Aus der Wörtersammlung: himmel

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aleppo

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char­lie : 0.32 — Er wer­de lang­sam alt, erzähl­te der Jour­na­list L., alt und müde. Manch­mal füh­le er sich morsch, wie ein Kno­chen, der lan­ge Zeit in feuch­ter Luft unter frei­em Him­mel her­um­ge­le­gen hat­te, da wird man bald stau­big, und dann kommt ein Wind und schon ist man so leicht gewor­den, dass man ganz und gar für immer auf­hö­ren möch­te. Des­halb habe er ein Haus an der Küs­te gekauft, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che. Er benö­ti­ge einen Ort, an den er sich zurück­zie­hen, einen Ort, an dem er leich­ter wer­den kön­ne, wan­dern am Meer stun­den­lang und spre­chen mit sich selbst. Wenn er Selbst­ge­sprä­che füh­re, wür­de er in sich hin­ein­se­hen, Wör­ter und Sät­ze bewir­ken, dass er für eini­ge Zeit nicht mehr auf­hö­ren kön­ne zu spre­chen, weil er doch in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eigent­lich so schweig­sam gewor­den war, weil er doch immer, als er noch dis­ku­tier­te und erzähl­te, ver­ges­sen habe, was er sag­te, wes­halb er tage­lang dar­über nach­den­ken muss­te, ob er nicht etwas gesagt haben könn­te, das unmög­lich gesagt sein durf­te, die­se Wör­ter, die­se Sät­ze, die man so lie­bend gern zurück­ho­len woll­te, weil sie nicht pas­send oder ganz ein­fach zu vie­le Wör­ter gewe­sen waren. Des­halb nun ein Haus an der Küs­te, mit einem Reet­dach, das links und rechts des Hau­ses nahe­zu bis auf den Boden rei­che, wo er mit sich selbst spre­chen kön­ne so lan­ge er wol­le, wo ihm nie­mand zuhö­ren wür­de, nur das Haus und er selbst und manch­mal der Sand und ein paar Vögel, wenn er von Alep­po erzäh­le, wo er vor weni­gen Wochen, ein Him­mel­fahrts­kom­man­do, noch gewe­sen sei. — stop
flieger

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winterherz

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alpha : 6.52 — Neh­men wir ein­mal an, es exis­tier­ten Men­schen, die je über ein schla­gen­des, also ein akti­ves Herz ver­fü­gen und außer­dem über ein war­ten­des Herz, das ganz still im Brust­korb liegt, klein, gefal­tet, ein Alters­herz oder ein Win­ter­herz. Von die­ser Vor­stel­lung woll­te ich in der ver­gan­ge­nen Nacht einem klei­nen Mann ira­ni­scher Her­kunft erzäh­len. Aber kaum hat­te ich Luft geholt und mei­nen ers­ten Satz zu Ende gespro­chen, begann der klei­ne Mann sei­ner­seits eine Geschich­te zu erzäh­len. Er sag­te, er habe Merk­wür­di­ges erlebt, das Fest­netz­te­le­fon sei­ner Woh­nung sei gestört gewe­sen, er habe des­halb die Tele­fon­ge­sell­schaft über sein Mobil­te­le­fon ange­ru­fen. Eine weib­li­che Stim­me habe sich bald gemel­det, die sich sehr freund­lich mit ihm unter­hal­ten habe in der Art und Wei­se, dass sie Fra­gen stell­te. Sie frag­te zum Bei­spiel: Könn­ten Sie bit­te Ihr Pro­blem genau beschrei­ben. Oder sie erkun­dig­te sich, ob sei­ne Inter­net­ver­bin­dung noch funk­tio­nie­ren wür­de, ob sein Tele­fon über aus­rei­chen­de Strom­ver­sor­gung ver­fü­ge, wie lan­ge Zeit er in etwa nicht mit sei­nem Tele­fon tele­fo­niert habe. Das Gespräch dau­er­te, so erzähl­te der klei­ne Mann, eini­ge Minu­ten, bis er bemerk­te, dass tat­säch­lich eine Maschi­nen­stim­me zu ihm sprach. Wei­te­re drei Minu­ten ver­stri­chen, dann habe er sich vor­sich­tig erkun­digt, ob er mit einem mensch­li­chen Wesen der Tele­fon­zen­tra­le ver­bun­den wer­den könn­te. In die­sem Moment brach das Pro­gramm die Unter­hal­tung ab. Es wur­de still am Tele­fon, kei­ne Fra­gen, kei­ne Ant­wor­ten, kurz dar­auf war ein Pfei­fen zu hören. Und das soll nun einer am frü­hen Mor­gen noch ver­ste­hen. Der Him­mel leicht bewölkt. — stop

melly

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von der sekundenzeit

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del­ta : 0.02 — Wie jetzt der Som­mer näher­kommt, ändert sich alles. Im Win­ter erfrie­ren Men­schen, im Som­mer fal­len sie ver­se­hent­lich aus Fens­tern, die sie zum Ver­gnü­gen geöff­net haben. Bern­hardt L., der mich besuch­te, erzähl­te von sei­nen Erfah­run­gen, die er mit Todes­ur­sa­chen betrun­ke­ner Men­schen sam­mel­te. Es war ein ange­neh­mer Abend. Eigent­lich woll­ten wir nicht von trau­ri­gen Geschich­ten spre­chen, aber dann wur­de es doch wie­der ein­mal ernst. Wir saßen auf Gar­ten­stüh­len vor dem Fens­ter zu den Bäu­men, die in den Him­mel staub­ten, und beob­ach­te­ten mei­ne Schne­cke Esme­ral­da, die sich der fri­schen Abend­luft näher­te. Sie kroch ziel­stre­big über den Boden hin, dann die Wand hin­auf und ließ sich auf dem Fens­ter­brett drau­ßen nie­der. Wenn sich Schne­cken set­zen, bewe­gen sie sich kaum noch, ihr feuch­ter Kör­per scheint indes­sen etwas brei­ter zu wer­den. Mein Bekann­ter Bern­hardt L. war sehr inter­es­siert an der Exis­tenz Esme­ral­das in mei­ner Woh­nung, er hat­te sie noch nie zuvor gese­hen und nie von ihr gehört. Er woll­te wis­sen, woher sie gekom­men war, wie alt sie wohl sei, und war­um sie die­sen schö­nen Namen Esme­ral­da von mir erhal­ten habe. Ich erin­ne­re mich, wie er mit einem Fin­ger zärt­lich über Esme­ral­das Häus­chen strich, wäh­rend er von einem unglück­li­chen Mann erzähl­te, der ein Zeit­wirt­schaft­ler von Beruf gewe­sen sein soll. Die­ser Mann habe Minu­ten gezählt, Sekun­den, in der Beob­ach­tung arbei­ten­der Men­schen in einer Fabrik. Sei­ne Auf­ga­be sei gewe­sen, Zeit­räu­me auf­zu­spü­ren, die durch Ver­än­de­run­gen in den Bewe­gun­gen der beob­ach­te­ten Men­schen ein­ge­spart wer­den könn­ten. In einem Brief, der sehr aus­führ­lich sein Unglück notiert, habe er berich­tet, dass es ihm zuletzt nicht mög­lich gewe­sen sei, eine Tas­se Kaf­fee von der Küche in sein Wohn­zim­mer zu tra­gen, ohne dar­über nach­zu­den­ken, ob es wirt­schaft­lich sei, mit nur einer Tas­se Kaf­fee in der Hand die Räu­me zu wech­seln, wenn es doch mög­lich wäre, zwei Tas­sen Kaf­fee zur glei­chen Zeit zu trans­por­tie­ren. — stop

nach­rich­ten von esmeralda »
winterzeiten

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von fröschen

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echo : 5.16 — Ein Buch, das ich ges­tern in einer Post­fi­lia­le, Prenz­lau­er­stra­ße 86, abho­len woll­te, war nicht erreich­bar, da die Post­fi­lia­le, die mich von der Lage­rung des Buches tele­fo­nisch unter­rich­tet hat­te, geschlos­sen wer­den muss­te, die Ange­stell­ten der Filia­le sind in einen Streik getre­ten. Das war nicht wei­ter schlimm, weil vor­sorg­lich am Abend zuvor Brie­fe und Bücher­sen­dun­gen in eine benach­bar­te Post­fi­lia­le abtrans­por­tiert wur­den, wie eine hand­schrift­li­che Notiz bezeug­te. Ich setz­te mich auf mein Fahr­rad und fuhr in die Ber­li­ner­stra­ße 8, wo sich mein Buch inzwi­schen auf­hal­ten soll­te. Aber auch dort war nie­mand anzu­tref­fen, aller­dings der Hin­weis, alle Sen­dun­gen die­ser Filia­le, sowie über­nom­me­ne Sen­dun­gen der Prenz­lau­er­stra­ße 86, sei­en wegen außer­or­dent­li­cher Betriebs­ver­samm­lung in die Filia­le am Madri­der Platz ver­bracht. Zügig radel­te ich wei­ter, eine doch beträcht­li­che Stre­cke war zurück­zu­le­gen quer durch die Stadt, es reg­ne­te, und ich dach­te noch, der Him­mel scheint beheizt zu sein, som­mer­lich war­mes Was­ser, die Luft duf­te­te nach Flie­der, über den Asphalt der Stra­ßen hüpf­ten tau­sen­de umbra­far­be­ne Frö­sche, wei­che Kör­per, laut­los, klag­los. Nahe dem Madri­der Platz, unter Kas­ta­ni­en­bäu­men, hock­ten ein paar Leu­te wie unter Schir­men dicht an dicht. Es wur­de lang­sam dun­kel. Ich mei­ne, zu die­sem Zeit­punkt bemerkt zu haben, dass man an der Art und Wei­se, wie Men­schen sich Schutz suchend auf den Boden set­zen, erken­nen kann, wie alt sie sind. – stop

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vor agrigento

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MELDUNG. 25 See­mei­len vor Agri­gen­to [ Sizi­li­en ] sind gegen 15 Uhr und 7 Minu­ten 2 Beob­ach­tungs­droh­nen [ Typ : Heron 1 ] bei Wind­stil­le vom Him­mel gestürzt. Man soll unver­züg­lich gesun­ken sein. — stop
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L.A. zu jederzeit 18:07

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hima­la­ya : 15.08 — Von einer Stra­ßen­un­ter­füh­rung aus beob­ach­tet der Cel­list Natha­ni­el Ayers den Him­mel, ein klei­nes Fens­ter, von Fahr­bahn­ebe­nen begrenzt, das gera­de in die­sem Augen­blick ein Flug­zeug durch­quert. Er fragt den Jour­na­lis­ten Ste­ve Lopez: Do you fly this pla­ne? Der Jour­na­list ant­wor­tet: No, I am here! Natha­ni­el setzt stau­nend hin­zu: I don’t know how god works! / Film­zeit 18 Minu­ten 7 Sekun­den: The Soloist. Direc­tor: Joe Wright. — stop

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del­ta : 0.25 — Wenn ich an die Stadt Peking den­ke, den­ke ich auch an einen Freund zurück, des­sen Leben in die­ser fer­nen Stadt vor zwei Jah­ren und vier­und­drei­ßig Tagen ende­te. Er war Foto­graf gewe­sen, sein Kör­per und sei­ne Woh­nung exis­tie­ren nicht mehr, sei­ne Foto­ap­pa­ra­te wur­den mög­li­cher­wei­se ver­schenkt oder ver­kauft, doch zahl­rei­che sei­ner Foto­gra­fien leben in der digi­ta­len Sphä­re wei­ter fort, auch Ein­trä­ge bei Face­book, da nie­mand zu fin­den ist, der sie löschen könn­te oder löschen woll­te. Die viel­leicht letz­te Auf­nah­me von sei­ner Hand in Euro­pa, zeigt einen Gepäck­wa­gen im Ter­mi­nal 1 des Frank­fur­ter Flug­ha­fens, 3 Kof­fer und 1 Ruck­sack. Weil der foto­gra­fie­ren­de Mensch hin­ter der Kame­ra stand, wir­ken sie schon ver­waist, oder viel­leicht nur des­halb, weil sie in Kennt­nis sei­nes nahen­den Todes von mir betrach­tet wer­den. Sicher ist, dass Men­schen nach dem Ver­stor­be­nen suchen, sie sto­ßen dann auch auf Tex­te, die ich notier­te, ver­wei­len, weil sie sich erin­nern oder weil sie sich wun­dern, viel­leicht haben sie einen ähn­lich tra­gi­schen Ver­lust erlebt. Ande­re blei­ben nur für Sekun­den, weiß der Him­mel, war­um, viel­leicht waren sie Such­ma­schi­nen, nie­mand schreibt, nie­mand kom­men­tiert, ein Schau­en und Schwei­gen. – stop

polaroidkreuzung2

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schläfer

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bamako : 5.14 — Wer um halb vier Uhr mor­gens am Zen­tral­bahn­hof in eine Stra­ßen­bahn steigt, wird bald bemer­ken, dass es sich bei die­sen Stra­ßen­bah­nen um Ver­kehrs­mit­tel han­delt, in wel­chen schla­fen­de Men­schen rei­sen. Mehr­fach habe ich, zufäl­li­gen Him­mels­rich­tun­gen fol­gend, Expe­di­tio­nen unter­nom­men. Ent­we­der ist es die Zeit, weder Tag noch Nacht, die dazu führt, dass kein Mensch dort wach sein kann, oder aber etwas schwebt in der Luft, das unwi­der­steh­lich müde macht. Auch ich selbst schla­fe bei­na­he sofort, wenn ich mich set­ze. Ich gehe also auf und ab, nie­mand bemerkt mich, auch der Fah­rer der Stra­ßen­bahn scheint um die­se Zeit fest zu schla­fen. Ein­mal, kürz­lich, waren unge­wöhn­lich vie­le Fahr­gäs­te unter­wegs. Ich konn­te sie hören, lei­se Lebens­äu­ße­run­gen von der Art des Gesprächs, das wache Men­schen mit­ein­an­der füh­ren, wenn sie sich schon lan­ge nichts mehr zu sagen haben. Sobald ich schla­fen­de Men­schen im Vor­über­kom­men heim­lich betrach­te, Men­schen, die ihre Augen mit etwas Haut zuge­deckt haben, kann ich kaum glau­ben, dass sie jemals gefähr­lich sein könn­ten, böse mit­tels gespro­che­ner oder geschrie­be­ner Wor­te, gewalt­tä­tig mit Fäus­ten, Mes­sern, Pis­to­len. Ich mei­ne, unter ihren schim­mern­den Lid­häut­chen träu­men­de Augen erken­nen zu kön­nen, manch­mal schnap­pen sie nach etwas Licht. — stop
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kleiner kopf

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romeo : 22.01 – Ich begeg­ne­te ges­tern am frü­hen Mor­gen einem Mann, den ich vor Jah­ren schon ein­mal beob­ach­tet hat­te. Er war­te­te unter Fern­rei­sen­den ste­hend ver­geb­lich auf einen Zug. Ich erin­ne­re mich noch gut an unse­re ers­te Begeg­nung. Er hat sich seit­her kaum ver­än­dert, ver­fügt nach wie vor über einen unge­wöhn­lich klei­nen, zum Him­mel hin spitz zulau­fen­den Kopf. Damals, im Mai des Jah­res 2011, saß er auf einer Bank, Ter­mi­nal 2, des Flug­ha­fens, sei­ne Hän­de hiel­ten eine Tas­se Kaf­fee vor einen klei­nen Mund, klei­ne hel­le Augen starr­ten in die­se Tas­se, kurz fixier­ten sie mich, dann wie­der die Ober­flä­che des Kaf­fees, der sich im Gefäß lang­sam dreh­te. Stau­nend war­te­te ich in der Nähe des Man­nes auf einer wei­te­ren Bank, öff­ne­te ein Buch, aber anstatt zu lesen, sah ich immer wie­der hin zu dem klei­nen Kopf. Ich konn­te mir nicht den­ken, wie es mög­lich ist, mit einem der­art klei­nen Kopf zu über­le­ben. Man stel­le sich das ein­mal vor, der Kopf des Man­nes war nicht sehr viel grö­ßer gewe­sen als der Kopf eines Kin­des von zwei oder drei Jah­ren. Eigent­lich, dach­te ich, müss­te die­ser Mann tot sein oder aber von ein­ge­schränk­tem Denk­ver­mö­gen. Danach aller­dings sah der Mann nicht aus, er trug die fei­ne Klei­dung eines Geschäfts­rei­sen­den, außer­dem war er ver­mut­lich in der Lage, aus Bli­cken Gedan­ken zu lesen, wes­we­gen ich bald selbst zum Gegen­stand inten­si­ver Beob­ach­tung wur­de. — Null Uhr zwölf in Kobanê, Syria. — stop
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katta

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papa : 02.08 — Ich beob­ach­te­te, dass ein klei­ner Affe, sobald ich mich mit der lin­ken Hand stoß­ar­tig von oben kom­mend näher­te, die­se lin­ke Hand als einen Raub­vo­gel betrach­te­te, vor dem er hupend und fau­chend mit gebleck­tem Gebiss rück­wärts über den Tisch gehend die Flucht ergriff, ohne sich an mei­ner rech­ten Hand zu stö­ren, die in nächs­ter Nähe mit sei­nen Sul­ta­ni­nen spiel­te. Der­art gründ­lich habe ich mit mei­nen Hän­den auf dem Tisch das Jagen und Sam­meln geübt, dass ich sie bis­wei­len als zwei sepa­ra­te Lebe­we­sen betrach­ten kann. Wenn ich mei­ne lin­ke Hand mit mei­ner rech­ten Hand berüh­re, durch­bre­che ich einen Spie­gel. Wenn ich sage, mei­ne Hand ohne Haut, habe ich in mei­nem Kopf ein Bild zur Ver­fü­gung, das sich bewe­gen lässt. Wenn ich sage, mei­ne schla­fen­den Hän­de, spre­che ich von Hän­den, die ich nie gese­hen habe. Gera­de eben noch habe ich eine Apfel­si­ne geschält. Wäh­rend ich mei­ne Hän­de beob­ach­te­te, wie sie geschickt die Ker­ne der Frucht von­ein­an­der trenn­ten, ohne dass ich ihnen genaue­re Anwei­sun­gen geben muss­te, dach­te ich dar­über nach, wie vie­le Apfel­si­nen die­se Hän­de in ihrem Leben bereits geschält haben könn­ten. — Drei Uhr zwölf in Koba­ni, Syria. — stop
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