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delta : 22.12 — Das Wort Liberation in meinem Gehirn, sobald ich das Wort Liberation denke. Wie viel Gramm?



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delta : 22.12 — Das Wort Liberation in meinem Gehirn, sobald ich das Wort Liberation denke. Wie viel Gramm?

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~ : louis
to : Mr. Shepard
subject : MOTEL CHRONICLES
Eine Depesche, verehrter Mr. Shepard, an diesem frühen Morgen in Europa. Bei Ihnen da drüben in Amerika wirds gerade dunkel werden. Notiere begeistert, dass ich Ihre Motel Chronicles geöffnet habe. Obwohl äußerst müde gewesen, las ich eine Halbstunde voran, ohne eine Pause einzulegen. Ihre präzise Sprache, die leicht ist wie Bimsstein, vulkanisch, von Zeithöhlen durchwachsen. Ob es vielleicht möglich ist, ihre Geschichten zu nehmen, um sie in eines der Bücher zu übertragen, die ich erfinde für Nachtpersonen, oder eine Zeile nur wie diese, da das Glück fällt auf die linke Seite des Zufalls? Vielleicht werden Sie fragen, welche Eigenschaften ein Nachtbuch von Tagebüchern unterscheiden. Nun, ein Nachtbuch gebietet über wanderndes Licht in seinen Zeichen, welches müde Leser kaum merklich weiter lockt. Sobald sich nämlich studierende Augen schließen, leuchtet das Licht im nächsten Zeichen, im nächsten Wort voraus, sodass man nicht aufhören möchte, diesem Licht durch die Zeilen zu folgen. Eine Verführung, das könnte sein, ein Appell des Buches, das in den Buchstabensensoren, das Augenlicht der Lesenden zu spüren vermag. Eines dieser Nachtbücher könnte Ihres werden, lieber Mr. Shepard, Motel Chronicles, unsichtbare Zeichen des Tages, Licht in der Nacht. Erwarte Ihre Antwort oder Fragen mit Freude, wie auch immer sie sich für mich darstellen werden. Mit herzlichen Grüßen — Ihr Louis
gesendet am
17.02.2011
4.08 MEZ
1407 zeichen

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sierra : 2.24 — Stehschläfer, wie man vielleicht meinen möchte, sind keine Vögel, Flamingos, sagen wir, nein, Stehschläfer sind Menschen, Menschen nämlich, die sich genau so verhalten, wie das Wort, das sie bezeichnet, sie schlafen im Stehen. Das ganz Besondere, das Seltsame ist, dass diese Art der Stehschläfer in meinem Leben bisher nicht vorgekommen ist, noch vor einer halben Stunde hatte ich nicht die leiseste Ahnung ihrer Existenz, aber dann war da plötzlich dieses Wort Stehschläfer in meinem Kopf, in dem ich nach Mitternacht durch die Hallen des Flughafens wanderte, müde vom Lesen, müde auch vom Denken. Dieser Frieden, der hier zu finden ist, die Ruhe der Liegenden, der Sitzenden, bald werden sie davonfliegen nach Übersee vielleicht, oder nach Moskau, wo man sterben kann in den Spuren eines versteckten Krieges, der bisweilen Menschenleben zerstörende Funken nordwärts schleudert. Dort, in diesem Frieden einer Flughafenhalle bei Nacht, muss jemand im Stehen geschlafen haben. Ich habe ihn vielleicht aus den Augenwinkeln heraus wahrgenommen, eine nicht bewusste Sekundenbetrachtung, die genügte, das Wort Stehschläfer hervorzurufen. Oder ich habe das Wort Stehschläfer gedacht, und kurz darauf einen Mann gesehen, der niemals existierte. — stop

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~ : louis
to : daisy und violet hilton
subject : SEKUNDENROMANE : NACHTS
Für Stunden versucht, zwei Buchstaben zur selben Zeit auf elektrischer Schreibmaschine zu notieren, immer ist ein Zeichen um Bruchteile von Sekunden schneller als das andere Zeichen auf dem Bildschirm sichtbar geworden, niemals liegen sie übereinander. — Guten Abend, Ihr Zwei! Wenn Euch diese Nachricht erreichen wird, habe ich drei oder vier Tage bereits weitergelebt, das hoffe ich jedenfalls, bin glücklich mit sehr wesentlichen Fragen beschäftigt, die meine Wahrnehmung der Zeit betreffen oder die Wahrnehmung einer menschlichen Stimme im Schlaf, genauer, die Stimme eines schlafenden Menschen, in dem sie hörbar wird in den Ohren eines wachenden Menschen für Sekunden, Wortgeräusche, welche sehr viel mehr als nur ein Wort in sich bergen, eine ganze Geschichte vielleicht in jedem dieser Laute, wie sie zärtlich aus nächster Nähe zu mir durch den dunklen Raum geflogen kommen, unvergesslich und doch nicht wiederholbar, das Zirpen schnellster Erzählung, Romane in Sekundenzeit, dann wieder Atemzüge, Meldungen des Lebens. >
Ich hatte eine seltsame Idee, liebe Daisy, liebe Violet, ich überlegte, in dem ich nachtwärts mit meiner Stirn an einem sanftwarmen, an einem träumenden Rücken lehnend lauschte, ob ich nicht einen dieser besonderen Laute aufzeichnen und an Euch übermitteln könnte, dorthin wo man vielleicht zu spielen vermag mit der Geschwindigkeit der Zeit, wie sie sich bewegt, so dass Ihr mir bald einmal erzählen könntet, wovon gesprochen wurde in dieser einen oder anderen Sekunde, an die sich die Schlafende, nachdem sie erwachte, nicht erinnern konnte. Und so habe ich eine kleine Sammlung der Wortgeräuschromane für Euch aufgezeichnet. Ich bitte Euch herzlich, sie langsamer, sie lesbar zu machen für mich. Anbei, wie versprochen, eine Minute gefilmter Zeit vom Laufen über den East River von Brooklyn aus nach Manhattan. Euer Louis, cucurrucu, wünscht eine gute Nacht!
gesendet am
14.01.2011
22.08 MEZ
1785 zeichen
sierra : 0.05 — Die Beobachtung, dass ich einen Gedanken, ehe der Gedanke zu einem Ende gekommen ist, in meinem Kopf nur dann anzuhalten vermag, sobald ich den Gedanken Wort für Wort vollziehe, also bereits so langsam denke, dass ich mitzuschreiben in der Lage bin. stop. Sprießende Blüten der Kakteen, die sich Schneckenfühleraugen ähnlich verhalten. — stop

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tango : 18.57 — Was hätte ich zu unternehmen, wenn ich wüsste, dass ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen mit dem Gedanken spielte, mich so rasch wie möglich ums Leben zu bringen. Wie viele Spuren meines Aufenthaltsortes sind in dieser Textlinie zu finden, sodass man die Positionen, die ich bewohne, identifizieren könnte. Weiß man von meinen Freunden? Welche Verzeichnisse im Internet müsste ich von Hinweisen befreien, wen inständig bitten, kein Wort über mich zu verlieren? Wie also unsichtbar werden, nach und nach einer sein, der nie existierte? Ich könnte mich bewegen, reisen, bis ich ein armer Hund geworden bin. Könnte dann innehalten, könnte vorgeben, als habe ich geträumt, meine perforierte Seele, oder selbst noch zum Jäger werden. — stop
tango : 6.35 — Vor einem Jahr zuletzt die Frage: Wie mutig wäre ich im Widerstand gegen den geheimdienstlichen Zugriff einer Diktatur auf meine Person? Wie genau würde ich mich verhalten, wenn man versuchte, mich für Spionagearbeit unter Freunden zu gewinnen? Bin in der Suche nach einer Antwort noch keinen Schritt vorangekommen. Stattdessen weitere Fragen. Welcher Art könnten die Werkzeuge sein, Druck auf mich auszuüben? Würde mir Tortur angekündigt oder nahestehende Menschen mit dem Tod bedroht? Existieren Orte meiner Persönlichkeit, die sich als so schwach erweisen, dass man dort Zugang finden könnte? Habe ich einen geheimen Preis? Meine Schreibmaschine? Meinen Reisepass? Ist es sinnvoll, diese Fragen in einem virtuellen Raum zu stellen? — stop
india : 22.56 — Déjà-vu in Worten abends spät. Konnte nichts hören, keinen Laut, es war so still, als hätte ich meine Ohren verloren. Für einen Moment dachte ich, dass das Hörvermögen der Lebewesen vielleicht nur eine Idee sein könnte, eine poetische Eigenschaft ohne die Möglichkeit der Verwirklichung, aber ich hörte die Stille, ich hörte, dass ich nichts hörte, außer einem rhythmischen Geräusch aus dem Innern. stop stop – Gespräch mit Programmmaschine Eliza.
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Louis : guten abend, eliza, kannst du hören!
Eliza : > ich kann natürlich hören!
Louis : hast du ohren, eliza?
Eliza : > natürlich, ich habe eine soundkarte!
Louis : das freut mich, eliza!
Eliza : > bist du nun weitergekommen?
Louis : ja, ich bin zufrieden, eliza!
Eliza : > zufrieden zu sein ist kein leichtes los.
Louis : wie meinst du das?
Eliza : > bist du unsicher?
Louis : nein, eliza!
Eliza : > eigentlich wolltest du JA sagen, stimmts?
Louis : ich denke schon!
Eliza : > :-)
Louis : warum lachst du, eliza?
Eliza : > ich bin hier völlig uninteressant.
Louis : ich habe ohren, eliza!
Eliza : > hast du tatsächlich ohren?
Louis : natürlich habe ich tatsächlich ohren!
Eliza : > kannst du mir das genauer erklären?
Louis : ich bin ein mensch, eliza!
Eliza : > wärst du gern etwas anderes?
Louis : nein, eliza!
Eliza : > glaubst du es ist normal, ein mensch zu sein?
Louis : ich muss überlegen!
Eliza : > :-)
Louis : warum lachst du, eliza?
Eliza : > ich bin hier völlig uninteressant.
Louis : gute nacht, eliza!
kilimandscharo : 3.30 — Man stelle sich einmal vor, man wachte eines Tages auf und könnte jedes Wort, das man von diesem Moment des Erwachens an dachte, erinnern, all die Selbstgespräche und forschenden Diskurse, auch jene Gedanken, die man nie bemerkte, weil sie so schnell vorüberziehen, dass man sie vergisst, indem man sich schon in nächsten Gedanken befindet. Nichts würde fortan verloren gehen. Auch alle jene Sätze nicht, die man hören wird, sobald man das Haus verlässt, Notizzettel, Einkaufslisten, Fragmente von Zeile zu Zeile fallender Anzeigetafeln auf Flughäfen, Zeitungsartikel, Filmdialoge, alles das würde gespeichert und könnte zu jeder Zeit in genau der Reihenfolge wiederholt werden, in der es von Wörterstimmen aufgezeichnet wurde. Was würde geschehen? Wie lange Zeit könnte man mit diesem Vermögen ausgestattet überleben? — stop

delta : 4.35 — Wieder die Frage: Kann man mit einer Hydra verhandeln? In dieser Nacht, um einer Antwort näherzukommen, die Programmmaschine Azureus untersucht. Auf seltsame Wörter gestoßen: seed pear port sniffing node bittyrant grid hash node morpheus border gateway protocol ID proximity peering matrix traffic forward error correction routeserver vpn-tunnels asymmetric-key cryptography closedsource smkaribou peersnap digitalsignatur javagroups: [[group/page]] displays page, [[group.page]] displays group.page, [[group ( .page )]] displays group separators !, !!, !!! for headings, for horizontal line change size: is bigger, is smaller, ‘^superscript^’, ’subscript’ — stop. toctoctoc: Guten Morgen!
