MELDUNG. Mumbai, Road Number One, 16. Etage, steinernes Zimmer : Kirsche No 2501 [ Marmor, Carrara : 1.81 Gramm ] vollendet. — stop


MENSCH IN GEFAHR: „Der Schriftsteller Shakthika Sathkumara wurde am 1. April 2019 festgenommen, als er auf einer Polizeiwache erschien, um eine Aussage zu einer Beschwerde zu machen, die buddhistische Mönche hinsichtlich seiner Kurzgeschichte eingereicht hatten. Er wurde unter Paragraf 3(1) des IPbpR-Gesetzes und Paragraf 291(B) des srilankischen Strafgesetzbuchs angeklagt. Diese Paragrafen lassen eine Freilassung gegen Kaution seitens regulärer Amtsgerichte nicht zu. Deshalb befand sich Shakthika Sathkumara fast vier Monate lang in Haft. Seine nächste Anhörung soll am 30. September vor dem Obersten Gerichtshof stattfinden. / Shakthika Sathkumaras literarische Arbeit ist von mehreren Organisationen, darunter auch dem Ministerium für kulturelle Angelegenheiten und der Kulturabteilung des Ministerpräsidenten der Nordwestprovinz, für Auszeichnungen vorgeschlagen worden. Paragraf 3(1) des IPbpR-Gesetzes und Paragraf 291 des Strafgesetzbuchs kriminalisieren das Propagieren von rassistischem und religiösem Hass, der Diskriminierung, Feindseligkeit und Gewalt schürt./ Die Festnahme von Shakthika Sathkumara ist Teil einer beunruhigenden Tendenz, das IPbpR-Gesetz dazu zu nutzen, friedlichen Aktivist_innen und Autor_innen in Sri Lanka die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Gedanken‑, Gewissens- und Religionsfreiheit abzusprechen. Diese Rechte sind jedoch im Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte festgeschrieben. Im Mai 2019 wurde eine Frau namens M. R. Mazahima unter dem IPbpR-Gesetz festgenommen, weil sie eine Bluse mit dem Aufdruck eines Schiffsteuerrades getragen hatte. Als Begründung wurde von den anzeigenden Personen fälschlicherweise angegeben, dass dies ein buddhistisches Symbol sei. Sie wurde mehr als drei Wochen lang in Gewahrsam gehalten, bis ihr endlich Kaution gewährt wurde. Im Juni 2019 wurde dem Kolumnisten Kusal Perera unter dem IPbpR-Gesetz mit der Festnahme gedroht, weil er über den zunehmenden extremistischen Sinhala-Buddhismus in Sri Lanka geschrieben hatte. / Der willkürliche Einsatz des IPbpR-Gesetzes – das Menschenrechte schützen und nicht gegen sie verstoßen soll – hat zu einem schwierigen Klima im Land geführt. In Sri Lanka reagieren die Behörden extrem sensibel auf vermeintliche Verunglimpfungen des Buddhismus und werden direkt von bestimmten Gruppen buddhistischer Mönche beeinflusst, die die Festnahme und Strafverfolgung von Personen verlangen, von der sie meinen, dass sie die Religion verunglimpft haben./ Gemäß dem IPbpR, an dessen Umsetzung Sri Lanka gebunden ist, darf das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Gedanken‑, Gewissens- und Religionsfreiheit nur in einem engen, klar definierten Rahmen eingeschränkt werden. Einschränkungen dieser Rechte sind nur dann zulässig, wenn sie nötig sind, um die Rechte und Freiheiten anderer oder bestimmte öffentliche Interessen (wie z. B. die nationale bzw. öffentliche Sicherheit, die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Gesundheit oder Moral) zu schützen, und wenn sie für diesen Zweck nachweisbar notwendig sind. Indirekte oder direkte Kritik an einer Religion oder einem Glaubenssystem darf nicht als Volksverhetzung kriminalisiert werden.“ - Hintergrundinformationen sowie empfohlene schriftliche Aktionen bis spätestens zum 17.10.2019 unter > ai : urgent action
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bamako : 18.55 UTC Morgen oder übermorgen werde ich eine Geschichte erzählen, die mit Jack Kerouac in einer gewissen losen Verbindung stehen wird. Als ich die Geschichte zu notieren begann, erinnerte ich mich an einen Text, den ich vor 11 Jahren an dieser Stelle bereits gesendet hatte. Es war gleichwohl im September gewesen, es regnete damals und ich spazierte unter einem Regenschirm. Zunächst regnete es Regensand, dann Regenreis, dann regnete es kleine Frösche. Für einen kurzen Moment dachte ich, in einem Film angekommen zu sein, der von Louisiana handelte. Das war ein feines Gefühl gewesen, unter dem klingenden Schirm am Ufer des Mississippi zu stehen und den Fröschen zu lauschen, die auf ihrer letzten Reise vom Himmel erstaunliche, pfeifende Geräusche von sich gaben. Als ich so im Froschregen am großen Fluss stand, erinnerte ich mich wiederum an einen kleinen Text, den ich ein Jahr zuvor bereits geschrieben hatte. Und sofort wusste ich, dass ich diesen Text, sobald ich wieder zu Hause angekommen sein würde, noch einmal lesen sollte. Es ist noch immer, auch heute, 12 Jahre später, ein beruhigender Text, ein Text, der mich berührt. Deshalb will ich diesen kleinen Text, eine Anleitung zum Glücklichsein, noch einmal, zum dritten Mal, für Sie wiederholen: Man verlasse das Haus. Sorgfältig alle Bewegungen des Verkehrs beachtend, gehe man so lange durch die Stadt, bis man auf eine Buchhandlung trifft. Dort kaufe man Cortazar, Julio – Geschichten der Cronopien und Famen. Dann gehe man spazieren, trage den schmalen Band durch die Straßen, bis man einen Park erreicht, wenn Sommer, oder ein Café, wenn Winter ist. Man nehme Platz und lese. Über den Umgang mit Ameisen beispielsweise oder wie wunderbar angenehm es ist, ein Spinnenbein postalisch an einen Außenminister aufzugeben. Oder man lasse sich im Uhrenaufziehen oder im Treppensteigen unterweisen. Jetzt bereits wird man eine leichte Wärme spüren, die aus der Gegend des Bauches nach oben und unten in Arme und Beine auswandert. Also lese man weiter, lausche jenen angenehmen Geräuschen im Kopf, diesem sagen wir: Jedermann wird schon einmal beobachtet haben, dass sich der Boden häufig faltet, dergestalt, dass ein Teil im rechten Winkel zur Bodenebene ansteigt und der darauffolgende Teil sich parallel zu dieser Ebene befindet, um einer neuen Senkrechte Platz zu machen. Oder jenem: Treppen steigt man von vorn, da sie sich von hinten oder von der Seite her als außerordentlich unbequem erweisen. It works. — stop![]()
himalaya : 20.58 UTC — Folgende freundliche Darstellung zweier sich zugewandter Gesichter, liegend, in einfachsten Zeichen Buchstabenzeichen dargestellte, sind den Suchmaschinen Yandex, Bing und Google zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt: :-)(-: * Aber die Zeichenfolge :-) (-: Seltsame Geschichte. — stop
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himalaya : 12.22 UTC — Da sind Menschen, die in einem Kontrollzentrum Bildschirme beobachten. Sie haben sich versammelt, gemeinsam die Landung einer Marssonde zu erleben. Was gerade geschieht, in großer Entfernung, ist derart spannend, dass sie alle ganz still sind. Sie stehen oder sitzen und betrachten also Bildschirme, auf welchen nichts zu sehen ist, als Zahlenreihen, die sie vermutlich zu lesen in der Lage sind, als wären sie Wörter, welche eine Geschichte erzählen, die in diesem Augenblick der Beobachtung vermutlich längst schon vollendet ist. Blackout expected, sagt eine Stimme. — stop
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lima : 16.18 UTC — Hörte Friedrike Mayröcker von Steinen sprechen: Ist das Schreiben etwa wie das Ansetzen von Dominosteinen? — stop

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echo : 16.12 UTC — In Traum erzählte mir eine sehr alte Frau am Telefon, ich dürfe, sollte ich einmal zu Besuch kommen, ihr weder Fotografien noch Filmaufnahmen zeigen, die ich vielleicht entdeckt und aufbewahrt haben könnte. Sie sagte, dass sie sich vor Fotografien fürchte, sie habe immer sofort alles im Blick, sie könne nicht einfach nur eine kleine Portion betrachten, einen Ausschnitt eines Ortes, vor dem sie sich fürchte, es wäre immer alles sofort gegenwärtig, die Absicht des Bildes oder ein Zufall. Ich erinnere mich in diesem nächtlichen Gespräch versichert zu haben, ihr niemals eine Fotografie von dort zu zeigen. Aber ich gab nicht sofort auf. Ich bemerkte, dass es immerhin möglich wäre, Fotografien in kleinere Teile zu zerlegen, ich könnte diese Teile nummerieren und mit ihr gemeinsam auf einem Tisch Teilbild für Teilbild sehr langsam ergänzen, sie könnte sich in diesem Falle also an ein langsam entstehendes Bild zunächst gewöhnen, indessen ich ihr erzählen würde, was auf den Teilbildern bereits von der Absicht oder einem Zufall zu sehen ist. Als ich meine Rede unterbrach, blieb es still da drüben jenseits meines Telefonhörers, der selbst als ein vollständiges Telefon bezeichnet werden könnte. Dann wachte ich auf, es war Sonntag. — stop

sierra : 3.02 — Louis bat mich, eine Geschichte zu erzählen vom Glück, als ich noch ein Kind gewesen war. Ich musste nicht lange überlegen. Ich sagte, dass ich abends, sobald das Licht in meinem Zimmer ausgeschaltet wurde, heimlich in meinen Büchern gelesen habe. Zu diesem Zweck hatte ich eine Taschenlampe unter meinem Kopfkissen versteckt. Ich las immer im Sitzen, die Beine verschränkt, Jules Verne zum Beispiel. Aufregend, nicht nur die Bücher, sondern das verbotene Lesen zur Nachtzeit selbst. Während ich Louis von meinem Glück berichtete, erinnerte ich mich, wie mein Bruder, der in demselben Zimmer geschlafen hatte, einmal erzählte, ich, der Ältere, habe zur Sommerzeit wie ein leuchtender Berg ausgesehen, der sich manchmal bewegte. Hin und wieder, ich erinnere mich, flackerte das Licht, weil die Kraft der Batterien in der kleinen Lampe zur Neige ging. Ich musste dann immer ein wenig warten, bis sich die Batterien wieder erholten. Oft war ich in dieser Zeit des Wartens noch im Sitzen eingeschlafen. Da lachte Louis, vermutlich, weil er sich erinnerte.- stop

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india : 8.15 UTC — Einmal, und in der vergangenen Nacht wieder, im Traum eine Notladung nach einem Flug dicht über das Wasser hin über den Atlantik in einer Wildnis vor New York. Wir werden evakuiert, ich vergesse im brennenden Flugzeug Koffer und Papiere. Bin plötzlich ein Niemand, einer, der in einem Bett liegt, in einem Zimmer, in welchem sich Menschen vor Bildern bewegen, die sie betrachten und besprechen. Auch ich bin ein Bild, werde diskutiert, darf mich nicht bewegen, kann Sprechsprachen nicht verstehen. — stop

