Aus der Wörtersammlung: nacht

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von blüten

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india : 5.08 — In einer expe­ri­men­tel­len Abtei­lung der Aka­de­mie bil­den­der Küns­te zu Man­aus wur­de ges­tern Abend gegen 18 Uhr eine Haut­zwerg­tul­pe auf die lin­ke Schul­ter einer jun­gen Künst­le­rin ver­pflanzt. Dort­hin wur­den bereits am Sonn­tag wäh­rend einer mehr­stün­di­gen Ope­ra­ti­on wei­te­re Haut­ge­wäch­se trans­por­tiert, ein Leber­blüm­chen, eine Nacht­schat­te­ni­ris, sowie zwei Sil­ber­dis­teln, die unver­züg­lich blüh­ten. Ein Wun­der, möch­te man mei­nen. — stop

mikroskop6

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von lilli

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tan­go : 1.02 — Es ist denk­bar, dass Lil­li Tam­pe­re eine Aus­nah­me ist. Sie scheint vom frü­hen Mor­gen an bis in den spä­ten Abend hin­ein, auch wäh­rend der Nacht noch, Twit­ter­nach­rich­ten zu notie­ren. 17558 Bot­schaf­ten will sie per­sön­lich in einem Zeit­raum von 15 Mona­ten in sie­ben Spra­chen ver­fasst haben. Ich dach­te selbst­ver­ständ­lich über Zah­len, Tage, Stun­den, Minu­ten, Anschlä­ge nach, ich wun­der­te mich, ich war begeis­tert, sofort habe ich Lil­li Tam­pe­re einen Brief gesen­det. Ich habe geschrie­ben: Lie­ber red_maki, wie hei­ßen Sie wirk­lich! Ich kann nicht glau­ben, dass Sie tat­säch­lich exis­tie­ren in der Art und Wei­se, dass Sie über ein ein­zel­nes, schla­gen­des Herz ver­fü­gen, ver­mut­lich sind Sie, in Betrach­tung der unge­heu­ren Zahl der Text­nach­rich­ten, die Sie bereits gesen­det haben, ent­we­der eine Per­son, die sich aus zahl­rei­chen Per­so­nen oder Her­zen fügt, oder aber Sie sind ein Com­pu­ter! — Red_maki ant­wor­te­te umge­hend: Lie­ber Herr Lou­is, ich bin sehr begabt, ich habe klei­ne, schnel­le Hän­de, ich muss nie­mals schla­fen, ich bin kein Com­pu­ter, ich hei­ße Lil­li Tam­pe­re. Guten Mor­gen! – Ich muss das wei­ter beob­ach­ten. — stop

ping

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im nachtexpress

picping

MELDUNG. In einem Groß­raum­wa­gon des Nacht­ex­pres­ses Mozart von Mün­chen ( Flug­ha­fen ) nach Wien ( Haupt­bahn­hof ) sind gegen Mit­ter­nacht auf­grund ver­se­hent­li­cher Ent­fal­tung eines 2‑Sekundenzeltes drei tas­ma­ni­sche Sing­zi­ka­den ( Cica­di­dae ), 22 aus­tra­li­sche Kno­ten­amei­sen ( rot / Myr­micinae ) sowie ein Dorn­teu­fel­chen ( 25 Gramm ) in die Frei­heit ent­wi­chen. Noch etwas Wei­te­res war flüch­tig, das knurr­te, ehe es ver­stumm­te. — stop

unterwassertapete2

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auf stelzen

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del­ta : 5.15 — Ein merk­wür­di­ger Tag, die hal­be Stadt steht im Was­ser wie auf Stel­zen. Man hört das Was­ser nicht, aber es ist anwe­send, in den Kel­lern, in den Stim­men in den Tele­fo­nen, den Unter­füh­run­gen, den tie­fer gele­ge­nen Stra­ßen. Spät, hoch auf einem Stelz­haus, sag­te Mar­gue­ri­te Duras in einem Gespräch mit dem fran­zö­si­schen Regis­seur Benoît Jac­quot ges­tern auf einem Fern­seh­bild­schirm berüh­ren­de Sät­ze über das wil­de Schrei­ben, über die Ver­bin­dung von Zwei­fel und Ein­sam­keit. Ein Schrift­stel­ler sei stumm. Unmög­lich, über ein Buch zu spre­chen, das gera­de im Ent­ste­hen begrif­fen ist. Ein Buch sei Nacht. — stop

duras

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pinguin

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ulys­ses : 0.08 — Nachts bei geöff­ne­tem Fens­ter: Geräu­sche eines Regen­wal­des. Sie kamen um Sekun­den in der Zeit ver­zö­gert über das Inter­net zu mir ins Zim­mer. Ich glau­be, der wil­de Regen­wald war ein perua­ni­scher Regen­wald, wun­der­ba­re Klän­ge, Vogel- und Affen­stim­men, Regen und Wind in den Blät­tern der Bäu­me. Ich dach­te, wenn doch nur jemand auf der ande­ren Sei­te der Lei­tung wahr­neh­men könn­te, wel­che Geräu­sche in einer mit­tel­eu­ro­päi­schen Woh­nung unter dem Dach eines Hau­ses im Her­zen einer gro­ßen Stadt in einer Nacht wie die­ser Nacht zu hören sind. Ich prüf­te das Mikro­fon mei­ner Schreib­ma­schi­ne. Dann stand ich auf und spiel­te aus der Kon­ser­ve: Ben­ny Good­man. Ich stell­te mir vor, wie es für einen kur­zen Moment im Wald drü­ben in Peru still wer­den wür­de, wie man lauscht auf den Bäu­men, wie sich das Orches­ter der Wald­tie­re fröh­lich neu sor­tie­ren wür­de. Es reg­ne­te, kaum war die Stra­ße vor dem Haus noch zu sehen. Auf mei­nem Fens­ter­brett kau­er­ten fünf nas­se Spat­zen, ein Rot­kehl­chen, zwei Amseln und eine Tau­be, auch sie lausch­ten. Deut­lich konn­te ich auf dem Gie­bel eines nahen Hau­ses einen Pin­gu­in erken­nen, der sich gegen den Regen­wind stemm­te. — stop

ben­ny
goodman
lets dance

ping

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im park

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whis­key : 2.54 — Im Park in der Däm­me­rung hör­te ich eine höchst selt­sa­me Unter­hal­tung. Drei Män­ner und eine Frau saßen in mei­ner Nähe auf einer Bank. Sie waren bereits in ihr Gespräch ver­tieft, als ich mich set­ze. War­me und schwü­le Luft über dem See im Pal­men­gar­ten. Fal­ter opfer­ten sich Abend­seg­lern, deren Schat­ten durch die blau­en Fin­ger der Nacht husch­ten, eine Maus hetz­te zwi­schen unse­ren Füßen her­um, zwei Enten schlie­fen auf dem Was­ser. Die jun­gen Men­schen in mei­ner Nähe, davon woll­te ich eigent­lich erzäh­len, über­leg­ten, wie lan­ge Zeit man ein Nil­pferd über einem Feu­er an einem Dreh­spieß erhit­zen müss­te, bis es gar gewor­den sein wür­de. Das war ein erstaun­li­ches Gespräch, auch die Spe­ku­la­ti­on dar­über, wo genau man am bes­ten einen Nil­pferd­kör­per anschnei­den soll­te, wie vie­le Men­schen von einem Nil­pferd satt wer­den wür­den, wel­chem wei­te­ren Tier das Nil­pferd im Geschmack ähn­lich sein könn­te. Ich spa­zier­te dann nach Hau­se. — stop
ping

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nachts gegen drei

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sier­ra : 3.01 — Um kurz vor drei Uhr nachts stand ich vor dem geöff­ne­ten Fens­ter und schau­te zu den Ster­nen. Ich hat­te die Nach­richt erhal­ten, am Him­mel über mir wer­de die Inter­na­tio­na­le Raum­sta­ti­on ISS sicht­bar wer­den ( Time: Thu May 26 3:01 AM, Visi­ble: 6 min, Max Height: 69°, Appears: 10° abo­ve WNW, Dis­ap­pears: 11° abo­ve E ) ein Pünkt­chen, das sich, von der bald auf­ge­hen­den Son­ne beleuch­tet, rasend schnell über das Fir­ma­ment bewe­gen wür­de, genau so war es berich­tet wor­den von einem Beob­ach­ter, der mehr­fach Augen­zeu­ge gewe­sen sein will. Aber der Him­mel war bedeckt, es reg­ne­te leicht. Wie ich mich gera­de abwen­den woll­te, ent­deck­te ich eine Flie­ge, die auf schnur­ge­ra­der Bahn mein Fens­ter pas­sier­te. Sie kam von rechts, also von Nor­den her, und ich frag­te mich, wie das mög­lich sei, weil es doch reg­ne­te, schwe­re Trop­fen. Kaum hat­te ich mei­ne Fra­ge im Kopf so for­mu­liert, dass ich sie wahr­neh­men konn­te, war die Flie­ge, ohne eine Spur zu hin­ter­las­sen, ohne einen Beweis ihrer Exis­tenz, in der Dun­kel­heit ver­schwun­den gewe­sen. — stop

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louis im gebirge

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nord­pol : 0.02 — Wie­der wäh­rend der Nacht lan­ge sit­zen. Nichts tun. Nur atmen. Gegen zwei Uhr Abstieg über eine stei­le Trep­pe aus der Kam­mer unter dem Dach, wo im Win­ter Tau­ben woh­nen. Die Stu­fen der Trep­pe knar­ren bei jedem Schritt, seuf­zen, spre­chen. Auf dem stei­len, gefähr­li­chen Pfad in der Nähe des Abgrunds vor der Hüt­te leich­ter, küh­ler Höhen­wind. In den Bäu­men Geräu­sche, als wür­den die Vögel mur­meln im Schlaf. Es ist aber des­halb, weil es nie wirk­lich dun­kel wird unterm Him­mel vol­ler Ster­ne. Stun­den­lang kann man sich von hier aus über das Nahen des Mor­gens strei­ten. Wie ich zurück­kom­me, Licht weit oben, ein klei­nes Fens­ter, alle wei­te­ren Fens­ter sind ohne Licht. Plötz­lich bin ich wie­der bei mir, tre­te in die Kam­mer, die vor Kur­zem noch ohne mich gewe­sen ist. Mein Heft auf dem Tisch. Drau­ßen, von den Wie­sen her, die Nacht­glo­cken der Kühe, lei­se, lei­se. Ich notie­re: Beob­ach­te­te unlängst eine japa­ni­sche Rei­sen­de, die im Flug­ha­fen­su­per­markt mit ihrem Mobil­te­le­fon 1 hal­be Stun­de lang Scho­ko­la­den­en­gel film­te. — stop

louisimgebirge2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lou­is im
gebirge
22. mai
2016

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ein reisekoffer

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gink­go : 3.55 — Das Geräusch der trop­fen­den Bäu­me vor dem ewi­gen Brau­sen der Stadt. Eine Nacht voll Wintergewit­ter, glim­mende Vögel irren am Him­mel, Nacht­vö­gel ohne Füße, Vogel­we­sen, die nie­mals lan­den. Als ich vor eini­gen Tagen nach Esme­ral­da such­te, brauch­te ich eine Wei­le, um die klei­ne Schne­cke mit ihrem Gehäu­se auf dem Rücken fin­den zu kön­nen. Sie saß schla­fend auf einer Fens­ter­schei­be. Es war nicht schwer, sie vom Glas zu lösen und auf den Rücken mei­ner rech­ten Hand abzu­set­zen. Esme­ral­da beob­ach­te­te mich von dort aus mit einem Auge, das sie weit aus ihrem Kopf gestreckt hat­te, wäh­rend das ande­re Auge unsicht­bar blieb, viel­leicht weil es wei­ter schlief, weil ein ein­zel­nes Auge genüg­te, um mich zu betrach­ten oder in Schach zu hal­ten. Indem ich mich mit einem Ohr Esme­ral­das Schne­cken­ge­häu­se näher­te, war da wie­der der Ein­druck, ein lei­ses Sum­men zu ver­neh­men, das von einem hel­len Ticken beglei­tet war, als wäre im Häus­chen eine Uhr ein­ge­sperrt. Aber der eigent­li­che Grund, wes­halb ich nach Esme­ral­da such­te, war nicht der Wunsch gewe­sen, an Esme­ral­das Häus­chen zu lau­schen, viel­mehr woll­te ich Esme­ral­da ihren Sche­cken­rei­se­kof­fer zei­gen, eine Schach­tel von 10 cm Län­ge, 5 cm, Höhe, 5 cm Brei­te. Die Schach­tel war per­fo­riert, feins­te Löcher, sodass Luft in sie ein­drin­gen konn­te, außer­dem mit einem feuch­ten Tuch aus­ge­klei­det. Vor­sich­tig hob ich Esme­ral­da an und set­ze sie in der Schach­tel ab, dann schloss ich den Deckel und sag­te zu Esme­ral­da hin: In einer Stun­de hole ich Dich wie­der her­aus. Die­se Geschich­te ereig­ne­te sich vor zwei Wochen. Noch immer leich­ter Regen. — stop

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