indulin

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echo : 20.55 UTC – Eine wunder­bare Geschichte habe ich vor vielen Jahren entdeckt, eine Geschichte der kata­la­ni­schen Schrift­stel­lerin Mercè Rodo­reda. Ich will sie an dieser Stelle an diesem schönen Sams­tag­abend wieder­be­leben. Mercè Rodo­reda schreibt: Sie ist weiß und sie ist blau. Das heißt, sie ist weiß wie die weiße Rose, und ganz plötz­lich wird sie blau. Ein Insekt färbt sie, so scheint es, aber niemand weiß, wie es das macht. Ein Augen­blick der Zerstreut­heit und schon ist sie blau. Dieses Insekt trägt in einem Knie, mit fadigem Spei­chel fest­ge­näht, ein Päck­chen, und in diesem Päck­chen, umgeben von Eiern und von Blau – reinstes Indulin – ist der Ehemann. Dieser Ehemann schläft den ganzen Tag und bebrütet die Eier, die durch ein Loch in das Päck­chen fallen, das in dem Knie ist, woran es fest­ge­näht ist. Wenn die Stunde kommt, kriecht das Insekt der Blume ins Herz, lädt das Päck­chen ab, und die Blume, die weiß war, wird blau von oben bis unten. Sie sagen: – Oh, es ist nämlich so, daß der Ehemann, sobald er sich blumen­um­hüllt sieht, das Päck­chen aufbricht und alles von blauem Saft über­schwemmt wird und die Eier platzen und die Kleinen sofort losfliegen, jedes mit seinem Päck­chen im Knie … einver­standen. Aber das sind bloße Vermu­tungen. Die Wahr­heit ist, daß die Blume in einem Nu blau wird. Wie? Dahinter kommt man nie, und jeder­mann ist ein bißchen durch­ein­ander und verwirrt. – stop
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nabokov’s uhr

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romeo : 0.02 UTC – Vor einiger Zeit schrieb Nabokov einen Brief. Er habe mir, so Nabokov, eine unge­wöhn­liche Uhr geschickt, ich solle ihm notieren, sobald sie ange­kommen sei. Wenige Tage später meldete sich Nabokov erneut: Lieber Louis, ist die Uhr, die ich Dir sendete, ange­kommen? Wenige Tag zuvor war Nabo­kov’s Uhr in meinem Brief­kasten ange­kommen, zoll­amt­li­cher Vermerk: Zur Prüfung geöffnet. Ich will an dieser Stelle bemerken, von der Öffnung des Päck­chens war nicht die mindeste Spur zu erkennen, kein Schnitt, kein Riss, keine Falte. Im Päck­chen nun eine Schachtel von hellem Karton, in der Schachtel Seiden­pa­piere, von Nabo­kovs eigener Hand vermut­lich zerknüllt. In weitere Seiden­pa­piere einge­schlagen, besagte Uhr, wunder­bares Stück, ovales Gehäuse, blechern, vermut­lich Trom­pete, welches schwer in der Hand liegt. Kurio­ser­weise fehlt der Uhr das Ziffer­blatt, weiterhin keinerlei Zeiger, weder Dioden noch Leucht­zei­chen. Ich versuchte das Gehäuse der Uhr zu öffnen, vergeb­lich. Erstaun­lich ist nun, dass, wenn ich auf das Gehäuse der Uhr Druck ausübe, sich ein schmaler Schacht seit­lich öffnet, dem, wie zum Beweis der Exis­tenz der Zeit, ein Streifen feinsten Papiers entkommt, auf welchem ein Uhrzeit­punkt aufge­tragen worden ist. Sechs­sieb­zehn­zwölf. Erstaun­liche Sache, wirk­lich erstaun­lich! – stop

regen

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nordpol : 0.22 UTC – Seit 1271 Tagen bereits versuche ich von einem Zimmer zu träumen, in dem es immer­fort regnet. Ich mache das so, dass ich in den Minuten, da ich einzu­schlafen wünsche, über­lege, wie es wäre, wenn in dem Zimmer, in dem ich mich gerade befinde, Regen fallen würde. Diese Methode des Regen­den­kens ist leider bislang nicht sehr erfolg­reich gewesen. Immer wieder schlafe ich ein, ohne je vom Regen­zimmer zu träumen. Einmal, als ich erwachte, hörte ich wirk­li­chen Regen draussen in den nächt­li­chen Bäumen. Ich ging dann spazieren und dachte darüber nach, wie sich unsere Menschen­welt verän­dern würde, wenn wir von einem Tag zum anderen Tag über armlange Zungen der Geckos verfügten? In welcher Form kämen sie in einer voll­be­setzten Stra­ßen­bahn zum Einsatz? Und wie bei der Liebe? Und wie im Streit? Und was würden diese Zungen wohl im Schlaf unter­nehmen? – stop

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signalleuchten

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nordpol : 0.22 UTC – cnegwsi . downesji . tlen­si­unei . brekak­corei . unle­aishi . bash­j­ki­ri­coh­mecoi . troack­teci . awfmuli . sotep­ma­niai . kkai­zeni . jocur­ri­is­ketelui . sketelui . warend­jorfi . warend­jorfi . kuryt­lari . nzitratoi . vamp­kiroi . skipf­hirei. stop. Selt­same Dinge geschehen. Irgendein Mensch oder irgend­eine digi­tale Maschine pflanzt seit Tagen Zeichen­ketten oder Wörter in den Code meiner Parti­cles­welt. Hinter diesen Zeichen wiederum sind Weiter­lei­tungen versteckt, die meine Augen in digi­tales Rotlicht führen wie fangen. – stop

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erste fotografie

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tango : 15.00 UTC – Ich habe sie heute wieder­ent­deckt in einer Schachtel, die ich unter meinem Sofa versteckte, eine Foto­grafie, die zeigt, wie ich kurz nach meiner Geburt ausge­sehen habe. Ich war schon geputzt, aber noch immer zerfurcht vom langen Warten unter Wasser. Vor vielen Jahren, als ich mich an diese erste Foto­grafie meines Lebens erin­nert hatte, war mir bewusst geworden, dass eines Tages einmal eine weitere Foto­grafie exis­tieren wird, eine Foto­grafie, die die letzte Aufnahme gewesen sein wird meiner Person als einer lebenden Person. Auch war mir bewusst geworden, dass das ZUR WELT KOMMEN mit Entfal­tung zu tun haben könnte. Mein erster Schatten. Ich wäre im Jahr meiner Geburt in Farbe bereits möglich gewesen. – stop

gedankenechse

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alpha : 0.25 – Seit Jahren tatsäch­lich, und mit Vergnügen, beob­achte ich einen Gedanken, der sich nicht bewegt, kein Buch­sta­ben­zei­chen des Gedan­kens rührt sich von der Stelle. Manchmal denke ich, der Gedanke bewegt sich heim­lich, während ich andere Gedanken denke. – stop

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faltergeschichte

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sierra : 0.55 – Ein Nacht­falter segelte durch mein Arbeits­zimmer als sei er eine Erin­ne­rung. Das Tier war so müde und so schwach, dass es sich der Luft anver­traute. Kurz darauf saß der Falter auf dem Boden und ich hob ihn auf und setzte ihn behutsam an eine Wand. – Es ist jetzt bald 1 Stunde nach Mitter­nacht. Ein paar Dioden­lichter glühen zu mir herüber. Ich werde den Falter füttern, werde ihn mittels Zucker­wasser über den Winter bringen. Er könnte viel­leicht 250 Jahre alt, er könnte ein Lich­ten­berg­falter sein, der bei mir zu Kräften kommen möchte. – stop

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nahe granada

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MELDUNG. Engel, Schule zu St. Nazaire, sind heute Abend von 10 bis 12 bei leichter Nacht­flie­gerei über dem Pico Veleta [ Sierra Nevada ] anzu­treffen. Eintritt frei. – stop

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libellengeschichte

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echo : 1.28 – Heut Nacht sitz ich wieder im Dunkeln, weil ich heraus­zu­finden wünsche, ob Libellen auch in licht­leeren Räumen fliegen, schweben, jagen. Als ich vor einigen Jahren einmal gegen den Mittag zu erwachte, balan­cierte eine Libelle, mari­neblau, auf dem Rand einer Karaffe, die ich neben meinem Bett abge­stellt hatte, schaute mir beim Aufwa­chen zu und naschte vom Tee, indem sie rhyth­misch mit einer sehr langen Zunge bis auf den Grund des zimt­far­benen Gewäs­sers tauchte. Ich dachte, viel­leicht jagte sie nach Fischen oder Larven oder kleinen Fliegen, nach Teefliegen, kochend­heiß, die kühler geworden sein mochten während ich schlief. Oder aber sie hatte Geschmack gefunden an süßen Dingen des Lebens, weshalb ich in zahl­rei­chen Nächte seither je einen Löffel Honig erhitzte und auf die Fens­ter­bank tropfen ließ, um kurz darauf das Licht zu löschen. Dann warten und lauschen. Auch jetzt höre ich selt­same Geräu­sche, von Menschen viel­leicht oder anderen wilden Tieren. – stop

schlaf

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romeo : 15.08 UTC – Ich könnte viel­leicht sagen, dass sich mein Gehirn mittels feiner Muskeln, die meine Augen umringen, selbst zu berühren vermag. Ich könnte weiterhin sagen, dass ich, sobald ich eine Foto­grafie betrachte, mit meinen Augen mein Gehirn bewege und in meinem Gehirn eine Welt: Das sind meine Augen vor langer Zeit, meine Augen als Kind. Noch immer kann ich sie sehen. Wenn ich sage: meine schla­fenden Augen, spreche ich von Augen, die ICH nie gesehen habe. – stop
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vom träumer

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india : 6.28 UTC – Ich sollte bald einmal Visi­ten­karten für einen Träumer drucken, feine Papiere, die akkurat senk­recht in Cafes an einsamen Scho­ko­la­dent­assen lehnen. Zu lesen sind je diese Sätze: War wieder in Pata­go­nien heut Morgen. Wasser­hahn, auch Porte­mon­naie, vergessen. Bin gleich wieder da. Louis – stop

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von birnen

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nordpol : 15.01 UTC – In der chine­si­schen Region Sichuan, einer hüge­ligen Gegend, sollen hunderte Menschen auf Leitern in Birnen­bäume steigen, um sie mittels Enten­fe­der­bü­scheln mit Pollen zu bestäuben. Das alles sei notwendig geworden, weil weder Bienen noch Hummeln exis­tieren, die von Pesti­ziden getötet worden seien. Diese Infor­ma­tionen habe ich einem Film entnommen, dessen Einzel­bilder ich mit eigenen Augen gesehen habe. Ich wollte ihn meiner Mutter zeigen. Sie liegt seit langer Zeit in einem Bett im Haus der alten Menschen. Vorsichtig näherte ich mich mit meiner flachen Bild­schirm­schreib­ma­schine, aber sie wollte ihre Augen nicht öffnen. Deshalb erzählte ich ihr meine Geschichte von den mensch­li­chen Bienen, die in Birn­bäume steigen, und kann noch immer nicht sagen, ob sie in den Ohren meiner Mutter einen Platz finden konnte. – stop

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im haus der alten menschen : ein zimmer

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tango : 22.22 UTC – Da sind Bilder und Foto­gra­fien an den Wänden, eine Katze und noch eine Katze, ein Mann unter einem Schnee­kirsch­baum, der die Arme in die Luft wirft. Hände, die sich in ihren Fingern umarmen. Und zwei Lampen. Eine Lampe zum Knipsen und eine zum Strei­cheln, Licht an, Licht aus. Ein Hase von Bronze mit langen Ohren von Bronze. Ein hölzernes Kreuz auf einem Tisch. Ein weiteres hölzernes Kreuz an einer Wand. Und ein guss­ei­serner bemalter Baum. Zwei blühende Orchi­deen, weiß. Ein Christ­stern, rot. Und ein Strauß geschnit­tener Blumen, wild. Ein Stern von Papier und eine Zeich­nung von Kinder­hand, dies und das. Pfle­ge­schaum­dosen. Creme­tuben. Tücher. Tupfer. Klingen. Ein Radio. Vinyl­hand­schuhe. Und eine Nahrungs­mit­tel­pumpe. Ein Bett. Eine Matratze, die sich bewegt. Ein Bündel getrock­neter Blumen. Kompressen. Ein Mess­gerät. Ein Pillen­zer­stäuber. Fünf Bücher. Auch Proust, Briefe zum Leben. Ein kleines Schaf und ein Teddybär. Ein Engel von Porzellan. Ein Duft­was­ser­flacon, Ohrstäb­chen, Hand­voll­menge. Ein Rosen­kranz und ein Tannen­zapfen. Holz­löffel für Zunge und Hals. Eine Schere. Eine Pinzette. Eine Spritze. Ein Mund­schaum­stäb­chen. Eine Windel. Termin­plan für Logo­pädie gegen verlo­renes Spre­chen. Laven­del­duft­kissen. Keine Uhr, nur die eine, die mit mir ins Zimmer gekommen ist. – stop

am telefon

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nordpol : 15.15 UTC – Merk­würdig: Im Notieren kommen Gedanken und Fragen wie Vogel­schwärme heran, zunächst kommt ein Gedanke allein und setzt sich und wartet und schaut mich an. Dann kommt der nächste Gedanke, der schon zu Zweit ist. – In der vergan­genen Nacht träumte ich von mir selbst. Ich saß in einem Roll­stuhl mit vielen weiteren alten Menschen in einem Saal groß wie der Warte­saal eines Metro­po­len­bahn­hofes. Immerzu wollte ich tele­fo­nieren, ein klin­gelndes Telefon war zwar sichtbar, aber nicht erreichbar. Ich hörte meine Stimme. Sie rief: Nun rufen Sie doch endlich Monsieur Proust an, haben Sie denn seine Nummer nicht! Eine junge, betö­rend schöne Frau beugte sich zu mir hinunter. Sie sagte: Louis, bitte, es ist jetzt wirk­lich genug, wir haben den Vormittag über versucht Herrn Proust zu errei­chen, er nimmt den Hörer nicht ab. Aber der Balzac ruft andau­ernd an, wollen sie nicht endlich dran gehen! – Heut Regen, nasse Vögel überall. – stop

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schlafende mutter

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delta : 22.02 UTC – Wie viele Tage schon sitze ich an Deinem Bett, liebe schla­fende Mutter, Stunde um Stunde. Immer wieder denke ich, wie schwer es doch ist, zu einem Menschen zu spre­chen, der schläft. Ob Du mich hören kannst? Hör zu, ich werde Dir eine Geschichte vorlesen, die ich Dir schon einmal las vor über einem Jahr. Einen Winter und einen Früh­ling und einen Sommer lang warst Du aufge­wacht, um nun wieder zu schlafen. Ich ahne, dass Du meine Stimme hören kannst, ich habe gelernt. Erin­nerst Du Dich an meine Geschichte, die von Deinen Brillen erzählt: Es war noch dun­kel im Haus. Ich hörte ein sir­ren­des Geräusch. Das Geräusch näher­te sich, es kam über die Trep­pe abwärts heran. Zunächst war nichts zu sehen, dann aber eine Deiner drei Bril­len, liebe Mut­ter, die über zar­te Roto­ren ver­fü­gen, wel­che in der Lage sind, Bril­len­kon­struk­tio­nen durch die Luft zu bewe­gen, durch Räu­me oder den Gar­ten. Deine Brille kam näher, durch­quer­te das Wohn­zimmer, kreis­te ein­mal um mei­nen Kopf, lan­de­te schließ­lich sanft auf dem Ess­ti­sch in der Nähe des Stuh­les, auf dem Du, wie ich vergeb­lich hoffte, einmal wieder Platz nehmen würdest. Über drei Bril­len ver­fügtest Du, liebe Mut­ter, und jede die­ser Bril­len konnte flie­gen. Eine Bril­le statio­nierte im Dach­ge­schoss, eine wei­te­re Bril­le im Erd­ge­schoss, die drit­te Deiner Brillen, liebe Mutter, zu ebe­ner Erde. Wie sie blin­kten, Dioden in gel­ber Far­be, Zei­chen, dass sie sich mit­tels unhör­barer Funk­si­gna­le ori­en­tie­rten. Jetzt liegen sie auf dem Tisch­chen reglos neben Deinem Bett, als würden sie schlafen wie Du, liebe Mutter. – stop
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warten

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echo : 22.06 – Der Vordäm­me­rungs­schein der Schnee­kirsch­bäume im Halb­dunkel eines Zimmers im Haus der alten Menschen, indem sie ihre Nacht­pa­piere entfalten. Klagender Atem. – stop

schnee

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romeo : 20.05 UTC – Es ist später Nach­mittag geworden eines Tages nach einer langen Nacht. Wieder, ich erin­nerte mich, liegt ein Buch Julio Llama­zares’ vor mir auf dem Schreib­tisch. Ich habe das Buch geöffnet, um nach einem zärt­li­chen Satz zu sehen, ob er noch da ist. Er geht so: Für meine Mutter, die schon Schnee ist. Dieser Satz ist nun auch mein Satz. – stop

wieder koffer unsichtbar

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alpha : 19.52 UTC – An diesem Abend spaziere ich hinüber zum Friedhof, um zwei Kerzen anzu­zünden auf dem Grab meines Vaters, das nun auch das Grab meiner Mutter sein wird. Vater ist also schon da, und Mutter wird bald hierher zu ihm kommen. Das gefro­rene Gras knis­tert unter meinen Schuhen. Es ist still, der Stern­himmel klar. Viel schöne kleine Lampen leuchten unter den Bäumen. Ein paar Katzen­augen werden auch darunter gewesen sein. Auf dem Heimweg erin­nerte ich mich an eine Geschichte, die ich vor einigen Jahren notierte. Sie geht so: Mein Vater war ein Lieb­haber tech­ni­scher Mess­ge­räte. Er notierte mit ihrer Hilfe Dauer und Kraft des Sonnen­lichts beispiels­weise, das auf den Balkon über seinem Garten strahlte. Die Tempe­ra­turen der Luft wurden ebenso regis­triert, wie die Menge des Regens, der in den warmen Monaten des Jahres vom Himmel fiel. Selbst die Bewe­gungen der Gold­fi­sche im nahen Teich wurden verzeichnet, Erschüt­te­rungen des Erdbo­dens, Tempe­ra­turen der Prozes­soren seiner Compu­ter­ma­schine. Es ist merk­würdig, beinahe täglich gehe ich zur Zeit auf die Suche, weil wieder irgend­eine dieser Mess­ap­pa­ra­turen einen piep­senden Ton von sich gibt, als ob mein Vater mittels seiner Maschinen noch zu mir spre­chen würde. Indessen habe ich seit zwei Tagen Kenntnis von einer Foto­grafie, die mich neben meinem ster­benden Vater zeigt. Ich sitze auf einem Stuhl, mein Vater liegt in einem Bett. Es ist ein Bild, das ich zunächst kaum anzu­sehen wagte. Ich habe tatsäch­lich eine Hand vor Augen gehalten und zwischen meinen Fingern hervor­ge­späht. Jetzt ist mir warm, wenn ich das Bild betrachte. Die Foto­grafie zeigt einen fried­li­chen Moment meines Lebens. Etwas geschieht, wovor ich mich lange Zeit gefürchtet habe. Weinen und Lachen falten sich wie Hände sich falten. Mutter irrt zwischen Haus und Friedhof hin und her, als würde sie irgend­eine unsicht­bare Ware in gleich­falls unsicht­baren Koffern tragen. – stop

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