Aus der Wörtersammlung: vater

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mondstimme

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char­lie : 20.32 — Eine bewe­gen­de Geschich­te erzähl­te Alex­an­der Gerst, Astro­naut der ESA, er wird im Jahr 2014 auf der Inter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS for­schen und arbei­ten. Sein Groß­va­ter sei ein begeis­ter­ter Fun­ker gewe­sen. Er habe in einem Kel­ler­raum, der brumm­te und summ­te, eine Funk­sta­ti­on betrie­ben, Knöp­fe, Schal­ter, Anten­nen, ein fas­zi­nie­ren­der Ort. Ein­mal habe sein Groß­va­ter eine sei­ner Anten­nen zum Mond hin aus­ge­rich­tet und der klei­ne Jun­ge habe kurz dar­auf in das Mikro­fon gespro­chen. Zwei­ein­halb Sekun­den spä­ter sei­en Frag­men­te sei­ner Nach­richt, reflek­tiert von der Mond­ober­flä­che, zurück­ge­kehrt. Der Astro­naut erin­nert sich sei­ner Begeis­te­rung, als er begriff, dass Tei­le sei­ner Per­son gera­de eben in Berüh­rung mit dem Mond gewe­sen waren. — stop

polaroidwalker

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vor den kapverden

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del­ta : 6.58 — Vor zwei Jah­ren ein­mal mel­de­te sich mein Vater am Tele­fon, er woll­te mir eini­ge Gedan­ken über­mit­teln. Ich hat­te ihn gefragt, ob es Tief­see­ele­fan­ten in phy­si­ka­li­scher Hin­sicht mög­lich sei, Atem­luft über kilo­me­ter­lan­ge Rüs­sel in die Tie­fe zu lei­ten. Mein Vater sen­de­te meh­re­re Vari­an­ten einer Lösung die­ses Pro­blems, unter ande­rem dach­te er dar­über nach, dass die Luft gegen den stei­gen­den Druck des Was­sers ver­mut­lich in einem Kam­mer­sys­tem in klei­ne­ren Por­tio­nen nach unten gedrückt wer­den könn­te. Das leuch­te­te mir ein, ich war sehr zufrie­den mit die­ser Vor­stel­lung eines Luft­trans­port­we­sens. In der ver­gan­ge­nen Nacht habe ich mich an die Vor­stel­lun­gen mei­nes Vaters erin­nert, in einer Nacht, da ich Mel­dung erhielt, man habe vor den Kap­ver­den Tief­see­ele­fan­ten gesich­tet. Wie­der ein Fischer­boot, wie es sich in einer leich­ten Mee­res­strö­mung dreht. Schwei­gen­de Män­ner. Lam­pen­licht, das über das Was­ser springt. Die Män­ner betrach­ten auch in die­sen Minu­ten der Nacht schnau­ben­de Rüs­sel­spit­zen einer rie­si­gen Her­de Tief­see­ele­fan­ten, die sich viel­leicht soeben auf den Weg bege­ben, den Atlan­tik zu durch­que­ren, geräusch­voll atmen­de, sich lieb­ko­sen­de, sam­tig flei­schi­ge Knit­ter­blü­ten. — Leich­ter, küh­ler Regen. – stop

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die schrift meines vaters

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nord­pol : 7.05 — Dass mein Vater älter wur­de und müde, war sei­ner Schrift deut­lich anzu­se­hen. Die Buch­sta­ben wur­den klei­ner, man­che stan­den senk­recht, ande­re neig­ten sich einer unsicht­ba­ren Linie zu, auf der sie sich wort­wei­se vor­wärts beweg­ten. Ich könn­te sagen, die Schrift mei­nes Vaters wirk­te so, als wäre ein Sturm seit­wärts über sie hin­weg­ge­fah­ren, zer­zaust, und doch waren alle not­wen­di­gen Buch­sta­ben für jedes der Wör­ter, die mein Vater geschrie­ben hat­te, gesetzt. Er notier­te zuletzt ger­ne mit­hil­fe der Tas­ta­tur sei­ner Com­pu­ter­ma­schi­ne, das war nicht so anstren­gend, er ver­moch­te die Grö­ße der Zei­chen zu vari­ie­ren, sodass er sehen konn­te, was er gera­de auf den Bild­schirm brach­te. Ein­mal muss­te mein Vater einen Brief unter­zeich­nen, es war ein Okto­ber­tag, mein Vater war­te­te lan­ge Zeit vor dem Papier, das auf dem Tisch vor ihm ruh­te, hielt den Stift, den man ihm gereicht hat­te, in der Hand, betrach­te­te die­sen Stift, dreh­te ihn zwi­schen den Fin­gern, er zöger­te den Moment hin­aus, da er mit der Auf­zeich­nung sei­nes Namens begin­nen wür­de. In die­sem Moment ahn­te ich, dass mein Vater sei­nen Namen malen wür­de, dass sei­ne nicht bewuss­te Signa­tur, die ein Leben lang gül­tig gewe­sen war, nicht län­ger zu exis­tie­ren schien, oder dass er unter den Augen eines Beob­ach­ters sich nicht län­ger trau­te, sei­ne urei­ge­ne Signa­tur aus­zu­füh­ren. Ja, mein Vater fürch­te­te sich, weil der Wind der ver­ge­hen­den Zeit sei­ne Schrift erfass­te. Sie war ein­mal eine akku­ra­te Schrift gewe­sen, eine Schrift wie gedruckt, sie notier­te kom­pli­zier­te mathe­ma­ti­sche For­meln, ohne je ihre Fas­sung auf den Papie­ren zu ver­lie­ren. Als Jun­ge beschloss ich, die­se Geheim­schrift der Zah­len und Wör­ter zu ent­schlüs­seln, bis sie noch vor mei­nem Vater selbst zu ver­schwin­den begann. Zurück­ge­blie­ben sind nun sei­ne Stif­te in einer Schub­la­de: Kugel­schrei­ber, Füll­fe­der­hal­ter, Blei­stif­te, Bunt­stif­te, auch ein Werk­zeug, mit dem man in wei­ßer Far­be notie­ren kann, viel­leicht um zu kor­ri­gie­ren, viel­leicht um Nicht­sicht­ba­res auf das Papier zu set­zen. — stop

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flugpanther

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india : 6.02 — Auf das Grab mei­nes Vaters fal­len Früch­te eines Bau­mes, der schon im letz­ten Jahr an Ort und Stel­le gestan­den haben muss. Da war vom Grab mei­nes Vaters weit und breit noch nichts zu sehn, aber es war schon die Rede vom ihm, ganz heim­lich, in Gedan­ken, der Vater könn­te ster­ben. Eich­hörn­chen suchen zwi­schen Astern­bü­schen nach Eicheln, auf­ge­regt, der ers­te Schnee ist gefal­len, es ist ein Schnee, der wie­der an die Zeit den­ken lässt, die ver­gan­gen ist und noch ver­ge­hen wird, wes­halb wir trau­rig wer­den, weil mein Vater den Schnee des letz­ten Jah­res noch mit sei­nen Augen sehen konn­te und jetzt nicht mehr sieht, ein Schnee ohne ihn, was wie­der­um ein selt­sa­mer Gedan­ke ist, weil es ein­mal einen Schnee ohne uns alle geben wird, und das ein oder ande­re Grab, auf dem Eich­hörn­chen nach Eicheln suchen oder wei­te­ren Nüs­sen. Wie sie zit­tern und beben, die Käl­te, aber auch des­halb viel­leicht, weil sie so gespannt sind, so auf­merk­sam, weil Raben in den Bäu­men sit­zen, die hung­rig sind, flie­gen­de Pan­ther. Wie schnell man doch sein Leben ver­lie­ren kann, kaum hun­dert Jah­re ver­ge­hen und schon ist man sehr wahr­schein­lich tot, eine ver­damm­te Sache, das Älter­wer­den bis man zum Ster­ben alt gewor­den ist, wenn man Glück hat, wenn man nicht vor dem Alt­sein stirbt. Wie mein Vater neben mei­ner Mut­ter am Fens­ter steht. Ein frü­her Mor­gen, ein Janu­ar­sonn­tag. Ich zieh mei­nen Kof­fer über den ver­schnei­ten Weg, auf dem noch kei­ne Fuß­spu­ren zu sehen sind. 10 Stun­den spä­ter wer­de ich in Man­hat­tan sein. Mein Vater winkt. Ein Win­ken, ohne die Bewe­gung des Armes, nur sei­ne Fin­ger win­ken, sie klap­pen von oben nach unten, wie damals noch in den Schat­ten­spie­len, Kro­ko­di­le, Wöl­fe, Ele­fan­ten, stumm von den Wän­den. — stop
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gebete

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del­ta : 6.46 — Das war so gewe­sen. Kurz nach dem Abend­essen tref­fe ich im Zug auf einen Freund. Er kam gera­de vom Gebet. Ich weiß nicht, wie er das macht, er betet an allen denk­bar unmög­li­chen Orten, aber immer zur rech­ten Zeit. Wir müs­sen nicht mehr dar­über spre­chen, er ist Mos­lem, über­zeugt, tief­gläu­big, ich bin Christ, einer, der eher zwei­felt, aber nicht NEIN sagen will, nicht, dass das alles Unfug ist mit den Jen­seits­ge­schich­ten. Mein Freund und ich lie­ben Jazz. Er ist ein Schlag­zeu­ger von hoher Bega­bung, ich habe ein fei­nes Gehör, das ist die ande­re Sei­te, mein beben­des Zwerch­fell, wenn er spielt. Was das doch für ein Irr­sinn wie­der ist, die­ser Film, die­se Pro­vo­ka­ti­on, dass das nie auf­hört, sag­te er dann doch in mei­ne Rich­tung. Und dass ihm das vor allem so unan­ge­nehm sei, weil wir doch wie Pup­pen sind, die man auf­zie­hen kann, irgend­wo eine böse sati­ri­sche Zeich­nung, und schon tan­zen wir los. — Ja, das ist äußerst selt­sam, die­se Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on über gro­ße Ent­fer­nun­gen hin­weg, die Men­schen­le­ben for­dert. Über­haupt ist das merk­wür­dig, die Schöp­fung, der Tod, das Erzäh­len von der Zeit danach, die Geset­ze, die Bewer­tung nach Gut und Böse. Ich erin­ne­re mich, wie ich vor vie­len Jah­ren ein­mal mit mei­nem Vater vor einem Fern­seh­ge­rät saß. Das war an einem Oster­sonn­tag kurz vor 12 Uhr mit­tags gewe­sen. Auf einem Bal­kon in Rom stand ein alter Mann, er trug einen merk­wür­di­gen Hut auf dem Kopf und sprach in sin­gen­der Wei­se Ver­se, von wel­chen ich ahn­te, dass es sich nur um ein Gebet han­deln könn­te. Das Gebet war in mei­nen Ohren nicht ver­ständ­lich gewe­sen, weil es in ita­lie­ni­scher Spra­che gesun­gen wur­de, aber dann äußer­te sich der geist­li­che Mann plötz­lich in einer mir bekann­ten Spra­che. Mei­ne Mut­ter war indes­sen hin­zu­ge­tre­ten. In genau dem Moment, da der alte Mann sei­nen Segen erteil­te, knie­te sie nie­der und bekreu­zig­te sich. Ich erin­ne­re, mich über ihre Ges­te gewun­dert zu haben, das Knien vor einem Fern­seh­ge­rät. Genau­ge­nom­men wun­de­re ich mich bis heu­te, wie der Segen wan­dert. — stop
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PRÄPARIERSAAL : schlafgänger

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char­lie : 6.54 — Otto Lili­en­thal soll als jun­ger Mann ein Schlaf­gän­ger gewe­sen sein wie mein Vater. Ich erin­ne­re mich, dass er ein­mal erzähl­te, er habe wäh­rend frü­her For­schungs­zeit sein Bett mit einem „leich­ten Mäd­chen“ geteilt. Nachts schlief er auf ihrem Lager, tags sie auf dem Lager mei­nes Vaters. Eine merk­wür­di­ge Vor­stel­lung. Sie sind sich, wenn ich mich nicht irre, per­sön­lich nie begeg­net sein, aber ihren Gerü­chen, Wär­me, einem Kör­per­ab­druck, Haar. — Kurz vor Son­nen­auf­gang. Gera­de eben lese ich einen E‑Mailbrief June’s, 22. Sie schil­dert in lako­ni­scher Wei­se ihre Erfah­rung eines Prä­pa­rier­saa­les: > Der Tag des ers­ten Testa­tes: Ner­vo­si­tät, Übel­keit, bestan­den! Glücks­ge­füh­le, ab nach Hau­se, schla­fen! Jetzt alles tun, außer ler­nen. Oh, es ist schon spät, ver­dammt, was muss ich mor­gen eigent­lich machen? Das wer­de ich in der S‑Bahn schon noch her­aus­fin­den. Dann der ers­te Tag des neu­en Abschnitts: Arm oder doch der Kopf? Was muss ich eigent­lich tun? Ich hät­te mir das ges­tern doch noch anse­hen sol­len, mei­ne Assis­ten­tin wird mir schon hel­fen, erst mal das Fett abtra­gen, da kann ich nicht viel falsch machen. Was muss ich eigent­lich fin­den? Ach, das fin­de ich mor­gen auch noch! End­lich nach Hau­se! – Der 2. Tag: Was habe ich heu­te zu unter­neh­men? Ver­dammt, war­um meint mein Assis­tent, dass es nicht gut ist, dass ich die­sen klei­nen Haut­nerv noch nicht gefun­den habe. Fei­er­abend! — Der 3. Tag: Nacht­ar­beit, müde! — Der 4. Tag. Ich bin schon wie­der nicht vor­be­rei­tet, ich hat­te so viel nach­zu­ho­len, bald ist erneut Tes­tat und ich kann noch nicht ein­mal mein eige­nes ana­to­mi­sches Gebiet erklä­ren. – 5. Tag, zwei Tage vor dem zwei­ten Tes­tat: Panik! Ich habe über­haupt kei­ne Ahnung. Ich muss noch so viel ler­nen, dass das alles nie­mals in mei­nen Kopf gehen wird. Ich habe zwar schon sehr viel gelernt, aber ich habe alles, was ich lern­te, wie­der ver­ges­sen. — 6. Tag, letz­ter Tag vor dem Tes­tat: Ich glau­be, mein Prä­pa­ri­er­ge­biet kann ich jetzt inwen­dig und aus­wen­dig, aber ich weiß nichts vom Bein! Wenn ich über das Bein gefragt wer­de, dann fal­le ich durch! Ich muss noch drin­gend das Bein ler­nen! Nein, das lern ich jetzt nicht mehr. Mut zur Lücke. Nacht! — stop

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schrödingers katze

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nord­pol : 5.18 — Wie Sor­ge nach und nach lei­se ein Haus betritt, in wel­chem Men­schen leben, die alt gewor­den sind. Sie erscheint als ein Tier, das nicht sicht­bar ist, feins­tes Gewe­be in Bewe­gun­gen der Haus­be­woh­ner, in der Art, wie sie mit­ein­an­der spre­chen oder wovon sie nicht spre­chen. Vater, der an sei­nem Tisch sitzt im Wohn­zim­mer. Sein leicht geneig­ter Kopf. Und die­ser Blick, spre­chen­des Licht. Bin ich nicht viel­leicht viel zu lang­sam gewor­den? Kann ich noch wirk­lich ver­ste­hen, was ihr mir zu sagen habt? Wer bin ich über­haupt? Bin ich noch der, für den Ihr mich hal­tet? Was erzählt ihr Euch über mich? Habt Ihr Geheim­nis­se vor mir, die mich betref­fen? Ich bin so müde, wie kann man nur so müde sein, wie kann man nur immer­zu so ger­ne schla­fen. – Die Hand mei­nes Vaters, die nicht mehr schrei­ben kann, nicht mehr so wie frü­her schrei­ben, die­se klei­nen genau kal­ku­lier­ten Zei­chen auf begrenz­ter Flä­che der Papie­re. Und die­ser Com­pu­ter, der macht, was er will. Und all die­se Bücher, die noch ein­mal zu lesen sind, über den Urknall, sol­che Bücher, über Ägyp­ten, über das Leben, Schrö­din­gers Kat­ze. – stop

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schimpansen

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ulys­ses : 2.18 — Im Traum an Vaters Grab. Hat­te von der Ankunft des 200 Jah­re alte Kreu­zes erfah­ren, das wir Schmie­den zur Restau­ra­ti­on über­ge­ben haben. Als ich mich der Grab­stel­le nähe­re, ent­de­cke ich Mut­ter, die mit zwei wil­den Män­nern dis­ku­tiert, sie knien in der Nähe des Gra­bes auf dem Boden. Bei­de tra­gen schwe­re Schür­zen von Leder und sind behaart und ihre Ohren glü­hen und damp­fen in der feuch­ten Luft. Mut­ter will wis­sen, war­um die Schmie­de das Kreuz, das sie anlie­fer­ten, der­art tief in den Boden ver­senk­ten, dass nur noch sei­ne ver­gol­de­te Spit­ze zu sehen ist. Die Män­ner lachen fröh­lich. Das sei in Afri­ka so üblich, ant­wor­ten sie, weil wil­de Tie­re bevor­zugt an Kreu­zen die­ser his­to­ri­schen Sor­te ihr Fell rei­ben wür­den, und zwar so lan­ge, bis von dem Kreuz Vaters bald nichts mehr übrig sei. Immer wie­der deu­ten sie in den Baum, der den Grab­hü­gel über­schat­tet. Die Eiche blüht wie ein Kirsch­baum. Schim­pan­sen sit­zen in der Kro­ne und flet­schen ihre Zäh­ne. Mut­ter indes­sen beginnt, das Kreuz mit blo­ßen Hän­den wie­der aus­zu­gra­ben. — stop

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engelware

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nord­pol : 6.50 — Fan­gen wir noch ein­mal von vorn an. stop. Jener war­me Som­mer­tag. stop. Mein Vater trägt hel­le Hosen, ein wei­ßes Hemd, Turn­schu­he, Hosen­trä­ger. Immer wie­der erhebt er sich, geht über­le­gend auf und ab, weil ich ihm Fra­gen stel­le, vie­le, schwie­ri­ge Fra­gen. An eine die­ser Fra­gen kann ich mich noch gut erin­nern. Ich woll­te wis­sen, ob es grund­sätz­lich mög­lich sei, die Dau­er eines Momen­tes mathe­ma­tisch in einer For­mel dar­zu­stel­len, in wel­chem ein Trop­fen, der von einem Was­ser­spiel gegen den Him­mel gewor­fen wird, in der Luft ver­harrt, ohne sich wei­ter auf­wärts oder schon abwärts zu bewe­gen, also ohne Schwe­re ist. Lei­der kann ich mich an die Ant­wort mei­nes Vaters nicht erin­nern, aber an eine Geschich­te, die mein Vater an genau jenem Tag der Was­ser­trop­fen erzähl­te. Die­se Geschich­te han­del­te von mir selbst. Sie soll sich ereig­net haben, als ich noch sehr jung und klein gewe­sen war. Ich konn­te damals schon lau­fen und spre­chen, das wohl, und ich wuss­te, dass Weih­nachts­fes­te sich wie­der­ho­len, dass zur hei­li­gen Nacht Geschen­ke unter einem Baum zu fin­den sind, und dass die­se Geschen­ke von Engeln her­bei­ge­bracht wer­den. Der Geschich­te mei­nes Vaters zur Fol­ge kau­er­te ich an einem Dezem­ber­tag meh­re­re Stun­den vor einem Fens­ter zum Gar­ten. Schnee war gefal­len und es schnei­te immer wei­ter ohne Unter­bre­chung. Mei­ne Eltern beob­ach­te­ten mich genau, sie wun­der­ten sich, weil ich mich kaum beweg­te und weil ich in mei­ner Obser­va­ti­on der Schnee­land­schaft kei­ne Pau­sen mach­te. Nach einer gewis­sen Zeit kam mein Vater zu mir. Er frag­te, was ich da tue, ob ich viel­leicht etwas Beson­de­res ent­deckt haben wür­de. Ich ant­wor­te­te, dass ich auf das Erschei­nen eines Engels war­ten wür­de. Wie ich denn dar­auf kom­me, dass ich gera­de an die­sem Tag oder über­haupt je einen Engel sehen kön­ne, woll­te mein Vater wis­sen. Ich erklär­te, dass ich hör­te, jene Geschen­ke, die bald unter unse­rem Weih­nachts­baum lie­gen wür­den, sei von Engeln gelie­fer­te Ware, ich kön­ne also sicher sein, dass Engel den Luft­raum vor dem Fens­ter zum Wohn­zim­mer in Stun­den­zeit pas­sie­ren wür­den, ich müss­te nur lan­ge genug war­ten, um die Erschei­nung eines oder meh­re­rer Engel beob­ach­ten zu kön­nen. Eine Wei­le, erzähl­te mein Vater, habe er sich dann neben mich gesetzt, zwei gedul­di­ge Beob­ach­ter des Schnees, Schul­ter an Schul­ter. — stop

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zeit

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india : 0.05 — Saß an einem Som­mer­tag mit mei­nem Vater am Ufer eines Sees. Mein Vater trug hel­le Hosen, ein wei­ßes Hemd, Turn­schu­he und Hosen­trä­ger. Immer wie­der erhob er sich, ging über­le­gend auf und ab, weil ich ihm Fra­gen stell­te, vie­le, schwie­ri­ge Fra­gen. An eine die­ser Fra­gen kann ich mich noch gut erin­nern. Ich woll­te wis­sen, ob es grund­sätz­lich mög­lich sei, die Dau­er jenes Momen­tes mathe­ma­tisch in einer For­mel dar­zu­stel­len, in wel­chem ein Trop­fen, der von einem Was­ser­spiel gegen den Him­mel gewor­fen wird, in der Luft ver­harrt, ohne sich wei­ter auf­wärts oder schon abwärts zu bewe­gen, also ohne Schwe­re ist. Lei­der kann ich mich an die Ant­wort mei­nes Vaters nicht erin­nern, aber an eine Geschich­te, die mein Vater an genau jenem Tag der Was­ser­trop­fen erzähl­te. Die­se Geschich­te han­del­te von mir selbst. Sie soll sich ereig­net haben, als ich noch sehr jung und klein gewe­sen war. Ich wer­de sie mor­gen erzäh­len, weil sich gera­de ein groß­ar­ti­ges Gewit­ter ereig­net. — stop



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