Aus der Wörtersammlung: wörter

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tripolis

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fox­trott : 20.58 – Die Spit­ze mei­nes Blei­stif­tes unter Beob­ach­tung, wie sie sich über das Papier bewegt, immer noch unsi­cher, zögernd, hel­le, rau­chi­ge Töne, Zei­chen, Wör­ter, jeder Gedan­ke von eigen­tüm­li­cher Melo­die, eine win­di­ge, schür­fen­de Wel­le. stop. stop. In Liby­en, ohne Mit­wir­kung eines Erd­be­bens, sol­len nach Anga­ben des Bot­schaf­ters der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka in den ver­gan­ge­nen 2 Mona­ten bis zu 30000 Men­schen getö­tet wor­den sein. stop Seit zwei Tagen notie­re ich mit der Hand. — stop
ping

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malta : schnüre von luft

ping

ping

sier­ra : 15.08 – Heu­te Mor­gen, der Kof­fer lag bereits geöff­net auf dem Bett, konn­te ich wie­der das Was­ser hören, wies sich in nächs­ter Nähe beweg­te. Hat­te ein Ohr an eine Zim­mer­wand gelegt, da waren Stim­men, die sich mit dem Was­ser unter­hiel­ten, gedämpf­te Geräu­sche, Wör­ter, die ich noch nie zuvor ver­nom­men hat­te. War dann spa­zie­ren in den Schat­ten, habe Namen gesam­melt, Türen und ihre Far­ben, die Gestalt der Trep­pen, der Brief­käs­ten, der Fens­ter­räu­me, Men­schen­spu­ren, durch all­täg­li­che Bewe­gung der Jahr­hun­der­te in die Stein­haut der Stra­ßen ein­ge­tra­gen. Wil­de Lei­tun­gen kreuz­ten von Haus zu Haus. Ich stell­te mir vor, Schnü­re umman­tel­ter Luft, jedes Tele­fon sei mit wei­te­ren Tele­fo­nen durch je eine eige­ne Lei­tung ver­bun­den. Und da waren beleuch­te­te Chris­tus­fi­gu­ren an Häu­ser­ecken. Ein paar Jungs spiel­ten Fuß­ball gegen stärks­te Nei­gung des Bodens, mit einem Ball, der ost­wärts flüch­ten woll­te. Am Hafen hock­ten Män­ner auf leich­ten Stüh­len von Holz. Sie schau­kel­ten Ruten über kla­rem Was­ser, in dem kein Fisch zu sehen war. Lan­ge Zeit der Beob­ach­tung. Die Män­ner plau­der­ten in ihrer wei­chen mal­te­si­schen Spra­che, für einen Moment war mir gewe­sen, als ob sie durch Beschwö­rung, durch ihr Lachen, Fische erzeug­ten, die genau in dem Moment ihrer Ent­ste­hung sich in die war­ten­den Haken der Jäger ver­bis­sen, um auf der Stel­le in die Luft gezo­gen zu wer­den, Fische mit sil­ber­nen Bäu­chen, blau­en Rücken, gel­ben Augen, Erfin­dun­gen, wie Wör­ter aus dem Nichts, die sich zu Lini­en for­mie­ren und blei­ben. Dann wei­ter. — stop

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malta : carduelis carduelis, sanfter irrer

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india : 8.32 – Im Zucker­wa­ren­la­den in der Man­oel­street No 15 pen­delt über der Laden­the­ke ein höl­zer­ner Käfig, nicht grö­ßer als ein Schuh­kar­ton, in dem sich ein Stieg­litz befin­det, ein Männ­chen genau­er, das bis in den Abend hin­ein, ohne je eine Pau­se ein­zu­le­gen, sofort mit der Öff­nung des Ladens gegen acht Uhr mor­gens zu sin­gen beginnt. Das ist eine Art von Gesang, die kaum in Geräu­schwör­tern wie­der­ge­ge­ben wer­den kann, ich höre ein dudu­di­de oder ein didi­di­du oder ein tschirrrz­id. Der Käfig hängt dicht unter der gewölb­ten Decke. Er scheint sich stets in leich­ter Bewe­gung zu befin­den, obwohl kein Wind­zug zu spü­ren ist in den schat­ti­gen Räu­men. Eine schläf­ri­ge Frau sitzt dort hin­ter einem Tre­sen von Glas, unter dem mit Whis­key, Pini­en­ker­nen und Kir­schen gefüll­te Pron­jo­la­ta­ta­schen sorg­fäl­tig gesta­pelt lagern, Kas­ta­ni­en­tor­ten, Oran­gen­ku­chen, kan­dier­te Früch­te aller Art, und dar­über eben jener Vogel, der unent­wegt jubi­liert oder nach Hil­fe ruft. Er sitzt auf einer Stan­ge immer an der­sel­ben Stel­le, dreht oder neigt ein wenig sei­nen Kopf zur Sei­te hin und scheint die Bewe­gung sei­ner Woh­nung in der Luft, allein durch die Vibra­ti­on sei­nes Kör­pers im Gesang her­vor­zu­ru­fen. Manch­mal ver­schließt der Vogel mit­tels eines sil­ber­nen Häut­chens, das weit­ge­hend durch­sich­tig sein könn­te, ein Auge. Nach ein oder zwei Sekun­den nur ist er wie­der zurück. Er scheint auf­merk­sam zu beob­ach­ten, wie ich in mein Notiz­buch notie­re, was ich von ihm höre. Ein sanf­ter Irrer. — stop

ping

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swetlana geier

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del­ta : 0.03 — Ein auf­re­gen­des Buch, das ich gera­de wie­der lese in klei­nen Etap­pen, Wil­helm Gen­a­zi­nos Erzäh­lung Das Licht brennt ein Loch in den Tag. Ein­hun­dert­fünf­zehn Geschich­ten eines Man­nes, der fürch­tet, sein Gedächt­nis zu ver­lie­ren, Geschich­ten, die der Mann sei­nen Freun­den erzählt, damit sie ihm spä­ter ein­mal zurück­ge­ge­ben wer­den könn­ten. Ja, so soll­te man leben, so genau, dass für jeden geleb­ten Tag eine Geschich­te zu ver­zeich­nen ist. Man­che die­ser Geschich­ten wer­den viel­leicht nur aus einem ein­zi­gen Satz bestehen, einem Gedan­ken oder einem zitie­ren­den Text, Wör­tern wie die­sen, die ich ges­tern, nach­dem ich den fas­zi­nie­ren­den Film Die Frau mit den 5 Ele­fan­ten gese­hen hat­te und in sei­ne zwölf­te Minu­te zurück­ge­kehrt, der Über­set­ze­rin Swet­la­na Gei­er von den Lip­pen las: Es stellt sich immer wie­der her­aus, und es ist ein Zei­chen für einen hoch­wer­ti­gen Text, dass der Text sich bewegt. Und plötz­lich, man hat es vor­be­rei­tet und man sieht alles, und man weiß alles, aber plötz­lich ist da etwas, was man noch nie gese­hen hat. Ein sol­cher Text ist uner­schöpf­lich. Man kann ihn eigent­lich, auch wenn man ihn über­setzt hat oder zwei­mal, ich hab das jetzt zwei­mal über­setzt, man kann ihn nicht aus­schöp­fen. Und das ist eben wahr­schein­lich ein Zei­chen der aller­höchs­ten Qua­li­tät. Natür­lich, man muss lesen ler­nen. — stop


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entfaltung

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sier­ra : 22.15 — Sobald ich notie­re, das ist merk­wür­dig, wild vor mich hin notie­re, ver­mag ich zugleich über etwas nach­zu­den­ken, das mit dem, was ich notie­re, schein­bar nicht in Ver­bin­dung steht. Es ist so, als wür­den die gedach­ten und sofort geschrie­be­nen Wör­ter oder die Bewe­gun­gen mei­ner Hän­de, abseits gefal­te­te Gedan­ken öff­nen, die nur in die­ser Wei­se erreich­bar sind, warum?

 

interview
tahrir square
februar 2011
kurz vor ausbruch
staatlicher der gewalt gegen
aktivisten/innen auf dem platz
source : zero silence project
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traumspurräume

pic

marim­ba : 1.01 — Von Pass­wör­tern geschütz­te Netz­werk­räu­me, die ich früh­mor­gens mit der Stra­ßen­bahn durch­reis­te: empore88 mail­ter­mi­nal hot­spot­cen­tral cgof­fice mila­no­mila­no flo­or­NOt­wo 3localseven mobi­lee­le­ven ely­si­um gekko8. So zei­tig war’s gewe­sen, dass ich dach­te, die­se fei­nen Namen könn­ten Traum­spu­ren schla­fen­der Men­schen codie­ren. Mit wel­cher Zei­chen­fol­ge wür­de ich mei­ne eige­ne Traum­sphä­re ver­hül­len? stop. — Das Notie­ren wie­der im Ste­hen, weil das Ste­hen sich in der Nähe des Gehens befin­det, das Sit­zen aber in der Nähe des Lie­gens, also des Schla­fens. Ist das Schrei­ben viel­leicht eine Arbeit des Fan­gens, eine Arbeit des Jagens, des Zer­le­gens, dann des Ver­nä­hens? stop — Kön­nen Regen­kä­fer hören?
ping

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sinusknoten

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ulys­ses : 5.08 — Im Traum woll­te ich mein Herz mit einem Mäd­chen tei­len, das sehr krank gewe­sen war. Ich beob­ach­te­te, wie ein Chir­urg mei­ne Brust öff­ne­te. Bald hör­te ich das Mäd­chen lachen und sah, wie es davon hüpf­te. War­te­te einen Tag auf dem Rücken lie­gend und mach­te mich dann stadt­wärts im Zwie­licht auf die Suche nach einem wei­te­ren Her­zen. – Nacht. Wun­de­re mich, dass ich lebe von Minu­te zu Minu­te. stop. Fei­ne Wör­ter gesam­melt: ping query sin­gle­cast cha­os class hesi­od elap­sed seconds flood maxi­mum hop count nona­me broad­cast > 255.255.255.255.2223 toctoctoc

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wörterstimmen

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kili­man­dscha­ro : 3.30 — Man stel­le sich ein­mal vor, man wach­te eines Tages auf und könn­te jedes Wort, das man von die­sem Moment des Erwa­chens an dach­te, erin­nern, all die Selbst­ge­sprä­che und for­schen­den Dis­kur­se, auch jene Gedan­ken, die man nie bemerk­te, weil sie so schnell vor­über­zie­hen, dass man sie ver­gisst, indem man sich schon in nächs­ten Gedan­ken befin­det. Nichts wür­de fort­an ver­lo­ren gehen. Auch alle jene Sät­ze nicht, die man hören wird, sobald man das Haus ver­lässt, Notiz­zet­tel, Ein­kaufs­lis­ten, Frag­men­te von Zei­le zu Zei­le fal­len­der Anzei­ge­ta­feln auf Flug­hä­fen, Zei­tungs­ar­ti­kel, Film­dia­lo­ge, alles das wür­de gespei­chert und könn­te zu jeder Zeit in genau der Rei­hen­fol­ge wie­der­holt wer­den, in der es von Wör­ter­stim­men auf­ge­zeich­net wur­de. Was wür­de gesche­hen? Wie lan­ge Zeit könn­te man mit die­sem Ver­mö­gen aus­ge­stat­tet über­le­ben? — stop

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toctoctoc

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del­ta : 4.35 — Wie­der die Fra­ge: Kann man mit einer Hydra ver­han­deln? In die­ser Nacht, um einer Ant­wort näher­zu­kom­men, die Pro­gramm­ma­schi­ne Azu­reus unter­sucht. Auf selt­sa­me Wör­ter gesto­ßen: seed pear port snif­fing node bit­ty­rant grid hash node mor­pheus bor­der gate­way pro­to­col ID pro­xi­mi­ty pee­ring matrix traf­fic for­ward error cor­rec­tion rou­te­ser­ver vpn-tun­nels asym­me­tric-key cryp­to­gra­phy clo­seds­our­ce smka­ri­bou peers­nap digi­tal­si­gna­tur java­groups: [[group/page]] dis­plays page, [[group.page]] dis­plays group.page, [[group ( .page )]] dis­plays group sepa­ra­tors !, !!, !!! for hea­dings, for hori­zon­tal line chan­ge size: is big­ger, is smal­ler, ‘^super­script^’, ’sub­script’ — stop. toc­toc­toc: Guten Morgen!

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code-schirme

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echo : 20.55 - title / 2 LN child­ren WIA beschleu­nigt title / 2 local natio­nal child­ren woun­ded in action. stop. Jeder Wör­ter­code ein Man­tel. stop. Haben ver­wun­de­te Kin­der ihr Gesicht, ihr Augen­licht, Arme oder Bei­ne ver­lo­ren? stop. Ein Buch­sta­be noch unter­schei­det für sich Leben von Tod: title / 2 LN child­ren KIA beschleu­nigt title / 2 local natio­nal child­ren kil­led in action. stop /aus gehei­men Feld­be­rich­ten der US-Armee zum Irak-Krieg, ver­öf­fent­licht auf der Platt­form Wiki­leaks

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