Aus der Wörtersammlung: elle

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aleppo

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gink­go : 22.15 UTC — Ich erin­ne­re mich, wie ich als Kind an Geräu­schen der Luft zu unter­schei­den ver­moch­te, ob ich einer sin­gen­den Amsel lausch­te oder einer Mei­se, einer Ler­che, einem Rot­kehl­chen. Ich hör­te, Kin­der, die in Alep­po leben oder leb­ten, sol­len in der Lage sein, sehr genau zu unter­schei­den, um wel­che Art Muni­ti­on es sich han­delt, die nachts ihre Bet­ten, ihre Lager, erschüt­ter­te, wel­che Flug­zeug­gat­tun­gen sich am Him­mel befin­den, das Kali­ber deto­nie­ren­der Gra­na­ten zu erra­ten. Sofern sie über­leb­ten, haben sie die Vögel noch zu ler­nen oder wie­der­zu­fin­den, viel­leicht in Buchen­wäl­dern. — stop

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ai : ÄGYPTEN

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MENSCH IN GEFAHR: „Am 9. Mai stell­te Amal Fathy ein Video auf ihrer Face­book-Sei­te ein, in dem sie die von ihr erleb­te sexua­li­sier­te Beläs­ti­gung the­ma­ti­sier­te, die Dring­lich­keit die­ses Pro­blems in Ägyp­ten beton­te und die Regie­rung kri­ti­sier­te, weil sie die Frau­en in Ägyp­ten nicht davor schützt. Zudem kri­ti­sier­te sie das schar­fe Vor­ge­hen der Regie­rung gegen die Men­schen­rech­te, die sozio­öko­no­mi­schen Bedin­gun­gen und die Miss­stän­de im öffent­li­chen Dienst­leis­tungs­sek­tor. Dar­auf­hin durch­such­te die Poli­zei am 11. Mai gegen 2:30 Uhr die Woh­nung von Amal Fathy und inhaf­tier­te sie in der Poli­zei­wa­che Maa­di in Kai­ro zusam­men mit ihrem Ehe­mann Moha­med Lot­fy, einem frü­he­ren Mit­ar­bei­ter von Amnes­ty Inter­na­tio­nal und aktu­el­len Direk­tor der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Ägyp­ti­sche Kom­mis­si­on für Rech­te und Frei­hei­ten (Egyp­ti­an Com­mis­si­on for Rights and Free­doms – ECRF) und ihrem drei­jäh­ri­gen Kind. Mann und Kind wur­den nach drei Stun­den wie­der frei­ge­las­sen. / Am 11. Mai prüf­te die Staats­an­walt­schaft Maa­di Amal Fathys Fall und ord­ne­te 15 Tage Haft für die Dau­er der Ermitt­lun­gen zu den gegen sie erho­be­nen Vor­wür­fen an – unter ande­rem „Ver­öf­fent­li­chung eines Vide­os, das Falsch­in­for­ma­tio­nen ent­hält, die den öffent­li­chen Frie­den beein­träch­ti­gen könn­ten”. Am fol­gen­den Tag ver­hör­te die Staats­an­walt­schaft der Staats­si­cher­heit sie in einem wei­te­ren Fall zu ihrer angeb­li­chen Ver­bin­dung zur Jugend­be­we­gung 6. April. Für die Dau­er der Ermitt­lun­gen wegen Mit­glied­schaft in einer ver­bo­te­nen Grup­pe ord­ne­te sie wei­te­re 15 Tage Unter­su­chungs­haft an. / Inter­net-Trol­le kopier­ten das Video und Fotos von Amal Fathy von ihren Sozia­len Medi­en-Sei­ten und pos­te­ten sie auf Face­book und Twit­ter zusam­men mit geschlechts­spe­zi­fi­schen Beschimp­fun­gen und der For­de­rung nach ihrer Fest­nah­me. Meh­re­re regie­rungs­freund­li­che und staat­li­che Medi­en ver­öf­fent­lich­ten Arti­kel über das Video und behaup­te­ten fälsch­lich, dass sie eine Akti­vis­tin der Jugend­be­we­gung 6. April sei und bei der ECRF arbei­te. Dar­über­hin­aus schrie­ben sie, dass sie mit dem Direk­tor der ECRF ver­hei­ra­tet sei und ver­stie­ßen damit gegen ihr Recht auf Pri­vat­sphä­re.“ - Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen bis spä­tes­tens zum 30.6.2018 unter > ai : urgent action
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vom gehör

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romeo : 0.12 UTC — Ich stel­le fest, ich habe zwei Ohren. Mit zwei Ohren schon bin ich zur Welt gekom­men. Mei­ne Ohren hör­ten dem­zu­fol­ge von der Welt, noch ehe ich ange­kom­men war. Ich hör­te von der Welt da drau­ßen, und ich hör­te, so wur­de erzählt, das Herz mei­ner Mut­ter schla­gen, das war nicht fern. — Erstaun­lich. — stop

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wolkenserver

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tan­go : 8.32 UTC — Ich stell­te mir einen klei­nen Vogel vor, so groß viel­leicht wie eine Frucht­flie­ge mit einem Plu­to­ni­um­herz, ein Geschenk der Eltern an ein Kind, eine Auf­zeich­nungs­ma­schi­ne, feder­leicht, wel­che das Leben des Kin­des beglei­tet, ver­zeich­net, was das Kind unter­neh­men wird in sei­nem Leben, was es notie­ren und spre­chen, wohin es rei­sen, wie gut oder schlecht es schla­fen wird. Ein Leben aus nächs­ter Nähe, zuver­läs­sig auf­ge­nom­men und gespei­chert in einem Wol­ken­ser­ver. — stop

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nachtuhr

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india : 0.06 UTC — Die­se eine Minu­te in der Nacht. Ich ste­he in der Die­le im Licht und schaue auf mei­nen lin­ken Arm. Ich mei­ne, eine Uhr zu erken­nen, die sich unter mei­ner Haut befin­det, eine win­zi­ge Uhr mit einem blau­en Zif­fer­blatt, es ist dort kurz nach 2 Uhr. Ich bin über­zeugt, die­se Uhr noch nie zuvor gese­hen zu haben. Ich gehe in die Küche und schrei­be im Halb­schlaf auf einen Zet­tel: Nachtuhr suchen. Dann schla­fe ich wie­der ein und fin­de am Mor­gen auf dem Tisch neben Äpfeln und Bana­nen mei­ne Notiz. Selt­sa­me Geschich­te. Ob viel­leicht Uhren die­ser Art exis­tie­ren, tau­chen­de Uhren. Es ist jetzt kurz nach Mit­ter­nacht. Bald wie­der schla­fen. — stop

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eine kurze pause

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lima : 0.08 UTC — Vor­ges­tern, am spä­ten Abend, führ­te ich ein inter­es­san­tes Twit­ter­ge­spräch. Eine Per­son, ein Herr oder eine Dame, erkun­dig­te sich auf direk­tem Kanal, ob es denn mög­lich sei, mei­nen eigent­li­chen Namen zu erfah­ren, weil er oder sie mich sehr ger­ne irgend­wann in naher Zukunft wegen Hoch­ver­rats an dem deut­schen Vol­ke ankla­gen wol­le. Ich hat­te mich kurz zuvor erkun­digt, ob er oder sie viel­leicht einen der „ver­siff­ten Neger“, die Euro­pa angeb­lich bedroh­ten, per­sön­lich ken­nen wür­de. Ich bat um etwas Geduld, ich wür­de mir Zeit neh­men, um ihre Anfra­ge zu ent­schei­den, müss­te zunächst dar­über nach­den­ken. Zeig Dich, Du Hund, schrie­ben der Mann oder die Frau. Ich ant­wor­te­te, ich, der Hund, befürch­te bei Offen­le­gung mei­nes wirk­li­chen Namens mög­li­cher­wei­se heu­te noch auf der Stra­ße vor mei­nem Haus wegen Hoch­ver­rats eli­mi­niert zu wer­den. Pau­se, fünf Minu­ten und 32 Sekun­den, dann ant­wor­te­te der Mann oder die Frau in groß­zü­gi­ger Wei­se, ich sol­le mich nicht auf­re­gen, ich kön­ne sicher sein, dass mir nichts gesche­hen wür­de. Wir kämp­fen für die Frei­heit der Mei­nung, gegen eine Dik­ta­tur, die Deutsch­land ver­nich­ten wol­le. Er oder sie frag­te sodann: Sind Dir Hans und Sophie Scholl bekannt? Es sei jetzt an der Zeit Wider­stand zu leis­ten, damit Deutsch­land nicht unter­ge­he, mutig und auf­recht. — stop

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nicht atmen

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nord­pol : 18.15 UTC — Heu­te ist ein glück­li­cher Tag. Der Wind rast ums Haus, nur noch weni­ge Stun­den Zeit, April­wind zu sein. Und die­se Blei­stif­te, die heu­te ange­kom­men sind, so spitz und hart, wie ich sie mir kaum vor­zu­stel­len trau­te. Um 17 Uhr und drei Minu­ten erreicht mich die Nach­richt der Biblio­thek, Robert Walsers Mikro­gram­me Aus dem Blei­stift­ge­biet sei­en ein­ge­trof­fen, ich könn­te sie abho­len bis 18 Uhr, also dann am Mitt­woch. Wie bin ich auf Robert Wal­ser gesto­ßen, nach lan­ger Zeit? Nun, weil ich vor weni­gen Tagen einen Mann in der Schnell­bahn beob­ach­te­te, der mit einer Lupe einen Zet­tel stu­dier­te, auf dem Schrift­zei­chen zu erken­nen waren, so klein, dass ich nicht vor­zu­stel­len wag­te, ein mensch­li­ches Wesen könn­te sie von Hand auf das Papier auf­ge­tra­gen haben. Der Mann schien sehr müde gewe­sen zu sein, und ich dach­te: Ein Mensch, der in die­ser Wei­se schreibt, schreibt lei­se, war­um? — stop
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verwandlung

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echo : 0.52 UTC — Vor weni­gen Tagen führ­te ein Gedan­ken­aus­tausch mit einer Per­son, die mir in der digi­ta­len Sphä­re begeg­ne­te, zu einer selt­sa­men Situa­ti­on. Spä­ter Abend. Ich stand in der Küche und schau­te aus dem Fens­ter und über­leg­te, ob es sein kann, dass ein Mensch, der mei­nen tat­säch­li­chen Namen nicht kennt, weil ich mit ihm unter einem Deck­na­men dis­ku­tier­te, in der Lage sein könn­te, her­aus­zu­fin­den, wer ich tat­säch­lich bin, in wel­cher Stadt ich woh­ne, in wel­cher Stra­ße noch dazu. Er hat­te mich näm­lich als Tier bezeich­net, nach­dem ich ihn gefragt hat­te, ob er denn jemals mit einem Men­schen, der in Afri­ka gebo­ren wor­den war, per­sön­lich gespro­chen habe. Er schrieb: Du Zecke, so kön­nen nur Schma­rot­zer fra­gen. Ich ant­wor­te­te, ich müs­se doch anneh­men, dass er sehr vie­le afri­ka­ni­sche Men­schen ken­ne, weil er doch andau­ernd über sie schrei­ben wür­de, dass man oder gar er per­sön­lich inzwi­schen dar­an gewöhnt sei, dass Afri­ka­ner Babys Köp­fe abschnei­den. Und schon woll­te er mich besu­chen, nicht sofort, in ein paar Tagen, viel­leicht in der kom­men­den Woche, er wür­de mir dann das Licht aus­knip­sen. Des­halb stand ich in der Küche und über­leg­te. Es war kurz nach Mit­ter­nacht. — stop

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prozedur

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kili­man­dscha­ro : 20.02 UTC – Am 1. Mai, stel­le ich mir vor, wird Mr. Heming­way (Name erfun­den) sei­ne Schreib­ma­schi­ne zer­le­gen, um jedes ihrer Ein­zel­tei­le zunächst zu säu­bern, zu betrach­ten und in fei­ne Maschi­nen­öle zu tau­chen. Eine zeit­auf­wen­di­ge Pro­ze­dur, größ­te Sorg­falt wird gebo­ten sein, denn die Schreib­ma­schi­ne ist kost­bar. Schon der Groß­va­ter, ein äußerst gebil­de­ter Mann, soll auf ihr notiert haben, wes­halb sie sozu­sa­gen mit­tels der Zei­chen, die sie auf aller­lei Papie­re drück­te, weit in der Welt her­um­ge­kom­men war. Wie nun prä­zi­se, fra­ge ich, wird Mr. Heming­way sei­ne Schreib­ma­schi­ne in ihre Ein­zel­tei­le zer­le­gen, wie wird er vor­ge­hen? Viel­leicht, indem er zunächst einen Plan ent­wi­ckeln wird, der ein­zel­ne Schrit­te der Zer­le­gung (Demon­ta­ge) der­art ver­zeich­net, dass sie spä­ter ein­mal in rück­wir­ken­der Art und Wei­se nach­voll­zo­gen wer­den könn­ten (Mon­ta­ge). Sehr vie­le Schräub­chen, Tas­ten, Zahn­rä­der wer­den zu berück­sich­ti­gen sein, 328 Tei­le ins­ge­samt. Wür­de nur eines die­ser Schräub­chen, Tas­ten oder Zahn­rä­der, zu Boden fal­len und ver­schwin­den, wäre es um die Schreib­ma­schi­ne gesche­hen, aus und vor­bei. Eine ris­kan­te Geschich­te. — stop

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haus ohne türen

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india : 0.15 UTC – Ich träum­te von einem Haus ohne Fens­ter, ohne Türen. Die Zim­mer des Hau­ses waren von strah­lend hel­lem Licht. Das Licht kam aus dem Boden, den Wän­den, von der Decke. Auf dem Boden kau­er­te ein Mann. Der Mann schien dar­auf zu war­ten, dass es end­lich wie­der dun­kel wer­den wird. Sei­ne Augen waren ent­zün­det. Er stand auf, such­te nach einem Schal­ter, um das Licht zu löschen. Vögel leb­ten in den Zim­mern des Hau­ses, Hun­der­te win­zi­ge Vögel. Sie flo­gen her­um, ohne jemals zu lan­den. Wenn der Mann einen der Vögel fing, war er sofort gebra­ten, er dampf­te in sei­nen Hän­den, das Gefie­der lös­te sich wie von selbst vom Leib und fiel zu Boden. — stop

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