wel­ches ihr abge­nom­men wer­de, trans­por­tie­re sie dann unver­züg­lich nach Hau­se, wo es, in sei­de­nes Papier ein­ge­schla­gen, in einen Schrank gelegt und dort auf­ge­ho­ben wür­de. Das Geheim­nis die­ses Ver­fah­rens liegt dar­in begrün­det, dass mei­ne Freun­din in höhe­rem Alter Perü­cken von eige­nem Haar zu tra­gen wünscht. War­um das so ist, erklär­te sie mir nicht, auch nicht, war­um es immer August ist, wenn sie ihre Haa­re schnei­den lässt. — Ich soll­te im kom­men­den Jahr im Win­ter viel­leicht ein­mal nach Grie­chen­land rei­sen, zwei oder drei Kof­fer. Anstatt Unter­künf­te syri­scher Boat­peo­p­le anzu­zün­den, wer­den Flücht­lings­men­schen der Insel Les­bos von grie­chi­schen Bür­gern und Urlau­bern mit Nah­rungs­mit­teln und Was­ser ver­sorgt. Das erzähl­te das Fern­se­hen ges­tern Abend um kurz nach Zehn. — stop
elisabeth

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ai : ägypten

aihead2

MENSCHEN IN GEFAHR: „Die Frau­en­recht­le­rin Azza Soli­man sowie 16 wei­te­re Per­so­nen, die bei einem fried­li­chen Gedenk­marsch Augenzeug_innen einer Tötung durch die Poli­zei gewor­den waren, müs­sen am 4. Juli vor Gericht erschei­nen. Ihnen dro­hen bis zu fünf Jah­re Haft und eine Geld­stra­fe bis zu 50.000 Ägyp­ti­schen Pfund (rund 5.800 Euro). Das Gericht ord­ne­te am 13. Juni die per­sön­li­che Anwe­sen­heit der Ange­klag­ten bei der Anhö­rung am 4. Juli an. Die 17 Ange­klag­ten waren am 23. Mai von einem Kai­ro­er Gericht von dem Vor­wurf der “Teil­nah­me an ille­ga­len Pro­tes­ten” und der “Stö­rung der öffent­li­chen Ord­nung” auf Grund­la­ge des repres­si­ven Demons­tra­ti­ons­ge­set­zes frei­ge­spro­chen wor­den. Drei Tage spä­ter leg­te die ägyp­ti­sche Staats­an­walt­schaft ein Rechts­mit­tel ein. Die Anhö­rung am 13. Juni war die ers­te im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren. Sie fand vor dem Beru­fungs­ge­richt Zain­hom in Anwe­sen­heit von zwei Prozessbeobachter_innen der Dele­ga­ti­on der Euro­päi­schen Uni­on in Kai­ro statt. / Laut dem von Azza Soli­man gegrün­de­ten Rechts­hil­fe­zen­trum für ägyp­ti­sche Frau­en Cen­ter for Egyp­ti­an Women’s Legal Assis­tance bemerk­te das Gericht, dass die Ange­klag­ten bei die­ser Anhö­rung nicht wie vom ägyp­ti­schen Pro­zess­recht vor­ge­se­hen vor Gericht erschie­nen waren. Die Rechts­bei­stän­de der Ver­tei­di­gung führ­ten an, dass ihre Mandant_innen das Recht hät­ten, von Rechts­bei­stän­den ver­tre­ten zu wer­den. Sie haben ihre Mandant_innen instru­iert, dass nicht alle von ihnen am 4. Juli erschei­nen müs­sen. / Der Poli­zei­be­am­te Yas­sin Hatem Sala­he­deen wur­de am 11. Juni wegen der Tötung der links­ge­rich­te­ten Akti­vis­tin und Dich­te­rin Shai­maa Al-Sab­bagh zu 15 Jah­ren Haft ver­ur­teilt.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 13. August hin­aus, unter »> ai : urgent action

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vom fotografieren

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hima­la­ya : 2.28 — Ges­tern Abend mach­te ich einen Spa­zier­gang durch die Stadt. Es war schön warm gewor­den, über den Opern­platz jag­ten ein paar Hai­füss­lie­re in Kopf­hö­he unter den fla­nie­ren­den Men­schen dahin, eine wirk­lich schö­ne dun­kel­blaue Stun­de. Und wäh­rend ich so ging, tele­fo­nier­te ich schein­bar, das heißt, ich hielt mein Mobil­te­le­fon an mein rech­tes Ohr, aber anstatt einer Stim­me zuzu­hö­ren, die gar nicht aus dem Tele­fon her­aus­kom­men konn­te, weil ich mit nie­man­dem ver­bun­den war, foto­gra­fier­te ich wild her­um, ohne frei­lich sehen zu kön­nen, was mir vor die Ohr­lin­se kam. Auf der Kai­ser­stra­ße mach­te ich in die­ser Wei­se heim­lich Auf­nah­men von einem Hüt­chen­spie­ler. Ich muss­te mich dazu seit­wärts zum Gesche­hen in mei­ner Nähe posi­tio­nie­ren. Jemand könn­te in die­sem Moment viel­leicht Ver­dacht geschöpft haben, als ich wei­ter­ging, wur­de ich beob­ach­tet, zwei Her­ren, die mir nicht gefie­len, beglei­te­ten mich. Sie kamen sehr nah an mich her­an. Um mich zu ret­ten, begann ich in mein Tele­fon zu spre­chen. Ich tat so, als ob ich irgend­je­man­dem eine Geschich­te erzäh­len wür­de. Ich berich­te­te von Häu­sern, die unter rie­si­gen Bal­lo­nen schwe­ben. Indes­sen ging ich nicht schnel­ler vor­an als üblich. Zwei­mal blieb ich ste­hen, und auch die zwei Män­ner blie­ben ste­hen. Am Lon­do­ner Platz fiel mir zu Bal­lon­häu­sern nichts mehr ein, ich gab dar­um eine Wei­le vor, selbst einer Geschich­te zuzu­hö­ren, nick­te immer wie­der, lach­te, dann frag­te ich mit fes­ter Stim­me, ob ich viel­leicht die Geschich­te von den Eis­bü­chern erzäh­len soll­te. Da lie­ßen, weiß der Him­mel, war­um, bei­de Herrn von mir ab. — stop
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e — geparden

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nord­pol : 6.28 — Man müss­te ein­mal ein Pro­gramm erfin­den, das in der Lage wäre, E‑Mailbriefe, die man ver­se­hent­lich ver­schick­te, zu jagen, zu erle­gen, oder ganz ein­fach behut­sam wie­der zurück­zu­ho­len. Ich mei­ne das so: Neh­men wir ein­mal an, eine E‑Mail wäre vor­zei­tig ent­wischt, ohne Gruß und Unter­schrift beweg­te sie sich rasend schnell durch das World Wide Web von Kno­ten zu Kno­ten, ein Brief, der nicht unhöf­li­cher sein könn­te, ein licht­schnel­les Mons­trum, wie glück­lich wür­de man sein, wenn man ihn unge­sche­hen machen oder nach­träg­lich noch bear­bei­ten könn­te, indem zu jeder E‑Mail ein per­sön­li­cher E‑Mailgepard gehör­te, der nach dem feh­ler­haf­ten Stück het­zen wür­de, bis das gejag­te Zei­chen­we­sen getilgt sein wür­de, zu einem Nichts gewor­den, wie nie gewe­sen. Man­che die­ser Gepar­den wären viel­leicht in der Lage, sich bis in die E‑Mailprogramme adres­sier­ter Com­pu­ter selbst fort­zu­be­we­gen, E‑Mailbriefe, die bereits geöff­net wur­den, wür­den vor den Augen der Leser ver­schwin­den oder sehr heim­lich spä­ter, so dass sie nie wie­der gefun­den wer­den könn­ten, als ob sie nie exis­tier­ten, Geis­ter­we­sen, Täu­schung, Gehirn­schat­ten ohne Beweis. Es ist Sams­tag und es reg­net küh­les Was­ser, als wäre die­ser Tag bereits im Herbst. — stop / kof­fer­text
ping

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aleppo

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char­lie : 0.32 — Er wer­de lang­sam alt, erzähl­te der Jour­na­list L., alt und müde. Manch­mal füh­le er sich morsch, wie ein Kno­chen, der lan­ge Zeit in feuch­ter Luft unter frei­em Him­mel her­um­ge­le­gen hat­te, da wird man bald stau­big, und dann kommt ein Wind und schon ist man so leicht gewor­den, dass man ganz und gar für immer auf­hö­ren möch­te. Des­halb habe er ein Haus an der Küs­te gekauft, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che. Er benö­ti­ge einen Ort, an den er sich zurück­zie­hen, einen Ort, an dem er leich­ter wer­den kön­ne, wan­dern am Meer stun­den­lang und spre­chen mit sich selbst. Wenn er Selbst­ge­sprä­che füh­re, wür­de er in sich hin­ein­se­hen, Wör­ter und Sät­ze bewir­ken, dass er für eini­ge Zeit nicht mehr auf­hö­ren kön­ne zu spre­chen, weil er doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eigent­lich so schweig­sam gewor­den war, weil er doch immer, als er noch dis­ku­tier­te und erzähl­te, ver­ges­sen habe, was er sag­te, wes­halb er tage­lang dar­über nach­den­ken muss­te, ob er nicht etwas gesagt haben könn­te, das unmög­lich gesagt sein durf­te, die­se Wör­ter, die­se Sät­ze, die man so lie­bend gern zurück­ho­len woll­te, weil sie nicht pas­send oder ganz ein­fach zu vie­le Wör­ter gewe­sen waren. Des­halb nun ein Haus an der Küs­te, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che, wo er mit sich selbst spre­chen kön­ne so lan­ge er wol­le, wo ihm nie­mand zuhö­ren wür­de, nur das Haus und er selbst und manch­mal der Sand und ein paar Vögel, wenn er von Alep­po erzäh­le, wo er vor weni­gen Wochen, ein Him­mel­fahrts­kom­man­do, noch gewe­sen sei. — stop
flieger

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das auge der ezmer

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hima­la­ya : 0.01 — Ich habe Pal­mi­ra zunächst nicht wirk­lich ernst genom­men. Sie erzähl­te vor eini­gen Wochen, das lin­ke Auge ihrer Toch­ter Ezmer wür­de sich selt­sam ver­hal­ten, ich hör­te kaum hin. Ges­tern dann habe ich Mut­ter und Toch­ter zufäl­lig in einer Stra­ßen­bahn getrof­fen. Tat­säch­lich schien sich das lin­ke Auge der klei­nen Ezmer in Rich­tung des nahe­ge­le­ge­nen Ohres in Bewe­gung gesetzt zu haben. Die Fra­ge, ob sie Schmer­zen emp­fin­de, ver­nein­te Ezmer, auch kön­ne sie mit ihrem wan­dern­den Auge wei­ter­hin bes­tens sehen. Sie frag­te mich: Wo will es denn hin? Wor­auf­hin Ezmer’s Mut­ter Pal­mi­ra bemerk­te: Mach Dir kei­ne Gedan­ken, Klei­nes, Dein Auge geht nur einen Augen­blick lang spa­zie­ren. — stop

holz



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