Aus der Wörtersammlung: elle

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luftgesellschaft

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nord­pol : 0.05 UTC — Irgend­et­was fehl­te, oder jemand. Ein Gefühl zunächst, ich begann zu zäh­len. Ich zähl­te von 23 Uhr bis Mit­ter­nacht fol­gen­de Besu­cher, die durch mein geöff­ne­tes Fens­ter licht­wärts flo­gen: Zwei klei­ne Flie­gen, eine grün, die ande­re bläu­lich schim­mernd. 3 Mari­en­kä­fer, rot, je 5 Punk­te. 1 Fal­ter, der mir ein Tag­fal­ter zu sein schien, er war aus dem Fens­ter hin­aus, ehe ich ihn unter­su­chen konn­te. 2 fast durch­sich­ti­ge Wesen von hel­lem Grün, die mir bekannt gewe­sen, weil ich mich seit Jah­ren, sobald ihre Art an den Wän­den mei­ner Zim­mer zit­ternd ein­ge­trof­fen ist, beob­ach­tet füh­le. Zuletzt 1 Wes­pe. Es ist Ende Juli, und es ist warm und schwül. — stop

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von den fächertieren

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echo : 18.06 UTC — Erin­nern Sie sich an das Geräusch der Tau­ben in einem Tau­ben­schlag, ich mei­ne an das Geräusch der Flü­gel, wenn sie ihre Federn schüt­teln? Soll­ten Sie sich erin­nern, wird Ihnen nicht schwer­fal­len, einen klei­nen Laden vor­zu­stel­len, in wel­chem Fächer­tie­re woh­nen, die erwar­ten, dass irgend­je­mand sie mit sich nimmt, ein Ort vol­ler Win­de kreuz und quer. Fächer­tie­re sind wert­vol­le Geschöp­fe. Ein aus­ge­wach­se­nes, gut trai­nier­tes Exem­plar wird nicht unter 750 Pfund gehan­delt. Wenn man nun eines die­ser Wesen aus einer Schar hun­der­ter wei­te­rer Wesen wähl­te, wird es in einen beson­de­ren Kof­fer ver­staut. Es han­delt sich um einen knö­cher­nen Behäl­ter von läng­li­cher Form, in dem das Fächer­tier zur Ruhe gelegt wer­den kann. Nicht not­wen­dig zu erwäh­nen, dass das Tier gegen sei­ne Fes­se­lung mit­tels fau­chen­der Lau­te pro­tes­tie­ren wird, aber das gibt sich bald, das muss man sich nicht all­zu sehr zu Her­zen neh­men. Kaum aus dem Laden getre­ten, schläft das Fächer­tier ein, das machen sie in Zei­ten einer Rei­se immer, es ist nichts ande­res zu tun. Und so geht man also spa­zie­ren. Bald sitzt man in einer Stra­ßen­bahn, es ist heiß, es ist schwül, jetzt soll­te man das klei­ne Tier aus sei­nem Köcher holen. Man hält es vor­sich­tig in der Hand, unver­züg­lich wird das selt­sa­me Wesen wach. Dort wo die Federn des Tie­res in einem Punkt zuein­an­der lau­fen, ist nun, aus der Nähe betrach­tet, ein klei­ner, run­der Kör­per zu ent­de­cken, so groß wie eine Mur­mel, der atmet, zwei Augen auch, und ein Schna­bel, in dem sich eine Zun­ge hin und her bewegt, die einer Karp­fen­zun­ge ähnelt. Man darf das Tier an die­ser Stel­le berüh­ren, sanft, dann lässt man es los. Das Fächer­tier ent­fal­tet sich, präch­ti­ge Far­ben, Mus­ter, die sich von Tier zu Tier unter­schei­den, kei­nes gleicht dem ande­ren. Und schon geht es los, eine Bewe­gung auf und ab, hin und her, küh­len­de Win­de, es ist ganz wun­der­bar. Indes­sen, in den ers­ten Minu­ten stau­nen­der Beob­ach­tung, wird man viel­leicht befürch­ten, sie könn­ten sich ent­fer­nen, aber das ist nie­mals der Fall. — stop

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neufundland 18.01.45 uhr : schneeweiße stimme

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del­ta : 20.01 UTC — Noe, wir sind glück­lich, mel­de­te sich am frü­hen Abend end­lich wie­der. Ver­mut­li­che Tie­fe: 886 Fuß. Posi­ti­on: 78 See­mei­len süd­öst­lich der Küs­te Neu­fund­lands seit nun­mehr 2732 Tagen im Tief­see­tauch­an­zug unter Was­ser. ANFANG 18.01.45 | | | schrei­be oder den­ke ich? s t o p alles da drau­ßen ohne das geräusch einer spra­che. s t o p nur das sin­gen der wale. s t o p was sehen sie in mir? s t o p einen fisch? b l a c k s h o e f r o m a b o v e. s t o p das rau­schen der luft links und rechts mei­ner ohren. s t o p das was­ser nur eine schwa­che vorstel­lung. s t o p — e n o r m o u s g r e y f i s h r i g h t h a n d . s t o p ich habe den ver­dacht jün­ger zu wer­den. s t o p viel­leicht des­halb jün­ger wer­de weil ich mei­nen kör­per nicht sehen kann. s t o p unmög­lich das geräusch des regens noch vorzu­stellen. s m a l l s p o o n f r o m a b o v e . s t o p einen atem­zug lang habe ich mei­nen namen ver­ges­sen. s t o p t h r e e b l u e f i s h e s l e f t h a n d . s t o p immer wie­der die­sel­ben träu­me. s t o p von kie­men. s t o p von uhren. s t o p. von astro­nauten. s t o p von yoko. s t o p von ihrer stim­me die nicht erin­nert wer­den kann. s t o p schnee­weiße stim­me. s t o p schnee­weiße haut. s t o p schnee­weißer sand. s t o p ich soll­te wie­der ein wenig schwei­gen. stop | | | ENDE 18.03.58

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denkbar

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marim­ba : 22.45 — Wenn einer schreibt in sei­ner Wut, dass er den ein oder ande­ren Men­schen ger­ne ver­trei­ben oder schla­gen oder pfäh­len wür­de, wür­de er in der Wirk­lich­keit jen­seits der Com­pu­ter­schreib­ma­schi­ne vor sei­nem Haus nicht sofort tun, was er beschrieb. Aber viel­leicht, wenn vie­le Men­schen schrei­ben, dass sie den ein oder ande­ren Men­schen ger­ne ver­trei­ben oder schla­gen oder pfäh­len wür­den, und er das liest und sich selbst wie­der­holt, wird er sich viel­leicht bald stau­nend bei der Pfäh­lung eines Men­schen beob­ach­ten, einer Hand­lung, die ihm kurz dar­auf schon selbst­ver­ständ­lich und rich­tig vor­kom­men wird. Das ist denk­bar. — stop

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von lampen

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tan­go : 22.15 — Ein Mann schob einen klei­nen Wagen einen Flur ent­lang. Der Wagen war bepackt mit grö­ße­ren oder klei­ne­ren elek­tri­schen Lam­pen, die der Mann ent­zün­det hat­te, so als woll­te er, dass ich sie alle sehen könn­te, viel­leicht um sie an mich zu ver­kau­fen. Nein, eigent­lich war das ganz anders gewe­sen, ich wuss­te, der Mann ver­kauf­te kei­ne Lam­pen, son­dern er tausch­te Lam­pen aus, Decken­lam­pen, Schreib­tisch­lam­pen, Not­leuch­ten, Licht­ta­pe­ten, glim­men­de Stäb­chen, auch flie­gen­de Lich­ter, Droh­nen­leuch­ten. Die­se Droh­nen, win­zi­ge Wesen, saus­ten um sei­nen Kopf her­um, als wären sie Insek­ten, Flie­gen, die Stirn­lam­pen tru­gen, mit wel­chen sie mehr oder min­der frei­wil­lig aus­ge­rüs­tet, ihren Flug doku­men­tier­ten. Wah­re Wol­ken von Licht waren zu bemer­ken, auch saßen Flie­gen auf dem Rücken des Man­nes, der in einer Wei­se leuch­te­te, als wäre Schnee gefal­len. Da war noch eine Schne­cke, die sich über sei­nen Hals beweg­te, auch die Schne­cke leuch­te­te: Das sah sehr schön aus, das vie­le Licht und der Mann, der sei­nen schau­keln­den Wagen über den Flur schob, gera­de auf mich zu. Plötz­lich blieb der Mann ste­hen. Er frag­te, ob ich die Schne­cke haben wol­le, sie sei zahm, sie ernäh­re sich von Staub, den sie zu sehr fei­nen Würm­chen pres­sen wür­de, wel­che ich dann bequem auf­sam­meln könn­te. Außer­dem sei sie wun­der­schön anzu­se­hen nachts auf ihrer Wan­de­rung durch die Dun­kel­heit. Ohne eine Ant­wort abzu­war­ten, fass­te sich der Mann an sei­nen Hals und zog am Gehäu­se der Schne­cke, die sich wehr­te, sie leuch­te­te zunächst rot und dann blau, und wur­de schließ­lich in dem Moment, da sie sich vom Hals des Man­nes lös­te, grün. So, in die­ser grü­nen Far­be leuch­tend, reis­te sie an der Hand des Man­nes durch die Luft. Kurz dar­auf hock­te sie an mei­nem Hals, dicht unter dem Kinn. Ich ver­moch­te ihr Licht an mei­ner Schul­ter erken­nen, die Schne­cke schien sich wohl­zu­füh­len, leuch­te­te in einem schwa­chen Oran­ge, das pul­sier­te, lang­sam, beru­hi­gend. Ich sol­le ihr einen Namen geben, sag­te der Mann. Dann war Mor­gen, es reg­ne­te, selt­sa­mer­wei­se aus einer Wol­ke, die sich unmit­tel­bar über mei­nem Bett unter Zim­mer­de­cke türm­te. — stop

 

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synopse

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gink­go : 12.08 — In einem mehr­stün­di­gen, äußerst stra­pa­ziö­sen Ver­such, Gedan­ken aus­zu­tau­schen mit Men­schen, die eine Twit­ter­höl­len­kam­mer befeu­ern, habe ich Fol­gen­des gelernt. Es ist näm­lich so, dass in der Vor­stel­lung die­ser Men­schen bald Anker­zen­tren exis­tie­ren wer­den, umzäun­te Gebie­te, die Per­so­nen beher­ber­gen, Per­so­nen­men­schen, wel­che aus dem Süden bereits zu uns gekom­men sind oder furcht­ba­rer Wei­se noch kom­men wer­den. Wei­ter­hin habe ich bemerkt, dass Men­schen­per­so­nen, die sich in jenen umzäun­ten und bewach­ten Gebie­ten zwangs­wei­se auf­hal­ten soll­ten, in der Wahr­neh­mung der Höl­len­kam­mer­be­woh­ner immer­zu jung sind und gesund und Män­ner. Man ver­mu­tet, dass die­se männ­li­chen Men­schen­per­so­nen mög­li­cher­wei­se schwä­che­re Men­schen auf hoher See vor­sätz­lich von Bord gesto­ßen haben könn­ten, vor­wie­gend Kin­der und Mäd­chen, das ist selbst­ver­ständ­lich rei­ne Behaup­tung, die durch ste­ti­ge Wie­der­ho­lung in der Höl­len­kam­mer ste­tig zur Gewiss­heit wird. Die­se jun­gen Män­ner nun, sie sind sehr häu­fig von schwar­zer oder dunk­ler Haut bedeckt, sol­len außer­dem über finan­zi­el­le Mit­tel gebie­ten, die ihre Flucht oder Rei­se über­haupt erst mög­lich mach­ten, sie sei­en also, so erzählt man, weder arm noch in irgend­ei­ner Wei­se hilfs­be­dürf­tig, sie wür­den bei­lei­be nicht süd­li­chen Hun­ger­ge­bie­ten ent­kom­men oder vor Bür­ger­krie­gen geflo­hen sein, viel­mehr sol­len sie von irgend­wo­her ange­reist sein wie aus dem Nichts, um auf Kos­ten ver­arm­ter Urein­woh­ner in der Mit­te Euro­pas Misch­be­völ­ke­rung zu erzeu­gen. Weil sie sich sorg­fäl­tig klei­den, weil sie über Tele­fo­ne gebie­ten, weil sie mit­nich­ten aus­ge­hun­ger­te Elends­ge­stal­ten sind, wer­den sie ver­däch­tigt, gut orga­ni­sier­te Anker­men­schen zu sein, Vor­hut oder Schlim­me­res. Ja, so in die­ser Art und Wei­se wird vor­ge­stellt, wird aus­ge­dacht, wird Gewiss­heit erzeugt. Ich stel­le fest: Men­schen, die kei­ne Men­schen­per­so­nen, son­dern Patrio­ten sind, Men­schen, die in die­ser skiz­zier­ten Gewiss­heit leben, sind emp­find­lich, sind wütend, sobald man sich mit­tels Wör­tern fra­gend nähert. Sie schrei­ben unver­züg­lich zurück, dass man den Fra­gen­den selbst sehr ger­ne pfäh­len wür­de bei leben­di­gem Lei­be, erschie­ßen, nach Afri­ka ver­ja­gen, da doch der Fra­gen­de ein lin­ker Faschist sei, ein Anti­se­mit, ein Mit­ver­ge­wal­ti­ger, das Böse schlecht­hin. stop. Die Son­ne ist rund. — stop

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poesie

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india : 8.15 — Das Inter­net scheint über ein gewal­ti­ges, flüs­si­ges Gedächt­nis zu ver­fü­gen, oder ist viel­leicht das Gedächt­nis selbst. Auch Lügen jeder Art wer­den erin­nert. Oder Erfin­dun­gen, die zunächst in Wor­ten for­mu­liert wur­den, Geschich­ten, Poe­sie. Als man sie dann schüt­zen will, als man ihren digi­ta­len Ursprung löscht, kom­men sie doch wie­der und wie­der in nicht enden­den Echos zurück. — stop

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take five

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alpha : 22.05 UTC — Eigen­ar­tig, wie sie vor mir sitzt, die fla­chen Schu­he gegen die Bei­ne des Stuh­les gestemmt, bei­de Hän­de auf dem Tisch, Innen­sei­ten nach oben, der­art ver­renkt, als gehör­ten die­se Hän­de nicht zu ihr, als sei­en sie vor­sätz­lich ange­brach­te Instru­men­te, Werk­zeu­ge des Fan­gens, Blü­ten. Jetzt schlie­ßen sie sich, Fin­ger für Fin­ger, Nacht wird. — ::: — Eine Foto­gra­fie kommt über den Tisch, Take Five, läs­si­ge Ges­te, als wür­de eine Kar­te aus­ge­spielt. „Was siehst Du?“, fragt sie. – ::: — „Land­schaft!“, — ant­wor­te ich, „Afri­ka. Süd­li­ches Afri­ka. Einen Affen­brot­baum und zwei Män­ner. Einen jun­gen Mann schwar­zer Haut­far­be, der einen hel­len Anzug trägt, und einen älte­ren, einen wei­ßen Mann, der einen dun­kel­grau­en Anzug trägt, einen Stroh­hut und eine Bril­le. Eine stau­bi­ge Stra­ße. Men­schen, die schwarz sind und bewaff­net. Geweh­re. Mache­ten. Har­te Schat­ten. Spu­ren von Hit­ze, infer­na­li­scher Hit­ze. Sie sehen alle so aus, als schwitz­ten sie. Jawohl, alle, die dort auf der Stra­ße ste­hen, schwit­zen.“ — ::: — „Was noch?“ -, fragt sie, — „was siehst Du noch?“ – ::: — Sie fährt sich mit ihrer rech­ten Hand über die Stirn. – ::: — „Ich sehe ein Auto. Das Auto steht rechts hin­ter dem wei­ßen Mann, eine dunk­le Limou­si­ne, ein schwe­rer Wagen. Ich sehe einen Chauf­feur, einen Chauf­feur von schwar­zer Haut, Schirm­müt­ze auf dem Kopf. Der Chauf­feur lächelt. Er schaut zu den bei­den Män­nern hin­über, die unter dem Baum im Schat­ten ste­hen. Der wei­ße Mann reicht dem schwar­zen Mann die Hand oder umge­kehrt. Sieht ganz so aus, als sei der wei­ße Mann mit dem Auto ange­kom­men und der schwar­ze Mann habe auf ihn gewar­tet. His­to­ri­scher Augen­blick, so könn­te das gewe­sen sein, ein bedeu­ten­der Moment, eine ers­te Begeg­nung oder eine letz­te. Bei­de Män­ner haben erns­te Gesich­ter auf­ge­setzt, sie ste­hen in einer Wei­se auf­recht, als woll­te der eine vor dem ande­ren noch etwas grö­ßer erschei­nen. Da ist ein merk­wür­di­ger Aus­druck in dem Gesicht des jun­gen, schwar­zen Man­nes, ein Aus­druck von Über­ra­schung, von Ver­wun­de­rung, von Erstau­nen.“ – ::: — „Das ist es!“, sie flüs­tert. „Tref­fer!“- ::: — Jetzt lacht sie, öff­net ihre Fäus­te und das Licht kehrt zurück, der gan­ze Film. „Die Kli­ma­an­la­ge. Der ver­damm­te Wagen dort unter dem Baum. Der Wei­ße hat dem Schwar­zen eine küh­le Hand gereicht, Du ver­stehst, eine küh­le Hand. Die­ser Kerl hat­te eis­kal­te Hän­de.“ — stop

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ai : CHINA

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MENSCH IN GEFAHR: „Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti ist Dok­to­ran­din an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Malay­sia. Zuletzt wur­de sie am 26. Dezem­ber 2017 von ihrem Freund Sam­my (geän­der­ter Name, um sei­ne Iden­ti­tät zu schüt­zen) am Flug­ha­fen Senai Inter­na­tio­nal Air­port in Malay­sia gese­hen. Die bei­den hat­ten ver­ein­bart, dass Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti ihr Pro­fil­fo­to bei dem popu­lä­ren chi­ne­si­schen Chat-Dienst WeChat wöchent­lich ändern wür­de, um zu signa­li­sie­ren, dass sie sich in Sicher­heit befin­det. Eine Woche nach ihrer Rück­kehr nach Ili in die Uigu­ri­sche Auto­no­me Regi­on Xin­jiang änder­te Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti wie bespro­chen ihr Pro­fil­bild. Meh­re­re Wochen lang blieb das Foto nun aller­dings unver­än­dert, bis ihr Pro­fil­bild eines Tages plötz­lich durch ein dunk­les, schwarz-wei­ßes, düs­te­res Foto ersetzt wur­de. Was dar­auf zu sehen war, erin­nert an eine Gefängniszelle./ Vor dem Hin­ter­grund des andau­ern­den und bei­spiel­lo­sen schar­fen Vor­ge­hens gegen Uigur_innen und ande­re eth­ni­sche Min­der­hei­ten in der Auto­no­men Regi­on Xin­jiang, befürch­ten sowohl ihr Freund Sam­my als auch die älte­re Schwes­ter von Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti, Gul­zi­re, dass die Dok­to­ran­din in einem Umer­zie­hungs­la­ger inhaf­tiert ist. Ihre Freund_innen und Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen hat­ten sie vor einer Heim­rei­se gewarnt. Trotz­dem war Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti nach­hau­se zurück­ge­kehrt, weil sie sich Sor­gen um ihre Eltern mach­te. Seit ihrem letz­ten Besuch im Febru­ar 2017 hat­te sie kei­nen Kon­takt mehr zu den bei­den. / Guli­geina Tashi­ma­i­ma­i­ti hät­te im Febru­ar 2018 ihre Pro­mo­ti­on begin­nen sol­len. Nach­dem sie meh­re­re Mona­te lang nichts von ihr gehört haben, wand­ten sich ihr Freund Sam­my und ihre Schwes­ter Gul­zi­re sowohl an die Uni­ver­si­tät in Malay­sia als auch an die Medi­en. Damit erhoff­ten sie sich, die Auf­merk­sam­keit auf den Fall zu len­ken.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 3.8.2018 unter > ai : urgent action
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samuel beckett : 16 steine

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romeo : 3.25 UTC – Ich nut­ze die­sen Auf­ent­halt, um mich mit Stei­nen zum Lut­schen zu ver­sor­gen. Es waren klei­ne Kie­sel, aber ich nen­ne sie Stei­ne. Ja, die­ses Mal brach­te ich einen bedeu­ten­den Vor­rat von ihnen zusam­men. Ich ver­teil­te sie gleich­mä­ßig in mei­nen vier Taschen und lutsch­te sie nach­ein­an­der. Dadurch ent­stand ein Pro­blem, das ich zunächst auf fol­gen­de Art lös­te: Ange­nom­men, ich hat­te sech­zehn Stei­ne und vier davon in jeder mei­ner vier Taschen, näm­lich in den zwei Taschen mei­ner Hose und den zwei­en mei­nes Man­tels. Wenn ich einen Stein aus der rech­ten Man­tel­ta­sche nahm und in den Mund steck­te, so ersetz­te ich ihn in der rech­ten Man­tel­ta­sche durch einen Stein aus der rech­ten Hosen­ta­sche, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Hosen­ta­sche ersetz­te, den ich durch einen Stein aus der lin­ken Man­tel­ta­sche ersetz­te, den ich wie­der­um durch den Stein in mei­nem Mund ersetz­te, sobald ich mit dem Lut­schen fer­tig war. Auf die­se Wei­se befan­den sich immer vier Stei­ne in jeder mei­ner vier Taschen, aber nicht genau die­sel­ben … / Mitt­woch. stop. Wie­der Samu­el Becketts wun­der­ba­rer Text der sech­zehn Stei­ne an die­sem spä­ten Abend. Dun­kel. Schwe­re, wür­zi­ge Luft der Kas­ta­ni­en­blü­te. Nacht­bie­nen pfei­fen am Fens­ter vor­über. Das war schon ein­mal so gewe­sen. — stop

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